Ladenbau: Dellen im Auftragseingang | stores+shops
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Die Corona-Pandemie beeinflusst die Ladenbaubranche: Viele Händler haben geplante Umbauvorhaben erstmal auf Eis gelegt.
Foto: stock.adobe.com/elenaleonova

Ladenbau: Dellen im Auftragseingang

Geschäftsschließungen und rückläufige Umsätze in Folge der Covid-19-Pandemie haben in der Ladenbaubranche Spuren hinterlassen. Viele Händler haben geplante Umbauvorhaben erstmal auf Eis gelegt und warten ab, wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickeln wird. stores+shops hat sich in der Ladenbaubranche umgehört, wie Unternehmenslenker die aktuelle Lage einschätzen.

„Rückblickend kann man 2020 nur als nicht zufriedenstellend bezeichnen“, lautet das nüchterne Fazit von Heinz-Herbert Dustmann, Geschäftsführer des international tätigen Ladenbauunternehmens Dula aus Dortmund. Wenn der Einzelhandel ums Überleben kämpft, dann hat er andere Probleme als über Neuinvestitionen in die Ladenausstattung nachzudenken. Insgesamt herrscht eine große Verunsicherung in der Branche. Fest eingeplante Umbauprojekte werden häufig erstmal auf „hold-on“ gesetzt und abgewartet, weil andere Dinge Priorität haben. Diese Zurückhaltung bei der Investitionsbereitschaft bestätigt auch Christian Vetterer, CEO der Visplay GmbH aus Weil am Rhein. Die Auftragseingänge hätten ab dem Sommer zwar wieder angezogen, doch der zweite Lockdown habe vielen Händlern die Zuversicht und den Optimismus genommen.

Das Geschäft wird sich voraussichtlich erst im nächsten Jahr wieder erholen.

Dirk Kunze

Geschäftsführer , Kunze GmbH

Kunze Ladenbau, ein Lieferant aus dem norddeutschen Elmshorn, der als Schwerpunkt den inhabergeführte Modeeinzelhandel beliefert, ist nach den Worten von Geschäftsführer Dirk Kunze noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Auch deswegen, weil Kunze einige größere Umbauten 2020 abschließen konnte, wie u. a. das Modehaus Ramelow in Stendal, fiel der Umsatzrückgang mit 15 bis 20 Prozent noch moderat aus. Wie manche andere Mitbewerber hat Kunze zu Beginn des ersten Lockdowns mit der Produktion von Hygieneschutz-Trennwänden aus Acrylglas Umsatzausfällen erfolgreich gegensteuern können. „Das lag auch daran, dass wir durchaus preisaggressiv an dieses Thema herangegangen sind“, blickt Dirk Kunze zurück. „Das Schöne war für uns, dass dieser Umsatz auch über neue Kontakte außerhalb des Einzelhandels generiert wurde, oft über direkte Ansprache und soziale Medien wie Instagram und Facebook”. Als Beispiele nennt er öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Stadt- und Gemeindeverwaltungen.

Einzelprojekte und neue Geschäftsfelder

Ganter Construction & Interiors hat sein ursprünglich auf den Einzelhandel fokussiertes Projektmanagementgeschäft in den letzten Monaten noch stärker auf andere Geschäftsfelder verlagert. Das Geschäftsjahr 2019/2020 (Stichtag 30.06.20) blieb für das Unternehmen aus Waldkirch noch ohne gravierende Auswirkungen. „Wir haben praktisch nur einen Großauftrag verloren, weil im Frühjahr die Uhren- und Schmuckmesse in Genf abgesagt wurde“, berichtet Bettina Zimmermann, Mitglied der Geschäftsleitung. „Im Herbst kamen dann die ersten Dellen im Auftragseingang“. Im Fashion-Bereich läge der Rückgang im Retail-Bereich im laufenden Jahr bei geschätzten 80 Prozent, weil viele langjährige Bestandskunden wie Betty Barclay Store-Umbauten weitgehend gestoppt haben.

Ich sehe den Wandel der Städte auch deshalb positiv, weil sich daraus ein Geschäft für uns entwickelt.

Bettina Zimmermann

Geschäftsführerin, Ganter Construction & Interiors GmbH

Da Ganter schon seit einigen Jahren verstärkt in anderen Geschäftsfeldern unterwegs ist wie im Büro- und Hotelbereich oder im Bau von privaten Residenzen, trifft der Auftragsrückgang beim Einzelhandel das Unternehmen weniger hart. Wichtige Retail- und retailnahe Projekte waren der Umbau des Kaufhauses Steffl in Wien, der Ausbau der Lounge im neuen Berliner Flughafen und die ersten Showrooms von Lynk & Co, einem asiatischer E-Mobiliy-Anbieter, der aktuell nach Europa expandiert. Auch Online-Marken, die sich offline präsentieren wollen, sind ein Geschäftsfeld mit Zukunft, ist Zimmermann überzeugt: „Diese brauchen einen physischen Touchpoint, weil die Marke im Netz alleine nicht funktioniert.“

Mischkonzepte aus Technik, Automotive, Sport und Community mit „Erlebnisflächen“ bevorzugt in den Innenstädten eröffnen Innenausbauspezialisten neue Geschäftsfelder. Neue Büroflächen werden längst nicht mehr nur als funktionale Arbeitsplätze geplant, sondern als Co-Working Spaces mit integrierten Gastrobereichen, um der Belegschaft eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu bieten. Auch Visplay konnte in den letzten Monaten verschiedene Projekte außerhalb des klassischen Fashion Retails abschließen, u. a. für Hotels, Museen und Großunternehmen. Als Beispiel nennt Christian Vetterer die Ausstattung der Mitarbeiterkantine mit integriertem Co-Work bei der Firma Viessmann in Allendorf. Und das Aletto-Hotel in Berlin, ein „Spaces“-Konzept mit Pop-up-Stationen neben der Lobby.

Das Bild der Innenstädte wird sich verändern, aber nicht zwangsläufig zum Negativen.

Carsten Schemberg

Geschäftsführer, Theodor Schemberg Einrichtungen GmbH

„2020 war ein außergewöhnliches Jahr, in dem sich man sich um viele Themen außerhalb des Kerngeschäfts kümmern musste“, blickt Carsten Schemberg, Geschäftsführer von Theodor Schemberg Einrichtungen zurück. „Eine Kompensation von Umsatzausfällen war in unserem Fall weniger notwendig, weil wir sehr breit aufgestellt sind“. Für den im Herbst 2020 abgeschlossenen Umbau des Berliner Flagship-Stores von C&A am Kurfürstendamm lieferte Schemberg Kassentische, Self-Checkouts und verschiedene Sondermöbel.

Mit Hygieneschutz-Trennwänden macht auch Schemberg seit dem ersten Lockdown „im überschaubaren Rahmen“ Geschäfte. Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern liegt der Schwerpunkt auf dauerhaften Trennwand-Lösungen mit Echtglas statt Acrylglas, z. B. für Arztpraxen, Schulen und öffentlichen Verwaltungen. Auch Einzelhändlern rät Schemberg zu Echtglas bei Thekenaufstellern, u. a. auch deshalb, „weil sie diese Abstandshalter noch lange brauchen werden.“ Für Trennwände im Checkout-Bereich von Supermärkten bleibt Acrylglas konstruktionsbedingt allerdings erste Wahl.

Eine Erholung wird erst 2022 sichtbar sein, wenn alle ihre Wunden geleckt haben.

Christian Vetterer

Geschäftsführer, Visplay GmbH

Erholung noch nicht in Sicht

Carsten Schemberg glaubt, dass das Jahr 2021 für den Einzelhandel noch schwieriger wird als 2020 und rechnet auch in Zukunft nicht mit einer Erholung der Nachfrage nach Ladeneinrichtungen: „Es wird eine andere Handelswelt geben und auch das Bild der Innenstädte wird sich verändern – aber nicht zwangsläufig zum Negativen.“ Bezahlbare Mieten würden A-Lagen auch für neue, innovative Handelsformate interessant machen.

Christian Vetterer von Visplay sieht die Situation ähnlich: „Die Erholung im Handel wird erst 2022 sichtbar werden, wenn sich alle die Wunden geleckt haben.“ Er begrüßt den Appell vieler Kommunen an die Bevölkerung, Einkäufe nicht notwendigerweise online zu tätigen, sondern in den stationären Geschäften, um den Innenstadthandel zu stärken. „Ich wünsche mir auch, dass sich jeder überlegt, ob er unbedingt online einkaufen muss“, pflichtet Bettina Zimmermann ihm bei.

Krisen bieten immer auch eine Chance für Innovationen und Verbesserungen.

Heinz-Herbert Dustmann

Geschäftsführer, Dula-Werke Dustmann & Co. GmbH

Was haben die Unternehmensverantwortlichen an Erfahrungen aus der Krise mitgenommen? Bettina Zimmermann antwortet spontan: „Cash is King ist gerade in diesen Zeiten Prio eins.“ Dirk Kunze: „Ich habe gemerkt, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Krise enger zusammengerückt und motiviert sind, das Beste aus dieser Negativ-Situation zu machen.“ Auch für Heinz-Herbert Dustmann hat sich in der Krise bestätigt, wie wichtig „eine stabile Basis und ein guter Zusammenhalt“ ist. Carsten Schemberg: „Ich habe aus der Corona-Krise verinnerlicht, dass eine konkrete Vorstellung von der Zukunft sich auf einmal völlig verändern kann.“

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