Geometrie für den Boden und die Decke | stores+shops

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Witty Knitters, Winterberg: Streifen, Schachbrettmuster und Rauten (Foto: Vizona)

Geometrie für den Boden und die Decke

Geometrische Formen – Kreise, Quadrate, Rechtecke und Streifen – an Boden und Decke ziehen die Blicke der Kunden an und lassen die Warenpräsentation hochwertiger erscheinen. Sechs Beispiele aus dem internationalen Einzelhandel.

„Einzelhandel ist Inszenierung!“ Der Kunde steht, sobald er ein Geschäft betritt, auf einer Bühne, die von Warenauslagen flankiert wird. Um dem Interior Design ihrer Läden zusätzliche dramatische Effekte zu verleihen, gehen zahlreiche Einzelhändler mittlerweile noch einen Schritt weiter und setzen bei der Innengestaltung auf den Einsatz von perspektivischen Techniken für Böden und Decken. Mathematische Präzision und angewandte Geometrie lassen einen Trend entstehen, der die Ladeninneneinrichtung im Endergebnis dynamisch, clever und eindrucksvoll erscheinen lässt. Neben der künstlerischen Dimension hat derart aufgepepptes visuelles Design auch eine dekorative Komponente in Form von typischen Elementen, die sowohl kleine Boutiquen als auch größere Fachgeschäfte für sich nutzen können.

Geometrische Muster – entweder unten auf dem Boden, oben an der Decke oder auf beiden Flächen zugleich aufgebracht – heben die ausgestellte Ware in besonderer Weise hervor und bewegen den Kunden zu einer näheren Begutachtung der Auswahl – unabhängig davon, ob die Ware aufgehängt, zusammengelegt oder an Mannequins präsentiert wird. Das Storedesign vermischt und kombiniert dabei scharf abgegrenzte Formen und quirlige, sich überschneidende Muster an Wänden, Böden und Decken zu ausdrucksstarken, einprägsamen Bildern.

Durch die Umgestaltung von Fußböden und Deckenflächen lässt sich nahezu jeder Laden zu überschaubaren Kosten aufwerten und atmosphärisch beträchtlich verändern, um somit dem Kunden ein völlig neues Einkaufserlebnis zu bieten, wie Kevin Horn, Vice-President der Architekten, Ladenplaner und -designer RTKL Associates aus Los Angeles, meint. Verglichen mit der architektonischen Umgestaltung einer Ladenfläche oder einem Neubau, so Horn, „ist die Fußbodengestaltung eine Lösung, die ein Geschäft beträchtlich verändern kann und trotzdem keine allzu hohen Investitionskosten erfordert. Die Fußbodengestaltung kann bereits viel zu einem neuen, frischen Erscheinungsbild beitragen, unabhängig davon, ob das Muster in die Oberflächenmaterialien eingearbeitet oder lediglich auf eine feste Oberfläche wie Beton aufgetragen wird; wenn wenig Geld zur Verfügung steht, ist auch das eine Möglichkeit.“

Böden und Decken spielen eine grundlegende Rolle im Einzelhandel: Ihre Gestaltung unterteilt die Verkaufsfläche, legt den Kundenlauf fest oder gliedert die unterschiedlichen Produktbereiche. Als bedeutendes Instrument der optischen Gestaltung erleichtern sie die Kommunikation mit dem Kunden, vereinfachen den Einkauf und führen im Idealfall letztlich zu Umsatzsteigerungen. Die Designideen reichen von historischen Elementen wie der künstlichen „Stuckdecke“ bei Oasis in der Trinity Leeds Mall über die minimalistische Wandgestaltung der Acne-Filiale in der Londoner Pelham Street bis zu knallroten Akzenten vor neutral-grauen Hintergrundfarbtönen bei dem schwedischen Fast-Fashion-Unternehmen Lindex.

Witty Knitters, Winterberg

Wie die Designer von Vizona erklären, erweckt die Filiale von Witty Knitters im sauerländischen Winterberg den Eindruck, als hätte man auf 98 qm Ladenfläche das Lieblingsgeschäft von Alice im Wunderland für aktuelle Mode neu erfunden. Gewaltige Lampen in Form von stilisierten Zylinderhüten hängen von der Decke. Die Böden sind schwarz und weiß in unterschiedlichen Mustern gehalten: Streifen, Schachbrettmuster und Rauten. Eine Wand bestehend aus Türen, von denen einige auch waagerecht oder verkehrt herum angebracht sind, führen in einen weiteren Verkaufsraum, zu den Umkleidekabinen oder – nirgendwohin. In einer Nische steht ein Kleiderständer auf einem leuchtend gelben Untergrund vor einer klassisch gemusterten Wand.

Annie Aime, Toronto

Bei Annie Aime in Toronto sieht sich der Kunde zunächst verblüfft einer neuen Interpretation freistehender Kleiderständer gegenüber. Diese stammen aus der Serie „Les Ailes Noires“ von „+tongtong“ und bestehen aus geschweißten Stahlrohren. Ihr Gewicht ist so austariert, dass sie an der Wand anlehnen, ohne an Wand oder Boden befestigt werden zu müssen, und gleichzeitig problemlos durch den Raum bewegt werden können. Vervollständigt wird die Warenpräsentation durch die bunte Hintergrundgestaltung des Graffiti-Künstlers Pascal Paquette. Annie Aime ist eine Marke des Pariser Modeunternehmens Annie Mesenge.

Oasis, Leeds

Im Einkaufszentrum Trinity Leeds hat Oasis ein völlig neu gestaltetes Geschäft eröffnet. Damit betreibt der britische Fast-Fashion-Einzelhändler nun 89 Filialen in Großbritannien und Irland sowie Standorte in Kolumbien, Peru und Chile. „Genau genommen handelt es sich um eine Kombination von Einzelelementen, die sich leicht auch für andere Filialen anpassen lassen“, erklärt Liz Evans, Managing Director der Kette Oasis. „Für die 208 qm große Ladenfläche wurden die Wände und die Decke deutlich von den Gebäudemauern abgesetzt, um ein bühnenartiges Gefühl zu erzeugen; gleichzeitig sollten mehr standardisierte Elemente und weniger standortspezifische Komponenten eingesetzt werden“, so Evans bei der Eröffnung des von Dalziel + Pow gestalteten Geschäfts.

Der Drahtrahmen der Deckenstruktur im hinteren Teil des Ladens wurde außerhalb des Standortes angefertigt und lässt sich Evans zufolge in wenigen Minuten vor Ort zusammensetzen. An die schwarz gestrichene, freiliegende Decke ist ein Gestell angebracht, das die Stuckdekoration an der Decke eines Georgianischen Raums nachzeichnet. Aus der „Stuckrosette“ in der Mitte hängt sogar ein funktionsfähiger Kronleuchter herab. Scheinwerfer an mehreren Schienen sorgen für die Akzentbeleuchtung. Vorn im Laden stehen zwei Polsterstühle, die mit modern gemusterten Stoffen überzogen sind, auf einem grünen Teppich mit einem ähnlich modernen Muster.

Acne, London

Die dritte Londoner Acne-Filiale bietet auf 212 qm Verkaufsfläche im Erdgeschoss und im ersten Stock eines älteren Gebäudes in der Pelham Street Damen- und Herrenkleidung in minimalistisch gestalteten Räumen. Die von Bozarth Fornell Architects kreierten Verkaufsräume haben schwarz gestrichene Decken, wodurch die Oberfläche des hauptsächlich verwendeten Wandmaterials besonders zum Ausdruck kommt. Das sanft polierte Aluminium tritt dabei in zwei unterschiedlichen Erscheinungsformen auf: als glatte Oberfläche und abgerundete Raumecken oder perforiert und mit harten Kanten. Acne wurde 1996 gegründet und betreibt derzeit 35 Filialen, wobei neue Geschäfte in Los Angeles und Osaka geplant sind.

Delbôve, Brüssel

Das in den frühen 1950er-Jahren als Kette exklusiver Friseursalons in Belgien gegründete Unternehmen Delbôve vertreibt mittlerweile seine eigene Produktlinie an Kosmetik- und Gesundheitsprodukten. Für die Filiale des neuesten Formats beauftragte das Unternehmen den Designer Christophe Remy, die gesamte Produktlinie in einen einheitlichen Rahmen zu fassen. Dafür sollte er Grafiken, Verpackungen und das Ladendesign der Hauptfiliale in Brüssel gestalten. Um einen Kontrast zu den klassischen Verpackungen zu bilden, ist das Geschäft in zwei Teile geteilt. Der eine Abschnitt besteht aus weißen Wänden und einem neutralen Fußboden mit einzeln aufgereihten Produkten auf einem schmalen, gerüstartigen Metallregal an der Wand. In der zweiten, komplett anders gestalteten Hälfte des Ladens werden die Produkte in einem eingebauten Wandschrank aus dunkelbraunem Holz angeboten, der in warmen Farbtönen gehalten und von starker Maserung geprägt ist. In gerahmten, pfirsichfarbenen Fächern stehen einzelne oder mehrere Produkte bereit. Den Fußboden bedeckt ein Teppich mit einem schwarz-weißen Gittermuster.

Lindex, Oslo

Das schwedische Fast-Fashion-Unternehmen Lindex, das über 400 Filialen betreibt, investiert in stylisches, modernes Innenraum- und Schaufensterdesign, um sich vom Wettbewerb abzuheben. Im Flagshipstore in der norwegischen Hauptstadt Oslo haben die Designer Dalziel + Pow neutrale, graue Hintergrundfarbtöne für die Verkaufsfläche und die Schaufenster gewählt und diese mit roten Akzenten durchsetzt. Geometrische Muster erzeugen eine starke Wirkung: Rote Kreise und Streifen prangen auf dem Boden und an den Wänden, und in einem Bereich ist die Decke mit großflächigen roten Leuchten ausgestattet, die durch die schmalen, schwarzen Metallkanten scharf abgegrenzt und in Vierecke geteilt werden. Einige der Schaufensterfiguren haben neben roten Perücken auch teilweise rote Körper. In Verbindung mit der Mode in aktuellen Grautönen wird das grau-rote Farbschema der Einrichtung in einer weiteren Dimension präsentiert.

Foto: Christophe Remy (1), Dalziel +Pow (1), +tongtong (1), Vizona (1)

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