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Theodor Schember
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Hoffmann Ladenbau
Mit Kettenvorhängen von Kriskadekor lässt sich jedes beliebige Fotomotiv gestalterisch umsetzen. (Foto: Kriskadecor)
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Einrichtung  |

Wände, aber keine Mauern

Es gab Zeiten, da galten weithin überschaubare Flächen als das Nonplusultra der Ladengestaltung. Doch wenn auf einen Blick alles sichtbar ist, wird auch alles sofort preisgegeben. Heute geht es im Handel meist weniger um die reine Deckung von Bedarf, die Übersicht erforderte. Im stationären Handel steht vielmehr das Wecken von Begehrlichkeit im Vordergrund. Die Aufforderung an den Kunden, zu stöbern und Neues zu entdecken, ist Teil der Entwicklung, die zur Schaffung kleinerer Raumeinheiten führt. Trennwand-Elemente sind eng mit diesem Trend verbunden.

Mittels Raumteilern kann der Handel Flächen gliedern und „Wahrnehmungs-Pakete“ schnüren. „Abteilungen oder Warengruppen lassen sich sauber abgrenzen, Themen zuspitzen, Marken herausstellen und Verweilbereiche schaffen“, bringt Stefan Rauchfuß, geschäftsführender Gesellschafter des Kölner Planungsbüros 3F Design Architecture, die Vorzüge räumlicher Segmentierung auf den Punkt. Und fügt als weiteres Argument hinzu: „Bei dieser Präsentationsform steht automatisch mehr Wandfläche zur Verfügung. Und Rückwände gehören schließlich zu den stärksten Verkaufselementen im Handel.“ Aus Rauchfuß‘ Sicht haben also Trennwände einen Nutzen über die reine Gliederungs-Funktion hinaus. Sie können Ware aufnehmen, informieren und inspirieren.

Harmonie und Eigenständigkeit

3F Design Architecture arbeitet unter dem Markennamen Goldstein Studios mit dem Aachener Unternehmen Scenario Retail Entertainment zusammen, das auf Visual Merchandising spezialisiert ist. „Wir legen unseren Fokus auf ganzheitliche Entwürfe. Auch Raumteiler sollten, selbst wenn sie einen Aha-Effekt mitbringen, dem roten Faden der Gestaltung folgen und sich in die individuelle Design-Handschrift des jeweiligen Handelsunternehmens einfügen“, so Rauchfuß. Bezüglich der Materialien seien dabei keine Grenzen gesetzt.

Die Flexibilität der Elemente ist zunehmend wichtig.
Stefan Rauchfuß
geschäftsführender Gesellschafter 3F Design Architecture

Eines gilt es bei Raumteilern zu beachten: Es werden damit keine Mauern errichtet. „Ihre Flexibilität erachten wir als zunehmend wichtig. Zum einen, um mit entsprechend angepasster Zonierung stets auf das aktuelle Warenangebot sowie Markttrends reagieren zu können. Zum anderen, um immer wieder mit einem veränderten Erscheinungsbild Neugierde zu wecken. Trockenbauwände jedenfalls würden wir nicht einziehen“, sagt Rauchfuß. Das Team der Goldstein Studios setzt wegen der Veränderbarkeit gerne rollbare Elemente ein, die nach eigenen Plänen von Ladenbauunternehmen gefertigt werden.

Flexibles Holz: Dank spezieller Fräsungen lassen sich „Dukta“-Platten biegen. (Foto: Franz Kolar GmbH)
Flexibles Holz: Dank spezieller Fräsungen lassen sich „Dukta“-Platten biegen. (Foto: Franz Kolar GmbH)

Wie vielfältig das Spektrum der Raumteiler inzwischen ist, verdeutlichte die Messe EuroShop. Dort waren u.a. die modularen Wabenstruktur-Elemente „Softwall“ und „Softblock“ des kanadischen Anbieters Molo zu sehen. Wie eine Ziehharmonika lassen sich die Paravents in gerader oder geschwungener Form auf die gewünschte Länge auseinanderziehen bzw. wieder komprimieren, und das sekundenschnell. Die Elemente werden aus Kraftpapier, einer Mischung aus neuen und recycelten Fasern, oder alternativ aus dem Textilverbundstoff Tyvek hergestellt. Letzterer weist ebenfalls eine papierähnliche Optik auf, ist aber noch robuster. Die Leichtgewichte sind in verschiedenen Höhen und Farben erhältlich. Jedes Element kann auf eine Länge von 4,50 Metern ausgedehnt sowie mit weiteren Elementen mit Magneten in unbegrenzter Länge zusammengefügt oder aufgestockt werden. Die Textil-Variantein Weiß lässt sich zudem mit LED-Bändern ausstatten.

Leicht und variabel

Mit Holz, das sich flexibel biegen lässt, erzielte das österreichische Unternehmen Franz Kolar viel Aufmerksamkeit auf der Messe in Düsseldorf. Geheimnis der Flexibilität ist ein patentiertes Einschneideverfahren, das die „Dukta“-Platten zugleich optisch zum Hingucker macht. Vier Fräsbilder stehen zur Wahl. Passende Montageleisten verwandeln die Platten in frei stehende Raumteiler, die schallabsorbierende Eigenschaften mitbringen. Dank ihrer stark vergrößerten Oberfläche wirken sie sich außerdem laut Hersteller regulativ auf das Raumklima aus. Basismaterial sind unbehandelte Fichte-Dreischicht-, Multiplex- oder MDF-Platten, wobei letztgenannte in einem breiten Farbspektrum angeboten werden – bis hin zu einer RAL-Lackierung nach Wunsch. Ebenso lassen sich die Platten über einige Standard-Digital-Prints hinaus individuell bedrucken und zudem stimmungsvoll hinterleuchten.

Die „Mila-Wall“ als vertikale Produkt-Werbefläche in einem Möbelhaus.  (Foto: MBA)
Die „Mila-Wall“ als vertikale Produkt-Werbefläche in einem Möbelhaus. (Foto: MBA)

Die „Mila-Wall“-Module des Unternehmens MBA aus Reutlingen sind auf Langlebigkeit und Flexibilität ausgerichtet. Selbstklebende Oberflächenfolien in 180 Designs lassen sich wieder ablösen und austauschen, mit lösemittelfreier Farbe überstreichen oder mit individuell bedruckten Textilien bespannen. Das Innenleben der Wand-Module, die sich mit Nut und Feder verbinden lassen, bilden Waben aus recycelter Graupappe und nachwachsende Holzwerkstoffe. Mit mehr Luft als „Füllung“ ist die Mila-Wall daher leichter, als sie wirkt. Der umlaufende Multifunktionsrahmen aus recylingfähigem Aluminium stabilisiert die Wände und schützt vor Beschädigungen im Kantenbereich. Das Variantenspektrum ist vielfältig. Zur Wahl stehen Standardformate und Sondergrößen,die Wände können doppelseitig, in verschiedenen Winkelstellungen oder auch als „Curved“-Variante aufgebaut werden. In die „Soundwall” lassen sich interaktive Medien oder Klang integrieren, ohne dass Technik oder Lautsprecher sichtbar sind. Ebenso gibt es akustisch wirksame Wände, mit denen sich zum Beispiel Lounge-Bereiche abschirmen lassen. Und auch Module mit integrierter LED-Technik samt (Farb-)Lichtsteuerung werden angeboten.

Renaissance der Glasbausteine

Lange Zeit „weg vom Fenster“, erleben die in den 70er-Jahren angesagten Glasbausteine gerade eine Renaissance. Die Retro-Raumteilerpunkten nicht nur in Wohnhäusern mit ihrer Lichtdurchlässigkeit, sondern auch auf Einzelhandelsflächen. Fuchs Design hat 100 verschiedene Farben und Dekore im Programm. Bei den Formaten werden, so das Unternehmen, verstärkt größere Varianten, zum Beispiel 30x30x10 cm nachgefragt. Mittels integrierter LED-Beleuchtung, per Fernbedienung oder Smartphone steuerbar, lassen sich die Wände zusätzlich „beleben“. Ecksteine ermöglichen das Verbauen über Eck. Dank einem „Quick-Fix“-Klebe-Verlegesystem als Alternative zu Mörtel kann dies schnell und nahezu fugenlos geschehen. Abschlussschienen sorgen für ein edles Finish. Zum Fuchs Design-Spektrum zählen außerdem Vollglasziegel aus massivem Glas, die sich mit einzelnen „Nature Touch“-Elementen aus Holz oder Naturstein auflockern lassen sowie handgefertigte Keramiksteine mit verschieden geformten Öffnungen. Durch die „Gucklöcher“ können die Kunden bereits einen Blick auf das werfen, was der nächste „Raum“ zu bieten hat.

Semitransparent sind auch die Kettenvorhänge des spanischen Produzenten Kriskadecor. Die maschenförmigen Kettenglieder aus Aluminium werden in verschiedenen Formen und zahlreichen Farben sowie in matt und glänzend angeboten. Sogar Fotos lassen sich auf den Vorhängen umsetzen, indem die farbigen Glieder entsprechend der Vorlage zusammengefügt werden. Die Vorhänge können von der Decke hängen und über Schienenelemente verschoben werden. Unter dem Namen „Barcelona Screen Divider“ werden sie zudem in variabel gestaltbare, freistehende Rahmenelemente eingefügt.

Semitransparenz

Vorhang auf heißt es auch für Varianten aus Stoff, mit denen zahlreiche Aussteller ihre Messestände auf der EuroShop auf softe Weise abgrenzten oder gliederten und damit einen Trend andeuteten. JAB Anstoetz präsentierte sich als Experte für die textile Objektgestaltung. Von halbtransparenten „Inbetween“-Stoffen bis hin zu schwerem Samt, der gleichermaßen eine akustische wie wohnliche Wirkung entfaltet, reicht die Angebotspalette des Bielefelder Unternehmens.

Wer nach Möglichkeiten besonders spektakulärer Raumteilung samt Sinneserlebnis sucht, wird möglicherweise bei den Wasserwänden von as systems aus Markt Einersheim fündig. Die einzelnen Düsen der „Graphic Waterwall“ können PC-gesteuert so geöffnet werden, dass die Wassertropfen Bilder, Logos oder Schriften formen. Ansonten lassen sich entsprechende Bild- und Text-Elemente mithilfe eines Projektors auf die Wasserwand projizieren. Darüber hinaus können weitere Medien wie Musik, Licht, Nebel oder Duftelemente eingebunden und die „Wände“ auch mehrreihig, gebogen oder kreisrund inszeniert werden. Klimaregulation ist ein weiterer Vorteil, den diese Raumteiler mit sich bringen.

Fotos (7): Kriskadecor; Molo; www.jab.de ;Fuchsdesign; as systems; Franz Kolar GmbH; MBA

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