Anhand von vier Szenarien kann die unterschiedliche Grade der KI-Einbindung in den Einkaufsprozess skizziert werden. Das erste und heute bereits verbreitete Szenario ist der KI-optimierte Webshop: KI-Funktionen wie dialogbasierte Produktsuche, Personalisierung und Shopping-Assistenten werden in bestehende Shop-Oberflächen integriert, wie es etwa bei Otto, Amazon, Vodafone und Check24 der Fall ist. Das zweite Szenario beschreibt den einfachen KI-Shopping-Assistenten: Chatbots oder Sprachassistenten übernehmen die Produktsuche und leiten Kund:innen anschließend an den Webshop weiter. Der Kaufabschluss erfolgt weiterhin im Shop, die KI fungiert als vorgelagerter Touchpoint.
Einkauf beim Agenten
Im dritten Szenario wird die KI-Plattform zur vollständigen Einkaufsumgebung. Angebote wie Googles Gemini stellen auf Basis von Nutzer:innen-Anweisungen passende Produkte zusammen, und der Kauf kann direkt im Assistenten abgeschlossen werden, ohne Kanalwechsel in den Webshop. Das vierte und weitreichendste Szenario ist der KI-Concierge: Ein Agent übernimmt proaktiv den gesamten Einkaufsprozess, handelt (teil-)autonom und trifft Kaufentscheidungen stellvertretend für die Nutzer:innen. Die Konsequenz: Nicht mehr die Kund:innen selbst, sondern deren Agenten werden zur eigentlichen Zielgruppe im Handel.
Verlagerter Checkout
Die vier Szenarien unterscheiden sich auch im Ort des Zahlungsabschlusses. In den Szenarien 1 und 2 verbleibt der Checkout im Webshop. In den Szenarien 3 und 4 verlagert er sich auf die Seite des Agenten. Welches Szenario sich am Markt durchsetzt, entscheidet damit auch darüber, wer den Checkout-Prozess künftig kontrolliert und unter welchen technologischen und regulatorischen Bedingungen.
Im Interview mit stores-shops.de, aufgezeichnet am Rande des EHI Payment Kongresses 2026, geht Stefan Hölscher der Frage nach, was die Szenarien für Händler konkret bedeuten können.

