Kurzer Rückblick: Welche Auswirkungen hatte Corona-Zeit auf Ihr Unternehmen?

Die Corona-Krise hat unzähligen Firmen und Beschäftigten vieles abverlangt. Besonders im Non-Food-Einzelhandel. Wenn die Geschäfte schließen müssen und man keinen Umsatz mehr generiert, die Kosten aber weiterlaufen, ist dies für jede Firma – egal ob klein oder groß – auf Dauer wirtschaftlich schwierig. Auch für ein kerngesundes, starkes und leistungsfähiges Unternehmen wie unseres. Allerdings ist unsere Firmengruppe solide aufgestellt und verfügt über finanzielle Reserven. Das hängt auch damit zusammen, dass wir Gewinne nicht für private Zwecke ausschütten. Aber klar ist auch, dass auch unsere Reserven nicht unbegrenzt sind. Mittlerweile bin ich angesichts der niedrigen Corona-Inzidenzwerte optimistisch. Das Leben normalisiert sich langsam wieder. Auch für die Deichmann-Gruppe haben sich dadurch die Bedingungen deutlich verbessert. Viele unserer Kunden kommen wieder zum Einkaufen in die Läden, die Umsätze entwickeln sich sehr erfreulich. Angesichts der drohenden Delta-Variante bleibt aber natürlich eine gewisse Unsicherheit.

Welche Learnings nehmen Sie aus der Krise mit?

Ich habe das Gefühl, dass wir bei Deichmann in der Krise – natürlich nur bildlich – noch enger zusammengerückt sind. Dafür bin ich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr dankbar. Denn wichtige Eigenschaften eines Unternehmens werden in der Krise noch bedeutsamer: ein solides wirtschaftliches Fundament, Flexibilität, Kreativität, Weitsicht und vor allem ein engagiertes Team, das zur Firma steht und gemeinsam die schwierigen Aufgaben meistert. Generell wachsen wir zurzeit stark in unserem Online-Geschäft. Die Corona-Pandemie hat uns erneut gezeigt, wie bedeutsam die Digitalisierung für uns als Omnichannel-Anbieter ist. Darum treiben wir unter anderem die Expansion im E-Commerce weiter konsequent und mit großer Ambition voran. Unabhängig von der aktuellen Situation glauben wir aber auch nach wie vor an unser stationäres Geschäft und werden unser Filialnetz weiter optimieren. Ein modernes Ladengeschäft muss dabei den funktionellen und emotionalen Anforderungen der Kundinnen und Kunden entsprechen. Im Rahmen unserer Omnichannel-Strategie verbinden wir konsequent Elemente des stationären Handels mit denen der Online-Shops, um den Kanalwechsel so simpel wie möglich zu machen.

Welche Themen/Trends sind heute besonders wichtig?

Generell scheint es ein inhaltlicher Trend zu sein, dass die Menschen traditionelle Werte wieder für wichtiger halten. Aspekte wie Familie, Natur, Sport und Gesundheit spielen gesellschaftlich wieder eine größere Rolle. Dazu hat auch das Thema Nachhaltigkeit in der Pandemie noch einmal an Bedeutung gewonnen. Und Corona hat uns ebenfalls – wie bereits gesagt – deutlich vor Augen geführt, wie wichtig die Digitalisierung ist. Eine weitere Entwicklung, die sich für uns abzeichnet: Kooperationen mit globalen Marken werden immer bedeutsamer. Unser Ziel ist es dabei, beispielsweise die neuesten Lifestyle-Trends der Sportmarken für jede Kundin und jeden Kunden unabhängig vom Geldbeutel zugänglich zu machen.

Wie werden sich die Innenstädte verändern?

Das Stadtzentrum muss lebendig, vital und sicher sein. Dabei sind für mich Ambiente und Flair wichtige Argumente, wenn es um die Attraktivität von Innenstädten geht. Aus meiner Sicht muss es einen besseren Mix und mehr gemischte Nutzungen der Innenstadtbereiche geben. Dabei braucht es sicherlich eine Stärkung und Modernisierung des stationären Handels, ergänzende Gastronomie-, Freizeit- und Kulturangebote oder auch eine strukturelle Integration von neuen innerstädtischen Wohnformen. Und auch eine leistungsfähige Digitalisierung des stationären Handels kann dabei helfen, um offline mit online zu verbinden und dadurch dem Kunden, der gerne in die Innenstadt kommt, schon bei der Planung seines Besuchs die Suche nach Produkten und Dienstleistungen zu erleichtern. Dazu kommt: Aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie dürfte in vielen Städten mit sinkenden Mieten zu rechnen sein.

Wie wirkt sich der Nachhaltigkeitstrend aus?

Nachhaltigkeit hat bei uns traditionell einen hohen Stellenwert. Zu Recht wird von der Wirtschaft und besonders auch großen Unternehmen soziales und umweltverantwortliches Handeln verlangt. Das ist auch unser Maßstab. Als Familienunternehmen ist es uns wichtig, langfristig in Generationen zu denken und zu planen. Das Unternehmen muss dem Menschen dienen – so lautet unser Unternehmensleitbild. Das Unternehmenswachstum ist bei uns immer mit Augenmaß erfolgt. Dabei hat das Thema Nachhaltigkeit für uns verschiedene Facetten. Zu den Prinzipien der Warenbeschaffung gehört bei uns beispielsweise seit vielen Jahren eine verantwortungsvolle Gestaltung von Liefer- und Wertschöpfungsketten. Die entsprechenden Regeln umfassen soziale und ökologische Standards und werden durch einen „Code of Conduct“ definiert, der unsere Lieferanten fest an bestimmte Verhaltensweisen, Produktionsverfahren oder Bestimmungen bindet. Bereits seit längerer Zeit spielen bei uns auch nachhaltige Produkte eine immer wichtigere Rolle. Dabei geht es sowohl um Artikel, deren Produktbestandteile Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, als auch um Produktionsprozesse, die den ökologischen Fußabdruck positiv beeinflussen.