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Theodor Schember
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Hoffmann Ladenbau
Der neue K+K-Markt in Rheine ist ein Paradebeispiel für die Kombination von attraktiv-funktionalem, atmosphärischem und natürlichem Licht (Foto: Oktalite)
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Lichtsinfonien dynamisch orchestrieren

Der Countdown läuft – auch für die Lichtbranche: Anfang März werden rd. 200 internationale Licht-Anbieter in den Düsseldorfer Messehallen zeigen, welche Rolle die digitale Lichttechnik für die Shopbeleuchtung spielt. In der Handelswelt hat sich LED als Standard in der Lichttechnologie bei allen aktuellen Neubauten und den meisten Sanierungsmaßnahmen durchgesetzt. National und international bieten innovative Retailkonzepte durch LED-Lichtdramaturgie neue Dimensionen der Wahrnehmung und sollen Menschen damit Anreize liefern, real vor Ort einzukaufen. Es wird also auch im Bereich Lichttechnik wieder einmal spannend für Store-Betreiber, Store-Architekten sowie Lichtplaner und -designer, die aktuelle Trends in der Shopinszenierung aktiv mitgestalten wollen.

Silpo-Markt im ukrainischen Kiew: Dekorative „Fisch-Lampen“ schaffen Atmosphäre (Bäro)
Silpo-Markt im ukrainischen Kiew: Dekorative „Fisch-Lampen“ schaffen Atmosphäre (Bäro)

Das klassische Ziel einer emotionalen und somit verkaufsaktiven Wareninszenierung mit Licht bleibt nach wie vor bestehen. Aber daneben ist der Kunde selbst in den Fokus der Planung und Gestaltung von Lichtkonzepten gerückt, denen ein wahrnehmungsorientierter Ansatz zugrunde liegt. Es gilt, neue Forschungserkenntnisse bezüglich der biologischen und emotionalen Lichtwirkung auf Menschen (Human Centric Lighting/HCL) zu berücksichtigen.

Daraus erwachsen neue Aufgaben für die Lichtexperten, nämlich die Lichtverhältnisse auf der Verkaufsfläche an den Verlauf des natürlichen Tageslichts, aber auch an saisonal unterschiedliche Lichtstimmungen so anzupassen, dass sich Kunden in dieser „natürlichen“ Lichtatmosphäre wohlfühlen, entspannen und gerne verweilen. Der Kölner Leuchtenhersteller Oktalite will dem Fachpublikum auf der Euro- Shop Ergebnisse vorstellen, die aus einer aktuellen HCL-Fallstudie im deutschen Lebensmittelhandel stammen und zeigen, welche Mehrwerte sich mit diesen neuartigen Lichtkonzepten im Einzelhandel erzielen lassen.

Am Messestand des österreichischen Lichtspezialisten Zumtobel wird das neue Lichtkonzept „Active Light“ einen Schwerpunkt bilden. Auch dieser Innovation liegen Forschungsergebnisse aus HCL und Limbic Lighting zugrunde. „Active Light“ soll auf den Verkaufsflächen dazu

Integriert mit Tageslicht

Natürlicher Tageslichteinfall in Verkaufsräumen – von Menschen als wohltuend empfunden – sowie die Integration von Tageslicht und Kunstlicht in die Shopbeleuchtung werden heute als Nonplusultra der Lichtinszenierung gefeiert.

Foto: Prolicht/Mathias Baumann
Foto: Prolicht/Mathias Baumann

Doch sind es häufig bautechnische Gründe, die die Nutzung von Tageslicht im Retailbereich verhindern – so wie etwa im Hamburger Alsterhaus, dessen Verkaufsflächen derzeit in mehreren Bauphasen vollkommen neu gestaltet werden. Die mehrgeschossige Gebäudehülle bot keine Möglichkeit zum Einlass von natürlichem Tageslicht. Und doch gelang es in der ersten Bauphase dank eines differenzierten Lichtkonzepts des Büros Licht Kunst Licht, eine subtile Balance von natürlichem Licht und Kunstlicht zu schaffen: Der Kunde betritt das exklusive Ambiente aus historischer Bausubstanz und modern gestalteter Innenarchitektur von der Wasserpromenade aus und gelangt dabei ins neue Herzstück, die „Accessories Hall“. Das mit neutralweißem Licht beleuchtete Entree schafft einen nahtlosen Übergang von Tageslicht zu Kunstlicht. Dank eines flexiblen, elektronisch geregelten Lichtsteuerungssystems, per Tablet zu bedienen, ist es zudem möglich, vor Ort per Fingertipp programmierte Lichtszenarien abzurufen, um das Licht an unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten, zum Beispiel Events, anzupassen.

Escada-Store auf der Düsseldorfer Königsallee: Die Lichtwirkung entsteht durch den Einsatz von dynamisch steuerbarem Weißlicht in Lichtdecken und Wandhinterleuchtungen, das sich dem Tageslicht anpasst (Foto: Escada/Berthold Litjes)
Escada-Store auf der Düsseldorfer Königsallee: Die Lichtwirkung entsteht durch den Einsatz von dynamisch steuerbarem Weißlicht in Lichtdecken und Wandhinterleuchtungen, das sich dem Tageslicht anpasst (Foto: Escada/Berthold Litjes)

Auch im neuen Storedesign der Luxus- Modemarke Escada auf der Düsseldorfer Königsallee unterstützt ein dynamisch steuerbares Weißlicht aus Lichtdecken und Lichtfugen perfekt den Eindruck einer tageszeitabhängig wechselnden, natürlichen Beleuchtung und erweitert zugleich scheinbar den Raum nach außen. Das Lichtdesign der Henn-Planungswerkstatt in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Beleuchtungsproduzenten Prolicht zeichnet sich insgesamt durch eine nahezu unsichtbare Lichttechnik aus.

Derartige Lichtszenarien sind in ihrer Planung und Umsetzung anspruchsvoll und komplex. Im Retailbereich ist dies heute absolut im Trend. „Wir sprechen von technischem Licht, das den Auftrag hat, die Produktwelt bestmöglich zu beleuchten, aber auch von atmosphärischem Licht, das die Raumstimmung maßgeblich beeinflusst, und von Leuchten, die zugleich als Designobjekt eine eigenständige Rolle auf dieser Bühne spielen“, beschreibt das Berliner Stilbüro bora.herke.palmisano die Entwicklung. Digitale Steuerungssysteme sind dabei unverzichtbar, um das Potenzial der LED voll auszuschöpfen. Sie sind in der Lage, die Vielzahl verschiedener künstlicher und natürlicher Lichtquellen zu einem harmonischen Lichtkonzept zu orchestrieren und variabel an gewünschte Lichtstimmungen, neue Kollektionen, veränderte Präsentationen, unterschiedliche Nutzungskonzepte und anderes mehr anzupassen – und damit der Dynamik auf der Verkaufsfläche auch lichttechnisch zu folgen. Ob es darum geht, saisonale Highlights im Modebereich auf Catwalks darzustellen, die Aufmerksamkeit der Kunden gezielt auf ausgewählte Sortimente und Angebote zu lenken oder anlassbezogen die Lichtatmosphäre zu verändern – dynamisches Licht trägt zu einer angenehmen, spannenden und lebendigen Lichtinszenierung bei, die Kunden emotional anspricht und sich aktivierend auf die Menschen auswirkt. Zugleich ist die dynamische Shopbeleuchtung für die Handelsunternehmen selbst ein wichtiges Design-Element, das die eigene emotionale Markeninszenierung entscheidend mitgestalten kann.

Trendthema Raumarchitektur

In den letzten Jahren wird zudem architektonisches Licht als Stilmittel im Shopbereich verstärkt eingesetzt. Es akzentuiert eine interessante Raumarchitektur beispielsweise mit historischen Gewölben oder alten Ziegelmauern, betont Sichtachsen oder lenkt mit linearen Lichtsystemen die Aufmerksamkeit auf raumdefinierende Elemente wie Voutendecken. Das Architekturerlebnis ist zu einem ganz wichtigen Marketinginstrument geworden, mit dem sich der Handel heute verstärkt profiliert. Die häufig vertikale Beleuchtung von Regalen, Wandflächen und Schaufenstern unterstützt das Raumerlebnis. Ob als Wallwasher für eine Ausleuchtung der vertikalen Flächen bis zum Boden oder als engstrahlende Spots zur Betonung von Highlights – Licht-Anbieter werden auch dazu in Düsseldorf neue Produkte und Lösungen vorstellen.

Silpo-Markt im ukrainischen Kiew: Warenspezifische Beleuchtung
hebt das Rot und Grün besonders knackig hervor (Foto: Bäro)
Silpo-Markt im ukrainischen Kiew: Warenspezifische Beleuchtung
hebt das Rot und Grün besonders knackig hervor (Foto: Bäro)

Seit der letzten EuroShop 2014 hat die Lichtbranche ihr Augenmerk verstärkt darauf gerichtet, die Qualität der LED-Beleuchtung weiter zu verbessern und noch vorhandene Schwachstellen vor allem hinsichtlich der Farbwiedergabe zu optimieren. Das Interesse galt vor allem der Ausschöpfung des gesamten Farbspektrums Ausschöpfung des gesamten Farbspektrums und seiner Optimierung auf bestimmte Eigenfarben der Produkte, etwa im Fashionbereich oder bei frischen Lebensmitteln sowie der gezielten Lichtlenkung über maßgefertigte Leuchtenserien. Die Lichtindustrie reist also nun mit der neuesten Generation hochwertiger LED-Module und Leuchtensysteme in Düsseldorf an. So können beispielsweise Besucher am Bäro-Messestand beim „Walk of Light“ unmittelbar die Wirkung einer spektral auf die Produkte abgestimmten Beleuchtung erleben. Die neuen Möglichkeiten sollen die Händlern unterstützen, ihre individuellen Ideen und Ziele auf den Verkaufsflächen noch besser umzusetzen. Und dies auch in energetischer Hinsicht, denn nach wie vor bleibt die Energieeffizienz ein treibender Faktor für Investitionen in eine neue Beleuchtungsanlage.

Mit der weiter zunehmenden Digitalisierung steigt auch die Komplexität der Retailbeleuchtung. Parallel dazu wächst im Handel der Bedarf an Dienst- und Beratungsleistungen. Auch auf der diesjährigen EuroShop gibt es wieder die Lighting Designers’ Zone in Halle 11. Die Lichtplaner und Lichtdesigner beraten das interessierte Fachpublikum über die aktuellen Entwicklungen und Möglichkeiten individuellen Lichtdesigns.

Fotos (5): Bäro (2), Oktalite, Prolicht/Mathias Baumann, Escada/Berthold Litjes

Weitere Informationen: redaktion@remove-this.ehi.org

Modernisierung - LED-Umrüstung schreitet voran

Die Umstellung auf LED-Beleuchtung steht laut EHI-Laden-Monitor 2017 bei mehr als jedem zweiten befragten Unternehmen als Investitionsschwerpunkt Nummer eins auf der Agenda. (Basis: 50 Interviews mit führenden Handelsunternehmen aus D-A-CH.) Haupttriebfeder für die Umrüstung bleibt die erwartete Energieeinsparung (66 % Zustimmung), gefolgt vom sich erübrigenden Lampentausch (54 %). Lichtqualität (28 %) und vor allem Steuerung/ Dimmbarkeit (10 %) spielen aktuell noch eine untergeordnete Rolle. Im Schnitt liegt der branchenweite Umrüstungsstand – also der Anteil der Filialen am gesamten Portfolio eines Handelsunternehmens, die bereits mit LED ausgestattet sind – im Food-Handel derzeit bei 24 Prozent und im Nonfood-Handel bei rund 18 Prozent.

Weitere Informationen:www.ehi-shop.de