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Drei Viertel der befragten Onlinehändler haben bereits Maßnahmen zur Betrugserkennung eingeführt
Foto: Fotoalia/welcomia.com

Studie: Fast alle Onlineshops von Betrug betroffen

93 Prozent der Onlineshops in Deutschland waren bereits mit Betrug oder Betrugsversuchen konfrontiert. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Bevh zeigt, dass vor allem Identitätsbetrug, manipulierte Kundendaten und missbräuchliche Retouren zu den häufigsten Betrugsformen gehören.

Betrug gehört für die meisten Onlineshops mittlerweile offenbar zum Geschäftsalltag. 48 Prozent der befragten Unternehmen berichten von einem Anstieg der Betrugsfälle innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Bei 37 Prozent blieb das Aufkommen auf hohem Niveau stabil, 15 Prozent verzeichneten einen Rückgang. Das hat eine von CRIF im Auftrag des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland durchgeführte Umfrage unter deutschen Onlinehändlern ergeben.

„Dass 93 Prozent der befragten Onlinehändler bereits mit Betrug oder Betrugsversuchen konfrontiert waren, zeigt, wie präsent das Thema im Onlinehandel ist“, sagt Lars Hofacker, Director of E-Commerce Research, EHI Retail Institute.

Identitätsbetrug dominiert

Identitätsbezogene Betrugsformen führen mit der Nennung seitens 75 Prozent der Befragten die Auswertung an. Bei 67 Prozent wurden Namens- und Adressdaten manipuliert, 55 Prozent waren mit vollständig falschen Identitäten konfrontiert. Weitere Betrugsrisiken entstehen nach den Ergebnissen im Zusammenhang mit der Warenlieferung und der Nutzung von Kundenkonten. 60 Prozent der Unternehmen berichten von Fällen, in denen Kund:innen den Erhalt der Ware bestritten.

57 Prozent waren vom sogenannten Eingehungsbetrug betroffen. Dabei wird eine Bestellung aufgegeben, obwohl die Rechnung voraussichtlich nicht beglichen werden kann oder soll. Bei 56 Prozent der Shops kam es zu Account Takeover, also zur missbräuchlichen Nutzung eines fremden Kundenkontos.

Auch Retourenbetrug gewinnt an Bedeutung: 47 Prozent der Händler nannten Return Fraud, bei dem leere Pakete zurückgesendet werden. 42 Prozent berichteten von Switch Fraud, bei dem andere als die bestellten Artikel retourniert werden. Gestohlene Zahlungsdaten waren bei 40 Prozent der Unternehmen Ursache für Betrugsfälle.

Hohe Schäden

Die wirtschaftlichen Folgen reichen von kleineren Einzelverlusten bis zu erheblichen Belastungen. 25 Prozent der befragten Händler beziffern ihre jährlichen Betrugsverluste auf weniger als 5 000 Euro. 45 Prozent verzeichnen Schäden zwischen 10.001 und 100 000 Euro pro Jahr. Bei 15 Prozent liegen die jährlichen Verluste bei mehr als 100 000 Euro. Auch einzelne Vorgänge können der Studie zufolge hohe Schäden verursachen: 32 Prozent der Unternehmen berichten von einem Verlust von mehr als 2 500 Euro bei einer einzigen Bestellung. Weitere 18 Prozent verzeichneten Einzelschäden zwischen 1 001 und 2 500 Euro.

Prävention bleibt Aufgabe

Drei Viertel der befragten Onlinehändler haben Maßnahmen zur Betrugserkennung eingeführt. Weitere 9 Prozent planen entsprechende Investitionen. Die meisten kombinieren manuelle und automatisierte Prüfungen. Von den Shops, die Betrugsprävention einsetzen, nutzen 93 Prozent beide Verfahren parallel. Als zentrale Herausforderungen nennen jeweils 69 Prozent der Befragten die Auswahl risiko- und kundengerechter Präventionsmaßnahmen sowie die Erkennung neuer Betrugsmuster. Für 53 Prozent ist außerdem die Reduzierung manueller Prüfungsaufwände ein wichtiger Handlungsbereich.

Lars Hofacker: „Für viele Händler ist Betrugsprävention heute ein Balanceakt zwischen wirksamem Schutz und einem möglichst bequemen Einkaufserlebnis für die Konsumentinnen und Konsumenten. Unsere EHI-Forschung zeigt, dass Sicherheitsfragen im Payment und entlang der Fulfillment-Prozesse für Händler besonders wichtig sind.“

Mit KI gewinnt die Fähigkeit, Vertrauen digital abzusichern, weiter an Bedeutung.

Lars Hofacker

Director of E-Commerce Research, EHI Retail Institute

Neue Risiken durch KI

Die Umfrage verweist auch auf neue Anforderungen an die Betrugsprävention. Künstliche Intelligenz und synthetische Identitäten können Betrugsaktivitäten nach Einschätzung der Studieninitiator:innen zusätzlich erschweren. Mit dem Aufkommen von Agentic Commerce, bei dem KI-Agenten künftig eigenständig Kaufentscheidungen und Transaktionen im Auftrag von Konsument:innen ausführen, entstehen weitere Anforderungen an die Identitäts- und Vertrauensprüfung.

„Mit KI und neuen Modellen wie Agentic Commerce gewinnt die Fähigkeit, Vertrauen digital abzusichern, weiter an Bedeutung. Zugleich kann KI Händlern helfen, neue Betrugsmuster schneller zu erkennen und Sicherheitsmaßnahmen gezielter einzusetzen“, sagt Lars Hofacker.

Die Umfrage „Betrug im E-Commerce“ haben die CRIF und der Bevh zwischen dem 1. Juni und dem 14. August 2026 durchgeführt. An der Erhebung beteiligten sich 76 Händler aus Deutschland.

EHI Connect 2026

Die EHI Connect am 29. und 30. September in Düsseldorf bringt als Konferenz für den digitalen und vernetzten Handel alle zusammen, die eine Begeisterung für den Onlinehandel verbindet. Die Veranstaltung beleuchtet dabei in unterschiedlichsten Formaten die wichtigsten Entwicklungen und Trends rund um den E-Commerce. Praxisvorträge und Bühnentalks bieten spannende Einblicke in aktuelle Themen, ergänzt durch Workshops und eine Talkrunde.

Am ersten Konferenztag spricht u. a. Alien Mulyk, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland e. V. zum Thema Agentic Commerce und diesbezügliche aktuelle EU-Gesetzesvorhaben im Kontext der Marktentwicklung und deren Auswirkungen auf den E-Commerce.

Zur Anmeldung geht es hier.

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