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Mit dem Flagshipstore an der Tauentzienstraße in Berlin betrat Uniqlo 2014 den deutschen Markt. (Foto: Uniqlo)
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Neueröffnung  |

Handelskonzepte vermieten: Impulse aus Asien

Als die Tinte auf den Mietverträgen trocken war, folgte die Mitteilung an die Presse: „Das japanische Unternehmen Uniqlo eröffnet zwei neue Stores im Rheinland.“ Der Retailer hatte sich Verkaufsflächen in Köln und Düsseldorf gesichert und diese im September bzw. Oktober eröffnet. Diese Nachrichten aus dem Monat Mai waren der vorläufige Höhepunkt eines rasanten Expansionskurses. Und Uniqlo, das bedeutendste Tochterunternehmen der Fast Retailing-Gruppe, ist nur einer der asiatischen Player, die am deutschen und europäischen Markt für Bewegung sorgen.

Man hört: „Die Asiaten kommen“. Das ist nicht ganz richtig, denn: Die Asiaten sind da. „Wir werden weiter in Europas großen Städten expandieren“, kündigte Tadashi Yanai, CEO der Uniqlo-Mutter Fast Retailing Group, zuletzt wiederholt an. Und was Yanai (69) sagt, hat Gewicht.

Zeitweise wuchsen Yanais Geschäfte schneller als die von Google, er expandierte in weiten Teilen der Welt, in New York, Paris, London, Shanghai, er eroberte Märkte und Kunden – und Tadashi Yanai wurde zu einem der reichsten Menschen in Japan. Fragt man ihn, welches Ziel er anstrebt, sagt er: „Ich will Fast Retailing als weltweit führenden Bekleidungshändler etablieren“. Das ist auch eine Kampfansage an die Großen der Branche.

Die Neueröffnungen in Nordrhein-Westfalen sind ein weiterer Schritt dahin. In Köln hat sich Uniqlo insgesamt 2.214 qm Verkaufsfläche auf 5 Etagen in einem Neubau an der Hohe Straße gesichert. In Düsseldorf sind es 852 qm Verkaufsfläche auf 3 Etagen an der Schadowstraße. Eingetreten in den deutschen Markt war die japanische Modekette im Foto: Uniqlo Frühjahr 2014. Damals eröffnete sie ihren Flagshipstore an der Tauentzienstraße in Berlin. Es folgten 3 weitere Stores in der Hauptstadt und einer in Stuttgart.

Starke Expansion

Einen ebenfalls rasanten globalen Expansionskurs fährt der asiatische Einzelhändler Miniso. 2013 wurde das Unternehmen von dem japanischen Designer Miyake Junya und dem chinesischen Unternehmer Ye Guofu gegründet. Der vor allem auf den Verkauf von Haushaltsartikeln und Konsumgütern spezialisierte Retailer hat allein in den ersten 4 Jahren seines Bestehens nach eigenen Angaben weltweit gut 2.600 Stores eröffnet.

Seine Deutschland-Premiere hatte Miniso im November 2017 in der Mall of Berlin. Das durch H.G. Huth inhabergeführte Unternehmen HGHI Holding tritt als Investor und Projektentwickler bei diesem und zahlreichen anderen Berliner Bauprojekten auf – die Mall of Berlin ist eines der größten und bekanntesten davon.

Tadashi Yanai, CEO der Uniqlo-Mutter Fast Retailing Group, will der weltweit führende Bekleidungshändler werden. (Foto: Fast Retailing Group)
Tadashi Yanai, CEO der Uniqlo-Mutter Fast Retailing Group, will der weltweit führende Bekleidungshändler werden. (Foto: Fast Retailing Group)

In der Mall of Berlin hat Miniso einen 250 qm großen Laden angemietet – und gleich weiteres Wachstum angekündigt. Die zweite Filiale von Miniso in Deutschland folgte im Dezember 2017, als die Kette einen Store mit 200 qm Verkaufsfläche im Berliner Alexa eröffnete. Anfang 2018 folgte dann der Schritt aus dem Center auf die High-Street. Die Comfort-Gruppe vermittelte dem asiatischen Unternehmen ein Ladenlokal an der Berliner Schloßstraße mit 195 qm Verkaufsfläche. Das europäische Expansions-Ziel von Miniso liegt bei 500 Stores, rund ein Viertel davon sei für den deutschen Markt geplant, heißt es.

Im Vergleich zu den Expansionsplänen von Uniqlo und Miniso lässt es die 1980 gegründete japanische Lifestyle-Kette Muji am deutschen Markt fast schon ruhig angehen. Weltweit ist Muji, eine Marke der Ryohin Keikaku Company, nach eigenen Angaben an mehr als 900 Standorten aktiv – davon 7 in Deutschland. Das erste deutsche Muji-Ladenlokal eröffnete 2005 in der Düsseldorfer Kö-Galerie. Es folgten München (2006), Berlin (2008 und 2014), Köln (2009), Hamburg (2010), Frankfurt am Main (2012) und Hannover (2012 bis 2016).

Vorsichtige Expansion

Das Unternehmen setzt nach eigener Aussage auf ein langsames, aber nachhaltiges Wachstum. „Im Ausland bewegen wir uns weiterhin vorsichtig. Wir halten an unserer Politik fest, Geschäfte nur dann hinzuzufügen, wenn die bestehenden in dem Land oder der Region profitabel laufen“, erklärt Masaaki Kanai, der Vorsitzende von Ryohin Keikaku.

Neben Japan hat auch China die westeuropäischen Märkte im Blick. Das entspricht der Maßgabe der Regierung in Peking: Chinesische Firmen, ob privat oder staatlich, sollen nicht nur in der Heimat Geschäfte machen, sondern vor allem im Ausland expandieren.

Aus China nach Deutschland – diesen Weg ist auch Alibaba gegangen, einer der größten Internetkonzerne der Welt. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich im ostchinesischen Hangzhou, die Deutschland-Zentrale an der Nymphenburger Straße in München. Von dort aus arbeitet der Weltkonzern daran, in Europa seine neue Bezahl-App „Alipay“ zu etablieren. Am Münchner Flughafen kann damit bargeldlos bezahlt werden, auch in rund 2.000 Rossmann-Filialen und in ausgesuchten WMF-Geschäften wird der Dienst bereits akzeptiert.

Noch richtet sich Alipay vornehmlich an asiatische Touristen, die hierzulande auf Shopping-Tour gehen – für die Nutzung ist nämlich ein chinesisches Bankkonto erforderlich. Es ist jedoch zu erwarten, dass Alipay daran arbeitet, sein System auch für Nicht-Chinesen zu öffnen, und es wird damit gerechnet, dass dies dazu beiträgt, das bargeldlose Bezahlen insgesamt voranzubringen.

Fotos: Uniqlo, Fast Retailing Group

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