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Theodor Schember
Rund 300 Teilnehmer begrüßte der Veranstalter Stadt + Handel Dienstleistungen GbR zum Bundeskongress Offline-Strategien in Bochum. (Foto: EHI)
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Neue Wege finden

Weniger Laufkundschaft, geringere Umsätze, Immobilienleerstand: In vielen Fußgängerzonen sind die Folgen des boomenden Internethandels deutlich zu sehen. Verlierer sind die Städte und Gemeinden. Die zentrale Fragestellung lautet: Wie können die Zentren wieder zu Orten der Begegnung werden? Welche Hebel müssen Politik, Wirtschaft und andere gesellschaftliche Akteure ansetzen, um den Negativtrend zu stoppen? „Der Rückzug des Einzelhandels aus den Innenstädten ist die derzeit größte Herausforderung für die Innenstadtpolitik“,  sagte Rainer Nagel, Vorstandsvorsitzender der Bundesstiftung Baukultur auf dem Kongress.

Der Handel allein kann die Umstrukturierung der Städte nicht stemmen. Es braucht das Zusammenspiel von Erlebnis, Genuss, Kultur und Konsum, betonten die Kongressinitiatoren Ralf Beckmann und Edgar Neufeld. Die Stadt sei vor allem eins: ein sozialer Ort. Das Erfolgsrezept für das 21. Jahrhundert sei nicht mehr die „Preisführerschaft“, sondern die „Emotionsführerschaft“. Dass die Negativ-Entwicklung nicht unumstößlich ist, belegten Best Practice-Projekte, die auf der Veranstaltung vorgestellt wurden. „Lernen Sie zu überraschen“, appellierte Standortentwickler Edgar Neufeld an das Publikum.  

Mark Rauschen, Geschäftsführer von L & T Lengermann & Trieschmann berichtete von dem Neubau des Sporthauses L & T in der Osnabrücker Innenstadt. „Den Sport in das Sporthaus holen“, lautet die Strategie des Platzhirschen: Mit eigenem Fitness-Club, Fußball-Testfeld für Schuhe, einer spektakulären Welle für Surfer und nicht zuletzt einem Gastronomie-Angebot auf 1.600 qm. Rund 250 Events veranstaltet L & T in seinen benachbarten Modehäusern pro Jahr. Ziel aller Maßnahmen sei es, die Kunden immer wieder neu zu überraschen und dadurch Frequenz in die Häuser zu bringen.

Ein Paradebeispiel für „Shop-Tainment“ ist das Frankfurter „My Zeil“ Shopping-Center. Die Neuausrichtung des innerstädtischen Einkaufszentrum, das in den ersten Jahren die Erwartungen des Betreibers nicht erfüllen konnte, trägt nun erste Früchte. Mit der „Foodopia“ (Eröffnung im April 2019) erteilt die ECE dem klassischen Foodcourt-Konzept eine Absage. Das neue Gastronomiekonzept soll eine Kombination aus Markthalle und Foodarena werden.

Erfolg mit Nischenkonzepten

Die Händlerkooperative „Seitenstraße“ aus Opladen bei Leverkusen ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich mit einem schmalen Marketingbudget mehr Frequenz und Abverkäufe generieren lassen. „Gemeinschaftlich lässt sich besser verkaufen“, so das Credo der Unternehmerin Nicole Sammet, die in einer Seitenstraße der Opladener Fußgängerzone einen Laden für Kinderaccessoires betreibt. Die Initiatorin konnte für ihre Idee gemeinsamer Marketingaktionen (u. a. Flyer, Kundenabende, gemeinsamer Web-Auftritt) 15 Händler im Umkreis gewinnen.

Den „Männer Metzger“ eröffnete Stephan Otto gemeinsam mit seinen Brüdern erst jüngst in der Innenstadt von Heinsberg. Entstanden aus einem Spezialitäten-Versand für Gourmetfleisch bietet die Metzgerei neben Fleischprodukten im Premiumsegment auch ein Bistro: Ein Beispiel, wie aus einem florierendem Onlineshop ein reales Geschäft entstehen kann, als Treffpunkt und Ort der Kundenbindung.  

Fazit der Veranstaltung: Die Zukunft der Innenstadt liegt im Menschen. Es geht darum, Menschen zu aktivieren, miteinander zu verbinden und zu urbanisieren. Stadtverwaltung, Handel und Gastronomie müssen gemeinsam dafür sorgen, dass die Innenstädte wieder attraktiver und emotionaler werden. An die Innenstadthändler geht die Botschaft: Generieren Sie Besuchsanlässe!

Foto: EHI

Weitere Informationen: www.stadt-handel.de