Wirklich planen kann der Handel dieser Tage nicht, denn je nach Bundesland, Standort und Inzidenz ändern sich die Rahmenbedingungen oft innerhalb kurzer Zeit. An vielen Standorten ist gerade die Corona-Notbremse in Kraft getreten: Die Konsequenz: Stationäre Flächen werden geschlossen – ausgenommen sind der Lebensmittelhandel, Babyfachmärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Optiker und Hörgeräteakustiker, Buchhandlungen, Tierbedarfs-, Futtermittel- und Gartenmärkte.

Der Click & Collect-Modus ist davon unberührt, da dieser nicht vom Inzidenzwert abhängt; Click & Meet bleibt – ein negativer Corona-Test des Kunden vorausgesetzt – bis zur Inzidenz von 150 möglich.

Vor diesem Hintergrund finden Marketing-Aktionen weitgehend online statt, in Social Media Netzwerken und Messenger-Diensten, per Telefon, auf der Website und – sofern vorhanden – über den eigenen Onlineshop. Live-Aktionen sind derzeit nicht realisierbar, mit einer Ausnahme: „Kostenlose Corona-Selbsttests, damit die Kunden anschließend bei uns einkaufen können – das ist die wichtigste Marketing-Maßnahme zur Zeit“, sagt Wilhelm Josten, Geschäftsführer von Butlers.

ECE: Antigen-Teststationen in Shopping-Centern

Dies wissen auch die Betreiber der Shopping-Center, die mehrheitlich bestrebt sind, mit eigenen Schnelltest-Stationen an den Start zu gehen. Über eine gewisse Erfahrung verfügt diesbezüglich bereits die ECE: Die erste Corona-Teststation wurde bereits im November installiert, mittlerweile gibt es Testzentren an mehr als 50 Standorten. „Unsere Zielsetzung ist es, im Mai in jedem unserer Center ein Corona-Testzentrum anbieten zu können“, sagt ECE-Pressesprecher Lukas Nemela.

Die Planung erfolgte zentralseitig in einer internen Projektgruppe. Die passende Fläche für die Teststationen wird an jedem Standort individuell identifiziert, mal handelt es sich um ein Parkdeck, mal um eine Fläche innerhalb des Shopping-Centers oder in der unmittelbaren Umgebung. „Wichtig für innenliegende Flächen ist in jedem Fall, dass die Fläche groß genug ist, damit die Abstandsregeln eingehalten werden können“, so Lukas Nemela.

Betrieben werden die Test-Stationen von Kooperationspartnern wie Medizindienstleistern oder ortsansässigen Apotheken. Die Organisation obliegt dem jeweiligen Center-Management. „Darüber hinaus haben wir auch zentralseitig Kooperationspartner gesucht, denn nicht an jedem Standort findet sich ein geeigneter lokaler Partner“, so Nemela.

Kooperationen bevorzugt

Schnelltest-Zentrum bei Dodenhof in Posthausen

Schnelltest-Zentrum zum Drive-thru bei Dodenhof in Posthausen
Foto: Matthias Hornung

Unter dem Motto „Test & Meet“ hat auch das Shopping-Center Bikini Berlin seine eigene Corona-Teststation eröffnet: Seit dem 20. April hat das Centermanagement die Dachterrasse zum Testgelände umfunktioniert, wo die Kunden den auf den Boden geklebten Pfeilen zu den Testkabinen folgen können, um sich unter ärztlicher Aufsicht Abstriche aus Mund und Rachen entnehmen zu lassen.

Bei Dodenhof in Posthausen kann seit dem 15. April über die angeschlossene Tankstelle und Waschstraße eine eigene Drive-In-Teststation angesteuert werden, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz betrieben wird.

Freistehende Häuser sind in Bezug auf Testmöglichkeiten auf das Engagement der Stadt angewiesen. An großen Standorten wie etwa München ist für Teststationen in ausreichender Zahl meist gesorgt. „In der Münchener Innenstadt gibt es im Umkreis von wenigen hundert Metern sechs Stationen, bei denen sich die Kunden vor dem Besuch im Hirmer Stammhaus testen lassen können“, sagt Hirmer Geschäftsführer Frank Troch.

An weniger prominenten Standorten treiben oft die Händler die Errichtung von Teststationen voran. „Dass wir bereits seit Wochen an allen vier Zugängen zur Innenstadt über Teststationen verfügen, haben wir Händler mit angestoßen“, sagt Karl Michael Bantlin, Inhaber des Modehauses Bantlin in Kirchheim unter Teck.

Der eine oder andere Einzelhändler nimmt, wie die dm-Drogeriemärkte oder die Sinn Modehäuser, die Testangebote gleich ganz in die eigenen Hände. Butlers-Chef Wilhelm M. Josten hat in Berlin und München inzwischen positive Erfahrungen damit gemacht, kostenlose Corona-Selbsttests an die Kunden auszugeben, die diese unmittelbar vor ihrem Einkauf bei Butlers im Eingangsbereich unter Aufsicht von Butlers-Mitarbeitern durchführen. „Mit dieser Maßnahme konnten wir in den betreffenden Filialen den stark zurückgegangenen Umsatz verdoppeln, sind aber noch lange nicht auf dem normalen Niveau“, so Josten. Deutlich mehr verspricht er sich von den eigenen Antigen-Schnellteststationen, mit denen er Ende nächster Woche an den Start geht.

Gegen die Bürokratie vorgehen

Wilhelm M. Josten, Geschäftsführer des Kölner Filialunternehmens für Wohnbedarf und Geschenkartikel Butlers, über die Organisation eigener Antigen-Schnellteststationen.

Sie werden in Kürze eigene Antigen-Schnellteststationen eröffnen. Wie aufwendig war die Organisation?
Nun, wir mussten natürlich zahlreiche Bedingungen erfüllen, uns mit den Gesundheitsämtern abstimmen und gegen bürokratische Auflagen vorgehen. Das sind Prozesse, die länger dauern, als wir uns vorstellen konnten.

Wo in Ihren Filialen finden die Tests statt?
Wir beginnen zunächst in Berlin am Tauentzien, wo wir nahe des Eingangs Testkabinen aufbauen. Darin führen speziell beim Roten Kreuz ausgebildete Mitarbeiter Antigen-Schnelltests durch. Alle Mitarbeiter werden dort mit Handschuhen, Mundschutz und Schutzkleidung ausgestattet sein.

Worin besteht der Vorteil gegenüber den Selbsttests?
Die Kunden bekommen eine Bescheinigung, mit der sie nicht nur bei uns, sondern 24 Stunden lang überall einkaufen können. Das dürfte nicht nur uns zugutekommen, sondern den Standort insgesamt beleben.