Kreative Foodkonzepte in Dublin | stores+shops

Anzeige
{{{name}}}

Vorgeschlagene Beiträge

Anzeige

Anzeige

Stimmungsvolle Einrichtung von Fresh The Good Food Market. (Foto: J. Puda)

Kreative Foodkonzepte in Dublin

Die diesjährige Retail Innovation Tour der EHI-Arbeitskreise „Store Planning + Design“ und „Marketing“ führte nach Dublin. Die irische Hauptstadt besticht sowohl durch gelebte Tradition als auch durch eine junge Gründer- und Internetszene, die Dublin zu einem kreativen Pflaster macht – auch im Lebensmittelhandel.

Vor allem im letzten Jahrzehnt entstanden in Dublin zahlreiche neue Food-Konzepte kleiner lokaler Anbieter mit hoher Frische- und Convenience-Kompetenz und einer ausgeprägten Nähe zum Kunden. Ein Beispiel ist „Fresh the Good Food Market“ – vor etwas über 10 Jahren gegründet und bald mit 7 Läden in Dublin präsent. Die meisten der Läden befinden sich in der Umgebung der Europa-Hauptquartiere der führenden Internet- und IT -Konzerne, darunter Google, Facebook, Twitter und Microsoft mit Büros in den früheren Hafenarealen der irischen Hauptstadt.

Die Standorte bestimmen auch wesentlich das Angebot. Der Anteil von Fertigmahlzeiten und To-go-Angeboten ist hoch – vom Frühstück über den Lunch bis hin zum Angebot für das Dinner zu Hause. Alles wird täglich frisch in der Zentralküche von „Fresh the Good Food Market“ hergestellt und in die Läden transportiert. Der Durchschnittsbon ist mit 8 Euro zwar vergleichsweise niedrig, doch schließt General Manager William Egan vom „Fresh the Good Food Market“ in den früheren Docklands nicht aus, dass viele der jungen Mitarbeiter der Digitalkonzerne auch mehrfach am Tag ihren Bedarf in seinem Laden decken. Als klassischer Nahversorger führt er auch ein Trockensortiment, im Vergleich zu herkömmlichen Supermärkten jedoch deutlich reduziert.

Klar auf den To-go-Kunden der „digitalen Nachbarschaft“ ist Lotts + Co. ausgerichtet. Auch hier wird alles frisch in der eigenen Küche zubereitet. Die Kunden danken es mit langen Schlangen, die zur Mittagszeit bis weit vor die Tür hinausreichen, wie Lotts‘ General Manager Rory English versichert. Auch an Sonntagen ist geöffnet. Darüber hinaus bietet das winzige Geschäft, das in einer Mischung aus weißen Fliesen, Industrieelementen und Holzverkleidungen gestaltet ist, frisches Obst und Gemüse, ein überzeugendes Angebot an Wein und Feinkostartikeln und eine Theke für Frischfleisch, die als Concession einer alteingesessenen Metzgerei betrieben wird. Der durchschnittliche Einkaufsbetrag liegt mit etwa 13 Euro hier etwas höher.

Alles sehr hochwertig

Stärker als Premium-Supermarkt zeigt sich Fallon & Byrne in einer früheren Bank mitten in der Dubliner City. Bedingt durch ein ständig wachsendes Sortiment internationaler und vieler irischer Produkte, die sich durch besondere Herstellungsverfahren, Zutaten oder Geschmacksrichtungen auszeichnen, platzt der Verkaufsraum aus allen Nähten. Inzwischen sind auch noch ein Weinkeller mit Restaurant und Räumlichkeiten für private Feiern dazugekommen.

Bemerkenswert bei allen lokalen Anbietern ist das uneingeschränkte Bekenntnis zu einer hohen Qualität der angebotenen und verarbeiteten Produkte und ihrer regionalen bzw. nationalen Herkunft. Die Ware wird regelrecht inszeniert. Bestes Beispiel dafür die inhabergeführte Metzgerei James Whelan. Dies hat natürlich seinen Preis.

Donnybrock Fair: Da geht dem Fischfreund das Herz auf. (Foto: EHI)

Donnybrock Fair: Da geht dem Fischfreund das Herz auf. (Foto: EHI)

Dennoch entschieden sich alle Lebensmittelmärkte, an dem hohen Qualitätsversprechen auch während der Finanzkrise und entsprechender Kaufkraftrückgänge der Kunden weiter festzuhalten. So auch Donnybrock Fair. Das Familienunternehmen hat während der Rezession in 2010 sogar 3 weitere Läden eröffnet und verfügt im Großraum Dublin nun über 5 Geschäfte, Restaurant und eine eigene Kochschule. Im ersten Markt und immer noch Flagship des Unternehmens im gleichnamigen Dubliner Stadtteil Donnybrock dominiert die Warenpräsentation ein als Food Hall bezeichneter riesiger Bedienungsbereich für Feinkost und vorbereitete Gerichte, Frischfisch und -fleisch. Allein für die Eigenproduktion der Fleischabteilung sind 6 Metzger vor Ort verantwortlich. Insgesamt liegt der Umsatzanteil der selbst hergestellten Frischeprodukte und Mahlzeiten zwischen 60 und 70 Prozent und liegt damit weit über ihrem Flächenanteil. Der Ruf dieser Spezialangebote ist offenbar legendär, Stammkunden außerhalb Dublins nehmen dafür am Wochenende bis zu zwei Stunden Fahrzeit auf sich.

Was wurde aus Superquinn?

Als Impulsgeber für das umfangreiche, qualitätsorientierte Home-Meal-Angebot des irischen Lebensmittelhandels gilt vielen noch heute Superquinn, lange Zeit Irlands führender Supermarktbetreiber. Superquinn-Gründer Feargal Quinn erkannte nach Reisen in die USA schon in den 1970er-Jahren das Potenzial von Convenience-Sortimenten für unterwegs oder aber für die schnelle und einfache Zubereitung zu Hause. Die zuletzt 24 Superquinn-Supermärkte wurden inzwischen von der Musgrave Gruppe übernommen und vor rund drei Jahren auf deren Super Valu-Format umgestellt, das mit der letzten Überarbeitung vor zwei Jahren einen stärkeren Marktplatz-Charakter erhielt und sich nun frischeorientierter präsentiert. Die Frischeabteilung zeigt sich jetzt als offen gestaltete Abfolge von Bäckerei, Obst- und Gemüse-Stationen mit Saftbar, Käsestand, Metzgerei und Frischfisch-Counter. Zudem nutzt der irische Retailer konsequentes Storytelling, um seine Foodkompetenz und die Regionalität der Produkte herauszustellen, indem jeder Abteilungsexperte auf großen Fotoplakaten für seine Fachkenntnisse wirbt.

Dennoch wirkten die Konzepte der kleineren, kaum filialisierten Food-Anbieter überzeugender und authentischer auf die Reisegruppe. Absolute Frische mit viel Liebe zum Produkt, kreative Angebote und ein profundes Wissen über die Wünsche ihrer Kunden zeichnen alle besuchten Anbieter aus. Auch eine hochwertige Gastronomie spielt für viele dieser Konzepte eine herausragende Rolle. Die durchweg recht hohen Preise treffen auf eine wieder steigende Konsumnachfrage, getrieben auch durch die relativ hohe Kaufkraft der jungen Mitarbeiter der großen Tech-Konzerne. Insbesondere der Lebensmittelhandel in Dublin steht damit nach der Phase der wirtschaftlichen Rezession für Qualität und die bewusste Freude am Genuss und bietet damit für den interessierten Fachbesucher vielfältige Inspirationen und kreative neue Ideen.

Fotos (7): J. Puda, C. Ester, EHI

Weitere Informationen: horbert@ehi.org