EHI Kartenkongress 2019: Vollausstattung an der Kasse | stores+shops

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670 Teilnehmer füllten den Plenarsaal des ehemaligen Deutschen Bundestages in Bonn
Foto: EHI/Hauser

EHI Kartenkongress 2019: Vollausstattung an der Kasse

Google und Apple Pay, Händler- und Banken-Apps, neue disruptive Fintechs – die Vielfalt an Bezahllösungen hat enorm zugenommen. Beim EHI Kartenkongress 2019 in Bonn diskutierten Zahlungsexperten aus Handel und Finanzwelt über die spannende Frage, wer sich an der Kasse künftig durchsetzen wird.

Bargeld, Kreditkarten und Debitkarten einschließlich EC-Cash und ELV – lange Zeit war das Spektrum der Bezahlverfahren im Einzelhandel übersichtlich. Das hat sich in der jüngeren Vergangenheit grundlegend geändert. Der E-Commerce und die mobilen Bezahlverfahren haben die Variantenvielfalt deutlich erhöht. Beispiele sind Bezahl-Apps der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, Payback Pay, Apple Pay und Google Pay. Zwar werden nach wie vor drei Viertel der Einkäufe im deutschen Handel in bar bezahlt, doch die Verbraucher erwarten heute zunehmend bargeldlose Alternativen. Einzelhändler müssen heute eine adäquate Auswahl an Zahlungsmöglichkeiten anbieten. „Der Einzelhandel im engeren Sinne nähert sich der Vollausstattung an“, stellte Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE) in seinem Vortrag fest.

Für Einzelhändler, auch die kleineren und mittleren, ist Kartenakzeptanz heute Pflicht. Die Deckelung der Interbankenentgelte (Interchange Fee) für Zahlungen mit der Kreditkarte auf max. 0,3 Prozent des Transaktionswertes hat seit Inkrafttreten Ende 2015 zu einer spürbaren Kostenentlastung im Handel und für deutlich mehr Kreditkarten-Akzeptanzstellen im Einzelhandel geführt. Dieser Mehrwert sei aber durch neue und steigende Systemgebühren der Kreditkartengesellschaften gefährdet. Ulrich Binnebößel spricht sich gegen ein Festhalten am Geschäftsmodell „Interchange“ aus, weil es die Weiterentwicklung und den Wettbewerb behindere.

Interchanges

Eine Initiative von Mastercard und Visa soll Entlastung bringen. Beide Kreditkartenherausgeber haben ein Angebot zur Reduzierung der internationalen Interchanges vorgelegt, das von der EU-Kommission Ende April 2019 akzeptiert wurde. Im Endeffekt wird eine Senkung der interregionalen Interbankenentgelte um 40 Prozent erwartet. Die neuen Sätze sollen voraussichtlich im Herbst dieses Jahres greifen.

Mobile Payment noch kein Massenmarkt

Mobile Payment in Deutschland ist noch weit von einem Massenmarkt entfernt. Nur 5,5 Prozent der Verbraucher bezahlen laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Civey im Auftrag des Eco-Verbandes regelmäßig mit ihrem Smartphone. Der Handel könne daher Bargeld und Karte auf absehbare Zeit nicht durch Mobile Payment ersetzen, so Binnebößel. Von der deutschen Kreditwirtschaft erwartet der HDE eine klare Strategie zur Weiterentwicklung der Girocard, mit einem Wachstum von aktuell 3,8 Prozentpunkten am „Zahlungskuchen“ der Shooting-Star bei den kartengestützten Zahlverfahren.

Dr. Ibrahim Karasu vom Bundesverband deutscher Banken e.V. kündigte in seinem Vortrag an, das kontaktlose Bezahlen mit der Girocard weiter auszubauen. Dies reiche aber für die Zukunft nicht aus. Im Zuge der weiteren Digitalisierung der Girocard plane man, neue Bezahlmöglichkeiten zu eröffnen wie die App-to-App-Zahlung. Gesichtserkennung und Spracherkennung würden laut Karasu das Bezahlen in Zukunft sicherer machen und eines Tages dazu führen, dass der Zahlvorgang komplett in den Einkaufsprozess integriert wird.

Zahlungssysteme 4.0: Mehrwert gefragt

Auf mittlere Sicht wird sich am konservativen Bezahlverhalten der deutschen Verbraucher wenig ändern, davon geht Oliver Schulte von der Deutschen Bank aus. Deutsche Kunden seien nicht so schnell in der Adaption, die Girocard mit ihrer hohen Marktdurchdringung von rund 100 Mio. Karten werde mittelfristig das dominierende Zahlungsmittel am POS bleiben, sagte der Leiter des Bereichs Disruptive Payment Strategy bei der Podiumsdiskussion in Bonn zur neuen Vielfalt im Zahlungsverkehr.

„Kein Mensch braucht ein neues Zahlverfahren“, pflichtete ihm ausgerechnet Hermann Stengele bei. Dabei mischt der pensionierte Sparkassen-Vorstand heute als Fintech-Gründer die traditionelle Zahlungslandschaft mit innovativen Lösungen kräftig auf. 2011 gründete Stengele den Zahlungsdienstleister Giro Solutions, seit 2017 ist er Business-Partner bei Blue Code International. Die bankenunabhängige Mobile Payment-App des österreichischen Start-ups ist am POS bereits bei der deutschen Globus-Gruppe, bei Galeria Kaufhof sowie bei den Rewe-Töchtern Billa, Merkur und Bipa und bei Spar in Österreich im Einsatz.

Innovationen im Zahlungsverkehr findet Stengele absolut sinnvoll, allerdings gehe es dabei um mehr, als eine Plastikkarte digital im Smartphone abzubilden. Stengele: „Nur Lösungen, die über das reine Bezahlen hinaus einen Mehrwert schaffen, werden sich durchsetzen.“ Als Beispiel nannte er optimierte Prozesse durch digitale Bons, Liquiditätsvorteile, aber auch Kundenbindungsprogramme wie Bluecode Rewards.

Kundennutzen gefragt

Auch für Dr. Michael Luhnen sind Mehrwerte und Kundennutzen der Schlüssel zum Erfolg. Der Leiter des D-A-CH-Geschäfts bei Paypal sieht beim Thema Bezahl-Marken den Handel zumindest im stationären Geschäft in einer starken Position: „Unter den Top-5-Bezahlverfahren der Kunden am POS wird künftig auch die Lösung ihres Lieblings-Retailers sein“, so Luhnen. Paypal sehe sich als Partner, um die Kombination aus starker Händlermarke und einfachem mobilem Bezahlen zu pushen. Beispiele seien die Integration von Paypal in die Bezahl-Apps von Netto oder Shell.

Mit „Shell Smart Pay“ können Autofahrer seit rund einem Jahr direkt an der Zapfsäule mobil via Paypal bezahlen und Punkte sammeln. Dahinter stehe die Überlegung, wie man den Kunden die lästige Aufgabe des Tankens angenehmer gestalten könne, so Ulf Timman, Senior Payment Manager B2C bei Shell Deutschland. Der Mix an verfügbaren Zahlungsmethoden in der App solle in „absehbarer Zeit“ erweitert werden.

Händler-Bezahl-Marken

Robert Herzig von der Metro AG in Düsseldorf teilt den Optimismus in puncto Händler-Bezahl-Apps dagegen nur bedingt: „Apple Pay wird von den Kunden als Bezahl-Marke gesehen“, sagt der Leiter Customer Payment & Finance. Die Strahlkraft der GAFAs, also der großen Internetkonzerne (Google, Apple, Facebook, Amazon) übertreffe die von deutschen Handels- oder Bankmarken bei weitem. „Wir sind auf alles vorbereitet“, sagte Herzig über die Kassen-Infrastruktur bei Metro.

Thomas Heigl von JCB International Europe in Wien glaubt an die Zukunft der Kreditkarte. „Der Blick über die Grenze ist wichtig“, sagt der Senior Vice President Sales & Marketing, „sowohl für Karteninhaber, die ihre Karte auf Reisen einsetzen möchten, als auch für Akzeptanzstellen, die am Geschäft mit internationalen Kunden teilhaben wollen.“ Das Asien-Geschäft gewinne dabei zunehmend an Bedeutung, meint Heigl und beruft sich auf Prognosen, wonach bis 2026 mehr als 60 Prozent aller Kartenzahlungen auf Karteninhaber aus Asien entfallen sollen.

Netzbetreiber und Acquirer: Payment-Broker mit Integrator-Funktion

Inmitten der neuen Vielfalt aus Wallets, Apps, klassischen und kontaktlosen Kartenzahlungen oder Instant Payments müssen auch Netzbetreiber und Acquirer ihre Rolle künftig neu definieren: weg von der „verlängerten Werkbank der Banken“ hin zum Payment-Broker mit Integrator-Funktion, so die Devise von Dr. Markus Weber, Geschäftsführer der Ingenico Payone Holding GmbH in Ratingen. Der Teufel stecke bekanntlich im Detail, langjährige Erfahrung und ausgereifte Prozesse in der Zahlungsabwicklung seien und blieben gefragt, so Weber.

Der nächste EHI Kartenkongress findet 6. und 7. Mai 2020 statt.

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