Ladenbau mit Lokalkolorit | stores+shops

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Edel-rustikales Lokalkolorit im Grazer Duty-free-Shop von Heinemann

Ladenbau mit Lokalkolorit

Moderne Storekonzepte suchen heute wieder zunehmend den Brückenschlag zu Standort und Region. Sie bringen lokale Emotionalität auf die Verkaufsfläche – ohne Kitsch und Pathos. Der Weg dahin führt über Reduktion und Abstraktion.

Regionale Bezüge in zeitgemäßes Storedesign zu übersetzen – das ist selbst für die internationale Architekten-Avantgarde durchaus eine spannende Herausforderung. Als der Hamburger Stararchitekt Hadi Teherani gefragt wurde, ob er für den Heinemann-Duty-free-Shop im neuen Terminal des Hamburger Flughafens die „regionale Bühne“ gestalten wollte, sagte er jedenfalls spontan zu. Seine Idee für die Gestaltung dieser Fläche leitet sich aus markanten Elementen des Hamburger Hafens ab: Überdimensionale, von der Decke abgehängte „Rettungsringe“ schweben als Warenträger über der Verkaufsfläche, und Poller im XXL-Format greifen als Warenträger ebenfalls die typische Hafenszenerie auf. Das blaue Farbkonzept symbolisiert die Elbe, den Hafen und den Himmel. Auch die Materialien sind Teil dieses luftigen Storekonzepts: Hochglanzpolierte Metallelemente mit strahlend weißen Flächen sollen an die Luxusschiffe erinnern, die den Hamburger Hafen anlaufen und wieder verlassen.  

Regionale Bezüge sind bei Gebr. Heinemann, einem der führenden Unternehmen im weltweiten
Reise-Einzelhandel, inzwischen Programm. Bébé Branss, Director Retail Design, erklärt das Konzept der sogenannten Regionals-Flächen: „Es ist unsere Antwort auf die standortspezifischen Besonderheiten der verschiedenen Flughäfen. Möblierung und Sortiment des Heinemann-Duty-free sorgen für den Wiedererkennungswert bei den Kunden, die Regionals-Fläche bildet aber an jedem Airport ein Alleinstellungsmerkmal.“

Geborgenheit

Der Hamburger Duty-free von Heinemann im edlen Waterkant-Styling

Der Hamburger Duty-free von Heinemann im edlen Waterkant-Styling

Diese Flächen werden für jeden Standort vollkommen individuell gestaltet – zwar reduziert und abstrahiert, aber doch mit unverkennbarer lokaler Symbolik. Hochkarätige Architekten aus der jeweiligen Region übernehmen die Aufgabe, die spezifische Geschichte der Stadt bzw. Region herauszuarbeiten und in den Entwurf zu übersetzen. „Wir wollen die Kunden emotional ansprechen und ihnen in einzigartiger Atmosphäre lokale Produkte anbieten“, so Branss.  

Ein anderes Beispiel ist der Heinemann-Duty-free-Shop in Graz. Kaum eine Region verknüpft die eigene Identität so stark mit ihren landwirtschaftlichen Produkten wie die Steiermark. Die typischen Artikel werden kaum im Supermarkt, sondern praktisch ausschließlich ab Hof oder auf dem Bauernmarkt direkt von der Steige verkauft. Der „Steiermarkt“ im Grazer Duty-free von Heinemann, umgesetzt von den renommierten Grazer Hope-of-Glory-Architekten, nimmt diesen Gedanken auf: Die Produkte werden in typischen Steigen platziert – allerdings nicht bäuerlich-rustikal, sondern in veredelter, abstrahierter Form in weißem Ambiente. Das „Regionals“-Konzept wird von Heinemann weiter konsequent realisiert, darunter auch im neuen Berliner Flughafen.  

Der Trend zum Ladenbau mit Lokalkolorit kommt nicht von ungefähr. Im Zeitalter der Globalisierung rückt gerade das Regionale wieder verstärkt in das Bewusstsein vieler Menschen, es steht für Bewährtes und Vertrautes, Geborgenheit und Sicherheit. Die Rückbesinnung auf den Konsum regionaler Produkte hat ebenso identitätsstiftende Eigenschaften wie ein Ladenbau und Ladendesign mit unverkennbar regionalen Bezügen und ist zweifellos auch eine Gegenbewegung zum Trend im Ladendesign vieler Filialunternehmen, die das Individuelle, Standorttypische einem einheitlichen, uniformen Auftritt mit hohem Wiedererkennungswert für die Kunden und einer konsequenten Markenbildung geopfert haben – Konzepte, die möglicherweise an den Bedürfnissen vieler Menschen vorbei gehen.

Hugendubel, Schweinfurt: Porträt des Dichters Friedrich Rückert aus Buchtiteln

Hugendubel, Schweinfurt: Porträt des Dichters Friedrich Rückert aus Buchtiteln

Schon länger beschäftigt sich der Architekt Matthias Franz mit dieser Thematik im Bereich der Buchhandlungen. Hier werden häufig auch Literatur, Wanderkarten und anderes mit regionalem Bezug angeboten. Das Architektenbüro hat zahlreiche Buchhandlungen mit klarem Standortprofil realisiert. In der
Wagner-Stadt Bayreuth ziert beispielsweise ein überdimensionales Portrait des Komponisten den Treppenaufgang bei Hugendubel – zusammengesetzt aus 2.500 Buchtiteln. Am Hugendubel-Standort in Schweinfurt, Geburtsort des Dichters Friedrich Rückert, wurde diesem ein ähnliches „Denkmal“ gesetzt.

Lokale Bezüge auch in der bayrischen Buchhandelskette Rupprecht: In der Filiale in der alten Flößer-Gemeinde Wolfratshausen nahe München ist ein „Floß“ das Highlight in der Kinderabteilung. Darauf wird gelesen und gespielt.

Buchhandlung Rupprecht, Wolfratshausen: „Floß“ in der Kinderabteilung

Buchhandlung Rupprecht, Wolfratshausen: „Floß“ in der Kinderabteilung

Und in der renovierten Wiesbadener
Hugendubel-Filiale ruft eine 10 m hohe Foto-Leuchtwand im Treppenbereich eine lebhafte Resonanz bei den Kunden hervor. Dort ist eine Vielzahl historischer Wiesbadener Straßenzüge abgebildet. „Man erkennt sich wieder“, schildert Architekt Matthias Franz die emotionale Berührung der Kunden. „In diesem Haus wurde einst der Vater geboren, in jener Straße hat der Kunde vielleicht selbst seine Kindheit verbracht.“ Die Fotos schaffen Atmosphäre, animieren Kunden zum Verweilen und steigern das Einkaufserlebnis. Gerade für Klein- und Mittelstädte sieht Franz ein erhebliches Potenzial für die emotionale Verbraucheransprache über das Bekenntnis zur Region.  

Auch Licht spielt als gestalterisches Element beim Thema regionales Storedesign eine herausragende Rolle. Ein Paradebeispiel dafür ist die Rhein-Galerie Ludwigshafen. Das Einkaufszentrum liegt direkt am ehemaligen Zollhafen und bietet seit 2010 den Ludwigshafenern erstmals einen innerstädtischen Zugang zum Rhein sowie einen Terrassenblick auf den Rhein. Die direkte Lage am Fluss wurde zum Leitthema für die Gestaltung des gesamten Gebäudes. Auch das aufwendige Lichtdesign von Ansorg nimmt darauf symbolträchtig Bezug: „Highlight“ ist der „große Wal“ an zentraler Stelle im Innenraum und rundherum die „kleinen Fische“, realisiert mit einer augenfälligen Leuchtenkonstruktion von 16 m Länge und 4 m Breite sowie abgependelten Leuchten. Blaue LED-Elemente hinterleuchten dabei pulsierend die weiß-transluzente Oberfläche der Leuchten. Weitere Glanzpunkte in diesem Lichtkonzept sind die großflächigen elliptischen Lichtdecken, die unter den beiden Brücken installiert sind. 

Fotos: Gebr. Heinemann (2), Matth. Franz Architekten (2)

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