DSCF 2018: Mit Innovationen punkten | stores+shops

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Forenleiterrunde des DSCF 2018: Benjamin Gerken (Bestseller), Jens Betge (Jens Betge Real Estate Management), Jascha Habeck (Moderator), Johan Bergenthal (Klépierre Management Deutschland), Moritz-Felix Lück (Metro-ECE Centermanagement) und Jan-Michael Spijkers (Ad Mission) (Foto: EHI/Axel Schulten)

DSCF 2018: Mit Innovationen punkten

Gastronomiekonzepte und Digitalisierung waren die bestimmenden Themen beim 5. Deutschen Shopping-Center Forum in Düsseldorf. Bei der von EHI und German Council of Shopping-Centers (GCSC) gemeinsam durchgeführten Veranstaltung wurde einmal mehr deutlich, dass der Handel seinen Kunden Erlebnisse und Unterhaltung bieten muss, damit sie den Weg in die Läden finden.

Key-Note Speaker Stephan Jung, Innovationsexperte, Dozent und Buchautor, definierte in seinem Vortrag die Innovationstreiber der Zukunft und deren Konsequenzen für den Einzelhandel. „Wir müssen uns wieder daran gewöhnen, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen“ appellierte der Zukunftsforscher an 350 Kongressteilnehmern. So banal diese Aussage zunächst klingen mag, so überzeugend waren die Argumente und Handlungsempfehlungen an die Adresse der Shopping-Center-Betreiber.

Jung sprach von 11 Mega-Trends im Verbraucherverhalten, auf die sich der Einzelhandel in Zukunft einstellen sollte. Zum Beispiel die Individualisierung: weg von allem Gewöhnlichen und Austauschbaren, hin zu individuellen Produkten. Mit 3-D-Druckern werden Konsumenten künftig ihre Kleidung nach individuellen Vorgaben selbst herstellen können. Die Urbanisierung und der Drang zur „Multimobilität“ werden laut Jung das Konsumentenverhalten ebenso beeinflussen wie Ökologie, gesunde Ernährung oder neue Arbeitsumgebungen mit flexiblen Büroarbeitsplätzen, die bei Bedarf auch schon mal in Hotels ausgelagert werden können.

„Sprechen Sie mit anderen Branchen und wagen Sie Cross Innovation“, so der Ratschlag von Stephan Jung an den Handel. Anschauungsunterricht für perfekten Rund-um-Service liefern zum Beispiel Kreuzfahrtschiffe. Auch von Hotels und Gastronomiebetrieben könne der Handel Vieles Lernen in puncto Kundenorientierung. Starbucks zum Beispiel inszeniert mit seinem „theater of manufactory“ in Seattle die Kaffee-Genusswelt. Unterhaltung, Überraschung und Verführung sind die Erfolgsfaktoren für den stationären Handel der Zukunft.

Butlers‘ Weg aus der Insolvenz

Dass nicht in erster Linie das Produkt, sondern seine Inszenierung und Verbreitung über verschiedene Kanäle entscheidend zum Erfolg eines Händlers beitragen, musste der Anbieter von Wohnaccessoires Butlers erfahren. 2017 meldete das Unternehmen aus Köln Insolvenz an, konnte diese aber noch im selben Jahr erfolgreich abschließen.  Möglich machte dies u. a. die Schließung von 30 Filialen und der Eintritt neuer Gesellschafter mit einem Kapital von 10. Mio. €. Weiterhin organisierte Butlers die Zentrale neu, entwickelte eine neue Finanz- und Sortimentsstruktur, baute Altbestände ab, reduzierte die Artikelpreise und kreierte ein moderneres Erscheinungsbild für seine Filialen.

Zukünftig will Butlers sowohl den Verkauf an Auslandspartner als auch seine Markenpräsenz über verschiedene Kanäle ausbauen. Zudem sollen der Onlineshop und die Filialen besser verzahnt werden. Für die Zukunft plant Butlers neben einzelnen neuen Stores wie in Kürze in Köln auch Pop-up-Stores in 1A- und 1B-Lagen zu eröffnen, um seine Präsenz zu stärken. Zuletzt testete das Unternehmen in seine Stores in Frankfurt und Freiburg temporär ein Speiseeiskonzept und konnte dadurch die Umsätze der Filialen steigern.

Allheilmittel Gastronomie?

Shopping-Center setzten lange auf Mode als zentrales Zugpferd im Branchen-Mix. Gastronomie war nur ein Beiwerk, das die Besucher länger im Einkaufszentrum halten sollte. Das Aschenputtel-Dasein gehört aber mittlerweile der Vergangenheit an. Nun stecken die Betreiber und Projektentwickler der Gastronomie sprichwörtlich den Glasschuh an und hoffen, dass er passt.

Die Zahlen des aktuellen EHI Shopping-Center Reports bestätigen, dass der Trend Gastronomie in der Praxis angekommen ist. „Während vor wenigen Jahren noch etwa sechs Prozent der Verkaufsfläche aus Gastronomie bestand, ist der Anteil bei Neueröffnungen im Durchschnitt bereits auf knapp 20 Prozent angestiegen“, erklärt Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsleitung im EHI.

Das spiegelt sich auch im Umsatz wider. Die Handelsgastronomie in Deutschland erwirtschaftet rund 9,3 Milliarden Euro pro Jahr. Aktuell entfällt etwa ein Fünftel – also circa zwei Milliarden Euro – auf Shopping-Center. Und der Umsatz-Anteil dürfte in den kommenden Jahren noch weiter steigen, schätzen Experten. 

Dass der Gastronomie-Anteil am Branchen-Mix zunimmt, lässt sich weltweit beobachten. Das International Council of Shopping Centers (ICSC) geht in einer Studie davon aus, dass Food bis 2025 insgesamt auf einen Durchschnittswert von 20 Prozent bei Einkaufszentren anwachsen wird. Zurzeit betrage er schon 15 Prozent, während er vor einer Dekade noch bei fünf Prozent lag.

Geselliger Treffpunkt

Wie moderne „Foodhalls“ den Betrieb eines ganzen Centers beeinflussen können, zeigt sich in Bukarest. Im Einkaufszentrum „Parklake“ in der rumänischen Hauptstadt konzipierte Sonae Sierra den Gastronomiebereich als geselligen Treffpunkt. Das kulinarische Angebot trägt unterschiedlichen Ansprüchen Rechnung. „Die Herausforderung ist es, Angebote zu schaffen, die den ganzen Tag attraktiv sind“, sagt Dirk von der Ahé. Nahrungsaufnahme zur reinen Bedürfnisbefriedigung weiche hier einer Erlebnisgastronomie und das zahle sich aus: „Wir gewinnen Woche für Woche in Bukarest Marktanteile von unseren Mitbewerbern dazu“, erklärt er – und das trotz eines ähnlichen Handelsbesatzes bei der Konkurrenz.

Ob hochwertigere gastronomische Konzepte tatsächlich das Allheilmittel für die kriselnde Shopping-Center-Branche sind, bleibt abzuwarten – auch deswegen, weil gute Gastronomie sich durchaus vom klassischen Fastfood-Business unterscheidet, wie der Münchener Gastronom Marc Uebelherr auf dem Deutschen Shopping-Center Forum erklärte. Mit seinem italienischen Konzept „Oh Julia“ ist er mittlerweile in Mannheim (Q6 Q7), München (Hofstatt) und Stuttgart (Dorotheen Quartier) vertreten.

„Man muss sich der Mall und der Situation vor Ort anpassen“, sagt er, „bevor man sich dann für einen Standort bewirbt, ist schon ein riesiger Weg zurückgelegt.“ Architektur und ein detailliertes Konzept stehen am Anfang. Nicht zuletzt gehe es um „Leidenschaft für Gastronomie“ und den persönlichen Einsatz vor Ort, die aus einem Konzept erst ein lebendiges Lokal mit dem nötigen Flair machen, das die Besucher begeistert. Das sei noch wichtiger, als hohe Summen zu investieren, die zwar notwendig seien, aber nicht über den Erfolg gastronomischer Konzepte entscheiden, wie Uebelherr betont.

Das nächste Deutsche Shopping- Center Forum findet am 14. und 15. Mai 2019 erneut in Düsseldorf statt.  

Fotos (6): EHI/Axel Schulten

Weitere Informationen: www.dscf.de