Studie: Deutsche Händler planen weitere Filialexpansion | stores+shops

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Das EHI hat die Standortfaktoren deutscher Handelsunternehmen unter die Lupe genommen
Foto: Vincent/stock.adobe.com

Studie: Deutsche Händler planen weitere Filialexpansion

Der deutsche Einzelhandel setzt weiter auf Expansion. Das zeigt der aktuelle Hahn Retail Real Estate Report, für den das EHI im Auftrag der Hahn Gruppe eine Händlerbefragung durchgeführt hat. Im Vordergrund stehen Fachmarktzentren als bevorzugte Lage sowie Investitionen in weitere Filialen und größere Flächen.

Insgesamt erreicht der deutsche Einzelhandel laut dem Report im laufenden Jahr voraussichtlich einen Nettoumsatz von 697,4 Mrd. Euro. Das entspricht nominal einem Plus von rund 2 Prozent, real dürfte der Umsatz aufgrund der gestiegenen Preise allerdings stagnieren. Der Onlinehandel wächst weiter und erreicht voraussichtlich einen Anteil von 13,8 Prozent am Einzelhandel im engeren Sinne. Robust bleibt laut der Studie die Nachfrage nach Gütern des täglichen Bedarfs.

Herausforderungen für Einzelhändler

Herausforderungen für Einzelhändler
Foto: EHI

Verbrauchermärkte steigerten ihren Umsatz 2025 um knapp 7 Prozent und erhöhten ihren Umsatzanteil von 24,6 auf 25,1 Prozent. Auch Drogeriemärkte entwickelten sich mit einem Umsatzplus von rund 5 Prozent positiv. Gleichzeitig etablieren sich Non-Food-Discounter stärker im Einkaufsalltag und bauen ihre Filialnetze aus.

Am Investmentmarkt hellt sich die Stimmung auf. Fast die Hälfte der befragten Investoren plant, in den kommenden zwölf Monaten moderat zuzukaufen. Bei den bevorzugten Objekttypen liegen Fachmarkt- und Nahversorgungszentren vorn. Entscheidend sind aus Sicht der Hahn Gruppe die Ankerfunktion des Lebensmitteleinzelhandels und ein Mietermix für den täglichen Bedarf.

Discounter haben die Nase vorn

Im Rahmen einer Händlerumfrage hat das EHI 71 Expansionsverantwortliche aus Einzelhandel, Gastronomie und filialisierten Dienstleistungen befragt. Die Ergebnisse zeigen eine Verschiebung von der Expansion zur Konstanz, nicht jedoch zu einem breiten Abbau von Filialnetzen. 45 Prozent der Vertriebslinien wollen die Zahl ihrer Standorte bis Jahresende erhöhen.

39 Prozent planen ein unverändertes Filialnetz, 15 Prozent wollen Standorte aufgeben. Damit halten 84 Prozent der Vertriebslinien ihr Netz mindestens konstant. Im Vorjahr lag der Anteil der Vertriebslinien mit Expansionsplänen noch bei 61 Prozent. Der aktuelle Wert liegt damit unter dem Ausnahmewert von 2025, aber über dem Niveau von 2024 mit 42 Prozent.

Besonders expansiv zeigen sich Drogerie, Gesundheit & Beauty, Gastronomie, allgemeiner Bedarf, Hobby & Freizeit sowie filialisierte Dienstleistungen. „Auffällig ist, dass Discountformate verschiedener Branchen sehr expansiv auftreten: Zwei Drittel geben an, mehr Filialen zu eröffnen“, sagt Lena Knopf, Forschungsbereichsleiterin Handelsimmobilien beim EHI.

Auffällig ist, dass Discountformate verschiedener Branchen sehr expansiv auftreten.

Lena Knopf

Leiterin Forschungsbereich Immobilien + Expansion, EHI Retail Institute

Im Lebensmitteleinzelhandel dominiert dagegen die Konstanz. 65 Prozent der Vertriebslinien planen mit einem unveränderten Filialnetz, jeweils 18 Prozent mit mehr oder weniger Standorten. Diese Entwicklung wird unter anderem auf die begrenzte Verfügbarkeit geeigneter Flächen und lange Genehmigungsverfahren zurückgeführt. Modernisierungen, Flächenerweiterungen an bestehenden Standorten und die Verlängerung von Mietverhältnissen gewinnen dadurch an Bedeutung.

Entwicklung der Lagen

Entwicklung der Lagen
Foto: EHI

Fachmarktzentren als Top-Standorte

Fachmarktzentren sind die bevorzugte Lagekategorie der befragten Vertriebslinien. 68 Prozent erwarten für diese Standorte eine positive Entwicklung, lediglich 3 Prozent rechnen mit einer negativen. Unabhängig von der Zentralität suchen 77 Prozent der Vertriebslinien nach Flächen in Fachmarktzentren.

Die 1-a-Lagen beziehungsweise Hauptgeschäftsstraßen folgen mit 76 Prozent, werden jedoch deutlich differenzierter bewertet. Die Präferenzen unterscheiden sich nach dem Preisniveau. Bei den Discountern suchen 95 Prozent nach Fachmarktzentren in Oberzentren. Fachmarktzentren in Top-7-Metropolen und Mittelzentren folgen mit jeweils 79 Prozent.

Für Vertriebslinien im mittleren und gemischten Preisniveau stehen Fachmarktzentren in Oberzentren mit 65 Prozent ebenfalls an erster Stelle. Im Premiumsegment liegt der Schwerpunkt dagegen auf 1-a-Lagen in Top-7-Metropolen.

Generell sind die Top Expansionsziele der Discounter Fachmarktzentren in Oberzentren.

Lena Knopf

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Standortwahl eng mit dem jeweiligen Geschäftsmodell und Preisniveau verbunden bleibt. Zugleich zeigen sie die anhaltende Bedeutung gut erreichbarer, versorgungsorientierter Standorte für die Expansion. Fläche bleibt Investitionsziel Neben neuen Standorten bleibt die Weiterentwicklung bestehender Flächen ein wichtiges Thema.

Anzahl der Filialen am Jahresende

Anzahl der Filialen am Jahresende
Foto: EHI

45 Prozent der Vertriebslinien planen laut der Befragung mit einer gleichbleibenden Verkaufsfläche je Filiale, 37 Prozent streben größere Flächen an. 18 Prozent rechnen mit einer Verkleinerung. Im Lebensmitteleinzelhandel wollen 59 Prozent die durchschnittliche Fläche je Filiale vergrößern. Bei Discountern liegt dieser Anteil bei 53 Prozent.

Für die kommenden Jahre nennen 72 Prozent der Vertriebslinien eine Vergrößerung des Filialnetzes als wichtigsten Investitionsschwerpunkt. Kundenbindungsprogramme folgen mit 55 Prozent, Ladenbau mit 48 Prozent und Ressourceneffizienz mit 28 Prozent.

„Der Investitionsschwerpunkt Nummer eins ist für 72 Prozent der Vertriebslinien in den nächsten Jahren eine Vergrößerung des Filialnetzes“, sagt Lena Knopf.

Begrenzt wird die Expansion durch Kosten und Standortfragen. 76 Prozent der Befragten nennen die gedämpfte Konsumstimmung als aktuell größte Herausforderung. Bei den konkreten Expansionshemmnissen bewerten 51 Prozent das Niveau der Bau- und Modernisierungskosten als sehr herausfordernd. Die Verfügbarkeit geeigneter Objekte und Standorte betrifft insgesamt 88 Prozent der Vertriebslinien zumindest als Herausforderung.

EHI-Whitepaper „Expansionstrends 2026“

Das Whitepaper steht als pdf hier kostenlos zum Download zur Verfügung.

Kontakt: Lena Knopf, Leiterin Forschungsbereich Immobilien + Expansion, Mail: knopf@ehi.org, Tel. +49 221 57993-712

 

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