Cargo-Bikes von Onomotion

Cargo-Bikes von Onomotion
Foto: Janine Graubaum/Onomotion

Ein Ansatz für eine nachhaltigere und wirtschaftlichere urbane Logistik liefert eine Initiative des Berliner Cargobike-Herstellers Onomotion. Das Konzept basiert auf einer dreistufigen Distribution mit Lkw, Straßenbahn und Lastenfahrrad. Am Beispiel der Stadt Frankfurt am Main haben die Projektpartner der Initiative errechnet, dass mithilfe dieser intermodalen Lieferkette bis zu 80 Prozent der innerstädtischen Lieferungen realisiert werden können. Ausgangspunkt der urbanen Supply Chain ist das Depot des Paketdienstleisters. Von dort werden die Pakete in speziellen, standardisierten Containern per Lkw zur Start-Haltestelle am Stadtrand transportiert, in eine Straßenbahn verladen und bis zu einer oder mehreren Haltestellen in den Innenstädten transportiert. Hier übernehmen Cargo-Bikes die andockbaren Container zur Feinverteilung an die Empfänger.

Bei gleichbleibenden Kosten würden Logistikdienstleister mit dieser alternativen Zustellung die CO2-Emissionen um knapp 64 Prozent reduzieren und die Straßen in den Innenstädten entlasten. „Selbst mit emissionsfreien Elektrofahrzeugen lösen wir den Verkehrsstau in den Städten nicht. Mit der Cargo-Tram und einer integrierten Lastenradbelieferung wird eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Alternative geboten“, sagt Professor Dr. Kai-Oliver Schocke von der University of Applied Sciences in Frankfurt. Im Rahmen einer Dissertation wurden die Transportvolumina analysiert, die tagtäglich mit konventionellen Lieferkurieren von außerhalb in die innerstädtischen Bezirke von Frankfurt gelangen. Von den täglich 14.500 Paketen könnten 11.600, also rund 80 Prozent per Cargo-Tram und E-Lastenrad ausgeliefert werden, so ein Kernergebnis der Studie. Nur noch 20 Prozent oder rund 2.900 Lieferungen müssten demnach aufgrund der Größe und des Gewichts auf dem traditionellen Weg zugestellt werden. Gleichzeitig ist die intermodale Lieferkette nach den Ergebnissen der Studie mit 27,62 Euro pro Kubikmeter im Vergleich zum herkömmlichen Transportweg (30,59 Euro) um zehn Prozent günstiger.

Mit der Cargo Tram gelangen die standardisierten Container in die Innenstadt zum Microhub.

Mit der Cargo Tram gelangen die standardisierten Container in die Innenstadt zum Microhub.
Foto: Hörmann Gruppe

An den innerstädtischen Haltestellen dienen Mikrodepots als Operationsbasis für die Cargobikes. Die Elektro-Lastenfahrräder des Anbieters Onomotion haben ein Ladevolumen von zwei Kubikmetern und sind auf maximal 220 kg Nutzlast im andockbaren Container ausgelegt. Die Container wurden ebenfalls vom Berliner Start-up-Unternehmen entwickelt. Aufgrund des geringen Platzbedarfs und der Wendigkeit kann das E-Cargobike praktisch vor jeder Haustür parken bei der Anlieferung.

Autonome Paketzustellung per Lieferroboter

Die letzte Meile zur Kundschaft effizienter und klimaschonender zu gestalten, ist das auch das Ziel von Deutschlands erstem Innovationszentrum für autonome urbane Güterlogistik efeu Campus Bruchsal mit dem Hersteller von Antriebstechnik SEW-Eurodrive und den Projektpartnern Big. Bechtold-Gruppe, FZI Forschungszentrum Informatik, Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, Karlsruher Institut für Technologie und PTV Group Deutschlands. Gemeinsam haben sie den ersten autonom fahrenden Indoor-Fahrzeugroboter entwickelt, der nun auch outdoor-fähig ist.

Der autonom fahrende Roboter des efeu Campus hält Wind und Wetter stand und kann Bürgersteige und Steigungen bewältigen.

Der autonom fahrende Roboter des efeu Campus hält Wind und Wetter stand und kann Bürgersteige und Steigungen bewältigen.
Foto: efeu Campus

Zunächst wird der Roboter im „LastMileCityLab“, einem bewohnbaren Labor für Smart-Mobility- und Smart-City-Konzepte im badischen Bruchsal, erprobt. Zukünftig sollen Kurier-, Express- und Paket-Dienste ihre Güter an Mikrodepots am Rande eines Stadtgebiets an die autonomen Fahrzeuge übergeben können. Per App kann der Empfänger bzw. die Empfängerin das Paket anschließend zu Hause entgegennehmen (synchrone Zustellung), oder es jederzeit an einer Ablagestation abholen (asynchrone Zustellung). Die Authentifizierung erfolgt ebenfalls per App. Auf dem Rückweg nehmen die Roboter Retouren oder Abfälle mit, um Leerfahrten zu vermeiden.

Damit die Roboter reibungslos miteinander kommunizieren können, sind sie auf den Mobilfunkstandard 5G angewiesen. Darüber hinaus kommen modernste Laserscanner und eine Kameratechnik zum Einsatz, die auf Basis von neuronalen Netzen Objekte erkennt. Die Sensor-Fusion aus beiden Komponenten kann die Schwächen der jeweils anderen Technologie ausgleichen. So kann der mit Schrittgeschwindigkeit fahrende Roboter auf jegliches Ereignis reagieren und bei Bedarf anhalten. Eine induktive Ladetechnik ermöglicht eine automatische, kontaktlose Aufladung – künftig auch für Lastenfahrräder und E-Sprinter. Die eigens entwickelte Achsentechnologie und Fahrwerkskinematik (Allrad-Antrieb mit vier einzeln angetriebenen Rädern) machen die Roboter fit für die Straße.

In Zukunft soll mit der „Volodrone“ von Volocopter auch der Luftweg erschlossen werden.

Kooperative Paketzustellung auf der letzten Meile

Das Ende der Logistikkette: Paketzustellung beim Empfänger.

Das Ende der Logistikkette: Paketzustellung beim Empfänger.
Foto: Pickshare

Mit dem Forschungsprojekt Smile – kurz für „Smart-Last-Mile Logistik”– verfolgen die Konsortialpartner GoodsTag, GS1 Germany, das Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam, Pickshare und die Universität Leipzig den Ansatz kooperativer Vernetzung in urbanen und ländlichen Räumen.

Ziel der digitalen Plattform ist es, E-Commerce Händler, Micro-Depot-Betreiber und Paketzusteller zu vernetzten. Vor allem kleinere Zustelldienste sowie Start-ups sollen ermutiget werden, die Auslieferung auf der letzten Meile mit innovativen Lösungen zu digitalisieren sowie am Marktpotenzial von Netzwerklösungen und an den ständig wachsenden Mengen im Paketmarkt zu partizipieren. Die digitale Smart Services Plattform soll einen einfachen, zuverlässigen und ressourcenschonenden Prozessablauf sichern. Pakete können per Crowd Logistics, zum Beispiel durch die Mitnahme von Paketen für Nachbarn oder Kurierzustellungen über Mikrodepots, zugestellt werden. Neben den Crowd Logistics-Konzepten kommen Sensoren, Identifikations- und Authentifizierungsmethoden wie die GS1 Standards zum Tragen.

Das im Smile-Projekt entwickelte Konzept wird zukünftig durch das Dortmunder Unternehmen Pickshare am Markt ausgerollt.