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Wirkt die Magie des Apfels auch bei der Apple Smart Watch? (Fotos: Apple)

Das Portemonnaie fürs Handgelenk

Apple hat mit seiner neuen Smart Watch die Uhrenindustrie auf den Plan gerufen. Swatch, Tag Heuer und die italienische Edelmarke Bulgari haben eigene Bezahlverfahren angekündigt. Die Banken verhalten sich noch abwartend.

Mit einer Armbanduhr bezahlen: Auf die Idee musste erst einmal einer kommen. Selbst der Ideenreichtum von James Bonds Kollege Q reichte in diesem Fall nicht aus. Zwar verwendete Bond bislang seine Uhren als Geigerzähler, Magnet, Kreissäge, Nachrichtenticker, Fernzünder, Sprechfunkgerät, Peilsender, Laser und Miniatur-Enterhaken. Seinen Martini musste er aber wie alle anderen mit Bargeld oder Karte zahlen.

Wenn es nach Apples wie gewohnt pompöser Ankündigung seiner „Smart Watch“ geht, zahlen bald nicht nur Geheimagenten für ihren Drink mit der Apple Watch, sondern auch die Bürokauffrau für ihr Mittagessen und der Student für seinen neuen Fahrradreifen. Der Erfinder der Bezahl-Uhren ist das Unternehmen aus Kalifornien allerdings nicht. Seit ca. 5 Jahren gibt es die „Watch 2 Pay“-Uhr von der Firma Laks aus Wien. Der Erfolg ist bislang jedoch eher mäßig. Vor allem in Deutschland hat sich bisher keine Bank gefunden, die bereit ist, Kreditkarten im Sim-Karten-Format für diese Uhr herzustellen. Bei der Apple-Uhr sind „Einschubkreditkarten“ nicht notwendig. Apple hat eine eigene virtuelle Kreditkarte in die Uhren eingebaut, die in der Cloud mit den Kreditkartendaten des Kunden verbunden wird. Für die Banken entfallen dadurch die zunächst hohen Investitionskosten – allerdings müssen sie fortan stets einen prozentualen Anteil der Kreditkartengebühren an Apple abtreten. 

Uhrenbranche ist aufgeschreckt

Sowohl die Tatsache, dass Apple in ihr Marktsegment eindringt als auch die Aussicht, sich mit den Bezahl-Uhren ein neues, lukratives Geschäftsmodell zu erschließen, hat die Uhrenindustrie auf den Plan gerufen. So will nun auch das Schweizer Unternehmen Swatch mit einer eigenen Lösung auf den Markt. Im Gegensatz zu Apple plant Swatch, weniger Technik-Gadgets zu verbauen. Während Apple auf komplexe Prozesse setzt (Beispiel: Die Uhr muss einmal am Tag freigeschaltet werden, und diese Freischaltung gilt nur so lange, wie die Uhr am Arm getragen wird) setzt Swatch auf Simplicity. Wie es aussieht, muss der Kunde – wie bei einer kontaktlosen Kreditkarte – die jeweiligen Beträge per Pin am POS bestätigen. Da sich die Swatch eher wie eine Kreditkarte verhalten wird, werden Kunden wohl auch keine Nachrichten über erfolgte Zahlungen auf die Uhr bekommen.

Die Swatch setzt auf Simplicity: Für NFC reichen Antenne und Chip. (Foto: Swatch)

Die Swatch setzt auf Simplicity: Für NFC reichen Antenne und Chip. (Foto: Swatch)

Laut CEO Nick Hayek will Swatch nicht das Mobiltelefon an den Arm bringen, sondern seine Uhren nur mit den wichtigsten Funktionen ausrüsten. Die Smart-Watch-Strategie ist also eine andere als die von Apple. Beim NFC-Ansatz von Swatch braucht es lediglich eine Antenne und einen Chip. Da für den Betrieb nicht die Energie der Uhr selbst verbraucht wird, kann die Swatch mit einer wesentlich längeren Akku-Laufzeit punkten. Mit der Swatch sollte es zudem möglich sein, auch dann noch bezahlen zu können, wenn der Akku leer ist. Bei Apple ist dies nicht möglich.

Swatch betont, dass der Kunde die Uhr zu Hause mit den gewünschten Funktionen programmieren kann. Mit der Kreditkartenorganisation China Union Pay wurde bereits eine Partnerschaft eingegangen, und auch in der Schweiz ist man sich offenbar mit einer Bank einig, deren Name aber noch nicht bekannt gegeben wird. Eine der großen Kreditkartengesellschaften ist ebenfalls an Bord. Neben der Bezahlfunktion soll die Swatch beispielsweise auch als Türöffner in Hotels funktionieren. Dass die Schweizer mit ihrem Uhren-Design den Geschmack der Verbraucher treffen dürften, lässt sich am bisherigen Erfolg des Herstellers ausmachen. Preislich unterscheiden sich die neuen Modelle nicht groß von einer herkömmlichen Swatch. Wie das Unternehmen mitteilte, kostet der Einbau der entsprechenden Technologie pro Uhr lediglich rund 2 Schweizer Franken. Die neue Lösung soll nicht zuletzt deshalb sowohl im Preissegment von 60–70 Schweizer Franken als auch im höheren Segment wie in Omega-Uhren zum Einsatz kommen. Der Marktstart ist innerhalb der nächsten Monate geplant.

Mittlerweile haben auch Tag Heuer und die italienische Edelmarke Bulgari eigene Smart-Watches angekündigt. Die „Luxury Wrist Vault“ von Bulgari, aus Magnesium und Keramik gefertigt, soll mit NFC-Chip zwischen 5.000 und 6.000 Euro kosten – und ohne Chip 3.900 Euro. Neben Qualität zahlt man hier sicherlich viel für den Namen. Der Chip selbst dürfte kaum das Hundertfache wert sein im Vergleich zum Swatch-Chip.

Banken vor wichtiger Entscheidung

Mit der „Watch 2 Pay“-Lösung können die Banken theoretisch ihre eigenen Karten herausgeben, da hier einfach Mini-Karten in die Uhr eingesetzt werden. Die Karten können sogar auf denselben Produktionsmaschinen erstellt werden. Die Banken müssten also nicht einmal den normalen Produktionsprozess umstellen. Zum Abschluss müssen nur die herkömmlichen Karten für den Einschub in die Uhr auf Sim- oder Nano-Karten-Größe gestanzt werden.

Die „Watch 2 Pay“ arbeitet mit Kreditkarten im Sim-Karten-Format. (Abbildung: Laks)

Die „Watch 2 Pay“ arbeitet mit Kreditkarten im Sim-Karten-Format. (Abbildung: Laks)

Aber auch hier fehlt die kritische Masse. Von der Laks-Uhr gibt es nur eine Ausführung. Ein zu kleines Marktsegment, meinen die Banken. Die Hersteller anderer Uhren lassen sich bislang nicht auf das Konzept ein – wohl auch deshalb, weil es kaum Banken gibt, die hierfür Karten herausgeben. Ein Teufelskreis.

Mit Erscheinen der Apple-Uhr sehen die Uhrenhersteller außerdem, dass es im Bereich der Bezahl-Uhren auch Geschäftsmodelle mit wiederkehrendem Profit gibt. Die Frage ist, ob die Banken einen Teil ihrer Wertschöpfungskette in fremde Hände legen wollen. Neben dem Nachteil, dass dauerhaft Miete bezahlt werden muss, verlören sie auch die Möglichkeit, Zusatzfunktionen wie Zutritt, Ticketing, Fahrkarten und Vieles mehr mitzugestalten. Denkbar wäre auch, dass die Armbandhersteller auf den Zug aufspringen und ein Armband mit Karteneinschub und NFC-Antenne produzieren. Das werden sie aber nur dann tun, wenn die Banken sich zu dieser Strategie entschließen. Die Frage, wer die erste Payment-fähige Uhr erfunden hat, lässt sich also leicht beantworten: weder die Schweizer noch Apple. Aber mit welcher Uhr James Bond und alle anderen in Zukunft ihre Martinis bezahlen werden, dürfte sich schon bald abzeichnen.

Fotos (4): Apple (3), Swatch (1)

Abbildung: Laks

Autor Rudolf Linsenbarth ist Senior Consultant bei der Firma Cocus AG in Bad Homburg.

Weitere Informationen: www.cocus.com

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