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Theodor Schember
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Die Außengeräte befinden sich auf dem Dach. (Foto: Mitsubishi Electric)
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Chancen effizient genutzt

Aufgrund der früheren Eigenständigkeit kommt dem Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt mit knapp 13.000 Einwohnern eine besondere Bedeutung zu. Am dortigen Markt wurde in den 1970er-Jahren das Karstadt- Warenhaus errichtet. Vor einigen Jahren stand das Kaufhaus dann vor dem Aus. Karstadt hatte beschlossen, den Standort aufzugeben. Die Stadt Mönchengladbach wollte eine leerstehende Immobilie dieser Größenordnung an einer solchen zentralen Stelle unbedingt vermeiden. In Absprache mit Stadt und Politik hat die städtische Wirtschaftsförderung dem Karstadt-Konzern ein neues Konzept präsentiert.

Die Innengeräte in der ehemaligen Karstadt-Lüftungszentrale (Foto: Mitsubishi Electric)
Die Innengeräte in der ehemaligen Karstadt-Lüftungszentrale (Foto: Mitsubishi Electric)

„Wir haben Karstadt vorgeschlagen, die Immobilie zu kaufen und an Karstadt zu vermieten – mit der Neuerung, dass die Verkaufsfläche von drei auf zwei Ebenen verkleinert wird“, sagt Rolf Theißen von der Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach (EWMG). Theißen: „Unser Ansatz war, im Basement frequenzbringende Discounter aus dem Einzelhandel anzusiedeln, von deren Kundschaft auch das Warenhaus profitiert.“ Im November 2015 wurde der neue Mietvertrag abgeschlossen, in dessen Folge das Warenhaus seine Verkaufsfläche von 16.000 auf 11.000 qm verkleinerte. 2016 wurde das Untergeschoss so umgebaut, dass 4 weitere Ladenlokale entstanden. Die größte Mietfläche belegt Aldi Süd (2.000 qm). Weitere Mieter sind Rossmann (900 qm), der Discounter Action Deutschland (1.000 qm) sowie My Shoes (380 qm).

20 Wärmepumpen

Bei der Planung der neuen Bereiche wurde Wert auf eine moderne und effiziente technische Gebäudeausstattung gelegt. Im Bereich Heizen und Kühlen fiel die Wahl auf das „Ecodan“ Luft-Wasser-Wärmepumpensystem von Mitsubishi Electric. 20 Wärmepumpen in 4 Kaskaden mit je 6 bzw. 4 Geräten versorgen die neuen Mietflächen mit Wärme und Kälte. „Durch die relativ konstanten klimatischen Bedingungen im Basement erreichen wir mit den Wärmepumpen sehr gute Laufzeiten, sodass sich für die Betreiber der Anlagen niedrige Betriebskosten ergeben“, erklärt Bernd Haaß von Haaß Haustechnik, der die Anlagen zusammen mit der Schalm GmbH realisierte. Die Planung hat das Ingenieurbüro Hans-Peter Bayer aus Kaarst übernommen.

Zwei separate Eingänge ermöglichen den auch zeitlich unabhängigen Zugang zum Karstadt-Warenhaus einerseits und zu den 4 Geschäften im Basement andererseits. (Foto: Mitsubishi Electric)
Zwei separate Eingänge ermöglichen den auch zeitlich unabhängigen Zugang zum Karstadt-Warenhaus einerseits und zu den 4 Geschäften im Basement andererseits. (Foto: Mitsubishi Electric)

Das „Ecodan“-System ist mit 14 Wärmepumpen für das Heizenund Kühlen ausgestattet. Laut Hersteller gewährleistet es auch bei tiefen Außentemperaturen von bis zu -15 Grad noch 100 Prozent Heizleistung. Die einwandfreie Funktion garantiert der Hersteller sogar bis -28 Grad. So können die Anlagen monovalent betrieben werden, auch auf den Einsatz eines elektrischen Heizstabs kann verzichtet werden. Die Leistung jedes der 20 Außengeräte kann durch Vollinverter-Technologie stufenlos an den jeweiligen Bedarf angepasst wird. Dadurch arbeitet das System effizienter als Anlagen, die nur im On-Off-Modus arbeiten.

Für jeden Mietbereich wurde eine eigene Kaskade eingerichtet. Die Aldi-Filiale wird von 4 Wärmepumpen mit einer Einzelleistung von je 14 kW versorgt. Alle Geräte arbeiten reversibel, d.h. sie können sowohl heizen als auch kühlen. Eine identische Anlage wurde für My Shoes eingerichtet. Action wird von einer 6er-Kaskade versorgt. Die gleiche Geräteanzahl wird für Rossmann eingesetzt, allerdings wurden wegen des Dauerkühlbetriebs Power-Inverter-Wärmepumpen mit einer kleineren Leistung von 72 kW gewählt. „Bei Rossmann besteht eine besondere Situation, die zu einem ganzjährigen Kühlbedarf führt“, sagt Thomas Thyssen, Vertriebsingenieur Heiztechnik NRW bei Mitsubishi Electric. „Die anderen Mieter entscheiden eigenständig, wann sie zwischen Heizund Kühlbetrieb wechseln.“

Individuell steuerbar

Die Bedienung erfolgt über Tableaus und Touch-Panels in den einzelnen Mietflächen bzw. Räumen. „Jeder Mieter kann seine benötigten bzw. gewünschten Temperaturen wählen“, so Haaß. Neben einer Heizungs- gibt es für jedes Ladenlokal auch eine eigene Lüftungsanlage, da die Luftwechselraten in den einzelnen Bereichen unterschiedlich sind. Die Planung mit mehreren Anlagen vereinfacht auch die Abrechnung, da jeder Mieter eine eigene Einzelkostenabrechnung erhält. „Mit der gewählten Technologie haben wir als Vermieter die Voraussetzungen geschaffen, die neuen Verkaufsflächen effizient heizen bzw. kühlen zu können, sodass dauerhaft niedrige Betriebskosten möglich sind“, meint Rolf Theißen von der EWMG.

Während der gesamten Umbauphase lief der Betrieb der Karstadt- Filiale weiter. Die Phase des Karstadt-Umbaus haben die Handwerksbetriebe genutzt, um in den vertikalen Versorgungssträngen Rohrverbindungen vom Dach ins Untergeschoss zu verlegen. Die Außengeräte wurden auf dem Dach des 3. Obergeschosses auf einer Stahlkonstruktion platziert. Kältemittelleitungen verbinden sie mit den Innenmodulen. Kostspielige Umbaumaßnahmen waren dafür nicht nötig, denn das System erlaubt Leitungslängen bis zu 80 m. So konnte der Aufstellort der Außengeräte auf dem Dach flexibel gewählt werden. Die Inneneinheiten wurden in der ehemaligen Lüftungszentrale von Karstadt montiert, die nicht mehr benötigt wurde. Komplettiert wird die Anlage durch Pufferspeicher. Die Wärmeverteilung innerhalb des Gebäudes erfolgt über das Trägermedium Wasser, eingesetzt werden u.a. 4-Wege-Deckenkassetten und Umluftgeräte.

Vorbildcharakter

Ein wichtiger Aspekt waren die unterschiedlichen Öffnungszeiten des Warenhauses und der Läden im Basement. „Wir mussten Einheiten schaffen, die zusammen mit Karstadt funktionieren, aber auch autark erschlossen sind“, sagt Theißen. So wurden die Räume eines ehemaligen Reisebüros im Erdgeschoss genutzt, um einen zweiten Eingang vom Marktplatz zu schaffen. Dadurch können Kunden auch außerhalb der Kaufhaus-Betriebszeiten ins Basement gelangen. Um den Bereich außerhalb der Karstadt-Öffnungszeiten abzusichern, wurde eine mobile Glasfaltwand installiert. Diese wird zu den Öffnungszeiten des Warenhauses geöffnet bzw. geschlossen. „Unser Konzept hat auch Vorbildcharakter, mir wurde gesagt, dass Karstadt die Kombination mit Einzelhändlern im Haus jetzt auch selbst an anderen Standorten realisieren will“, freut sich Theißen.

Fotos (3): Mitsubishi Electric

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