Was nach Kundenservice klingt, kostet Handelsunternehmen bares Geld: unkoordinierte Kühlung, offene Türen und fehlender Sonnenschutz führen zu überhöhtem Energieverbrauch. Dabei können schon einfache Maßnahmen spürbare Auswirkungen haben – sowohl auf die Stromrechnung als auch auf die Technik.
Bei der Technik fängt es an
Klimaanlagen zählen im Sommer zu den größten Energieverbrauchern im Einzelhandel. Doch viele arbeiten ineffizient, weil sie schlecht gewartet oder nicht optimal eingestellt sind. Staubige Filter, verschmutzte Wärmetauscher oder veraltete Komponenten führen dazu, dass die Anlage deutlich mehr Strom verbraucht – bei gleichbleibender oder sogar sinkender Kühlleistung. Ein Rechenbeispiel verdeutlicht das Einsparpotenzial: Eine Anlage mit 15 kW Kühlleistung und einem guten Energieeffizienzverhältnis (EER) von 3,0 verbraucht über eine typische Sommersaison etwa 7.500 kWh – das entspricht Stromkosten von rund 2.639 €. Wird die Wartung vernachlässigt und der EER sinkt auf 2,5, steigt der Verbrauch auf 9.000 kWh – mit Mehrkosten von über 500 € pro Filiale. Bei einem Filialnetz mit 100 Standorten summieren sich solche vermeidbaren Verluste schnell auf einen sechsstelligen Betrag.
Türluftschleier einstellen
Nicht nur die Technik selbst beeinflusst die Effizienz – auch der Zugang zur Filiale hat spürbare Auswirkungen. Automatische Schiebetüren, die sich zu häufig oder zu lange öffnen, lassen warme Luft in den Innenraum. Die Klimaanlage muss gegenregeln und verbraucht unnötig Energie. Eine Lösung bieten optimal eingestellte Türluftschleier, die wie ein unsichtbarer Vorhang zwischen Innen- und Außenklima wirken. Richtig konfiguriert, verhindern sie, dass heiße Luft eindringt und unterstützen die Klimatisierung ohne zusätzlichen Energieaufwand.
Passive Kühlung
Einfache bauliche und organisatorische Maßnahmen können die Temperatur im Store zusätzlich senken – ohne Stromverbrauch. Dazu zählen etwa außenliegende Jalousien, reflektierende Fensterfolien oder ein gezieltes Lüftungskonzept in den frühen Morgenstunden. Durch effektive Verschattung lässt sich der Raum um mehrere Grad kühler halten – was wiederum die Laufzeit und Leistungsanforderung der Klimaanlage reduziert. Auch Ventilatoren können helfen, die Luftzirkulation zu verbessern und so das Raumklima angenehmer zu gestalten.
Digitale Steuerung
Als größter Hebel kann eine intelligenten Steuerung dienen. Smarte Gebäudetechnik verknüpft Klimaanlagen mit Sensoren, Wetterdaten und Bewegungsprofilen. So kann die Kühlleistung automatisch angepasst werden – etwa nach Tageszeit, Außentemperatur oder Kundenfrequenz. Werden Kühlung, Lüftung und Sonnenschutz aufeinander abgestimmt, arbeitet das System effizient und verbraucht nur dann Energie, wenn es wirklich notwendig ist. Das senkt Kosten und reduziert den CO₂-Fußabdruck.
Gastautor Christoph Rieboldt ist Head of Facility Management der Seybold GmbH.