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Im Weinheimer Marktkauf-Center Scheck-In wurden die Kühlregale nachträglich mit Acrylglastüren von Double Cool ausgerüstet. Abteilungsleiterin Jessica Bernhardt ist von den Vorteilen überzeugt. (Foto: Double Cool)
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Einrichtung  |

Glastüren für die Pluskühlung - pro und kontra

Ein zentrales Thema der diesjährigen Messe EuroShop war das Thema Verglasung bei Kühlmöbeln. Während der Verschluss der TK-Ware mit Glastüren oder -deckeln inzwischen Standard ist und weder von den Kunden noch von den Händlern hinterfragt wird, haben die Glastüren bei der Pluskühlung noch keine flächendeckende Anerkennung im Lebensmittelhandel. „Freie Ware für freie Kunden“ kommentierte beispielsweise Jörg Dornseifer bei der Eröffnung des 17. Frischemarktes des Rewe-Unternehmens in Gummersbach die Entscheidung für offene Kühlregale und damit gegen Energieeinsparungen, die zweifelsohne mit Türen erreicht werden.

Nach Angaben der Hersteller betragen diese Einsparungen 30-60 Prozent je nach Isolierleistung des Glases und vor allem je nachdem, wie oft die Türen durch Kunden und durch Mitarbeiter zum Nachfüllen von Ware geöffnet werden. Bei Discountern mit hoher Frequenz und schnell drehender Ware werden diese Werte eher nicht erreicht. Deshalb ist die Zurückhaltung in Sachen Türen hier auch am größten. Im Supermarktbereich sei das Interesse hingegen gestiegen, sagt Dietmar Nilles, Vertriebsleiter DACH beim Glasspezialisten Schott. „Wir erleben aktuell in fast allen europäischen Ländern eine wachsende Nachfrage, und zwar sowohl bei Neuinstallationen von kompletten Kühlmöbeln als auch in Form von Nachrüstungen.“

Volle Transparenz

Auch beim österreichischen Anbieter Hauser waren Glastüren vor der Pluskühlung häufig Gegenstand der Fachgespräche während der EuroShop 2017. Neben der Energieeffizienz spricht aus Sicht der Österreicher auch die größere Temperaturstabilität, die wiederum maßgeblichen Einfluss auf die Produktqualität hat, für den Verschluss der Regale.

Rahmenlose Türen gewähren eine vollständige Sicht auf die Ware. (Foto: Schott)
Rahmenlose Türen gewähren eine vollständige Sicht auf die Ware. (Foto: Schott)

Das größere Interesse des Handels ist aber auch darauf zurückzuführen, dass die Hersteller immer innovativere Lösungen entwickeln, um den Händlern die Bedenken in Bezug auf den erschwerten Kundenzugriff zu nehmen. So präsentierten auf der EuroShop alle relevanten Anbieter volltransparente Türen, die entweder ganz ohne Rahmen oder mit transparenten Profilen auskommen. Hauser bietet zum Beispiel für das Wandkühlregal „Regius“ neuerdings eine komplett rahmenlose Lösung an, und bei AHT ist die steckerfertige Serie „Vento“ ab sofort ebenfalls mit transparenten Glastüren erhältlich. Auch auf den Ständen von Carrier, Epta, Schott, Viessmann und Remis gab es interessante Weiterentwicklungen in Sachen Türen zu entdecken. Sie haben alle dasselbe Ziel: Durch weitgehenden Verzicht auf störende Rahmen und vertikale Achsen sowie die Verwendung transparenter Halterungen sind die Glastüren kaum sichtbar und bieten so eine 100-prozentige Sicht auf die Ware. Dies erleichtert den Kunden die Auswahl und den Mitarbeitern das Erkennen von Bestandslücken.

Das mühelose Öffnen und Schließen der Türen ist aus Sicht der Händler ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Entscheidungsfindung. Schott und die süddeutsche Firmengruppe Pan-Dur präsentierten hier neue Lösungen in Form von Automatiktüren, die sich durch leichten Knopfdruck (Pan-Dur) oder durch einen Sensor berührungslos öffnen lassen (Schott). Beide Lösungen haben den Vorteil, dass auf Griffe, die ebenfalls als störendes Sichthindernis gelten, verzichtet werden kann. Bei der Smart-Access-Lösung von Schott kommt der hygienische Aspekt hinzu, da die Kunden nichts anfassen müssen. Epta hat sich ebenfalls mit dem Hygiene- und Reinigungs-Thema befasst und bietet Türgriffe aus transparentem Polykarbonat an, die aufgrund einer Silberionen-Beschichtung antibakteriell wirken.

Die fortschrittlichen Türlösungen, die aufgrund ihres Öffnungs- und Schließmechanismus gewährleisten, dass sich die Kunden nicht gegenseitig behindern, haben auch das bayerische Edeka-Unternehmen Stadler + Honner dazu bewogen, sich dem Thema Glastüren zu öffnen. Allerdings nur bei einem Teil des gekühlten Sortiments. „Bei den schnelldrehenden Molkereiprodukten sind wir bei der offenen Präsentation geblieben, um die Impulskäufe nicht zu behindern“, begründet Hans Jürgen Honner.

Guido Empen, Prokurist bei Edeka Gebauer’s in Göppingen, hat hier ebenfalls Bedenken: „Die Kunden nehmen sich durchschnittlich 18 Sekunden für die Auswahl in der Mopro-Abteilung. Wenn sie dabei noch drei Türen öffnen müssen, wird die Zeit knapp.“ In den bestehenden 7 Märkten von Gebauer’s ist die Pluskühlung noch unverschlossen. Bei Neubauprojekten aber kann sich Empen vorstellen, die Pluskühlung mit maximal transparenten Türen auszustatten. Von einer Nachrüstung der vorhandenen Kühlmöbel hält er allerdings nicht viel, da die Auswirkungen auf das Raumklima gravierend seien: „Die offene Kühlung entzieht der Raumluft Feuchtigkeit. Wenn wir sie mit Türen verschließen, verbleibt die Feuchtigkeit im Markt, und dies können wir mit der vorhandenen Lüftungstechnik nicht ausgleichen.“

Nachrüsten?

Ulrich Bartoleit, Head of Corporate Communication & Marketing bei AHT, sieht Nachrüstlösungen ebenfalls eher kritisch: „Es ist häufig nicht damit getan, einfach Türen zu montieren, da sich auch im Regal Kältebedarf und Feuchtigkeitswerte ändern. Da diese Art des Betriebs bei Aufstellung der Möbel nicht vorgesehen war, können die Anlagen nicht immer entsprechend angepasst werden.“

In dem zur Edeka-Gruppe gehörenden Marktkauf-Center Scheck-In in Weinheim wurde dieser Schritt trotzdem gewagt. Im letzten Jahr wurden über Nacht alle Kühlregale mit volltransparenten Acrylglas-Türen des niederländischen Anbieters Double Cool ausgestattet. Abteilungsleiterin Jessica Bernhardt war zunächst skeptisch, zog aber ein halbes Jahr nach der Installation ein positives Fazit: „Die Abteilung wirkt viel wertiger, frischer und einladender. Außerdem halten sich die Kunden dort jetzt länger auf, weil es nicht mehr so kalt ist.“ Edeka Südwest hatte sich für Türen aus Acrylglas entschieden, weil diese aufgrund ihres geringen Gewichts ohne Rahmen auskommen und schneller montiert werden konnten. Außerdem gibt es weniger Probleme mit Kondensatbildung, da Acrylglasscheiben nicht oder kaum beschlagen.

Bei Glastüren wird das Beschlagen der Scheiben durch die Verwendung von Isolierglas mit speziellem Glasaufbau und durch eine besondere Beschichtung verhindert bzw. reduziert. Doppelverglasung sorgt zusätzlich dafür, dass weniger Kondensat entsteht, weil die äußere Scheibe durch die isolierende Luftschicht im Zwischenraum nicht so kalt und damit der Temperaturunterschied zur Raumtemperatur nicht so groß ist. Einige Hersteller wie Epta und Schott bieten zusätzlich auch doppelverglaste Türen mit einer Argon-Schutzgasfüllung an, die noch höhere Isolierwerte erreichen.

Fotos (5): Double Cool; Schott ; Pan-Dur; Epta

Weitere Informationen: redaktion@remove-this.ehi.org