Trends im Ladenbau: Leuchtturmprojekte aus aller Welt | stores+shops

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Wes-Anderson-Reminiszenz: Maison Mytheresa feiert mit seinem Pop-up-Store in St. Moritz den nostalgischen Glamour von Grandhotels
Foto: Mytheresa

Trends im Ladenbau: Leuchtturmprojekte aus aller Welt

Der zeitgenössische Ladenbau befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Wo einst Produktpräsentation und Verkaufslogik dominierten, entstehen heute immersive Räume, die Emotionen wecken und fantasievolle Geschichten erzählen. Wir stellen eine Auswahl von internationalen Leuchtturmprojekten vor.

Storedesign ist längst zu einem strategischen Instrument und zu einem dreidimensionalen Markenbotschafter geworden, der Haltung, Werte und Visionen übersetzt. Ob lustvoll verspielt, detailverliebt dekoriert oder beruhigend natürlich: Es gibt verschiedene Strömungen, die den internationalen Retail-Diskurs derzeit prägen. Eines ist ihnen jedoch gemeinsam: Sie demonstrieren, wie Handel, Kunst, Architektur und Erlebnisinszenierung zunehmend ineinandergreifen – und dass spielerische Leichtigkeit angesichts multipler Krisen zur neuen Sehnsucht und Maxime geworden ist.

Baum mit Signature-Pralinen: Cédric et la Chocolaterie in Paris löste einen Social Media-Hype aus

Baum mit Signature-Pralinen: Cédric et la Chocolaterie in Paris löste einen Social Media-Hype aus
Foto: Maïa Chä

Cédric et la chocolaterie

Vor dem im Oktober 2025 eröffneten Pariser Store des Star-Pâtissiers Cédric Grolet auf der Avenue de l’Opéra bildet sich eine lange Schlange. Geduldig wartet eine auffallend junge Käuferschaft darauf, Einlass in das Allerheiligste der Chocolaterie zu erhalten. Drinnen angekommen, wird zunächst ausgiebig gefilmt und fotografiert. Kein Wunder: Mitten im Raum wachsen zwei wie von glänzender Schokolade überzogene Bäume in den Himmel, von der Decke hängen dicht an dicht überlebensgroße Pistazien, Hasel-, Erd- und Walnüsse, die aus weißer, dunkler und Milchschokolade gefertigt zu sein scheinen. Eine Installation aus echter, zäh die Wand hinter dem Tresen herabrinnender Schokolade erfüllt den Raum mit süßem Duft.

Die aufwändig produzierten Kakaoprodukte werden wie Kostbarkeiten präsentiert

Die aufwändig produzierten Kakaoprodukte werden wie Kostbarkeiten präsentiert
Foto: Maïa Chä

Grolet hat hier nicht einfach eine Chocolaterie eröffnet, sondern eine fantastische Erlebniswelt geschaffen, die zwischen Haute Pâtisserie und Märchenkulisse oszilliert. Assoziationen mit Willy Wonkas Schokoladenfabrik sind durchaus beabsichtigt. Doch das Setting ist nur ein Teil des Zaubers. Der Verkaufsprozess selbst hat seine eigene Magie. Die aufwändig produzierten Kakaoprodukte werden von der Belegschaft wie Kostbarkeiten präsentiert. An einem Tresen warten drei Expert:innen, die die einzelnen Sorten erklären und zelebrieren.

Hat die Kundschaft ihre Auswahl getroffen, wird die Bestellung weitergegeben und in einem separierten runden Raum aufs Feinste verpackt. So avanciert der Akt des Kaufens zu einer rituellen Inszenierung, aufgeführt auf einer Bühne, auf der Handwerk und Luxus fantasievoll miteinander verschmelzen – ein perfektes Beispiel dafür, wie der Trend „Playfulness“ im Premiumsegment funktioniert.

Die Eröffnung von Cédric et la Chocolaterie versetzte ganz Paris in Aufregung – und die soziale Medienwelt gleich mit. Für diesen Hype dürfen sich Interior Designer Tom Bénard von Atelier Cibé und sein ebenso findiger Auftraggeber mit Recht feiern lassen.

Plan C Framework

Kräftige Farben und geometrische Formen. Bei Plan C Framework in Mailand wird virtuos mit beiden Komponenten gespielt

Kräftige Farben und geometrische Formen. Bei Plan C Framework in Mailand wird virtuos mit beiden Komponenten gespielt
Foto: Danilo Scarpati

Ganz anders, aber ebenfalls mit spielerischer Leichtigkeit inszeniert, präsentiert sich der Mailänder Store Plan C Framework. Hier wird Playfulness durch kräftige Farben, architektonische Finessen und das spielerische Ineinandergreifen von Mode, Design und (Lese-)Kultur transportiert. Eine signalrote, spiralförmige Treppe, die das Erd- mit dem Untergeschoss verbindet, fungiert gleichzeitig als Regal für Bücher und zeitgenössische Magazine des unabhängigen Mailänder Buchshops „Reading Room“.

Unabhängig von jeder Kaufabsicht darf hier also auch nur Anregung und Inspiration gesucht werden. Eine großzügige Geste. Das Untergeschoss überrascht mit einem Teppich in leuchtendem Gelb, metallischen modularen Wänden und Systemen. Dieser Raum dient zugleich als Fläche für Events, die den kulturellen Anspruch des Stores unterstreichen. So bricht Plan C Framework, den Creative Director Carolina Castiglioni zusammen mit dem Studio April und dem Mailänder Architekturbüro (Ab) Normal konzipierte, bewusst mit klassischen Mode-Retail-Codes. Statt minimalistischer Zurückhaltung hat man auf visuelle Reibung und intellektuellen Input gesetzt. Das Ergebnis ist ein Raum, der Leichtigkeit vermittelt und zugleich kreative Freiheit ausstrahlt – perfekt auf die progressive Markenidentität abgestimmt.

Mecca

Bei Mecca setzt sich die Art-Déco-Formensprache der historischen Location im Interior Design fort

Bei Mecca setzt sich die Art-Déco-Formensprache der historischen Location im Interior Design fort
Foto: Sean Fennessy

Nach Jahren, in denen Minimalismus das oberste Gebot im Retaildesign war, zeichnet sich nun eine Gegenströmung ab. Dekoration wird zur kuratierenden Kraft, die Atmosphäre schafft und Räume emotional auflädt. Stores dieser Kategorie erinnern eher an Galerien, Salons oder private Interieurs als an klassische Verkaufsflächen. Der Flagship- Store von Mecca in Melbourne ist ein Paradebeispiel für dekorativen Maximalismus mit kuratorischem Anspruch. Untergebracht in einem Art-Déco-Gebäude aus den 1930ern mit original Terrazzo- Böden, Arkadenfenstern und Faience-Fliesen, schuf das australische Studio McQualter einen mehrstöckigen Hybridspace, in dem neben Retailflächen auch Dienstleistungen, Kunst, Bildung und Community-Erlebnisse Platz finden.

Dekorativer Maximalismus: Mecca in Melbourne

Dekorativer Maximalismus: Mecca in Melbourne
Foto: Sean Fennessy

So wirkt das Haus an der Bourke Street wie eine Mischung aus Galerie, Beauty-Labor und luxuriöser Wohnstätte. Handgefertigte Keramikelemente treffen auf maßgefertigte Möbel, während Venini-Pendelleuchten warmes Licht spenden. Produkte werden nicht in Regalen präsentiert, sondern in szenografischen Arrangements, die zum Entdecken einladen. Bemerkenswert ist die Balance zwischen Opulenz und Klarheit: Trotz der dekorativen Dichte bleibt der Raum übersichtlich und ruhig. Mecca beweist, dass Dekoration im Retail nicht überladen wirken muss, wenn sie präzise ausgewählt und sinnvoll platziert ist.

Xinú

Bei Xinú in Mexico City wird die landestypische Flora zu einem wichtigen Teil des Einkaufserlebnisses

Bei Xinú in Mexico City wird die landestypische Flora zu einem wichtigen Teil des Einkaufserlebnisses
Foto: Alejandro Ramirez Orozco

Biophiles Design ist eine Antwort auf Urbanisierung, digitale Überreizung und den Wunsch nach Balance und Erdung. Natur wird nicht nur zitiert, sondern strukturell integriert – über Materialien wie Algen, Holz und Stein, durch natürliches Sonnenlicht und unregelmäßige, organische Formen. So ist der Store von Xinú in Mexiko-Stadt eine eindrucksvolle Hommage an die sinnliche Kraft der Natur. Inspiriert von botanischen Gärten und traditionellen mexikanischen Materialien, ist ein Raum entstanden, der bewusst entschleunigt.

Rohes Holz, Granit, handgefertigte Oberflächen und eine reduzierte, natürliche Farbpalette lassen den runden Store mit bodentiefen Fenstern beinahe museal-meditativ wirken. Pflanzen sind keine Dekoration, sondern räumliche Akteure. Licht fällt weich und gefiltert durch die umliegenden Bäume ein, Düfte werden Teil des Gesamterlebnisses. Xinú spricht alle Sinne an und übersetzt die Markenphilosophie – naturbasierte Parfümerie – konsequent in Architektur.

Maison Mytheresa

Der Pop-up-Store Maison Mytheresa, der noch bis Ende April 2026 in St. Moritz logiert, interpretiert Dekoration auf nostalgisch- elegante, dramaturgische Weise und ruft Erinnerungen an Wes Anderson-Filme wach. Tiefrote, drapierte Samtvorhänge dominieren die Innenräume. Sie verströmen Wärme und vermitteln Privatsphäre, geben dem Raum aber gleichzeitig einen theatralischen Charakter.

Perfektion bis in die behandschuhten Fingerspitzen. Auch die Pagen im Maison Mytheresa sind filmreif

Perfektion bis in die behandschuhten Fingerspitzen. Auch die Pagen im Maison Mytheresa sind filmreif
Foto: Mytheresa

Die dunklen Hölzer der eleganten Möbel schaffen ein klassisches Grand-Hotel-Ambiente. Gesättigte Farben wie Bordeaux-Rot, Grün- und Brauntöne dominieren, werden jedoch durch pinke Akzente in der Umkleide spielerisch gebrochen. Die gesamte Maison vermittelt die Stimmung eines privaten Clubs oder luxuriösen Salons: hochstilisiert, aber gemütlich; intim, aber offen für Gespräche.

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