Wer viel mit der Girocard bezahlt, mag sich beim Blick auf seine Kontoabbuchungen wundern. Denn statt einer Kartenzahlung kann es gut sein, dass sich bei einigen Zahlungen das Wort Lastschrift findet – obwohl man sich an keine Unterschrift erinnern kann. Dahinter steckt aber kein Betrug, sondern ein System, das genau das beabsichtigt. „Kunden merken oft gar nicht, ob sie kontaktlos mit der Girocard oder per Lastschrift zahlen”, sagt Sven-Moritz Becker vom Zahlungsdienstleister Payone. Technologische Weiterentwicklungen sorgen dafür, dass die Zahlung per Lastschrift sich im Portfolio der Bezahlverfahren behauptet.

Anteil der Zahlungsart SEPA-Lastschrift
Foto: EHI
Dabei galt die Lastschrift für viele Händler als Auslaufmodell. Bereits seit 2016 ermöglicht die Girocard kontaktlose Zahlungen (Tap & Go). Für viele Händler schien klar, dass hier die Zukunft liegt. So stiegen viele von SEPA-Lastschrift auf die Girocard als Standardzahlungsmittel um. Während der Anteil des Lastschriftverfahrens am Umsatz im Einzelhandel laut EHI Retail Institute 2013 noch bei 12,9 Prozent lag, hatte sich dieser bis 2021 auf sechs Prozent mehr als halbiert.
Lastschrift als Back-up
Ein Jahr später aber passierte etwas, was den Absturz aufhalten sollte. 2022 fiel bei tausenden Händlern im ganzen Land die Möglichkeit weg, elektronische Kartenzahlungen anzunehmen. Grund war ein Softwareproblem. Der einzige Weg für die Abwicklung bargeldloser Zahlungen war die Lastschrift. Wer die Zahlungsfunktion auf dem Terminal hatte, konnte diese nutzen, aber nur offline, wodurch diese nicht abgesichert waren.
Trotzdem nahmen viele Händler aus dieser Erfahrung mit, dass es eine gute Idee ist, Lastschrift als Back-up anzubieten. 2024 lag der Umsatzanteil der Lastschrift wieder bei 6,2 Prozent – ist also wieder leicht gestiegen. Besonders beliebt ist das Lastschriftverfahren laut EHI-Umfrage bei Drogeriemärkten, Textilmärkten, Sportfachgeschäften und Bau- und Getränkemärkten. Rund zwei Drittel der großen Handelsunternehmen nutzen diese Zahlungsart überwiegend mit Unterstützung von Dienstleistern. Es sieht so aus, als würde die Lastschrift überleben. Aber ist da vielleicht sogar noch mehr möglich?
Dauermandat vereinfacht Verfahren
Der Zahlungsdienstleister Payone glaubt genau das und setzt deshalb weiterhin stark auf das Lastschriftverfahren. In einer Umfrage des EHI nutzten 43 Prozent der Händler, die SEPA-Lastschriften als Zahlungsmethode anbieten, den Frankfurter Payment-Dienstleister. „Kunden sind einfach immer weniger bereit, eine entsprechende Unterschrift zu leisten”, sagt Sven-Moritz Becker von Payone. Die starken Verluste der Lastschrift durch die Girocard seien für Payone der Auslöser gewesen, sich Gedanken über die Zukunft der Lastschrift zu machen. „Wir sind zum Ergebnis gekommen: Ja, es gibt einen Markt dafür.” Nur eben mit ein paar Updates.
Dabei hilft eine Möglichkeit bei der Lastschrift, die bisher überwiegend bei Abonnements oder wiederkehrenden Zahlungen wie Mitgliedsbeiträgen eingesetzt wurde: das sogenannte Dauermandat. Händler haben damit die Möglichkeit, die Zahlung bei weiteren Käufen ohne erneute Bestätigung und nur durch ein einfaches Auflegen der Girocard (Tap & Go) einzuziehen, wenn Kund:innen die Zahlung einmalig durch ihre Unterschrift bestätigen. Bei den folgenden Zahlungen können Zahlungsdienstleister über eine Mandats-ID die Freigabe des Kunden oder der Kundin einholen. Payone bietet diese Option an, Wettbewerber wie Nexi oder Telecash ebenfalls.
Ein neues Händlernetzwerk
Ein erteiltes Mehrfachmandat ist theoretisch bis zu 36 Monate gültig, wird aber bei jedem neuen Einkauf verlängert, kann also unendlich weiterlaufen, solange ein gültiges Mandat vorliegt. „Händler haben so den Vorteil, schnelle kontaktlose Zahlung anbieten zu können und das mit niedrigeren Kosten als bei der Girocard”, sagt Becker. Und das über einen sehr langen Zeitraum. Mit steigender Größe und Frequenz der Händler lohne sich die Zahlungsart umso mehr.

Beim Drogeriemarktunternehmen Rossmann ist die Bezahlung per Lastschriftverfahren auch an der Self-Checkout-Kasse möglich
Foto: Rossmann
Seit 2022 bietet Payone außerdem mit „Revolv” ein erweitertes Verfahren an: Das Dauermandat gilt so nicht nur dauerhaft bei einem Händler, sondern bei allen, die Teil des Netzes sind – ein geteiltes Mandat also. Um bei allen Händlern kontaktlos über das Lastschriftverfahren einzukaufen, reicht es für den Kunden oder die Kundin, einmal eine Unterschrift zu leisten. Nutzt er das Netzwerk danach wieder, verlängert sich das Mandat. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kunde das System nutzt und das Dauermandat verlängert, erhöht sich mit jedem neuen Händler im Netzwerk. Aktuell umfasst dieses laut Payone knapp 25 Mio. aktive Mandate und deckt über 90 Prozent der Lastschriften über den Dienstleister ab.
Günstiger als die Girocard
Einer der ersten Händler, der „Revolv“ nutzte, ist das Drogeriemarktunternehmen Rossmann. „Zu Beginn gab es bei einigen wenigen Kunden Fragezeichen, weil sie das erste Mal seit langer Zeit eine Lastschrift physisch unterschrieben hatten”, sagt Stephan Miller, Treasurer bei Rossmann. Das habe sich aber schnell gelegt, auch weil Mitarbeitende die Hintergründe erklärten. „Den meisten Kunden sind die Unterschiede gar nicht so sehr bewusst.“
Dank des „Revolv“-Systems ist das Laststschriftmandat auch wieder günstiger für die Händler. Seit 2015 sind die Interbankenentgelte bei Debitkarten und damit die wesentlichen Kosten der Girocard auf 0,2 Prozent gedeckelt. Das verringerte den Kostenvorteil der Lastschrift. Mit dem neuen Verfahren sei dieser wieder größer geworden, sagt Miller.
Eine Schwäche der Lastschrift ist, dass ein gewisses Risiko des Zahlungsausfalls bleibt. „Früher haben viele Händler das Risiko selbst gesteuert”, sagt Becker. „ Gerade wenn sie Kunden persönlich kannten.” Das ist aber bei großen Händlern in der Regel nicht der Fall. In Ausnahmefällen kann ein neues SEPA-Lastschriftmandat angefordert werden, beispielsweise bei höheren Beträgen. Das müssen Kunden unterschreiben und das Mandat wieder bestätigen. Eine mögliche Lösung, das Risiko von Zahlungsausfällen für Händler zu minimieren, besteht darin, sich die Lastschriften gegen eine Gebühr abkaufen zu lassen.
Das Factoring über Payone ist bei „Revolv“ im Preis inbegriffen. „Je nach Branche ist das Risiko für einen Ausfall unterschiedlich”, sagt Becker. „Das Problem sind nicht einzelne Ausfälle, sondern organisierte Kriminelle, die gezielt zu Händlern gehen, um dort einen möglichst hohen finanziellen Schaden zu verursachen.” Sie machten einen Hauptteil der tatsächlichen Ausfälle aus. Die Totalausfälle über alle Zahlungsdienstleister hinweg lagen 2024 bei 0,055 Prozent.
Payone hat in Zusammenarbeit mit Rossman das Verfahren weiterentwickelt, um es auch an Self-Checkout- Kassen zu nutzen – seit Herbst 2025 ist das möglich. „Es war uns schon sehr wichtig, dass wir eine Lösung finden, da die Selbstbedienungskassen immer mehr an Bedeutung gewinnen”, sagt Stephan Miller.
Payment Kongress 2026
Am 5. und 6. Mai 2026 findet der diesjährige EHI Payment Kongress im ehemaligen Deutschen Bundestag in Bonn statt, bei dem die Fachbranche wieder umfangreich über aktuelle Trends und Themen, wie u. a. Lastschriftverfahren, diskutiert. Weitere Informationen zum Programm und Tickets befinden sich auf der Website: www.ehi-paymentkongress.de.

