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Theodor Schember
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Hoffmann Ladenbau
Konfiguration und Customising: Form und Gestaltung seiner individuellen Möbelstücke bestimmt der Kunde in Zukunft von zuhause aus. (Foto: „Form.bar“ by Okinlab)
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Einrichtung  |

Möbelmarkt: Filigran und vielseitig

Der „East River Chair“ bei Vitra zeigt besonders plakativ, wie sich gesellschaftlicher Wandel im Möbeldesign niederschlägt: Das Hybrid aus Sessel und Stuhl – entworfen von der holländischen Designerin Hella Jongerius – ist gemütlich, ergonomisch und gepolstert wie ein Sessel und zugleich so leicht, beweglich und multifunktional einsetzbar wie ein Stuhl. Ein Tragegriff an seiner Rückseite – nicht versteckt, sondern offensiv in farbstarkem Kontrast – symbolisiert die Flexibilität des Sesselchens. Seine unkonventionelle Materialzusammensetzung erzählt Geschichten über den Lifestyle: Eine Kombination aus Holz, Metall, Leder und Stoff in wählbaren Farbkombinationen verbindet Industrielles mit Handwerklichem, High-Tech mit Low-Tech, Tradition mit der Moderne.

Maximale Flexibilität, die ja auch vielen zeitgemäßen Ladenbaukonzepten zugrunde liegt, ist ein zentrales Stichwort in der Möbelbranche. „Die steigende Urbanisierung bringt kleineren Wohnraum mit sich. Wohnen auf 25 qm, eine hohe Mobilität, häufiges Umziehen – diese Faktoren wirken sich auf das Design der Möbel aus“, betont Ursula Geismann vom Verband der Möbelindustrie e.V. An die Stelle der ausladenden Polstermöbel und Liegelandschaften vergangener Jahre treten daher nun zierliche, leichte und Material-sparsame Möbelstücke. Sofas und Polstersessel bekommen wieder Silhouette und Grazie, da sie auf schlanken Beinen balancieren. Kinderschreibtische wachsen mit, Küchenarbeitsflächen sind höhenverstellbar. Tischchen und Sideboards mit auszieh- und klappbaren Zusatzflächen erinnern an die Wohnstile der 50er-Jahre mit ihren beengten Wohnverhältnissen. Vieles orientiert sich am Midcentury-Design, den Möbeln der 40er- bis 60er-Jahre, mit ihren Ikonen wie Eames und Nelson. Und damit kommen die Möbel dem Trend im Visual Merchandising entgegen, Storeflächen in Wohn-Szenarien zu verwandeln.  

Mit verkleinertem Wohnraum verzahnen sich die Lebensbereiche Wohnen, Arbeiten und Kochen weiter, während das ‚social life‘ und alles, was draußen stattfindet, in der urbanen Gesellschaft an Bedeutung gewinnt. Die „Block“-Outdoor-Küche von Kaufmann Green verschmilzt den Indoor- mit dem Outdoorbereich exemplarisch. Modular aufgebaut in industrieller Ästhetik mit Gas-Grill und Industriewaschbecken bedarf sie keiner Pflege und kann ganzjährig draußen bleiben. Dafür sorgen witterungsunabhängige innovative Materialien, die generell Komfort und Funktionalität von ‚Outdoor‘ erhöhen, was wiederum Rückkopplungen auf das Indoor-Design zur Folge hat.

Allseitige digitale Konnektivität beeinflusst das Möbeldesign grundlegend. Sekretäre bekommen eingebaute USB- und Stromanschlüsse sowie integrierte, quasi unsichtbare Ladestationen fürs Mobilgerät wie die „Smart Charge“-Technologie der Firma Spectral. Ausklappbare Tischflächen an Sitzmöbeln geben dem Laptop eine Abstellfläche, hochentwickelte Kunststoffe erlauben Lautsprechern, neue wohnliche Formen anzunehmen.

Flexibilität und Konnektivität revolutionieren auch die neuen Herstellungsmethoden, Produktions- und Handelswege – mit bereits erfolgten Auswirkungen auf den Ladenbau. Der Online-Konfigurator des Systems „Form.bar“ der Okinlab GmbH zum Beispiel macht das individuelle Möbeldesign vom heimischen Sofa aus möglich. Anhand der digitalen Fertigungsdaten kann quasi weltweit jeder Schreiner mit CNC-Fräse – also auch der regional nächstgelegene – das entworfene Stück passgenau und individuell anfertigen. Diese Technologie kam im vergangenen Jahr bereits für eine geschwungene Lamellendecke im Globus Kleinflächen-Pilot „Fridel“ in Saarbrücken zum Einsatz.

Weitere Informationen: www.imm-cologne.de 

Top-Statistiken zum Möbelhandel: www.handelsdaten.de/branchen/moebelhandel