Corona-Krise erfordert Umdenken der Sicherheitsdienstleister | stores+shops

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Sicherheitsabstände spielen momentan eine zentrale Rolle im Einzelhandel, um eine Ausbreitung des Corona-Virus zu vermeiden.
Foto: Jürgen Fälchle/adobe.stock.com

Corona-Krise erfordert Umdenken der Sicherheitsdienstleister

Nicht nur der Einzelhandel und seine direkten Zulieferer spüren die Auswirkungen der Corona-Krise, sondern auch die Sicherheitsdienstleistungs-Branche. Werden geschlossene Ladengeschäfte weiterhin bewacht? Worauf kommt es den „systemrelevanten“ Lebensmittelhändlern an, die hohe Frequenzen managen müssen in Zeiten, in denen Abstand gefordert wird?

Geschlossene Ladengeschäfte auf der einen Seite und hochfrequentierte Läden zur Versorgung der Bürger auf der anderen Seite stellen auch die Sicherheitsbranche vor große Herausforderungen – sowohl die Technik-Dienstleister als auch die Bewachungsunternehmen. „Retailer konzentrieren sich jetzt wieder auf ihr Kerngeschäft: die Versorgung der Bevölkerung. Investitionen werden hintenangestellt“, beschreibt Horst Fuhrmann von Telenot Electronic die aktuelle Situation. Das Unternehmen, das u. a. den Einzelhandel mit Sicherheitssystemen ausstattet, spürt vor allem einen Rückgang im Bereich des Wartungsgeschäfts. „Reparaturen oder Wechsel sicherheitstechnischer Komponenten werden zurückgestellt. Zu Problemen führt dies, wenn Teile der Einbruchmeldetechnik defekt sind und Läden folglich nicht mehr sicher überwacht werden“, so Fuhrmann weiter.

Wartungsarbeiten unter Hygienevorschriften

Grundsätzlich dürfen Fachinstallateure unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften noch Wartungen vor Ort ausführen. Die Entscheidung darüber treffen die Unternehmen in individueller Absprache mit dem Retailer. Differenziert werden muss darüber hinaus, ob es sich um einen systemrelevanten oder nicht systemrelevanten Store handelt. Im LEH – den systemrelevanten Geschäften – werden durchaus noch Sicherheitssysteme kontrolliert. Dies erfolgt unter erhöhten Sicherheitsbedingungen hinsichtlich des Corona-Virus. „Die klassischen Wartungsarbeiten werden von unseren Telenot-Stützpunkten mit einer Person oder im Fall eines großen Marktes zu zweit durchgeführt. Hierbei müssen sie individuell abwägen, ob man die Risiken einer Ansteckung mit dem Virus für die Mitarbeiter eingehen kann“, so Thorsten Ludwig von Telenot.

Anders verhält sich die Situation bei nicht systemrelevanten Geschäften wie den Textiliten. Anstelle von klassischen Wartungsarbeiten setzen manche Handelsunternehmen hier nach Angaben von Telenot und ABI-Sicherheitssysteme auf die Modernisierung der bestehenden Systeme oder ziehen gar zuvor verschobene Aufträge vor, „da sich derzeit keine Personen in den Läden befinden und nun dort in Ruhe gearbeitet werden kann, ohne das Virus zu verbreiten oder sich den möglichen Risiken auszusetzen“, so Joachim Schairer von ABI.

Versorgungslücken hinsichtlich der benötigten Materialien machen sich bisher bei keinem der befragten Anbieter von Sicherheitssystemen bemerkbar. „Wir entwickeln und produzieren in Deutschland und müssen nur vereinzelt Komponenten aus dem Ausland beziehen, die wir immer für ein halbes Jahr vorab lagern. Auch im Krisenfall sind wir aufgrund langfristiger Disposition und entsprechenden Verträgen mit den systemrelevanten Komponenten und Geräten weitere 6 Monate lieferfähig“, sagt Schairer. Schwieriger wird es, wenn die beauftragten Fachinstallateure in finanzielle Notlage geraten. Telenot Electronic bietet seinen Kunden aus diesem Grunde aktuell ein Leasing-Modell an, das ihnen ermöglicht, die erste Anzahlung für die Sicherheitssysteme erst in sechs Monaten zu tätigen und das zugleich eine 5-Jahres-Garantie auf die Technik inkludiert.

Starke Nachfrage an Sicherheitspersonal im LEH

Nicht nur bei den Anbietern von Sicherheitstechnik ist ein kreativer Umgang mit der Krise gefragt. Flexibles Handeln wird besonders von Seiten der Bewachungsdienstleistungen gefordert. „Im Textilhandel erleben wir derzeit einen kompletten Zusammenbruch der Bewachungsdienstleistungen, weil diese aufgrund des fehlenden Geschäftsbetriebs nicht mehr gefragt sind“, sagt Mac Arthur Bartz von MAB Services und ergänzt: „Auf der anderen Seite gibt es einen starken Zuwachs an Aufträgen im Bereich der Lebensmittel- und Baumärkte, wo gerade viel Dienstleistung benötigt wird.“

„Die Corona-Pandemie hat insgesamt den Bedarf an Sicherheitspersonal erhöht“, meint Robert Baur von der Protex Group. Kurzarbeit sieht somit aktuell keiner der befragten Dienstleister für seine Mitarbeiter vor, schließlich könne man den Teil des Personals, der üblicherweise den Nonfood-Handel betreut, derzeit verstärkt in den Lebensmittel- und Baumärkten einsetzen. Dabei sind die Sicherheitsdienstleister teilweise nicht nur mit einer hohen Nachfrage der bereits existierenden Kunden konfrontiert. „Wir haben allein in NRW innerhalb von einer Woche weitere 85 Lebensmitteleinzelhändler besetzt“, resümiert Baur.

Um dem hohen Bedarf an Sicherheitspersonal im LEH nachzukommen, hat die IHS Security sogar 192 neue Mitarbeiter eingestellt – vorerst mit einem Kurzzeitvertrag bis Ende April, der bei Bedarf verlängert werden kann. Möglich war dies nur durch das Einverständnis des Ordnungsamtes, auch Mitarbeiter ohne die notwendige Sachkundeprüfung im Bewachungsgewerbe beschäftigen zu können.

Nicht immer kann das Personal ideal verteilt eingesetzt werden oder es kommt zu Engpässen. Darüber hinaus unterscheiden sich auch die Strategien und Anforderungen der Handelsunternehmen. Beides erfordert von den Sicherheitsdienstleistern ein hohes Maß an Agilität. „Wir können nur einen Teil der Wünsche erfüllen. In manchen Regionen sind wir personell weniger stark aufgestellt als in anderen. Wichtig war uns, alle Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, sodass wir frühzeitig eingehende Anfragen der Händler priorisieren mussten“, so Bartz von MAB Services.

Die hohe Auftragslage einerseits steht einer zum Teil erhöhten Anzahl an Krankheitsfällen gegenüber, vor allem bedingt durch vorerkrankte oder besorgte Mitarbeiter, die sich den Risiken einer Ansteckung nicht aussetzen sollen oder wollen. „In der ersten Woche hatten wir eine Krankheitsrate von fast 23 Prozent“, berichtet Fazal Tamiz von IHS Security und fügt hinzu: „Das hat sich jedoch schnell wieder erübrigt, als für alle klar war, dass es genügend Arbeit gibt.“

Neue Tätigkeiten

Auch die Tätigkeiten des Bewachungspersonals haben sich durch die Corona-Pandemie verändert. Kaufhausdetektiv-Einsätze finden aktuell nicht statt und in den geöffneten Geschäften geht es weniger um die Warensicherung als das Personal und die Einhaltung von Hygienevorschriften. „Unser Sicherheitspersonal ist weiterhin für die Sicherheit der Mitarbeiter eines Geschäfts zuständig. Aktuell desinfizieren sie aber außerdem Einkaufswagen und fordern Kunden an den Kassen auf, mehr Abstand zu halten“, so Mac Arthur Bartz. „Hinzu kommt, dass sich viele Einkäufer über die Sicherheitsmaßnahmen beklagen. Unser Personal hat es also eher mit Streitschlichtung als mit Diebstahl zu tun“, sagt Robert Baur von Protex. Dieser Aufgabe wiederum darf jedoch nicht jeder nachkommen.

Eine mangelnde Auftragslage oder ein starker Produktionsrückgang macht sich bisher bei keinem der befragten Sicherheitsdienstleister bemerkbar. „Wir arbeiten derzeit keine 9 Stunden, sondern 12“, bemerkt Robert Baur. Dennoch schaut die Branche mit Sorge auf die Zukunft. „Wir rechnen mit einer enormen Kürzung unserer Dienstleistungen. Das beschäftigt uns tagtäglich. Um unseren Kunden weiterhin die gewohnte Qualität und Quantität bieten zu können, müssen wir Kosten reduzieren und neue, innovative Ideen entwickeln. Es ist wichtig zu beobachten, was von uns erwartet wird und sich dann flexibel darauf einzustellen“, sagt Fazil Tamiz und fügt hinzu „Wir brauchen wieder Normalität für unsere Gesellschaft.“

Gestern hat die Bundesregierung beschlossen, dass alle Geschäfte bis zu 800 qm Verkaufsfläche unter bestimmten Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen wieder öffnen dürfen. Vielleicht ist dies ein erster Schritt in Richtung Normalität.

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