Wir starten unser „Retail-Seeing“ in der Rheinmetropole Düssel­dorf. Die Anziehungskraft der Innenstadt ist auch ein Ergebnis ihrer Vielseitigkeit. Im Stadtplan der Mode verzeichnet das „Mar­ken-Who-is-Who“ internationale Fashion-Marken wie Benetton, Ginatricot, Levis, Uniqlo, H&M und Zara bis hin zu Edelmarken wie Armani, Boss, Bulgari, Cartier, Chanel, Dior, Escada, Gucci, Hermès, Prada oder Ermenegildo Zegna und vielen anderen. An der Königsallee (kurz: Kö) wird Mode zur Königsdisziplin.

Die Warenhäuser Galeria Kaufhof am Wehrhahn und an der Königsallee setzen mehrheitlich auf Mode für die ganze Familie. Kaufhof Kö spricht in seinen modern gestalteten Etagen die jun­ge Klientel an, unter anderem auch mit einem neuen Store des britischen Anbieters Top Shop. Karstadt, C & A und Peek & Clop­penburg sind bewährte Modeadressen für unterschiedliche An­sprüche und Markenpräferenzen. Einen exklusiven Modeauftritt bietet im modernen Kö-Bogen Breuninger aus Stuttgart. Mode, Parfümerie, Taschen und weitere Accessoires präsentieren sich dort in edlem Ambiente.

Ranking der an Samstagen beliebtesten Einkaufsstraßen Deutschlands nach Passantenfrequenz (2019)

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Foto: Engel & Völkers Commercial, hystreet.com

Die Mode bringt internationales Flair in die Stadt. Ein sicht­bares Beispiel ist der Philipp-Plein-Store am Entrée des Shop­ping-Centers Sevens an der Kö. Der im schweizerischen Lugano geborene Gründer und Designer setzt bei seinen Mode-Kreatio­nen auf die Auffälligkeit des Totenkopfes als Marken-Wiederer­kennung. Im Jahr 2019 ging die letzte Kollektion in Serie, die der weltbekannte Mode-Designer Karl Lagerfeld noch persönlich in Augenschein nehmen konnte. Schwarzer Anzug, dunkle Brille, weiße Handschuhe und silberner Haarzopf waren und bleiben seine markanten Erkennungsmerkmale, auch im Markenbild. Weniger spektakulär, aber nicht minder interessant ist die Geschichte des Mailänder Herrenausstatters Boggi. Überzeugend ist die Identität von Ambiente und Zielgruppe. Das Logo und die Tragetaschen erinnern an den schwarz-weißen Stil von Chanel und Dior. Dass man auch mit dezenter Präsentation und Deko­ration in der Modebranche Erfolg haben kann, zeigt der Pariser Store Maje in unmittelbarer Nachbarschaft des edlen Modelabels Giorgio Armani.

Ins Auge fällt ein Store, dessen Name und Angebotskonzept recht ungewöhnlich ist: Anthropologie. Die Idee kommt aus Phi­ladelphia. Der Besucher findet auf zwei Ebenen eine kontrastrei­che Mischung von Mode und Home. Der besondere Clou: Alle Sitz­gelegenheiten wie Sessel, Sofas und Stühle, aber auch Tische und Teppiche kann der Kunde käuflich erwerben. Ebenfalls schwer in das gewohnte Branchen-Schema einzuordnen ist ein Unterneh­men aus Aachen mit dem Namen „Pro Idee“. Das E-Commerce-er­probte Unternehmen bietet Neuheiten und Designerprodukte aus acht verschiedenen Warenbereichen an.

Design aus Skandinavien

Der Bereich Möbel und Einrich­tungsbedarf hat auch im Zentrum von Düsseldorf einen festen Platz gefunden. Beispiele sind Rochebobois und Coco-Mat an der Berliner Allee und Bolia aus dem dänischen Arhus. Leidenschaft für skandinavisches Design, Kreativität und zufriedene Kunden treiben das dynamische Unternehmen an. Aber auch Online-Shops eröffnen in der City stationäre Showrooms wie Home 24.de an der Berliner Allee. Eine skandinavische Adresse hat auch „Søstrene Grene“. Die Kom­bination von preiswerten Möbeln, Innenausstattung, Kinderspiel­zeug, Bastelartikeln und Schreibwaren ist ungewöhnlich. Auch die akustische Untermalung mit entspannender klassischer Musik ist fester Bestandteil des Geschäftsprinzips. Nur wenige Meter von Søstrene Grene entfernt hat Ende 2019 ein weiteres skandi­navisches Einrichtungsgeschäft eröffnet. Der Name Granit ist un­gewöhnlich und will gar nicht so recht passen zum Angebot, das eher weich und dezent erscheint. Die Geschäftsidee wurde 1996 von zwei jungen Frauen aus Stockholm am Küchentisch erdacht. Die Idee war, ein Konzept für einen Lebensstil zu finden, das das tägliche Leben einfacher machen soll.

Technik und Mobilität

Saturn bildet in der Einkaufspassage Sevens auf mehreren Etagen das ganze Spektrum der Unterhal­tungselektronik ab. Seit kurzem erst ist die Weltmarke Leica aus Wetzlar mit einem eigenen Store auf zwei Ebenen in der Kö-Galerie vertreten. Ebenfalls ganz neu ist das Huawei-Service-Center auf zwei Etagen an der Ecke Kö und Bahnstraße. Die auffälligsten Mo­bility Stores sind nach wie vor der T-Mobile Flagship-Store an der Schadowstraße und der Apple Store im Kö-Bogen gleich neben Breuninger.

Wellness und Genuss

Die wachsende Bedeutung von Well­ness, Fitness, Gesundheit und Genuss in unserer Gesellschaft kommt auch in der Präsenz der Geschäfte zum Ausdruck, die die­se Werte mit ihren Angeboten bedienen. Die Shops von Rituals treffen da den Zeitgeist. Im Windschatten des Marktführers aus Amsterdam hat sich eine ganze Reihe von beeindruckenden und ebenso stimmungsvollen Konzepten entwickelt. Der Wellness-Sto­re von Aesop aus dem australischen Strandviertel von St. Kilda in Melbourne steht wie ein ruhender Pol im City-Gedränge und Stra­ßenlärm. Heute ist Aesop in vielen Teilen der Welt im Dienste von Pflege und Schönheit aktiv.

Die Krönung der Düsseldorfer Landschaft für Lebensmittel ist der Supermarkt „Zurheide Feine Kost“. An der belebten Kreu­zung von Berliner Allee und Graf-Adolf-Straße eröffnete der Edeka-Händler Zurheide im März 2018 ein weitläufiges Paradies kulinarischer Köstlichkeiten. Der Markt ist ein Paradebeispiel für die Verbindung von Shoppen und gastronomischen Angeboten. Beeindruckend ist das hohe Niveau an Frische und Auswahl. Image-Aktionen wie Gastronomie-Events, Kochwettbewerbe, exklusive Dinner-Abende mit renommierten Sterneköchen sor­gen für zusätzliche Frequenz. Der mit Zurheide konkurrierende Wochenmarkt auf dem Carlsplatz der Altstadt schafft für seine anspruchsvollen Kunden eine authentische und mediterrane Markt- und Markthallen-Atmosphäre mit Frische, Qualität und freundlich-persönlicher Beratung.

Ein weiterer Trumpf des Düsseldorfer Handels ist Nespres­so an der Königsallee. Hier stimmt alles, und alles ist in sich stim­mig. Kaffee und Kapseln werden inszeniert und zelebriert. Es geht um Lebensstil und um die Qualität des Genusses. In den Schau­fenstern überraschen die Designer immer wieder mit neuen Kaf­fee-Kapsel-Kunstwerken, die ihren werblichen Platz auch auf den Tragetaschen finden.

Auf nach Köln

Zwischen dem Düsseldorfer und Kölner Ein­zelhandel liegen nur 45 Autominuten. Der beliebteste Einstiegs­ort bei den Touristen, die mit der Bahn kommen, ist der ein­drucksvolle Dom mit der stets belebten Domplatte. Am kleinen Wallraff-Platz vor dem WDR-Funkhaus strömen die Besucher der Hohe Straße vorbei an einem kleinen, aber feinen Ensemb­le bekannter Edelmarken wie Bulgari, Meissener Porzellan, Swa­rovski, Longchamp und Montblanc. Ein deutlicher Kontrast zur Hohe Straße: Sie zeigt in letzter Zeit sichtbare Schwächeerschei­nungen durch Leerstände und Billigläden. Angesichts der Enge der Handelsstraße bleibt kein Platz für eine geruhsame Sitz­bank, eine nostalgische Laterne oder einen bunten Blumen­kübel.

Mode und mehr

Architektonische Sehenswürdigkeit des Köl­ner City-Handels und Schaubühne für viele internationale Mar­ken ist das Modehaus von Peek & Cloppenburg. Die transparente Glasfassade im Zentrum der Schildergasse wurde entworfen vom italienischen Architekten und Designer Renzo Piano. Ein relativ neues Young Fashion-Konzept ist Reserved. Die Einrichtung bil­det einen farblichen und atmosphärischen Kontrast zur Mode-Kol­lektion. Das Konzept stammt aus Polen.

Der Auftritt von Levis als Mono-Label ist auch in Köln domi­nant. Im August 2018 ging der neue Store an der Schildergasse mit dem weltweit bekannten rot-weißen Logo und der großen Le­vis-Produktfamilie an den Start. Vertrauen in die Kraft des Na­mens zeigt auch der Young Fashion-Spezialist Uniqlo. Auch die Japaner werben in den Signalfarben Weiß und Rot. Beeindruckend sind die über 30 Schaufensterfiguren hinter den hohen Fenster­scheiben der Fassade.

Eine sichtbare Veränderung zur letzten EuroShop 2017 ist auch beim Traditionskaufhaus Galeria Kaufhof zu beobachten. Über zwei Etagen hinweg hat sich dort der britische Young Fashion-Anbie­ter Top Shop eingemietet. Originalität und Kreativität seiner Pro­dukte zeichnet den Schuh- und Taschenanbieter Dogo in der Hohe Straße aus. Das phantasievolle Label wurde 2006 im türki­schen Izmir gegründet. Der Kölner Store ist der einzige in Deutsch­land. Die Marke Aevor bietet gleich gegenüber vor allem sportliche Rucksäcke. Der ungewöhnliche Name des Kölner Unternehmens ist bislang vor allem in Fachkreisen und bei Online-Käufern be­kannt. Die Marke nutzt hier die Chance der Leerstandsprobleme der Hohestraße als Pop-up-Store. Damit will Aevor testen, inwie­weit ein stationäres Standbein erfolgreich sein kann. Der sechs­monatige Markttest läuft bis Ende März 2020.

Ehrenstraße

Kontraste begegnen dem modebewussten Kunden quasi auf Schritt und Tritt. Auch in der Kölner Ehrenstraße. Yaya heißt das Geschäft aus der Nähe von Amsterdam. Es fällt auf gerade wegen seiner Unauffälligkeit, vergleicht man die Boutique mit anderen Stores in der Nähe wie zum Beispiel dem kontrastreichen Urban Outfitters. Wo dessen Zielgruppe bei 30 Jahren aufhört, beginnt die Kollektion von Yaya. Das Motto ist so schlicht wie einfach: „We do what we love and we love what we do“.

Das Erzählen von anderen Geschichten hat „& other stories“ wörtlich genommen. Die Fans der Fashion-Brand sind aufgefor­dert, Geschichten zu ihren heimischen Modeschätzchen per Ins­tagram und Co. zu posten. Die schwedischen Modemacher hoffen damit auf Inspirationen. Hinter dem Story-Teller steht das Lu­xus-Label von H & M. Eine besondere Inspiration bietet der belieb­te Modestore an der Ehrenstraße mit dem ungewöhnlichen Na­men Pick & Weight. Den Preis der Mode bestimmt die Waage. An jedem Artikel ist eine unterschiedliche Farbplakette, die die Preis­stufe signalisiert. Sechs Stufen gibt es von 25 bis 95 Euro das Kilo. Die originelle Store-Idee kommt aus Ahrensburg in der Nähe von Hamburg.

Dominante Filialisten

Bei den Themen Sport, Fitness und Freizeit sind es in der Regel bekannte Filialunternehmen, die das Bild der Geschäfte prägen. Im Olivandenhof hat der Outdoor-Spe­zialist Globetrotter aus Hamburg in sportlicher Erlebnisatmosphä­re seinen Stammplatz gefunden. Neu auf dem Kölner Sportplatz ist Decathlon aus Frankreich. Sein Motto ist einfach und einpräg­sam: „Sport for all – All for sport!“ Im Kreis der vielen Sport­schuhmärkte kann der amerikanische Weltmarktführer Foot Lo­cker in der Schildergasse optisch punkten: mit schwarz-weißen Schiedsrichter-Trikots ist das Personal gut erkennbar.

Im Bereich der Technik fand die Filial-Eröffnung des briti­schen Staubsauger-Herstellers Dyson an der Hohe Straße große Beachtung. Angeboten werden in futuristischem Ambiente nicht nur die klassischen Staubsauger, sondern auch Produkte zum The­ma Beauty wie Haarföhns, Styling-Geräte sowie Luftreiniger und Leuchten. Eine weitere Filialeröffnung hat aufhorchen lassen: Teu­fel aus Berlin hat eine Filiale in der Kölner Schildergasse zwischen Neumarkt und P&C eröffnet. Der kleine, aber gut besuchte Store ist für alle „Freaks“, die sich für Kopfhörer, Lautsprecher und Heim­kino interessieren, die kompetente Adresse.

Handelsexperte Eberhard Gebauer begleitet die EuroShop-Ausga­ben unseres Magazins bereits seit 1999 mit seinen „Shop-Reports“ über die Handelsszene in den Metropolen Düsseldorf und Köln. 

Düsseldorf im Blickpunkt der Fachwelt

Im Februar 2020 steht Düsseldorf ganz im Zeichen der EuroShop. Auch der lokale Einzelhandel sieht der EuroShop mit großen Erwartungen entgegen. Drei Fragen an Claus Franzen, Mitinhaber des Concept Store Franzen an der Düsseldorfer Königsallee.

Herr Franzen, welche Bedeutung hat die EuroShop für den Handel?  

Die Messe bietet eine große Bandbreite an Tools und Systemen für ein Shopping auf höherem Niveau – und das für alle Branchen und Geschäftsfelder. Die Themen der EuroShop sprechen emotionale Aspekte an wie Visual Merchandising, Store-Design oder Kundenfüh­rung ebenso wie rationale Ansätze zur Optimierung der Geschäfts­prozesse. Denn ohne verbesserte Warenwirtschaftssysteme mit in­tegrierten Kassen- und Bezahlsystemen kann der Handel nicht auf Veränderungen im Markt reagieren.  

Aus welchen Gründen würden Sie Ihren Handelskollegen einen Besuch der EuroShop empfehlen?  

Ich schätze die Messe als einen wichtigen Motor für einen moder­nen und zeitgemäßen Handel. Die Kunden sind anspruchsvoller ge­worden und wollen gerade in den Stores der großen Metropolen im­mer wieder moderne und inspirierende Shopping-Erlebnisse erfahren. Insofern sollte die Gelegenheit der EuroShop von jedem Händler genutzt werden, der seinen Kunden ein attraktives Einkaufsumfeld bieten möchte.

Was sind Ihre persönlichen Besuchs-Tipps?

Empfehlen möchte ich den Besuchern den „Fünf-Center-Walk“, ein fast durchweg überdachter Weg durch die Einkaufsgalerien der Königsallee von den Schadow Arkaden über Kö-Center, Sevens und Kö-Galerie bis zum Stilwerk. Aus gastronomischer Sicht sind natürlich die Düsseldorfer Brauhäuser zu nennen. Einen guten Ruf genießt auch das von der Insel Sylt bekannte Restaurant Sansibar im Modehaus Breuninger im Kö-Bogen. Mein ganz persönlicher Gastro-Tip ist „The Grill Upper Kö“. Last but not least möchte ich als Besuchstip natürlich auch unseren „Life Style Store Franzen“ an der Königsallee empfehlen.