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Theodor Schember
Hermès präsentierte sich auf der Mailänder Möbel- und Designschau Salone del Mobile in einem Ambiente aus handgefertigten marokkanischen Kacheln. (Foto: Laurian Ghinitoiu)
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Design  |

Salone del Mobile: Ciao Milano

stores+shops war vor Ort und hat die wichtigsten Designtrends mit Relevanz für den Handel identifiziert.

Gebogene Hölzer (Foto: Simona Pesarini)
Gebogene Hölzer (Foto: Simona Pesarini)

Holz

Das Naturmaterial ist bei führenden Herstellern nach wie vor sehr beliebt. Besonders dunkle Hölzer wie Palisander, Kirsche, Walnuss stehen derzeit hoch im Kurs und setzen optische Akzente. Der Möbelhändler Kartell – bekannt für seine Kunststoffmöbel – präsentierte die neue Kollektion „Woody“ von Philippe Starck. Dank neuer Technologien werden die Hölzer bis an ihre Grenzen gebogen, z. B. zu organischen Sitzschalen. Mit Kunststoffbeinen und einem Ledersitz entsteht ein interessanter Materialmix.

Erinnern an Fell und Tierhäute: Wandbespannungen mit reliefartiger Oberfläche (Foto: Mooi)
Erinnern an Fell und Tierhäute: Wandbespannungen mit reliefartiger Oberfläche (Foto: Mooi)

„Extincti Animalibus“

Sensibilität gegenüber der Umwelt ist bei fast allen namhaften Möbelherstellern ein wichtiges Thema. Moooi Design geht einen Schritt weiter und rückt zehn ausgestorbene Tiere in den Fokus seiner neuen Kollektion. Aus historischen Zeichnungen des Dodo, dem Seedrachen, dem fliegenden Korallenfisch oder dem Aristo Quagga entwickelte die Designmarke  fantasievolle Tapeten und Bezugsstoffe in Kooperation mit Arte. Wandbespannungen mit reliefartiger Oberfläche sind Fell und Tierhäuten nachempfunden. Auch das Setdesign des Showrooms in der Via Savona erinnerte an einen Museumsbesuch.

„Grüne“ Kollektion von Kasthall (Foto: Kasthall)
„Grüne“ Kollektion von Kasthall (Foto: Kasthall)

Grün

Die Farbe ist in dicht besiedelten Stadtlandschaften von besonderer Bedeutung. Diesen Effekt machen sich die Designer zu Nutze. Der Teppichhersteller Kasthall hat eine „grüne“ Kollektion vorgestellt, die an schwedische Wiesenlandschaften aus allen Jahreszeiten erinnern soll. „Grönska“ von Ilse Crawford zeigt Blockstreifen und Unis von Olivgrün bis Dunkelgrün, in verschiedenen Florhöhen und Webtechniken. Bei Nanimarquina bestimmen grafische Muster die neuen Kreationen.

Kombi aus Wohn- und Geschäftsraum: Mini Living (Foto: Laurian Ghinitoiu)
Kombi aus Wohn- und Geschäftsraum: Mini Living (Foto: Laurian Ghinitoiu)

Small living

Das Leben auf kleinstem Raum beschäftigt viele Architektur- und Designbüros. Die Initiative Mini Living und das dänische Designlabel Studiomama präsentieren, wie eine alte Fabrikfläche als Wohnraum mit kleinsten Einheiten nutzbar gemacht werden kann, z. B. mit  verschiedenen Wohneinheiten auf 15-20 Quadratmetern in unterschiedlichen Farben mit einer Gemeinschaftsküche, einem Atrium und einem Fitnessraum. „Mini Living – Built by it all“ soll in enger Zusammenarbeit zwischen Bewohnern und Architekten zeigen, wie das Leben der Zukunft aussehen könnte. In Shanghai wird gerade das erste Projekt mit 50 Einheiten und Geschäftsräumen realisiert.

Designte MDF-Platten von Finsa (Foto: Angelika Frank)
Designte MDF-Platten von Finsa (Foto: Angelika Frank)

Mustergültig

Textile Materialien (Jacquard-Stoffe, Drucke, Stickereien, Teppiche, Tapisserien) zeigen in ihrer bunten Expressivität handwerkliche Ursprünge und ethnische Einflüsse. Besonders Südamerika und Afrika haben ihre Spuren hinterlassen und die Designer nachhaltig beeinflusst. Die beiden Kontinente spielten auch auf dem Salone Satellite eine bedeutende Rolle. Bethan Laura Wood hat für Moroso ihre Textilien und Möbel in einer bunten Installation mit dem Titel „Mono Mania Mexico“ realisiert. Die Designerin JJ Martin peppt für den Modehändler Kartell Designklassiker mit bunten Retromustern auf. Finsa kooperiert zur Verschönerung seiner MDF Platten mit jungen Designern.

Iwasaki setzt farbige Akzente. (Foto: Marco Covi)
Iwasaki setzt farbige Akzente. (Foto: Marco Covi)

Modulare Systeme

Die neuen Tische und Ablagen, Sitzmöbel und Liegen werden zunehmend flexibler und eignen sich für unterschiedliche Wohn- und Nutzungseinheiten. Verschiedene Grundformen mit klarer Linienführung wie Sitze mit und ohne Rückenlehne, runde, quadratische, rechteckige oder dreieckige Tische sowie Ablagen in verschiedenen Höhen erlauben durch ihren Modulcharakter ein wechselndes Einrichtungsbild. Der Möbelhersteller Arper setzt mit der Kollektion „KIIK“ von Iwasaki farblich Akzente, zum Beispiel mit einem angesagten Gelbton.

Zara Home setzt auf Frühlingsblumen zur Inszenierung. (Foto: Angelika Frank)
Zara Home setzt auf Frühlingsblumen zur Inszenierung. (Foto: Angelika Frank)

Szenerie

Hermès präsentierte seine Wohnneuheiten in einer arabisch anmutenden Medina, die aus handgefertigten marokkanischen Kacheln in warmen Farben in eine andere Welt entführte. Bei Zara Home standen Schlafzimmer und Wohnzimmer en miniature, umrankt von Frühlingsblumen, im Mittelpunkt. Ein versteckter Park („Hidden Garden“ – gestaltet von Pierattelli) auf der Piazza Gae Aulenti lud als Mini-Park mit viel Grün zum Verweilen ein.

 

Opendesk: Entwürfe im Web herunterladen und vor Ort realisieren (Foto: Opendesk)
Opendesk: Entwürfe im Web herunterladen und vor Ort realisieren (Foto: Opendesk)

Made local

Die digitale Welt eröffnet neue Geschäftsformen für die Möbelbranche, die teure Transporte überflüssig machen und gleichzeitig lokale Handwerksbetriebe stärken. Ein Vorreiter auf dem Gebiet ist das Londoner Designbüro Opendesk, das sich in Mailand vorstellte. Interessenten können die Entwürfe auf der Webseite herunterladen und diese dann mit lokalen Handwerkern vor Ort realisieren lassen. Das sei umweltfreundlicher und spare Zeit und Kosten.


Auf dem 20. Salone Satellite präsentierten sich auch Design-Newcomer. Die Preisträger für das beste Design des „Salone del Mobile.Milano Awards“ lauten CC-Tapis, Magis und Sanwa.  

Fotos (9): Laurian Ghinitoiu (2), Simona Pesarini, Mooi, Kasthall, Angelika Frank (2), Marco Covi, Opendesk

Weitere Informationen: www.salonemilano.it