Der Markteintritt erfolgte parallel in sechs Ländern: neben Deutschland in Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Frankreich. Im Sortiment: Technik, Haushaltsgeräte, Beauty, Wohnen sowie Lebensmittel und Alltagsartikel.
Logistik aus Oberhausen
Kernelement der Deutschland-Strategie ist das Logistikzentrum in Oberhausen mit mehr als 90.000 qm Fläche. JD Logistics betreibt europaweit rund 60 Lager- und Logistikstandorte – eine Infrastruktur, die der Konzern bereits vor dem Joybuy-Launch aufgebaut hatte und nun für den eigenen Retail-Betrieb nutzt. Für die Schnelllieferung hat JD.com den Dienst „JoyExpress“ eingeführt. Same-Day-Delivery ist derzeit in ausgewählten Städten Nordrhein-Westfalens verfügbar: Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen und Köln. Ab einem Bestellwert von 29 Euro ist die taggleiche Lieferung kostenlos, darunter fallen 3,99 Euro Versandkosten an. In anderen Regionen liefert Joybuy per Next-Day- oder Standardversand. Mit dem Mitgliedschaftsprogramm „JoyPlus“ können Kund:innen künftig ohne Mindestbestellwert kostenlos bestellen.

V.l.n.r.: Tobias Meyer, CEO der DHL-Gruppe; Dongming Wu, CEO von DHL Express China; Eric Zheng, Leiter des Global Service, Jingdong Logistics; Sandy Xu, CEO, JD.com
Foto: Joybuy
DHL als Partner
Parallel zum Retail-Start hat JD.com mit DHL Group eine Absichtserklärung unterzeichnet mit dem Ziel, deutschen Marken den Zugang zum chinesischen Markt zu erleichtern und ihre Präsenz auf Joybuy auszubauen. Über das grenzüberschreitende E-Commerce-Geschäft „Jingdong Crossborder“ sollen deutsche Marken ihre Produkte den chinesischen Verbraucher:innen anbieten können – ohne eigene Niederlassung in China. DHL und Jingdong Logistics, der Logistikarm von JD.com, wollen gemeinsam End-to-End-Logistiklösungen entwickeln, um den Fulfillment-Prozess von Europa nach China zu optimieren. „Nachhaltiges Wachstum in China erfordert die richtigen Kanäle und operative Infrastruktur, um chinesische Verbraucher in großem Umfang direkt zu erreichen“, sagt Sandy Xu, CEO von JD.com.
Ceconomy im Blick
JD.com verhandelt derzeit zudem über eine Mehrheitsbeteiligung an Ceconomy, der Muttergesellschaft von Mediamarkt und Saturn. Die Übernahme ist noch nicht abgeschlossen. Unter anderem stehen kartellrechtliche Genehmigungen aus, darunter in Österreich. Würde sie vollzogen, verfügte JD.com unmittelbar über ein dichtes stationäres Filialnetz in Deutschland und Europa.
„Die richtigen Bausteine"
Lars Hofacker leitet beim EHI Retail Institute den Forschungsbereich E-Commerce. Im Gespräch mit stores-shops.de ordnet er ein, was Joybuy von anderen internationalen Plattformen unterscheidet und welche Händler den neuen Wettbewerb am stärksten zu spüren bekommen könnten.
Welches Potenzial hat Joybuy deiner Ansicht nach im deutschen Onlinehandel?
Mit Joybuy steigt ein weiterer internationaler Anbieter in den deutschen Onlinehandel ein. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass JD.com nicht nur eine Plattform startet, sondern gleichzeitig ein eigenes europäisches Liefernetzwerk aufbaut. Der neue Service JoyExpress soll Lieferzeiten verkürzen und Abläufe vereinfachen. Genau diese Faktoren zählen zu wichtigen Kriterien für Zufriedenheit und Weiterempfehlung im deutschen Onlinehandel. Händler, die schnelle und zuverlässige Lieferung anbieten können, verschaffen sich damit einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Was unterscheidet Joybuy in Sachen Kundenbindung von anderen Plattformen?
Die Joybuy-App unterstützt nicht nur den Einkauf, sondern fördert auch die Kundenbindung über personalisierte Angebote, Aktionen und vereinfachte Servicewege. Viele große Händler nutzen Apps, um die Kundenbindung zu stärken, doch Plattformen wie Temu oder Shein nutzen sie besonders aufmerksamkeitsstark direkt auf ihren Websites, um Nutzer:innen gezielt zu aktivieren. Apps steigern Wiederkäufe und ermöglichen Händlern einen direkten Zugang zu ihren Kund:innen.
Darüber hinaus hat Joybuy das Treueprogramm JoyPlus eingeführt, das langfristige Kundenbeziehungen stärken soll. Treueprogramme sind im deutschen Onlinehandel ein bewährtes Mittel, um Kund:innen zu binden, Preisdruck abzufedern und wiederkehrende Käufe zu fördern – ein Ansatz, den unsere EHI-Befragungen immer wieder bestätigen. Nicht zuletzt bietet Joybuy rund um die Uhr Support per Chat und Telefon. Im Vergleich zu anderen internationalen und deutschen Anbietern ist dies ein bemerkenswertes Angebot, das Vertrauen schaffen kann.
EHI Connect: Veranstaltungs-Highlight für den E-Commerce
Die EHI Connect bringt am 29. und 30. September 2026 im Denkquartier Düsseldorf als Konferenz für den digitalen und vernetzten Handel alle zusammen, die die Begeisterung für den Onlinehandel verbindet. Die Veranstaltung beleuchtet dabei in unterschiedlichsten Formaten die wichtigsten Entwicklungen und Trends rund um den E-Commerce. Hier geht es zur Anmeldung.
Worauf sollten sich etablierte Anbieter einstellen?
Kurzfristig ist nicht mit erheblichen Marktanteilsverschiebungen zu rechnen. Der deutsche Onlinehandel ist gut ausgereift, viele Sortimente sind bereits stark besetzt – wie unsere Gespräche mit Entscheidern aus dem Handel sowie Befragungen der EHI-Community zeigen. Mittelfristig könnten jedoch bestimmte Faktoren den Wettbewerbsdruck erhöhen. In stark preisorientierten Kategorien könnte Joybuy schnell neue Kund:innen gewinnen. Im Marktplatzgeschäft führt zusätzliche Konkurrenz häufig zu sinkenden Margen und intensiverem Wettbewerb. Besonders relevant sind hierbei Liefergeschwindigkeit, Servicequalität und Kundenbindungsmaßnahmen: Schnelle, verlässliche Lieferungen über JoyExpress, ein 24/7-Service mit zügigen Rückrufen sowie App- und Treueprogramm-Funktionen können das Vertrauen der Kundschaft stärken und loyale Nutzergruppen aufbauen.
Wie können Händler darauf reagieren und was heißt das für die Zukunft?
JD.com verfolgt einen strategischen, schrittweisen Ansatz. Der Wettbewerbsdruck wird vor allem dann spürbar, wenn Logistik, Service und Kundenbindungsprogramme zuverlässig greifen. Händler, die über eine klare Markenpositionierung, starke Services und Omnichannel-Strategien verfügen, sind für diese Entwicklungen deutlich besser gerüstet als Anbieter, die überwiegend über den Preis konkurrieren.Joybuy wird also meiner Einschätzung nach nicht über Nacht zum Marktführer, bringt aber die richtigen Bausteine mit, um mittel- bis langfristig eine relevante Rolle im deutschen Onlinehandel zu spielen.
EHI-Ranking: Die größten Elektronikhändler in Deutschland
Wer sind die führenden Anbieter im deutschen Elektronikhandel? Unser aktuelles Ranking listet die Top-10-Unternehmen auf, gemessen am Nettoumsatz für das Geschäftsjahr 2025. Ceconomy belegt mit seinen beiden Vertriebslinien Saturn und Mediamarkt den zweiten Platz, direkt hinter Amazon. Die 403 Elektrofachmärkte erwirtschafteten 2025 zusammen einen Nettoumsatz von 9,89 Mrd. Euro. → Zum vollständigen Ranking

