Herr Dr. Hilz, herzlichen Glückwunsch zum Roland-Berger-Zukunftspreis 2026 für das innovative Schulmöbelkonzept „takerspace“. Wie entwickelt man das richtige Mindset für einen Perspektivwechsel?

Vielen Dank. Für uns ist der Preis eine besondere Anerkennung für unseren eingeschlagenen Weg. Wenn man aufhört, starr in Branchen zu denken, öffnen sich wertvolle neue Möglichkeiten. Viele Ladenbauer denken zunächst: Ich baue Läden und verkaufe Ladeneinrichtungen. Mit diesem Denken begibt man sich systematisch in ein desaströses Gefangenendilemma der Vergleichbarkeit. Als Trend Interior haben wir zwar unseren Ursprung im Ladenbau, denken jedoch branchenübergreifend in Räumen mit Seele. Räume werden nicht mehr nur als räumliche Hülle mit Wänden, Boden und Decke verstanden, sondern als Werkzeug, das Lernen, Kreativität, Begegnung und Verhalten mitgestaltet.

Was genau meint „Räume mit Seele“?

Es geht um Räume, in denen Menschen arbeiten, lernen, sich begegnen und leben. Ein Raum mit Seele kann für Menschen viel Positives bewirken und genau hier setzen wir an. Insofern geht es um eine Transformation von einem Ladenbauunternehmen zu einem Gestalter von Arbeits-, Lern- und Lebenswelten.

Was bedeutet der Zukunftspreis für Ihr Unternehmen?

Der Zukunftspreis zeichnet nicht nur ein Produkt aus, sondern eine strategische Idee und vor allem die Zusammenarbeit vieler Menschen und Unternehmen sowie Perspektiven, in diesem Fall Pädagogik, Architektur, Innenausbau, Akustik, Beleuchtung und Bodenbelag. Zukunft und Innovationen entstehen im Netzwerk. Zum Projekterfolg haben auch etablierte Ladenbaupartner wie Cedes mit einem HCL-Sytem und Objectflor mit einem neuen Bodenbelag beigetragen.

Warum führte der Weg in die Märkte New Work und Schule?

Im Ladenbau beschäftigen wir uns seit vielen Jahren mit der Frage, wie Räume Menschen beeinflussen. Diese Fragestellung ist für Büros und Schulen mindestens genauso relevant. Ein Geschäft muss Menschen emotional erreichen. Ein Büro muss Zusammenarbeit ermöglichen. Und eine Schule muss Lernen ermöglichen. Der gemeinsame Nenner ist immer der Mensch. Deshalb wird die Kombination aus Raum, Möbel und Nutzung immer wichtiger.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen Ladenbau, New Work und Bildung?

Alle genannten Bereiche beschäftigen mit der Frage, wie Räume das menschliche Verhalten, die Zusammenarbeit und das Lernen beeinflussen. Läden werden heute zunehmend als Erlebnis-, Begegnungs- und Beratungsräume gestaltet, nicht nur als Verkaufsraum. ,New Work‘ richtet Arbeitsräume flexibler und stärker auf Kollaboration, Kommunikation, Selbstorganisation und Wohlbefinden aus. Auch Lernräume in Schulen entwickeln sich von klassischen Frontalunterrichtsräumen hin zu flexiblen Lernlandschaften, Projekt- und Begegnungsräumen. Ein moderner Laden kann Bereiche zum Ausprobieren, Beraten, Entdecken und Austauschen bieten. Das entspricht zunehmend dem Anspruch an moderne Arbeits- und Lernräume. Umgekehrt übernehmen Lernräume und Arbeitswelten Gestaltungselemente aus dem Ladenbau wie Zonierungen, flexible Möbel, offene Sichtbeziehungen, unterschiedliche Atmosphären oder informelle Treffpunkte.

Wie kann ein Ladenbauer neue Märkte erschließen?

Dafür gibt kein Universalrezept. Wir beobachten, in welchen Branchen Wachstum entsteht und wo sich die Anforderungen an Räume verändern. Dort entstehen Chancen. Es geht weniger um Umsatz als darum, dass ein neuer Markt zu unseren Kompetenzen passen und uns die Möglichkeit geben muss, uns über Innovationen zu differenzieren. Entsteht Wettbewerb nur über den Preis, ist das für uns langfristig kein attraktives Geschäftsmodell.

Welche Rolle spielt das eigene Innovationpotenzial?

Innovationen sind der Schlüssel zum Erfolg in einem neuen Markt. Es geht darum, sich in die Kund:innen hineinversetzen zu können, Marktexpert:innen aufmerksam zuzuhören und mit neuen Lösungen auf Herausforderungen zu reagieren. Wird eine Innovation vom Markt angenommen, entsteht ein Sog.

Warum beschreiten Ihrer Meinung nach so wenige Unternehmen neue Wege?

Das Vorgehen erfordert viel Glück und eine hohe Frustrationstoleranz. Oftmals arbeitet man vergeblich daran, Innovationen für einen neuen Markt zu finden und umzusetzen. Das sollte man nicht als Scheitern betrachten, sondern als Ausgangspunkt für eine Innovation ggf. in einem anderen Markt. Scheitern wird hierzulande meist als Niederlage betrachtet, viele gehen das Risiko daher gar nicht erst ein. Um es mit den Worten von Mark Zuckerberg auszudrücken: Du musst ein Risiko eingehen. In einer Welt, die sich unglaublich schnell verändert, ist ,keine Risiken zu wagen‘ die einzige Strategie, die garantiert scheitert.

Das Interview führte Katharina Sieweke.

Roland-Berger-Zukunftspreis

Der Zukunftspreis („Goldene Bavaria“) des renommierten Unternehmensberaters Prof. Dr. h.c. Roland Berger fördert Menschen, Unternehmen und Initiativen, die einen positiven Beitrag zur zukünftigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft leisten. Für seinen Mut, mit einem Schulmöbelkonzept neue Wege zu beschreiten, nahm Trend Interior im Juli 2026 als erster Preisträger die neu ins Leben gerufene Auszeichnung entgegen.