RFID im Modehandel: Angekommen im Mittelstand | stores+shops

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Um mit RFID den Self-Checkout-Prozess weiter zu erleichtern, baut C&A den Anteil an SB-Kassen in den Filialen weiter aus.
Foto: C&A

RFID im Modehandel: Angekommen im Mittelstand

Während vertikale Modefilialisten bereits seit längerem auf RFID setzen, entdecken jetzt auch mittelständische Multilabel-Händler diese Technologie. Die Ergebnisse erster Projekte sind vielversprechend.

Das war ein echter Kraftakt: C&A hat vor knapp zwei Jahren gemeinsam mit Technologiepartner Checkpoint Systems alle 1.300 Filialen in 17 Ländern auf RFID umgestellt. Seitdem basieren sämtliche logistische Prozesse in den Stores und in den Distributionszentren auf Radiofrequenztechnologie. Alle Artikel werden direkt bei der Produktion in Asien mit einem entsprechenden Hänge- oder Klebeetikett ausgezeichnet. Für dieses großflächige Roll-out wurde der Modefilialist im vergangenen Jahr vom RFID Journal mit dem Award für die „Beste RFID-Einführung im Einzelhandel“ ausgezeichnet.

Stylische Self-Checkout-Terminals im neuen Zara-Flagship-Store in Barcelona. Der internationale Fashion-Retailer setzt schon lange auf RFID.

Stylische Self-Checkout-Terminals im neuen Zara-Flagship-Store in Barcelona. Der internationale Fashion-Retailer setzt schon lange auf RFID.
Foto: Zara

Gleichwohl zeigen sich die Verantwortlichen mit den Ergebnissen des Projektes sehr zufrieden. Allein durch ein deutlich optimiertes In-Store-Replenishment auf Basis zuverlässiger Bestandsdaten konnten Out-of-Stocks verhindert und damit der Umsatz spürbar gesteigert werden, so das Fazit nach über einem Jahr Live-Betrieb. Hinzu kommen effizientere Inventuren, eine effektivere Diebstahlerkennung durch bessere Analysen sowie schnellere Kassenprozesse. Und zwar sowohl an den bedienten Kassen als auch an den Self-Checkout-Terminals. Die Artikel werden durch die integrierten RFID-Reader erfasst. Das für die Kund:innen lästige und fehleranfällige Einscannen des Barcodes entfällt. Optimierungspotenzial durch RFID sieht das Düsseldorfer Unternehmen in den Bereichen Datenqualität und Track & Trace entlang der Wertschöpfungskette.

Hohes Rationalisierungspotenzial

Im mittelständisch geprägten Multilabel-Handel, der Kollektionen verschiedener Marken einkauft und in seinen Stores anbietet, ist die Nutzung von RFID-Technologie noch die Ausnahme. Allerdings wächst die Anzahl der Unternehmen, die ihre Artikel beim Wareneingang mit RFID-Etiketten auszeichnen. Treiber dieser Entwicklung ist der steigende Kosten- und Wettbewerbsdruck: RFID hat das Potenzial, die Kosten durch effizientere Prozesse zu senken sowie den gestiegenen Ansprüchen der Kund:innen in punkto Warenverfügbarkeit durch permanente Bestandstransparenz und automatisierte Nachorderprozesse gerecht zu werden.

Zu den First Movern gehört zum Beispiel Modefilialist Pier 14 mit Sitz auf Usedom. Seit 2021 zeichnen die Pier-14-Mitarbeitenden sämtliche Artikel in allen 14 Filialen an der Ostseeküste beim Wareneingang mit einem Klebe-RFID-Etikett aus. Den größten Vorteil dieser Technologie sieht Geschäftsführer Stefan Richter in der minutenschnellen Bestandserfassung mithilfe von Handhelds. „In unserer mit 1.000 qm größten Filiale erfassen wir sämtliche Artikel in nur 20 Minuten.“ Aber auch viele weitere Prozesse konnte Pier 14 mit Hilfe des Berliner RFID-Spezialisten Syspro sowie des Software-Partners Remira wesentlich effizienter gestalten: angefangen bei der fürs Online-Business unverzichtbaren Verfügbarkeitsanzeige über das schnelle Auffinden von einzelnen Artikeln auf der Verkaufsfläche sowie der Warensicherung bis hin zu In-Store-Terminals, an denen Kunden und Mitarbeitende über den integrierten RFID-Reader Artikelinformationen abrufen können.

In unserer mit 1.000 qm größten Filiale erfassen wir sämtliche Artikel in nur 20 Minuten.

Stefan Richter

Geschäftsführer, Pier 14

Vorteilhaft bei Inventuren

Inspiriert von seinem Kollegen an der Ostsee hat inzwischen auch Markus Wahl vom gleichnamigen Männermodehaus im schwäbischen Ertingen auf RFID umgestellt. Nach anfänglichen Kinderkrankheiten wie z. B. Schnittstellenproblemen mit der Warenwirtschaft läuft inzwischen alles reibungslos. Die Investitionskosten von 20.000 Euro amortisieren sich wesentlich schneller als erwartet, freut sich Wahl. Allein die Zeit- und Kostenersparnis bei der Inventur sei beeindruckend. „Aber viel wichtiger ist mir, dass wir uns auch als kleines Unternehmen neuen Technologien öffnen und das Potenzial der Digitalisierung nutzen. So kann ich die Mitarbeitenden durch automatisierte Prozesse entlasten und den Kunden einen besseren Service bieten – und zwar offline wie online.“

Digital-Signage-Terminals im Pier-14-Store in Ahlbeck: Über den integrierten RFID-Reader können Kund:innen und Mitarbeitende Artikelinformationen abrufen.

Digital-Signage-Terminals im Pier-14-Store in Ahlbeck: Über den integrierten RFID-Reader können Kund:innen und Mitarbeitende Artikelinformationen abrufen.
Foto: Marcel Pieper für Pier 14

Ähnlich sieht es Christof Schönenberger vom gleichnamigen Modehaus in Alzey. Auch er hat sich aufgrund der inzwischen relativ geringen Kosten für RFID-Etiketten für diese Technologie entschieden. Der Unternehmer hofft, dass sie sich weiter durchsetzt und mehr Lieferanten ihre Ware bereits RFID-getaggt anliefern: „Dann könnten wir diese Artikel bei Wareneingang automatisch in die Bestandsführung übernehmen.“ Im Moment sind nur etwa zehn Prozent der bei ihm angelieferten Teile RFID-getaggt. Bei Pier 14 liegt die Quote immerhin bei 40 Prozent, da wichtige Lieferanten, wie z. B. Marc O’Polo, Tommy Hilfiger und Drykorn, die Ware entsprechend vorauszeichnen.

Niklas Gösling, Key Account Manager bei Checkpoint Systems, beobachtet in der Modebranche aktuell zwar ein steigendes Interesse an der Technologie, aber insgesamt sei die RFID-Tagging-Quote noch zu gering. „Insofern halten sich auch viele Multilabel- Händler derzeit noch mit der Investition in RFID zurück.“ Für Marco Schütte, Account Manager bei der Verbundgruppe EK Retail, ist dies ein typisches „Henne-Ei-Problem“: „Die Modelieferanten forcieren die Technologie nicht, weil der Handel es angeblich nicht fordert und die Händler steigen nicht ein, weil zu wenig Artikel RFID-getaggt angeliefert werden.“ EK Retail sieht sich hier in einer Vermittlerrolle und möchte mit Aufklärungsarbeit Dynamik in das Thema bringen. „RFID bietet der Modebranche erhebliches Optimierungspotenzial entlang der gesamten Supply Chain. Wer sich jetzt nicht damit beschäftigt, wird bald überholt“, ist Schütte überzeugt.

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