Elektromobilität: Fuhrpark unter Strom | stores+shops

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Edeka erprobt seit Oktober 2018 die Belieferung von Berliner Filialen mit einem 25-Tonnen-E-Lkw
Foto: Daimler

Elektromobilität: Fuhrpark unter Strom

Investitionen in Elektromobilität müssen mehr bringen als einen positiven Marketing-Effekt. Auch wenn E-Fahrzeuge in vielen Fuhrparks noch die Ausnahme sind: Die „Stromer“ bewähren sich im Praxistest.

Die Notwendigkeit einer nachhaltigen Verkehrswende gilt mittlerweile als wissenschaftlicher Konsens. Aber noch sind Elektrofahrzeuge rar auf deutschen Straßen. Inklusive Hybrid-Fahrzeugen sind es momentan nur etwa 300.000 von rund 57 Mio. Wagen, die ganz oder teilweise auf den Otto- bzw. Dieselmotor verzichten. Der noch recht hohe Preis für Elektrofahrzeuge ist dafür nur ein Grund. Wichtiger ist den meisten Autokäufern die Gewissheit, mit einem Verbrennungsmotor jede gewünschte Distanz zurücklegen zu können, ohne sich über Reichweite oder Tankmöglichkeiten Sorgen machen zu müssen.

„Das Verhältnis von Preis und Leistung von Elektrofahrzeugen muss zwar noch besser werden. Aber insgesamt sind E-Mobile eine Alternative für regionale Lieferlogistik“, ist Ernst Panse überzeugt. Der Leiter Klima und Energie beim Mittelstandsverbund ZGV ermöglicht Gewerbetreibenden im Rahmen des ZGV-Programms „Klimaprofi für den Mittelstand“ einen einwöchigen Alltagstest mit vollelektrischen Nutzfahrzeugen. Die Ladezeiten waren für die Teilnehmenden bislang überwiegend kein Thema. Panse: „Aber höhere Reichweiten wären wünschenswert, schließlich geht es bei Investitionen in Elektroautos nicht nur um Image, sondern auch um Kosten und Effizienz.“

Ein Imageproblem haben Elektrofahrzeuge tatsächlich nicht, hat auch Daniel Linke von Bäko Ost im Rahmen des Projekts beobachtet: „Wir sind bei den Projektteilnehmern auf mehr als nur offene Ohren gestoßen. Gerade für Jüngere ist das Thema Elektromobilität oft sexy.“

Niedrige Betriebskosten

DHL produziert seinen Streetscooter nicht nur für den Eigenbedarf, sondern verkauft ihn auch. Hier beim Einsatz in England

DHL produziert seinen Streetscooter nicht nur für den Eigenbedarf, sondern verkauft ihn auch. Hier beim Einsatz in England
Foto: DHL Group

Denn auch wenn das Angebot an Elektroautos noch nicht so vielfältig ist wie bei Dieseln und Benzinern – die Anzahl der angebotenen Modelle nimmt stetig zu, auch bei Nutzfahrzeugen für Handel, Handwerk und Gewerbe. Und angesichts von Fördermitteln, Steuervorteilen und Diesel- Fahrverboten steigt das Interesse. „Die Betriebskosten sind niedrig, die elektrischen Reichweiten für gewerbliche Betriebe meist ausreichend, und das Aufladen ist über Nacht gut möglich. Außerdem bieten kleine Nutzfahrzeuge auch genügend Platz für die Batterien“, sagt Automobilexperte Stefan Bratzel von der Hochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Besonders häufig im Straßenbild vertreten ist zurzeit der Streetscooter von DHL, der in immer mehr Städten leise und sauber die Pakete bringt und seit 2018 auch an andere Unternehmen verkauft wird. Ab 2019 wollen weitere Hersteller elektrische Nutzfahrzeuge auf den Markt bringen, darunter Tesla, Mercedes-Benz, VW, MAN, Renault und Iveco. „Grüne City-Logistik ist das große Thema. Was die Post mit dem Streetscooter begonnen hat, lässt sich nicht mehr zurückdrehen“, kommentiert der Automobilwirtschaftler Ferdinand Dudenhöffer den Trend.

EHI-Initiative E-Mobilität: Information und Diskussion

Von der Dekarbonisierung des Verkehrssektors und damit dem Trend zu mehr Elektromobilität ist auch der Handel betroffen – nicht nur hinsichtlich Fuhrpark und Logistik, sondern auch beim Gebäudemanagement, denn der Gesetzgeber spricht nicht nur Dieselfahrverbote aus, sondern verlangt ab Anfang 2020 auch eine bestimmte Anzahl von E-Ladesäulen auf den Parkplätzen aller neuen oder großflächig renovierten Nichtwohngebäude.

Um für mehr Transparenz im Markt zu sorgen, hat das EHI zusammen mit den Partnern Chargepoint, Digital Energy Solutions, Digitronic, inno2grid, Schneider Electric, Viessmann und WISAG die EHI-Initiative E-Mobilität gegründet. Ziel ist es, Händlern Investitionsentscheidungen zu erleichtern, indem wichtige Daten, Fakten und Erkenntnisse zum Markt der E-Mobilität erhoben und in die Branche kommuniziert werden. Außerdem soll die Initiative den Partnern eine Plattform für Austausch und Dialog bieten, um gemeinsam Stärken oder Schwächen einzelner Lösungen zu diskutieren.

fleischmann@ehi.org

Zahlreiche Test-Projekte

Auch der Handel will die Entwicklung weiterdrehen und testet elektrische Nutzfahrzeuge in unterschiedlichen Pilotprojekten. Edeka beispielsweise erprobt seit Oktober die Belieferung von Berliner Filialen mit einem 25-Tonnen- Lkw von Mercedes mit Kühlaufbau. Ebenfalls in Berlin nutzt Meyer Logistik bereits seit 2014 vollelektrische 18-Tonner von E-Force für die Filialbelieferung bei Rewe und Lidl. Die Toom-Baumärkte bieten seit Dezember an ausgewählten Standorten gemeinsam mit Bosch einen Carsharing-Service für Elektro-Transporter an. Aldi Süd hat in seinem Mühlheimer Logistikzentrum einen vollelektrischen 40-Tonnen-Kühlsattelzug von Framo in Testbetrieb genommen, der in der Verteillogistik im Ruhrgebiet eingesetzt wird.

Auch in Österreich und der Schweiz erproben Handelsunternehmen den Einsatz großer Stromer, darunter MAN-Lkw bei Metro, Rewe und Spar sowie Ceekon- und Daimler-Fahrzeuge bei der Migros.

Und die Bilanz? Für die aktuellsten Projekte liegen noch keine Zahlen vor. Der Vorreiter DHL hat bereits 2014 zur Überraschung der Autobranche das Start-up Streetscooter gekauft und baut seitdem verschiedene Elektro-Fahrzeuge für den eigenen Bedarf und den Bedarf externer Kunden selbst. Inzwischen sind rund 8.000 Streetscooter auf deutschen Straßen für das Unternehmen unterwegs – leise und abgasfrei sowie laut DHL mit 60-80 Prozent geringeren Kosten für Wartung und Verschleiß gegenüber vergleichbaren konventionellen Fahrzeugen. Und bei Meyer Logistik ist man optimistisch, dass sich die 2014 als Einzelfertigungen angeschafften E-Lkw hochgerechnet auf eine Lebensdauer von 10 oder 12 Jahren durchaus amortisieren. Das Unternehmen begrüßt nachdrücklich, dass die Hersteller jetzt auch bei Nutzfahrzeugen alternative Antriebskonzepte in der Großserie angehen – und beliefert seit Oktober Hamburger Rewe-Filialen mit einem E-Actros von Mercedes-Benz.

redaktion@ehi.org

E-Autos: Kostencheck

„Oft überraschend günstig“ – das ist das Fazit des ADAC, der 8 Elektroautos im Vergleich mit einem Benziner oder Diesel einer Vollkostenrechnung unterzogen hat. Demnach sind manche Elektroautos heute schon günstiger als in puncto Ausstattung und Motorleistung vergleichbare Pkw mit Verbrenner. Das liegt dem Automobilclub zufolge vor allem an den deutlich niedrigeren Wartungs- und Energiekosten von Elektroautos. Und: Je mehr ein Elektroauto fährt, umso eher rechnet es sich.

www.adac.de

Mit dem speziell für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge konzipierten Online-Kostenrechner des Öko-Instituts lassen sich die Anschaffungs- und Betriebskosten sowie die CO2-Emissionen ermitteln und vergleichen, die mit der Fahrzeugnutzung von Elektro-, Benzin- und Dieselfahrzeugen verbunden sind.

https://emob-kostenrechner.oeko.de/