Als weltweit agierende Gruppe mit Absatz- und Beschaffungsmärkten in Europa, Nord- und Südamerika sowie in Asien war auch die Otto Group unmittelbar von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen. Eine Grundlage für die positive Geschäftsentwicklung trotz der Krise sieht die Hamburger Handels- und Dienstleistungsgruppe vor allem in der Digitalisierung der Geschäftsmodelle und Konzerngesellschaften sowie der entsprechenden Vertriebskanäle.

Im Geschäftsjahr 2020/2021 erwirtschaftete die Otto Group einen Gesamtumsatz von 15,64 Mrd. Euro. Ihre Geschäftstätigkeit erstreckt sich auf die drei Segmente Multichannel-Einzelhandel, Finanzdienstleistungen und Service. Der Multichannel-Einzelhandel, der die in- und ausländischen Konzerngesellschaften umfasst, die ihre Produkte über die Kanäle E-Commerce, Katalog und stationärer Einzelhandel anbieten, erwirtschaftete einen Umsatz von 12,01 Mrd. Euro (2019/20: 10,8 Mrd. Euro) und trug einen Anteil von 77,3 Prozent zum Gesamtumsatz von 15,6 Mrd. Euro bei. Einen Umsatzzuwachs um 6,7 Prozent auf 2,74 Mrd. Euro verzeichnete das Segment Service, in dem die Logistik- und Einkaufsgesellschaften zusammengefasst werden. Lediglich das Segment Finanzdienstleistungen musste einen Umsatzrückgang von insgesamt 6,0 Prozent zum Vorjahr auf 813 Mio. Euro hinnehmen, als Gründe hierfür sieht das Unternehmen vor allem die Auswirkungen der Krise.

Die reinen Online-Umsätze der Otto Group konnten, angetrieben durch das veränderte Einkaufsverhalten der Konsument:innen während der Corona-Pandemie, um 22,3 Prozent zum Vorjahr auf insgesamt 9,9 Mrd. Euro wachsen (2019/2020: 8,1 Mrd. Euro). In Deutschland kletterten die E-Commerce-Umsätze um 21,5 Prozent zum Vorjahr auf nunmehr 7,0 Mrd. Euro (2019/2020: 5,7 Mrd. Euro).

Ausgewählte Einzelgesellschaften im Blick

Die Einzelgesellschaften, die das Hamburger Unternehmen als Fokusunternehmen definiert hat, konnten im vergangenen Jahr unterschiedlich wachsen. Besonders stark legte About You zu. Insgesamt kletterten die Umsätze des Fashion- und Technologie-Unternehmens um ganze 56,9 Prozent zum Vorjahr auf 1,17 Mrd. Euro. Die Umsätze von About You, das Otto als Beteiligungsgesellschaft führt, sind nicht im ausgewiesenen Konzernumsatz enthalten.

Die Einzelgesellschaft Otto, zu der unter anderem der Onlineshop Otto.de und weitere Online-Spezialshops gehören, meldete zunächst erhebliche Nachfrageschwankungen in den Sortimenten zu Beginn des Geschäftsjahres, konnte aber dennoch insgesamt eine dynamische Entwicklung verzeichnen. Die Zahl der aktiven Kund:innen stieg auf über 10 Mio., der Umsatz konnte kräftig um 30,2 Prozent auf 4,54 Mrd. Euro zulegen. Der Online-Anteil am Umsatz lag bei rund 96 Prozent (2019: 94 Prozent). Im Fokus der Einzelgesellschaft steht derzeit die Transformation von einem Onlineshop zu einem E-Commerce-Plattformgeschäft. Die Investitionen liegen bei einem dreistelligen Millionenbetrag.

Die in Chicago (USA) ansässige Einrichtungs- und Lifestylegruppe Crate and Barrel konnte ihren von massiven Schließungen beeinträchtigten Stationärhandel durch ein starkes Plus im E-Commerce überkompensieren, heißt es in der Pressemeldung von Otto. Mit einem Plus von 11,9 Prozent, währungskursbereinigt sogar um 16,7 Prozent, stieg der Umsatz auf 1,79 Mrd. Euro an. Der Online-Anteil am Gesamtumsatz von Crate and Barrel stieg von 49 Prozent im Geschäftsjahr 2019 auf 68 Prozent im Jahr 2020.

Hermes profitiert von Online-Wachstum

Ebenfalls von den insgesamt gestiegenen Online-Umsätzen konnte die Logistik-Tochter Hermes profitieren. So haben die Logistiker erstmalig über eine Milliarde Pakete transportiert und ihren Umsatz mit Kundinnen und Kunden außerhalb der Otto Group, auf vergleichbarer Basis, um 33,9 Prozent auf 2,54 Mrd. Euro erhöht.

Im Vergleich dazu nur leicht wuchs der in 30 Ländern operierende Modehändler Bonprix, den Umsatz um 1,4 Prozent auf 1,76 Mrd. Euro. Auch die Erlöse des auf die Zielgruppe 50Plus spezialisierten Omnichannel-Fashion-Händlers Witt wuchsen um 1,5 Prozent auf 1,09 Mrd. Euro. Darin enthalten ist bereits der Online-Umsatz des Versandhaus Heine, das seit Ende 2019 in die Witt-Gruppe integriert wird.

Die auf die Zielgruppe Familie fokussierte Mytoys-Gruppe konnte den Umsatz auf 894 Mio. Euro erhöhen, ein Plus von 24,1 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Die zu Mytoys gehörende Shopping-Community Limango wuchs überproportional um 31,7 Prozent auf 358 Mio. Euro.

Transformation des Portfolios

Mit dem Ziel, Synergien innerhalb des Konzerns und mit externen Partnern zu realisieren, passte die Otto Group im Laufe des Geschäftsjahres sein Portfolio an. So verkaufte die Otto Group die Konzerngesellschaft Otto Japan im Rahmen eines Management-Buy-Outs an die Firma Legego. Die Gruppe bleibt aber über das seit rund dreißig Jahren bestehende Joint Venture mit Eddi Bauer, einem US-amerikanischen Outdoor- und Freizeitbekleidungshändler, in Japan aktiv.

Aufgrund der Marktgegebenheiten wurden Ende Februar die Aktivitäten der Hermes Germany Tochter Liefery eingestellt. Zudem entschied Otto laut eigenen Angaben aus strategischen Erwägungen heraus, die Aktivitäten der Otto Group Digital Solutions (OGDS) näher an den operativen Kern der verschiedenen Geschäftsmodelle des Konzerns zu rücken.

Eigener Payment-Dienstleister geplant

Die Otto Group geht nach eigenen Angaben im laufenden Geschäftsjahr 2021/21 von einem ordentlichen Umsatzzuwachs und einem operativen Ergebnis auf Vorjahreszeitraum aus. Das Hamburger Unternehmen erwartet, dass sich das Wachstum im E-Commerce weiterhin sehr dynamisch entwickeln wird, vor allem im Textilhandel.

Der Hamburger Handels- und Dienstleistungskonzern will den Umsatz mittelfristig stärker steigern als in der Zeit vor der Corona-Krise. Erreichen will die Gruppe dies unter anderem durch hohe Investitionen in bestehende strategische Geschäftsfelder und die IT-Landschaft. So führte die Otto Group bereits im September 2020 ein KI-basiertes Prognosesystem bei Bonprix ein, das bei der Erstellung von Sortimenten helfen soll. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz trifft die sogenannte Learning Collection Vorhersagen zu Nachfrage und Kauf. Bei der Einzelgesellschaft Otto realisierte der Konzern die vollständig automatisierte Anbindung von Partnern an den Marktplatz. Darüber hinaus baut die Gruppe aktuell einen eigenen Payment-Dienstleister auf, um künftig aus eigener Hand Zahlungsdienstleistungen für Kund:innen und Marktplatzpartner anbieten zu können.

Otto Group: Kennzahlen

1949 in Deutschland gegründet, ist die Otto Group heute eine weltweit agierende Handels- und Dienstleistungsgruppe mit durchschnittlich 49.895 Mitarbeitern – auf Vollzeitbasis umgerechnet. Die Gruppe ist mit 30 wesentlichen Unternehmensgruppen in mehr als 30 Ländern Europas, Nord- und Südamerikas und Asiens präsent. Statistiken zur Umsatzentwicklung und weiterführende Informationen finden Sie auf unserer Statistik-Plattform handelsdaten.de.