Im Mittelpunkt standen KI-gestützte Anwendungen, Omnichannel-Architekturen, automatisierte Checkout- und Kiosksysteme sowie nachhaltige Store- und Kühlkonzepte. Ergänzt wurde die Ausstellung durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Stages, Guided Tours und Sonderflächen, die konkrete Use Cases und Investitionsperspektiven für Handelsentscheider aufzeigten.
„Auf der EuroShop werden nicht nur die zentralen Themen des Handels, sondern auch dessen große Wandlungsbereitschaft sichtbar“, erklärt Ulrich Spaan, Geschäftsführer des EHI Retail Institute. „Der Handel nutzt alle Chancen, seine Zukunft kreativ und aktiv zu gestalten. Dabei dienen beispielsweise KI und digitale Technologien nicht nur der Effizienzsteigerung, sondern auch dazu, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und das Einkaufserlebnis weiter zu verbessern.“

GK Software hat bei seinen SCO-Lösungen u.a. Technologien zur KI-gestützten Alterserkennung präsentiert.
Foto: GK Software
KI am SCO: Von der Implementierung zur Optimierung
Während Computer Vision und Künstliche Intelligenz am Self-Checkout in den Vorjahren noch als Zukunftsvision diskutiert wurden, prägten auf der EuroShop 2026 konkrete Weiterentwicklungen nach ersten Praxiserfahrungen das Bild. Im Fokus stand dabei v. a. die automatisierte Altersverifikation per Kamerascan des Gesichts: eine Technologie, die den Kassenbereich deutlich entlasten soll, indem sie nur bei tatsächlichen Grenzfällen Personal zur Verifikation hinzuzieht.
GK und Itab zeigten bei ihren Exponaten bspw. jeweils bildbasierte Systeme zur Echtzeit-Altersschätzung, die offensichtlich erwachsene Kund:innen ohne Verzögerung durch den Kaufprozess führen. Beide Lösungen sind in bestehende SCO-Plattformen integrierbar und verkürzen Wartezeiten spürbar, während die Compliance gewährleistet bleibt.
Ergänzend zum klassischen Self-Checkout-Terminal rückte auch das Self-Scanning per Handgerät stärker in den Fokus. Zebra Technologies stellte mit dem „PS30″ einen Handscanner vor, der sich entweder per vorregistriertem Kundenkontos oder direkt über Kredit- oder EC-Karte freischalten lässt. In Deutschland werden laut des Ausstellers derzeit rund 30 Prozent der Kassiervorgänge über Self-Scanning abgewickelt. Dabei genießen v. a. ältere Menschen dessen Vorteil, beim Einkauf ihr Tempo selbst bestimmen zu können, berichtete ein Zebra-Vertreter.
Auch die RFID-Technologie entwickelt sich weiter: Avery Dennison zeigte, wie nach Textil und Non-Food nun zunehmend Frischeprodukte mit RFID ausgestattet werden. Walmart hat bereits eine große Offensive in diesem Bereich angekündigt.
Kiosk- und Self-Service-Lösungen
Eines der Hauptthemen der EuroShop 2026 war die Weiterentwicklung von Self-Service-Architekturen hin zu modularen Plattformen, die sich in bestehende Systeme integrieren lassen. Zahlreiche Anbieter adressierten damit die aktuellen Herausforderungen des Einzelhandels: Personalknappheit, Prozessstandardisierung, Shrinkage-Reduktion sowie die Verzahnung von stationären und digitalen Touchpoints.
So stellte Bizerba eine neue Kiosklösung vor, die klassische SCO-Funktionalität mit Anwendungen für Frischetheken verbindet. Das System ermöglicht die Vorbestellung von Bedienware sowohl direkt am Instore-Terminal als auch vorab über eine App von zu Hause aus. Bestellungen werden in die Thekenprozesse integriert und lassen sich zeitlich getaktet bereitstellen. In einem Pilotprojekt mit Kaufland wird dieses Szenario bereits getestet.
Auch Toshiba präsentierte flexible Kiosk- und Self-Checkout-Plattformen, die als offene Systemumgebung konzipiert sind. Neben klassischer Hardware standen Edge-Services, Remote-Management und datenbasierte Analysefunktionen im Vordergrund.
Hardwareseitige Integrationslösungen für Self-Service-Umgebungen stehen bei Ergonomic Solutions im Fokus, etwa modulare Mounting-Systeme, die OEM-Komponenten platzsparend in bestehende Flächenkonzepte einbinden.
Darüber hinaus griffen weitere Aussteller das Thema Kiosk- und Bestellterminals auf – häufig mit KI-gestützter Produkterkennung, altersverifizierten Prozessen oder erweiterten Payment-Optionen. Insgesamt zeigte sich: Self-Service ist kein isoliertes Checkout-Thema mehr, sondern entwickelt sich zu einer strategischen Plattform für Prozessautomatisierung, Omnichannel-Integration und datengetriebene Filialsteuerung.
Handelsgastronomie: Effizienz durch Automatisierung
Im Bereich Food Service Equipment dominierten Lösungen, die gastronomische Angebote im Handel mit weniger Personal und auf kleinerem Raum ermöglichen. Vernetzte Systeme, die transparente Betriebsdaten liefern, prägen die Entwicklung.

Mit der Sandwich-Station von Bizerba müssen Brote nicht mehr von Hand belegt werden.
Foto: Messe Düsseldorf/CTillmann
Rational präsentierte ein Küchensystem, das auf unter zehn Quadratmetern mit 70 Prozent Zeitersparnis ein vollwertiges Warmspeisenangebot bietet. Gerichte können dank spezieller Verpackungen tiefgefroren zubereitet werden. Der intelligente Kombidämpfer „iCombiPro“ liefert zudem detaillierte Reports zu Energieverbrauch, Nutzungszeiten und Reinigungsstatus.
MKN setzte mit der digitalen Plattform „Connected Kitchen“ auf browserbasierte Steuerung ohne eigene App und zeigte mit dem „FlexiChef“ eine selbstreinigende Friteuse, die für einen Säuberungsgang nur zwei Minuten benötigt.
Einen radikal neuen Ansatz verfolgt Botinkit: Der KI-Kochroboter „OMNI“ bereitet auf fünf Quadratmetern Gerichte wie Pad Thai oder Bratkartoffeln frisch zu: vollautomatisch und ohne Koch. Die Marke Kaimug nutzt die Technologie bereits in Rewe-Supermärkten und verwandelt damit Handelsflächen in Gastronomie-Locations mit margenstarkem Foodservice-Angebot.
Ein Besuchermagnet war die automatisierte Sandwich-Station, die Bizerba gemeinsam mit Fanuc, Kilivations, J. Schmalz und Viscotec zeigte und bei der ein Roboter Snacks, die am Terminal digital vorbestellt werden, eigenständig zubereitet. Die Lösung ist fix auf einer Bodenplatte montiert und kann von Gastrobetrieben oder z. B. auch Tankstellen im Ganzen installiert werden.

