Hygieneschutz an Kassentischen: Professionell statt provisorisch | stores+shops

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Trennwände aus Acrylglas sind heute fester Bestandteil des Hygienekonzepts von Supermärkten
Foto: ITAB

Hygieneschutz an Kassentischen: Professionell statt provisorisch

Acrylscheiben und Trennwände an den Kassentisch-Anlagen zum Schutz von Kassenpersonal und Kunden sind auf dem besten Weg, sich im Einzelhandel als Standard zu etablieren. Und sie erfüllen nicht nur funktionale Anforderungen, sondern eröffnen auch Perspektiven für neue technische und gestalterische Spielarten.

Key Facts

  • Hygieneschutz an Kassentischen hat sich etabliert.
  • Unsichtbare Eleganz gewinnt.
  • Lieferanten entwickeln Hygieneschutz für Kassentische nach Maß.
  • Kassenpersonal fühlt sich geschützt.
  • Kund:innen nehmen Trennwände und -scheiben nicht als Störfaktoren wahr.

Dachlatten, Folie und Klebeband: Vereinzelt sind auch eineinhalb Jahre nach Pandemie-Beginn noch behelfsmäßige Plastikverkleidungen an den Kassen anzutreffen. Diese Handelshäuser haben vermutlich einfach nur Glück gehabt, denn: „Viele Lösungen der Marke Eigenbau erfüllen die Vorgaben der Berufsgenossenschaften nicht und haben zu unerfreulichen Besuchen des Ordnungsamts geführt“, weiß Felix Kremerskothen, Potrafke Kassentischsysteme. „Für Sitzkassen gilt in Summe eine Mindesthöhe von 1,80 m ab Marktboden und für Stehkassen von 2 m. Der Mindestabstand von Kassenpersonal zum Kunden darf nicht weniger als 1,50 m betragen.“

Self-Checkouts mit dezenten Trennscheiben, die das Schutzgefühl der Kunden stärkenIn den meisten Kassenzonen sind die selbst gezimmerten Schutzwände inzwischen professionellem Hygieneschutz gewichen. „Mit den Provisorien versuchten Händler zunächst, angemessene und kostengünstige Lösungen zu finden, die dann auch wieder schnell hätten zurückgebaut werden können. Doch die Härte und Länge der Pandemie haben die Händler zum Umdenken bewegt“, meint Marcel Jansen von der niederländischen Pillen Group. Mit den Monaten zeichnete sich ab, dass aus kurzfristig mindestens mittel-, wenn nicht sogar langfristig werden würde. Damit wurde klar, dass die provisorischen Lösungen von Aussehen und Nutzung her nicht das gewünschte Ergebnis liefern, so Jansen.

Möglichst unauffällig

Der Ehrgeiz der Hersteller war geweckt, langfristig einsatzfähige, funktionale und optisch akzeptable Spuckschutze und Aerosolbremsen für ihre Standard-Serien und die kundenspezifischen Kassentische zu entwickeln, möglichst ohne störende „Nebenwirkungen“. Hygienewände mit unterschiedlichen Aussparungen, Durchreichen und Ablagen wurden für die verschiedenen Systeme maßgeschneidert. Dabei die erforderliche Stabilität bei jeweils möglichst unscheinbaren Halterungen und Befestigungslösungen zu gewährleisten, wurde zum neuen „Steckenpferd“ der Kassentisch-Spezialisten, stets nach den individuellen Wünschen der Auftraggeber und den Vorgaben der Berufsgenossenschaften in den unterschiedlichen Ländern.

Eine Art „unsichtbare Eleganz“ wurde zum Designkriterium, schwebende Optik und glasklare Transparenz zum Maßstab. „Wir kombinieren Design mit den Regularien. Und es dürfen keinerlei Einschränkungen im Bewegungsablauf der Personen wie auch bei dem Transport der Ware auf dem Laufband oder im rückseitigen Bereich bestehen“, betont Kay Leendertse, Accountmanager Deutschland bei Pan Oston. Bei Pan Oston bringt man dafür den Kunststoff PETG zum Einsatz – mit besonders hoher Transparenz und gut mit Reinigungs- und Desinfektionsmittel abwaschbar.

Gesamtoptik erhalten

Service-Kasse in Holzoptik bei Edeka Kirsch in Hünxe mit volltransparentem, kaum erkennbarem Spuckschutz

Service-Kasse in Holzoptik bei Edeka Kirsch in Hünxe mit volltransparentem, kaum erkennbarem Spuckschutz
Foto: Pillen Group

Potrafke hat den Infektionsschutz vollkommen in die Gesamtkonzepte integriert, so mussten keine unschönen Halterungen zur Stabilisierung angebracht werden. „Es war immer das Ziel, die Gesamtoptik zu erhalten und keinen ‚Fremdkörper‘ zu platzieren“, betont Kremerskothen. „Gerade bei den Kunden, die über ein eigenes Checkout-Programm bei uns verfügen, z. B. Famila oder Globus, ist der Acrylschutz fester Bestandteil. Wir liefern derzeit keinen Kassentisch ohne diesen Schutz aus.“

UV-Licht

Eine weitere Neuheit bei Potrafke zielt auf die Desinfektion des Kassenbands durch UV-Licht ab. Die Technik, die in der Verpackungs- und Lebensmittelindustrie bereits Standard ist, kommt für den Einzelhandel nun vollintegriert in das Förderbandsystem auf den Markt, Edeka Holland in Alsdorf wurde gerade damit ausgestattet. ITAB setzt auf maximale Flexibilität und entwirft für neue Kassentische von vornherein entsprechende Schutzmaßnahmen, die direkt mit ausgeliefert werden. „Die Schutzeinrichtungen sind als Option zu verstehen, die später zurückgebaut, aber auch nachträg-lich einem Kassentisch hinzugefügt werden können.

Auch gibt es werkzeuglos montierbare Systeme, die mit wenig Aufwand montiert bzw. demontiert werden können“, erläutert Frank Ebisch, Industriedesigner bei ITAB. Bei Pillen beinhalten die neuen infektionsschutzgemäßen Kassen hohe Hygiene-Trennscheiben, mobile Trennwände für die Warteschlangen zwischen den Kassen, EC-Cash- Halter an der Packbox und stilistisch angepasste, separate Hygienesäulen, die es auch mit Wlan-gesteuerten Monitoren gibt.

Perspektive

„So entstanden quasi die Kassenzonen der Zukunft“, fasst Marcel Jansen zusammen. In manchen europäischen Ländern wurden die Hygieneregeln zwar bereits wieder gelockert oder zurückgenommen, in anderen haben sie weiterhin Bestand. Jedoch gehen die Lieferanten und Handelspartner mehrheitlich davon aus, dass die Acrylglas-Scheiben das Zeug dazu haben, sich zu etablieren. Die Mitarbeitenden an den Kassen fühlen sich mit transparenter Abschirmung sicher und geschützt, und die Kundinnen und Kunden nehmen die Trennscheiben eher positiv und keineswegs als Störfaktoren wahr, so das Feedback von der Handelsseite. „Und warum sollte ein solcher Schutz nicht auch zum Beispiel in Zeiten einer Grippewelle seine Dienste tun?“, fragt Kay Leendertse.

Und deshalb „fließen die Anforderungen, die sich aus der Pandemie heraus ergeben haben, in die ganzheitliche Betrachtung der Kassenzone ein. So entwickeln wir nicht nur Nachrüstlösungen für unsere Bestandskunden und deren Kassentische, sondern rüsten Kassentische, Kundenführungen wie z.B. Stellwände von vornherein so aus, dass in der gesamten Kassenzone ein Maximum an Sicherheit erreicht werden kann“, erläutert Ebisch von der ITAB.

Innovative Technik

Auch bergen die transparenten Scheiben – gemeinsam mit vorhandener Technik – gewisse Verlockungen für technische Innovation: Zum Beispiel ließen sie sich als Informationsträger in Form transparenter digitaler Displays nutzen, um gescannte Produkte hineinzuprojizieren o.ä. Bereits im Gespräch, aber noch Zukunftsmusik, meint Kremerskothen. Fakt ist: Seit Corona wird seltener eingekauft, dafür aber mehr. Und „mit so wenig direktem Kontakt wie möglich“, betont Jansen. Das natürlich zahlt auf die Seite der Self-Checkouts ein.

Rolf Thomann von 4POS bestätigt, dass die Pandemie das Interesse an Self- Checkouts ordentlich in die Höhe getrieben hat. Doch was ist mit den berührungsintensiven Touch-Flächen an den Terminals? Thomann: „Wir haben uns mit bakterienabweisenden Sonderbeschichtungen beschäftigt. Die gibt es, aber sie sind kostenintensiv und obendrein aufwändig, weil sie in Abständen erneuert werden müssen. Regelmäßige Desinfektion durchs Personal oder die Kunden selbst scheint da die praxisnähere Option zu sein.“