Die Handelsgastronomie wächst, obwohl das Konsumklima schwierig bleibt, oder vielleicht gerade deshalb. Mit einem Branchenumsatz von 13,29 Mrd. Euro und einem tatsächlichen Wachstum von 7,1 Prozent übertraf die Branche 2025 die eigene Prognose um drei Prozentpunkte, wie Paulina Ullrich und Olaf Hohmann vom EHI zu Beginn der Veranstaltung anhand der aktuellen EHI-Studie zeigten. Sebastian Walter, Senior Consultant bei YouGov, lieferte dazu die Konsument:innenperspektive: 72 Prozent der Befragten empfinden Restaurantbesuche als zu teuer, und trotz der Mehrwertsteuersenkung zu Jahresbeginn nahmen 77 Prozent keine Preisveränderung wahr. Preisunterschiede von bis zu 114 Prozent gegenüber der Systemgastronomie, etwa bei Currywurst, machen die Handelsgastronomie zur attraktiven Alternative.

Sebastian Walter, YouGov
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Walter warnte jedoch davor, sich allein auf diesen Vorteil zu verlassen. Im zweiten Halbjahr 2026 habe sich das Wachstum bereits etwas abgekühlt, besonders bei Haushalten mit niedrigem Einkommen und Familien mit Kindern. Seine Empfehlung: Snacking-Anlässe konsequent über den gesamten Tag bespielen und Gesundheit und Genuss gemeinsam vermarkten, statt sie gegeneinander auszuspielen. Für 2026 erwarten die befragten Händler ein weiteres Umsatzwachstum von durchschnittlich 4,3 Prozent.
Von der Kaffeemaschine zur Convenience-Kompetenz

Michael Mayer-Sonnenburg, Lekkerland
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Wie ein gastronomisches Konzept über Jahre zur Marke reift, zeigte Michael Mayer-Sonnenburg, Vice President bei Lekkerland und verantwortlich für das Rewe to go-Geschäft in Deutschland. Der erste Store eröffnete 2011 in der Kölner Hohe Straße und scheiterte zunächst, weil er weder für Impulskäufer noch für Versorgungseinkäufer relevant war. Viele Standorte wurden in der Folge wieder geschlossen. Der Durchbruch beim Kaffeeangebot kam erst, als Rewe to go statt auf Branding auf Kompetenz setzte: hochwertige Maschinen, gute Bohne, klares ladenbauliches Signal. Am Bahnhof Wuppertal stieg der Kaffeeanteil am Gesamtumsatz nach dem Umbau auf rd. 50 Prozent.
Das übergeordnete Konzept: konsequent „Food for now“. An manchen Standorten entfällt mittlerweile 100 Prozent des Sortiments auf den sofortigen Verzehr. Frische, Geschwindigkeit und faire Preise bilden das strategische Fundament, auch an Premiumstandorten wie dem Frankfurter Flughafen, wo ein halber Liter Wasser für 1,19 Euro angeboten wird, während der nächstgünstigere Wettbewerber laut Mayer-Sonnenburg bei 4 Euro liegt. Ein modulares Storekonzept bespielt Flächen von 4 bis 500 Quadratmeter, und ein internes Team screent kontinuierlich Social-Media-Plattformen, um neue Produkte frühzeitig ins Sortiment zu bringen.
Kein One-fits-all

Michael Neef, Breuninger
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Für Breuninger liegt der Schlüssel zu einer erfolgreichen Gastronomie zum einen in Angeboten, die individuell auf den jeweiligen Standort und die Bedürfnisse der Kundschaft zugeschnitten sind. Zum anderen geht es darum, diese Services omnichannel erlebbar zu machen. Dafür hat das Unternehmen vier verschiedene Konzepte entwickelt: ein All-Day-Dining-Konzept, ein Casual Fine Dining-Konzept, ein urbanes Bar- und Treffpunktkonzept sowie eine Confiserie. Die Gastronomie kann ein Zusatzservice oder sogar der Hauptanlass für einen Besuch im Store sein – in jedem Fall aber ist sie ein wichtiger Touchpoint zur Marke Breuninger.
Daher weist das Unternehmen seine Kund:innen über alle Kanäle auf die gastronomischen Angebote hin. Das ist auch deshalb so relevant, weil Breuninger mehr als die Hälfte (55 %) des Bruttowerts aller Transaktionen online erwirtschaftet, digital also ein wichtiger Kontaktpunkt ist. Die App des Händlers präsentiert somit nicht nur Produkte und klassische Retail-Services, sondern informiert auch über Services, Events und Gastronomie. Im Rahmen des Sansibar-Konzepts können Kund:innen beispielsweise direkt über die App einen Tisch reservieren. Künftig sollen die Erlebnisse noch stärker miteinander verbunden werden, erklärt Corporate Director of F&B Michael Neef: Shopping und Lunch, Beauty und Drinks oder Fashion-Events und Dinner.

Geo Sotiriou, Noi Cologne
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KI als stiller Betriebshelfer
Ein Beispiel für den Einsatz von KI in der Gastronomie als konkretes Betriebsmittel illustrierte Geo Sotiriou, Gründer des Kölner Restaurants Noi, anhand seines 2024 eröffneten Lokals. Datengetriebene Steuerung über Kassensystem, Reservierungstool und KI-Auswertung senkte den Lebensmittelabfall auf unter 5 Prozent, verteilte Stoßzeiten gleichmäßiger und steigerte den Durchschnittsumsatz pro Tisch um bis zu 10 Prozent. Für die Handelsgastronomie, die ähnliche Herausforderungen bei Warenplanung und Personalsteuerung kennt, steckt darin Übertragungspotenzial.

