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Theodor Schember
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Das neue City-Shopping-Center Ginza Six zählt zu den Hauptattraktionen der Retail-Szene von Tokio. (Foto: Ginza Six Retail Management, Tokio)
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On Tour in Tokio

Tokio zieht jedes Jahr Millionen von Menschen an. Ein Hauptgrund für die hohe Anziehungskraft ist die ausgeprägte, vielfältige Retail-Szene. Sie lockt nicht nur die Shopping-Touristen, sondern alle, die mit Bau, Technik und Einrichtung von Einzelhandelsgeschäften zu tun haben wie Ladenbauer, Storedesigner und Visual Merchandiser. Für die Handelsbranche ist die japanische Hauptstadt eine Top-Inspirationsquelle, hier findet jeder Anregungen für sein Fachgebiet: Von der Verwendung spezieller Oberflächenmaterialien über Einrichtungskonzepte für kompakte Store-Grundrisse bis hin zu Ideen für emotionales Storytelling.

T-Shirts selbst designen bei New Balance (Foto: dlv)
T-Shirts selbst designen bei New Balance (Foto: dlv)

Wer die Handelslandschaft von Tokio erkunden will, hat die Qual der Wahl, weil es kein wirkliches Zentrum gibt. Die Stadt ist ein Flickenteppich aus einzelnen Bezirken, deren Grenzen ineinander überlaufen. Von der historischen Substanz der Edo-Epoche (1603–1868) ist leider kaum etwas übrig geblieben. Brände, Erdbeben und die Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg haben das Meiste zerstört. Zum kulturellen Pflichtprogramm für Tokio-Touristen zählen ein Besuch der Gartenanlage des Kaiserpalastes, des Meiji-Tempels und des Asakusa- Kannon-Tempels. Das alles lässt sich bei straffer Zeitplanung an einem Tag bewältigen. In welchem Stadtteil die Store-Besichtigungstour starten soll, ist eigentlich nebensächlich. Außer, man hat nur wenige Stunden Zeit und will sich bei der Erkundung auf einen bestimmten Geschäftstyp konzentrieren. Alle Shopping-Viertel und Geschäftsstraßen liegen an den Knotenbahnhöfen und sind daher leicht mit der Sund U-Bahn zu erreichen.

Großstadtrevier Harajuku

Wir beginnen unsere Tour im Stadtviertel Harajuku, rund um den gleichnamigen Bahnhof. Mit seinen vielen Läden und Boutiquen ist Harajuku vor allem bei jungen Japanern beliebt. Bestes Beispiel ist die Takeshita- Dori: eine der schrillsten Einkaufsstraßen Tokios mit vielen japanischen Markenläden für das jüngere Publikum. Aus dem Gewimmel der kleinteiligen Shop-Landschaft ragen zwei Neueröffnungen heraus: Die japanische Sportmarke Asics Tiger präsentiert sich in einem stylischen Store-Ambiente. Vieles wird nach Maß gefertigt, und es gibt ein Fitness Lab mit Körpermessungen und Bewegungsanalysen. Bei New Balance gleich nebenan kann sich der Kunde den Sneaker individuell fertigen lassen, nachdem ein Fußscanner die Maße genommen hat. Auch T-Shirts lassen sich bei New Balance individuell designen.

Kein TV-Studio, sondern der Fashion Store Gr8 im Modekaufhaus La Foret (Foto: dlv)
Kein TV-Studio, sondern der Fashion Store Gr8 im Modekaufhaus La Foret (Foto: dlv)

Ein paar Meter weiter lenkt eine wartende Menschenschlange den Blick auf die Fassade von Line Friends. Der Merchandising Store von Line, einer japanischen Instant-Message-App mit angeblich über 700 Mio. Nutzern weltweit, bietet auf drei Etagen alle in der Social-Media- Welt beliebten Produkte an: Plüschtiere, Porzellan-Services, Schreibwaren und Vieles mehr. Ein riesiger Plüschbär im Eingangsbereich ist als beliebter Selfie-Point umlagert.

Nächster Stopp in Harajuku ist La Foret. Das junge Fashion-Kaufhaus gibt sich hip und trendy mit vielen coolen Shops von neuen, meist japanischen Labels. Ein Beispiel ist der Fashion Store Gr8 (gesprochen „great“) mit einer riesigen Video-Wall, die aus einer Vielzahl einzelner Screens zusammengesetzt ist. Auf jedem Bildschirm läuft ein anderes TV-Programm mit Zeichentrickfilmen oder Video-Clips. Das stetige Geflimmer wird akustisch begleitet von einer Dauer-Musikbeschallung mit hoher Lautstärke. In der Summe ein Angriff auf die Sinne der Ü-30-Besucher,die den Laden meist schnell wieder verlassen.

Präsentationstische aus alten Fußbodenplanken, gesehen bei Edition in Omotesando Hills (Foto: EHI)
Präsentationstische aus alten Fußbodenplanken, gesehen bei Edition in Omotesando Hills (Foto: EHI)

Weiter geht es durch die Cat-Street auf den Omotesando Boulevard, der von ausladenden Bäumen und Designerläden gesäumten „Champ-Elysées von Tokio“. An diesem klassischen Einkaufsboulevard, einem Lieblingsrevier der markenbewussten Hauptstadtbewohner, gibt sich Tokio betont europäisch. Ein „Must see“ ist das City-Shopping-Center Omotesando Hills. Insgesamt 80 Designer-Stores überwiegend im Premium-Bereich und 16 Gastronomie-Betriebe machen die Shopping-Mall zu einer beliebten Destination für das modebewusste Publikum. Das benachbarte Gyre mit seiner spektakulären Gebäudearchitektur und Läden wie Dior, Maison Marginal und Moma sprechen das gleiche Kundensegment an. Hier finden sich herausragende Beispiele für Visual Merchandising wie ein alter, mit Modeartikeln an Fenster und Tür dekorierter Camping-Caravan und das exklusive Schuhgeschäft von Vision im gediegenen Retro-Look. Der überdimensionale Schuh im Eingangsbereich ist ein beliebter Selfie-Point.

Design-Ikone: die Glasfassade von Prada im Stadtviertel Aoyama (Foto: EHI)
Design-Ikone: die Glasfassade von Prada im Stadtviertel Aoyama (Foto: EHI)

Am Omotesando Boulevard und den Seitenstraßen fallen sofort die futuristisch anmutenden Fassadenarchitekturen der Edelmarken ins Auge. Hier, auf dem Weg in das Aoyama-Viertel, reihen sich aufsehenerregende Bauten japanischer und international renommierten Architekten in dichter Folge aneinander. Besonders auffallend ist das Gebäude von Prada mit seiner rautenförmigen, grün schimmernden Glasfassade und der farblich in Pink abgesetzten Eingangsöffnung. Dolce & Gabbana segmentiert mit einer Lichtinszenierung die Modeartikel an den Wänden in vertikale Flächenzonen. Herno überrascht mit einer durchgängigen Digital Signage-Installation, die fließendes Wasser simuliert.

Und wer vor Comme des Garçons (gleich neben Prada) steht, weiß nicht, was er zuerst bestaunen soll: das avantgardistische Ensemble aus groben Zementblöcken in den Schaufenstern oder die Inszenierung der surrealistisch anmutenden Kleidungsstücke auf Dinosaurierskeletten. Der Store mit seinen schiefen Rückwänden wirkt als Ganzes wie eine Kunstinszenierung. Wie bei den anderen High-End-Labels gilt: Das Personal in den Stores ist stets freundlich, die Kundenfrequenz höchst überschaubar.

Einkaufsviertel Ginza

Auch in Ginza, dem wohl bekanntesten Einkaufsviertel Tokios (Bahnhof Shimbashi), präsentiert sich Tokio ganz als Weltmetropole, aber mit einem eigenen Charakter. Die Haupteinkaufsstraße Chuo Dori im Stadtteil Nihombashi erinnert an die 5th Avenue. Bei Bulgari, Chanel, Cartier oder Armani lässt sich edel und exklusiv einkaufen, andererseits gibt es hier auch viele Handelsunternehmen im mittleren bis gehobenen Preissegment. Hier flanieren und kaufen die Besucher mittleren Alters und die zahlreichen Touristen aus dem In- und Ausland. Vor allem ist Ginza die Heimat der alteingesessenen japanischen Warenhausunternehmen. Beispiel Takishamaya: Das traditionelle Warenhaus mit gediegenem, wertigem Interieurdesign bringt die hohe Wertschätzung für die Kunden allmorgendlich mit einer stilvoll inszenierten Begrüßungszeremonie zum Ausdruck. Der Ladenbau auf den elf Geschossen passt zum Anspruch des Hauses: Parkettböden und edle Holzregale dominieren als Materialien. Den Parfümeriebereich prägen Marmorböden, Glaselemente und aufwändige Beleuchtungskomponenten. Das Ambiente wirkt stimmig, teilweise aber auch etwas angestaubt.

Warenhaus-Tempel: Takishamaya im Einkaufsviertel Ginza
(Foto: EHI)
Warenhaus-Tempel: Takishamaya im Einkaufsviertel Ginza
(Foto: EHI)

Auch Mitsukoshi, ein weiterer typischer Vertreter der japanischen Warenhausszene, sieht sich der Tradition verpflichtet. Die Wurzeln von Mitsukoshi gehen zurück bis ins 17. Jahrhundert. Wie bei Takishamaya wechseln sich viele Markenshops ab, darunter Bottega Veneta, Chanel, Gucci, Hugo Boss, Hydrogen, Kenzo und Prada. Der Auftritt ist hier deutlich zurückhaltender im Vergleich zu den imposanten Stores in den exklusiven City-Shopping-Centern. Typisch für alle Warenhäuser sind die großflächigen Lebensmittelabteilungen im Untergeschoss. Sie präsentieren sich als eine Abfolge von dicht an dicht platzierten Delikatessenständen mit hochwertigen Spezialitäten aus der japanischen Küche. Auffallend ist das umfangreiche Sortiment an verzehrfertigen Gerichten: von fertig zusammengestellten Sushi-Kombinationen bis zu frisch gegrillten Fleischspießen wird kein Wunsch offen gelassen. Das verlockende Speisenangebot spricht für sich, die Möbel treten klar in den Hintergrund. Designorientierte Theken oder Tiefkühlschränke findet man ebensowenig wie Sitzgelegenheiten, um den Einkauf vor Ort zu verzehren. Stattdessen wird jeder Quadratmeter für den Verkauf genutzt. Außerhalb der Warenhäuser findet Lebensmittelhandel vor allem in den Convenience Stores à la Seven-Eleven statt, die an fast jeder Straßenecke zu finden sind.

Wie ein riesiges Netz spannt sich dieses Kunstwerk im Atrium von Ginza Six (Foto: Ginza Six Retail Management, Tokio)
Wie ein riesiges Netz spannt sich dieses Kunstwerk im Atrium von Ginza Six (Foto: Ginza Six Retail Management, Tokio)

So sehr die Warenhäuser prägend sind für die Shopping-Meile Ginza – gegen den neuen Star Ginza Six verblassen die Verkaufsmaschinen der Metropole. Das City-Shopping-Center bietet einen exklusiven Markenmix aus Fashion, Lifestyle, Restaurants und Cafés. Von den 13 Stockwerken sind sechs dem Einzelhandel vorbehalten. 241 Läden teilen sich eine Verkaufsfläche von 47.000 qm, so die Eckdaten der Betreibergesellschaft. Wie überall in der Ginza sind die Gebäudehöhen für Handelsimmobilien auf maximal 56 Meter begrenzt. Neben den Stores der Fashion Brands und der großen Buchabteilung ist auch der Dach- garten mit wechselnden Kunstausstellungen und –inszenierungen einen Besuch Wert. Die Naturwelt des Dachgartens setzt sich auf der Fläche mit einem virtuellen Wasserfall fort, der sich auf einem Großbildschirm an der Wand vom fünften bis in den dritten Stock erstreckt. Rund 1,5 Mio. Besucher sollen Ginza Six innerhalb der ersten 18 Tage nach der Eröffnung im April 2017 besucht haben. Von außen betrachtet ist die Gebäudearchitektur mit der 115 Meter langen Front von japanischen Stilelementen geprägt. Innen herrscht ein globaler, moderner Stil vor.


Bei dem Rundgang durch Ginza Six fällt auf, dass viele Brands im gehobenen Genre eine eigenes Süßwarensortiment mit Schwerpunkt Pralinen anbieten. So auch der neue, viergeschossige Flagshipstore von Japans größtem Kosmetikkonzern Shiseido. Gleich nach Betreten des Stores an der Chuo Dori bewegt sich der Besucher auf eine kreisrunde, klimatisierte Patisserie-Theke zu, in der die süßen Pretiosen effektvoll beleuchtet präsentiert werden. Alle gekauften Artikel werden von freundlichem Personal sorgfältig in hauseigenes Papier gewickelt – eine Tradition, die in allen hochwertigen Handelsunternehmen Tokios gepflegt wird.

Bei Dunkelheit kommt die Glasfassade von Uniqlo besonders gut zur Geltung (Foto: EHI)
Bei Dunkelheit kommt die Glasfassade von Uniqlo besonders gut zur Geltung (Foto: EHI)

Was gibt es sonst noch Sehenswertes in Ginza? Auf jeden Fall das Nicolas Hayek Center. Bereits 2007 eröffnet, präsentieren dort sieben Uhrenmarken der Oberklasse ihr aktuelles Sortiment in separaten Boutiquen. Der Clou: Jede Boutique wird separat mit einem Personenaufzug angesteuert, eine Verbindung zwischen den Ausstellungsräumen gibt es nicht. Gleich gegenüber von Hayek befindet sich der 12-stöckige Flagshipstore von Uniqlo, dessen voll verglaste Fassade vor allem bei Dunkelheit zur Geltung kommt. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich die japanische Ausgabe von Dover Street Market. Der Markenstore greift die extravaganten Stilelemente der Stores in London und New York auf. Alles ist sehr teuer, die Besucher kommen vor allem um zu sehen anstatt zu kaufen. Erwähnenswert ist auch der Flagship-Store von Muji, dem japanischen Label für Living, Fashion, Schreibwaren und Accessoires. Er hebt sich durch seine Größe deutlich von den Muji-Läden in Deutschland ab, wo das Unternehmen seit dem Jahr 2005 vertreten ist. Und noch ein Geheimtipp: Ginza Itoya ist das subjektiv betrachtet schönste Schreibwarengeschäft in Tokio mit einem breiten, hochwertigen Sortiment auf elf Etagen. Zum hauseigenen Restaurant im obersten Stockwerk gehört eine für die Kunden einsehbare Salatfarm.

Hot-Spot Shibuya

Vom gleichnamigen Bahnhof aus geht es direkt auf die berühmte Shibuya Crossing. Unvergesslich der Anblick, wenn bei Grün Hunderte von Menschen sich gleichzeitig in Bewegung setzen, um die Straßenkreuzung zu überqueren. In Shibuya pulsiert das junge Leben, hier ist das Epizentrum der japanischen Jugendkultur – eine teilweise skurril anmutende Mischung aus kitschig-amerikanischen und europäischen Einflüssen, verbunden mit traditionellen japanischen Elementen. Schwärme von markenbewussten Oberschülerinnen bevölkern die Einkaufsstraßen, alle mit dem Smartphone in der Hand und per In-ear-Kopfhörer verkabelt. Im Kontrast dazu die coolen Hipster mit ihrer extravaganten Kleidung. So oder so – kaum einer auf den Straßen von Shibuya ist über 30 Jahre alt.

Girlie-Kaufhaus Shibuya 109, eingerichtet im japanischen „Jugendstil“ (Foto: dlv)
Girlie-Kaufhaus Shibuya 109, eingerichtet im japanischen „Jugendstil“ (Foto: dlv)

In Sichtweite zu der bekannten Kreuzung liegt die Modi Mall, eine trendig-junge Shopping-Destination mit neun Stockwerken. Die Abteilung für handgemachte, traditionelle Kimonos überrascht hier ebenso wie das Angebot für Herren, Maßhemden und -Anzüge mit digitalen Tools bestellen zu können – denn die Kunden sind fast ausschließlich junge Frauen. Die gleiche Zielgruppe bedient Shibuya 109. Acht Stockwerke mit 120 Geschäften für junge Frauen. Auch hier spricht das Sortiment für sich, Ladenbau wird zur Nebensache.

Bei einem Streifzug durch das Shibuya-Viertel lassen sich viele interessante Labels entdecken. Zum Beispiel die Men- und Women-Stores der Fashion-Marke Beams. Beide Läden präsentieren ihr Sortiment ganz unterschiedlich: Hier mit viel Beton, dort mit viel Holz. Auch im Interieur von Pilgrim („Surf & Clothes“) dominiert Holz als Gestaltungselement. Gutes Beispiel für Storytelling: Surfzeitschriften aus den 70er-Jahren liegen zum Schmökern aus, eine Terrasse lädt zum Relaxen ein. XFlag ist der Entertainment-Zweig des japanischen Social Media- Unternehmens Mixi. Der Store bietet auf zwei Etagen hauptsächlich Merchandising- Produkte an.

Bei XFlag kauft der Kunde mit dem Smartphone ein (Foto: EHI)
Bei XFlag kauft der Kunde mit dem Smartphone ein (Foto: EHI)

Das gesamte Warensortiment bei XFlag wird über ein riesiges Touch-Display aufgerufen. Mit der Unternehmens-App kann sich der Kunde in einem der Terminals einloggen und sich durch das Sortiment klicken. Nachdem die Ware in den virtuellen Warenkorb gelegt und über die App bezahlt worden ist, kann sie innerhalb weniger Minuten an der Pickup-Station im Store abgeholt werden. Auch für die mehr bodenständige Kundschaft hat Shibuya die passende Shopping-Destination zu bieten. An der Jingu Dori befindet sich in zwei über eine Passage miteinander verbundenen Gebäuden eine Filiale des japanischen Warenhausunternehmens Seibu. Auf elf Etagen findet der Kunde hier das Who’s who der Modewelt.

Retortenstadt Roppongi

Bis vor wenigen Jahren galt Roppongi noch als Vergnügungsviertel für die Mittel- bis Unterschicht. Das hat sich heute grundlegend geändert. Mit dem Bau der beiden gigantischen Hochhauskomplexe Roppongi Hills und Tokyo Midtown ist die städtebauliche Zukunft für die gut verdienende Oberschicht in das Viertel eingezogen. Ein Besuch des Stadtteils vom Bahnhof Shinanomachi lohnt sich daher auch aus dem Blickwinkel der Mischnutzung moderner Gewerbeimmobilien.

Isetan Salone in Midtown Tower: Displays im filigranen japanischen Design (Foto: EHI)
Isetan Salone in Midtown Tower: Displays im filigranen japanischen Design (Foto: EHI)

Roppongi Hills ist ein hochmoderner Neubaukomplex rund um den 54-stöckigen Mori-Tower, eines der höchsten Gebäude der Stadt. Mit seinen Büro- und Wohngebäuden, den Handelsgeschäften, dem Kinokomplex und einem großflächigen, im japanischen Stil angelegten Parkgelände wirkt die Enklave wie eine Art Stadt in der Stadt. Das verwinkelte City-Shopping-Center mit mehr als 200 Geschäften, einem Luxushotel und exklusiven Fashion-Marken wie Bottega Veneta, Cartier, Yves Saint Laurent und Stella McCartney befindet sich im Zentrum des rd. 116.000 qm großen City-Komplexes. In puncto Gebäudehöhe hat der 2007 eröffnete Midtown Tower den Wettkampf mit den benachbarten Roppongi Hills um wenige Meter für sich entscheiden können. Der knapp 250 Meter hohe, aus sechs Teilen bestehende Megakomplex beherbergt auf 53 Stockwerken neben Büroflächen, Hotels und Restaurants ein integriertes Einkaufszentrum. In den Store-Fassaden entlang der Mall und im Interieur finden Elemente des traditionellen japanischen Designs ihren Ausdruck. Bambus, Papier und Holz als bevorzugten Materialien stehen für klare Linien, Wertigkeit und Beständigkeit. Der Auftritt wirkt authentisch und schnörkellos, als wolle man vermeiden, die gehobene Kundschaft mit wechselnden Konzepten zu erschrecken.

Discountkaufhaus Donki: Hier findet man alles auf 7 Etagen – nur nicht das, was man gerade sucht (Foto: EHI)
Discountkaufhaus Donki: Hier findet man alles auf 7 Etagen – nur nicht das, was man gerade sucht (Foto: EHI)

In der Gesamtbetrachtung der lokalen Handelsstrukturen von Tokio werden Gegensätze deutlich: Die traditionellen Warenhausunternehmen sind nach wie vor ubiquitär präsent. Sie bieten ein Vollsortiment im mittleren bis gehobenem Preissegment und bedienen den Bedarf der gutsituierten, mehr konservativen Kundschaft. Die in der jüngeren Vergangenheit neu entstandenen City-Shopping-Center stehen für eine moderne Interpretation des Erlebnis-Shopping, mit vielen kreativen Ideen für stimmungsvolle Produktinszenierungen. Die hippen Modekaufhäuser fokussieren die jungen Zielgruppen, während die glamourösen Flagship-Stores der großen Designermarken das Luxussegment adressieren. Als Fazit bleibt: Tokios bunte Retail-Szene ist in jeder Hinsicht eine Reise wert.

Fotos: Ginza Six Retail Management, Tokio (2), dlv (4), EHI (13)

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