Der SB-Checkout wird mobil | stores+shops

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Mobile Scanning mit Handheld bei Real.
Foto: Real

Der SB-Checkout wird mobil

Auch deutsche Händler entdecken ihr Interesse an mobilen SB-Lösungen. Der Kundenservice am Checkout wird damit um eine Variante reicher, außerdem werden Erfahrungen gesammelt für die Zeit, in der das Kunden-Smartphone eine noch größere Rolle beim Einkaufsprozess spielen wird.

Key Facts

  • Im deutschen Handel sind (Stand Herbst 2019) in 903 Märkten rd. 4.760 stationäre SB-Terminals installiert.
  • Auch Mobile Scanning legt zu, nach 41 Märkten in 2017 wird diese Technik inzwischen in 96 Märkten angeboten.
  • Globus hat Mobile Scanning breit eingeführt, Händler wie Ikea und Real testen in Pilotprojekten.
  • Drei Viertel der Verbraucher kennen stationäre SB-Kassen, lediglich ein Viertel kennen mobile Systeme.
  • Laut EHI-Befragung wären künftig 58 Prozent der Verbraucher bereit, Mobile Scanning-Systeme zu nutzen.

Investitionen müssen sich durch Kosteneinsparungen möglichst schnell refinanzieren – dieser streng betriebswirtschaftliche Ansatz gilt für Self-Checkout-Systeme nicht mehr. „Für viele große Händler gehört die Technik inzwischen zum obligatorischen Kundenservice, der eher langfristig und nicht eindeutig quantifizierbar zum Geschäftserfolg beiträgt“, sagt Frank Horst, Projektleiter SB-Systeme im EHI. Diese Sichtweise hat steigende Investitionsbereitschaft zur Folge. Laut der EHI-Markterhebung „SB-Kassen 2019“ hat sich die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte mit stationären Self-Checkout-Systemen in den letzten zwei Jahren um rd. 85 Prozent erhöht. Inzwischen sind in Deutschland in 903 Märkten insgesamt rd. 4.760 stationäre SB-Terminals installiert. Die meisten Kassen stehen den Kunden nach wie vor in den Ikea-Möbelhäusern zur Verfügung. Im Ranking folgen danach die EdekaGruppe, Kaufland, die Rewe-Gruppe und Real.

Mobile Selfscanning bei Real in Mönchengladbach

Bei Real in Mönchengladbach müssen sich die Kunden für das Mobile Scanning nicht registrieren
Foto: Real

Prozentual noch stärker, von allerdings sehr niedrigem Niveau ausgehend, legte Mobile Scanning zu. Nach 41 Märkten in 2017 wird diese Checkout-Technik inzwischen in 96 Märkten angeboten. In erster Linie verantwortlich für diesen Anstieg ist der saarländische SB-Warenhaus-Betreiber Globus. Nach ersten Tests ab 2014 hat der Händler rd. 40 seiner Märkte mit der „Scan & Go“-Technik ausgerüstet. Globus setzt dabei auf Profi-Erfassungsgeräte, die am Eingang bereitgestellt werden. Das Angebot wird von den Kunden angenommen. „Pro Markt werden durchschnittlich schon 22 Prozent des Umsatzes über Scan & Go abgewickelt“, berichtet Manuel Arnold, Leiter IT-Kassen- und Peripherieprozesse bei Globus.

Real erprobt schon lange

Mit Ikea und Real erproben zurzeit zwei weitere Schwergewichte im deutschen Einzelhandel die mobile Technik. Schon seit 2003, mit einem Piloten im „Future Store“ in Rheinberg, beschäftigt sich der SB-Warenhaus-Betreiber Real intensiv mit SB-Prozessen an den Kassen. Verschiedene Varianten wurden seit dieser Zeit getestet. Heute sind stationäre SB-Kassen in knapp 90 Märkten in Betrieb – klassisch in ein bis zwei Vierer-Blocks aufgestellt, je nach Verkaufsfläche. Der Anteil der darüber abgewickelten Umsätze liegt, je nach Haus und spezieller Konstellation, zwischen 5 und 40 Prozent, berichtet Uwe Pieper, Geschäftsbereichsleiter IT/Orga/SCM.

Bezahlterminal beim Mobile Scanning

Bezahlterminal beim Mobile Scanning.
Foto: Real

Seit Mai 2019 erprobt Real darüber hinaus in einem Markt in Mönchengladbach die mobile Erfassung der Ware durch die Kunden. „SB-Kassen fokussieren kleine Warenkörbe, Self-Scanning ist dagegen auch für umfangreiche Einkäufe geeignet und kann somit den Checkout-Mix komplettieren“, begründet Pieper. Den Kunden in Mönchengladbach stehen 120 Handhelds zur Verfügung, die sie ohne Registrierung nutzen können. Beim Erfassen am Regal wird ihnen Artikeltext, Preis und aktuelle Einkaufssumme angezeigt. Am Checkout wird zunächst ein  Referenzcode auf dem Gerät vorgelegt bzw. eingescannt. Dann wird das Handheld in die Rückgabestation gestellt. Gegebenenfalls nicht erfasste, weil nicht mit Barcode versehene Artikel (bislang noch rund ein Prozent des Sortiments) werden nachgescannt. Danach wird der Prozess durch Bezahlen an einer der vier dafür eingerichteten Zahlstationen abgeschlossen.

Erste Erfahrungen zeigen, dass Scan & Go generell von jüngeren und von regelmäßigen Kunden des Hauses, außerdem von Familien und von sehr preisaffinen Kunden besonders häufig genutzt wird. „Unsere Herausforderung ist es, die älteren und die weniger loyalen Kunden ebenfalls für diesen Service zu aktivieren“, sagt Uwe Pieper. Der Durchschnittsbon beim Mobile Scanning ist viermal höher als an den stationären SB-Kassen und zweimal höher als an Standardkassen – wie erwartet wird Scan & Go damit vorwiegend bei größeren Einkäufen eingesetzt. Insgesamt stieg der Automatisierungsgrad im Markt Mönchengladbach durch Scan & Go auf 30 Prozent – damit wird also knapp ein Drittel des Umsatzes über SB-Prozesse abgewickelt.

Vorreiter Ikea

Im Juli 2019 hat auch Ikea einen Proofof-Concept für mobiles Scannen in seinem Haus in Frankfurt Nieder-Eschbach aufgelegt. Über die stationären SB-Kassen in den Ikea-Häusern werden inzwischen im Schnitt 44, in der Spitze 60 Prozent aller Kassentransaktionen abgewickelt.

Bei Ikea läuft das Mobile Scanning mit dem Smartphone des Kunden

Bei Ikea läuft das Mobile Scanning mit dem Smartphone des Kunden.
Foto: Ikea

Der durchschnittliche Kassiervorgang pro Kunde konnte seit 2009 um rd. 30 Sekunden verkürzt werden. Mobiles Erfassen soll weitere Fortschritte bringen. „Das Scannen beansprucht zwei Drittel der Abwicklungszeit an traditionellen Kassen, und durch Mobile Scanning versprechen wir uns hier eine weitere deutliche Entzerrung“, sagt Dirk Rummel, Country Payment Leader bei Ikea. Vier Monate nach Einführung von Scan & Go wurden in Nieder-Eschbach 4 Prozent des Umsatzes über Scan & Go abgewickelt. Die gesamte SB-Quote liegt bei nahezu 50 Prozent, weil in diesem Ikea-Haus 43 Prozent des Umsatzes über die stationären SB-Terminals laufen.

Mit dem Einstieg in Mobile Scanning bereiten die Händler den Boden für eine Zukunft, in der das Kunden-Smartphone eine noch größere Rolle im Einkaufsprozess spielen soll. Ikea verzichtet bei seinem Pilotprojekt von Anfang an auf eigene Erfassungsgeräte und bietet den Dienst ausschließlich über eine App an. Globus will, zusätzlich zu den bereitgestellten Handhelds, seine im Mai 2019 gestartete „Mein Globus“-App um eine Scan & Go-Funktion erweitern. „Aktuell arbeiten wir an der Implementierung“, erklärt IT-Chef Manuel Arnold.

Die Lebensmittelfilialisten Feneberg und Tegut waren lange Zeit die einzigen Händler, die Mobile Scanning in nennenswerter Zahl angeboten haben. Neben Ikea und Real sammeln inzwischen aber auch Unternehmen wie Hornbach und Netto Erfahrungen mit mobilen Lösungen. Hinzu kommen einzelne Mitglieder genossenschaftlicher Gruppen – etwa Edeka-Kaufmann Jörg Meyer, der im Hamburger Raum 9 Märkte betreibt und Mobile Scanning am Standort Pinneberg anbietet.

Noch Aufklärungsbedarf nötig

Um ausreichend Akzeptanz bei den Verbrauchern zu erreichen, müssen diese und andere Händler allerdings noch viel Informations- und Aufklärungsarbeit leisten.

Mobile Scanning mit Handheld bei Globus

Mobile Scanning mit Handheld bei Globus.
Foto: Globus

Laut einer repräsentativen Befragung durch den Marktforscher Kantar (ehemals TNS Infratest) kennen inzwischen mehr als drei Viertel der Verbraucher stationäre SB-Kassen. Mobile Systeme über Handheld oder App dagegen erzielen eine Bekanntheit von lediglich rd. 25 Prozent. Schon einmal genutzt wurden Handscanner von 7 Prozent der Befragten. Bei Scanner-Apps sind es 2 Prozent.

Die vom EHI in Auftrag gegebene Studie zeigt aber auch, dass Potenzial besteht. Unter den heutigen Nichtnutzern würden künftig 8 Prozent mobile Handscanner immer nutzen, weitere 8 Prozent häufig und 24 Prozent manchmal. Damit ergibt sich eine Nutzungsbereitschaft von 58 Prozent für das Self-Scanning per Handscanner. Und immerhin schon 48 Prozent wären bereit, künftig eine App und ihr eigenes Smartphone für das Self-Scanning einzusetzen. „Das Potenzial ist bei beiden Systemen vorhanden, aber begrenzt – es gibt jeweils eine starke Gruppe von prinzipiellen Ablehnern, ähnlich wie bei den SB-Kassen“, so EHI-Experte Frank Horst.

Wir glauben an Automatisierung

Klaus Schmid, Deutschland-Geschäftsführer beim schwedischen Hersteller ITAB, über Technologien nach dem Self-Scanning.

Würden Sie Ihr Smartphone zum Scannen einsetzen? 

Ja, wenn ich ein oder zwei Artikel haben möchte. Aber für den großen Wocheneinkauf würde ich es niemals nutzen. Generell ist SelfScanning, ob stationär oder mobil, aus meiner Sicht eher eine Übergangstechnologie zur weiteren Automatisierung.

Was kommt danach?

Mit „Air Flow“ arbeiten wir an einer Lösung, bei der Artikel automatisch registriert werden, sobald sie aus dem Regal genommen werden und die die Kasse am Ausgang überflüssig macht. Den Prototyp können interessierte Händler in unserer schwedischen Zentrale in Jönköping begutachten.

Arbeitet ITAB weiterhin auch an der 360 Grad-Erkennung?

Wir glauben an den automatisierten Checkout. Bei einem kanadischen Händler erproben wir momentan unser System „Hyper Flow“, ein vollautomatisches Checkout-System mit Barcode-, Bild-, Oberflächen und Gewichtserkennung. Unsere weitere Lösung heißt „Scan Mate“, ein 360 Grad-Barcode-Reader. Die Scan-Rate ist auch hier enorm hoch. Das System ist unter anderem bei einem großen italienischen Einzelhändler im Einsatz und dort mittlerweile in mehr als 30 Filialen installiert.

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