Agentic Commerce: KI-Agenten bezahlen autonom | stores+shops

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Künstliche Intelligenz findet immer mehr Einzug ins Payment.
Foto: InfiniteFlow/stock.adobe.com

Agentic Commerce: KI-Agenten bezahlen autonom

Die Künstliche Intelligenz hält Einzug in das Online-Payment. Führende Kreditkartenanbieter entwickeln KI-Agenten, die Transaktionen im Namen der Karteninhaber selbständig auslösen können. Für den E-Commerce ergeben sich daraus neue Perspektiven und Herausforderungen.

War vor einem Jahr noch die Rede davon, dass mit Künstlicher Intelligenz vor allem Kundenservice und Risikomanagement optimiert werden können, richtet sich der Fokus aktuell auf KI-gesteuerte Agenten, die komplette Kaufvorgänge – von der Recherche über die Produktauswahl bis hin zur Bezahlung – eigenständig abwickeln können. Der E-Commerce wird zum Agentic Commerce. Die größten Herausforderungen liegen darin, die Sicherheit von Zahlungen weiter zu gewährleisten und das Vertrauen von Verbraucher: innen und Händlern zu gewinnen.

Hierzu haben diverse Akteure eigene Initiativen gestartet. Eine wesentliche Rolle spielen dabei Token: Zufällig generierte Zahlenfolgen, die anstelle der Kartennummern auf digitalen Endgeräten und bei Händlern gespeichert werden. Mastercard zum Beispiel hat 2025 „Agent Pay“ vorgestellt. Das Programm arbeitet mit Agentic Tokens. Vertrauenswürdige KI-Agenten sollen registriert und verifiziert werden. Damit werden sie in die Lage versetzt, sichere Zahlungen im Namen ihrer Benutzer:innen zu tätigen. Die Verbraucher:innen sollen eine vollständige Kontrolle darüber erhalten, was KI-Agenten in ihrem Namen kaufen dürfen.

Transaktionen selbstständig ausführen

Anfang März 2026 haben Banco Santander und Mastercard die erste vollständig durch einen KI-Agenten ausgeführte End-to- End-Zahlung in Europa abgeschlossen. Beide Partner sehen darin einen bedeutenden Meilenstein in der Anwendung von KI-Systemen, da sie in der Lage sind, Transaktionen im Namen von Kund:innen selbständig abzuschließen. Santander führte die Transaktion in einer kontrollierten Umgebung unter Verwendung von Mastercard Agent Pay durch.

Matías Sánchez García, Global Head of Cards and Digital Solutions bei Santander: „Da KI-Agenten Teil des täglichen Handels werden, ist der Aufbau vertrauenswürdiger, skalierbarer Rahmenbedingungen unerlässlich, um ihr volles Potenzial auszuschöpfen.“ Santander geht nun in eine Phase erweiterter Tests über und prüft zusätzliche Anwendungsfälle mit dem Ziel einer Skalierung. Wichtig ist der Bank die Beibehaltung starker Kontrollmechanismen, Resilienz und regulatorischer Konformität. Kelly Devine, Präsidentin von Mastercard Europa: „Agentic Payments stellen eine tiefgreifende Veränderung in der Art und Weise dar, wie Handel initiiert und ausgeführt wird. Mit Mastercard Agent Pay wenden wir die gleichen Prinzipien, die unser Netzwerk seit Jahrzehnten auszeichnen – Sicherheit, Vertrauen, Interoperabilität und globale Reichweite – auf eine neue Ära des KI-gestützten Handels an.“

Agentic Payments stellen eine tiefgreifende Veränderung in der Art und Weise dar, wie Handel initiiert und ausgeführt wird. Mit Mastercard Agent Pay wenden wir die gleichen Prinzipien, die unser Netzwerk seit Jahrzehnten auszeichnen, auf eine neue Ära des KI-gestützten Handels an.

Kelly Devine

Präsidentin, Mastercard Europe

Protokoll für den sicheren Austausch

Visa will mit dem „Trusted Agent Protocol“ eine neue technische Grundlage für KI-Agenten schaffen, die künftig im Auftrag von Verbraucher: innen einkaufen und bezahlen können. Das Protokoll soll einen sicheren Austausch zwischen KI-Agenten und Händlern im Zahlungsprozess ermöglichen und verhindern, dass legitime Transaktionen der KI-Agenten versehentlich geblockt werden.

Für Händler ergeben sich beim KI-gestützten Handel neue Herausforderungen. Dazu zählen die Steuerung von Bot-Erkennungssystemen, die legitime Transaktionen von KI-Agenten fälschlicherweise blockieren könnten, die Unterstützung von Checkouts bzw. Gast-Checkouts, die von KI-Agenten ausgelöst werden, sowie die Erkennung, um welche Personen es sich hinter den Agenten und Zahlungsdaten handelt.

Genau diese Herausforderungen soll das „Trusted Agent Protocol“ lösen. Es ermöglicht verifizierten Agenten, wichtige Informationen sicher an Händler zu übertragen. In den Entwicklungsprozess des Protokolls ist das Feedback zahlreicher Partner eingeflossen, darunter Adyen, Ant International, Checkout.com, Coinbase, Cyber Source, Elavon, Fiserv, Microsoft, Nuvei, Shopify, Stripe und Worldpay.

Das Trusted Agent Protocol verwendet agentenspezifische, kryptografische Signaturen und schafft technische Spezifikationen für Händler. Diese enthalten Informationen zu Absicht des KI-Agenten, Verbrauchererkennung und Zahlungsinformationen. Handelt der Agent im Auftrag des Nutzers – etwa um zusätzliche Produktinformationen beim Händler abzurufen oder einen Kauf zu tätigen? Verfügt ein Verbraucher bereits über ein Kundenkonto oder hat zuvor schon mit dem Händler interagiert? Kann der KI-Agent Zahlungsdaten übermitteln, die den bevorzugten Zahlungsmethoden des Händlers entsprechen?

Das Trusted Agent Protocol soll es Händlern ermöglichen, ohne eigenen Entwicklungsaufwand KI-Agenten mit Kaufabsicht zu identifizieren und ihren Kunden ein verbessertes, personalisiertes Zahlungserlebnis zu bieten.

Jack Forestell

Chief Product & Strategy Officer, Visa

Die ersten Spezifikationen wurden für das Visa Netzwerk entwickelt. Damit KI-Agenten sicher im Auftrag von Verbraucher:innen handeln können, braucht es einen offenen Ansatz, der das gesamte Ökosystem einbezieht. Daher will Visa sich eng mit internationalen Normungsgremien wie IETF, Open ID Foundation und EMV Co abstimmen. Darüber hinaus arbeitet Visa mit weiteren Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass das Trusted Agent Protocol mit anderen Protokollen wie dem Agentic Commerce Protocol kompatibel ist.

Jack Forestell, Chief Product & Strategy Officer bei Visa: „Händler müssen KI-Agenten vertrauen können. Das zu erreichen liegt in der Verantwortung des gesamten Zahlungsökosystems. Deshalb arbeiten wir eng mit unseren Partnern zusammen, damit von KI-Agenten ausgelöste Zahlungen künftig genauso reibungslos und sicher ablaufen wie heutige digitale Zahlungen. Das neue Protokoll soll es Händlern ermöglichen, ohne eigenen Entwicklungsaufwand KI-Agenten mit Kaufabsicht zu identifizieren und ihren Kunden ein verbessertes, personalisiertes Zahlungserlebnis zu bieten.“

Pilotprojekte vor dem Start

Gemeinsam mit Unternehmen aus Deutschland und Europa hat Visa aktuell die Vorbereitungen für sichere und zuverlässige Zahlungen im KI-gestützten Handel begonnen. In Pilotprojekten wird die Abwicklung von agentischen Zahlungen in kontrollierter Umgebung getestet. Erste Partner in Deutschland sind die Commerzbank und die DZ Bank sowie Payone und Notebooksbilliger.de.

Das Agentic Commerce Protocol (ACP) wurde gemeinsam von Stripe und Open AI (Chat GPT) entwickelt und beinhaltet eine Open-Source-Spezifikation für den Handel zwischen kompatiblen Anwendungen wie Chat GPT und Verkäufern. Damit will man Händlern ermöglichen, mit vielen unterschiedlichen KI-Agenten zusammenzuarbeiten.

Stripe hat im vergangenen Jahr „Shared Payment Tokens“ (SPT) gestartet. Die Tokens sollen als Grundlage für Agentic Commerce dienen und KI-Agenten ermöglichen, mit der Zustimmung von Verbraucher:innen Zahlungen mit deren bevorzugten Zahlungsmethoden zu erledigen. Mit dieser Anwendung sollen u. a. auch Mastercard Agent Pay und Visa Intelligent Commerce unterstützt werden.

Der Handel über KI-Agenten befindet sich zwar noch in einem frühen Stadium, entwickelt sich aber sehr dynamisch. Händler sind gefordert, sich intensiv mit dieser Entwicklung zu beschäftigen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

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