Für Privathaushalte existieren regionale Strompreisvergleiche seit Jahren. Handelsbetrieben fehlte bislang eine belastbare Vergleichsgröße. Der aktuelle Gewerbestrom-Report 2026 von Wattline, in dem Daten von rund 26.000 Unternehmen ausgewertet wurden, macht Kosten und Verbrauch nach Branche und Bundesland vergleichbar.

Stromverbrauch von KMU im Bundesvergleich
Foto: Wattline GmbH
Wer viel verbraucht, zahlt wenig
Im Median verbraucht ein Einzelhandelsbetrieb demnach 94.723 Kilowattstunden Strom im Jahr, dazu kommen 75.470 Kilowattstunden Gas. Der Anteil an Ökostrom erreicht 25 % und bleibt damit unter dem Durchschnitt aller ausgewerteten Branchen. Deutlich fällt die regionale Streuung aus: Brandenburger Händler verbrauchen 183 % mehr als der Bundesdurchschnitt, Bremer Betriebe 60 % weniger. Zwischen Brandenburg und Bremen liegen also beim Verbrauch 243 Prozentpunkte.
Was ein Standort verbraucht, entscheidet vor allem der Betriebsmix vor Ort. Kühlung, Beleuchtung, Lüftung und lange Öffnungszeiten prägen das Profil und bergen zugleich Einsparpotenziale im Filialnetz. Wer ableitet, dass hoher Verbrauch auch hohe Kosten bedeutet, irrt jedoch. Brandenburg führt die Verbrauchstabelle an und zahlt trotzdem 1 % weniger als der Bundesdurchschnitt. Bremer Händler verbrauchen am wenigsten und liegen beim Preis 25 % darüber.
Wo Strom am teuersten ist
Die höchsten Energiepreise im Einzelhandel finden sich in Rheinland-Pfalz mit 29 % und Schleswig-Holstein mit 28 % über dem Bundesdurchschnitt, die niedrigsten in Nordrhein-Westfalen mit 7 % darunter. Zwischen diesen beiden Polen liegen 36 Prozentpunkte für dieselbe Kilowattstunde.

Strompreise nach Regionen
Foto: Wattline GmbH
Erklären lässt sich diese Spannweite nicht mit der Infrastruktur vor Ort. Die Auswertung betrachtet ausschließlich den reinen Energiepreis aus Beschaffung, Handel und Vertrieb. Netzentgelte und staatliche Abgaben sind darin nicht enthalten. Übrig bleibt der verhandelbare Teil der Rechnung. Er hängt an der Zahl der Anbieter, die vor Ort um Gewerbekunden konkurrieren, und daran, wie viele Betriebe in unveränderten Standardtarifen verharren. Vor allem aber hängt er am Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Wer mitten in der Preisspitze langfristig fixiert hat, trägt dieses Niveau noch Jahre mit.
Risiko verteilen
Dynamische Stromtarife gelten manchem als Ausweg, helfen im Filialbetrieb aber selten: Wo Öffnungszeiten feststehen und Kühlmöbel durchlaufen, lassen sich Lasten kaum verschieben. Der Hebel liegt im Einkauf Filialisten sollten den Standortvergleich deshalb über Fläche und Anlagentechnik hinaus führen. Zwei Filialen mit identischem Verbrauchsprofil können bei unterschiedlichem Vertragsalter spürbar abweichende Preise tragen, ohne dass dies im Controlling auffällt.
Bewährt hat sich, die Beschaffung über das Filialnetz zu bündeln und Teilmengen zu gestaffelten Stichtagen einzukaufen. Das verteilt das Timing-Risiko und verschafft auch kleineren Händlern eine Verhandlungsposition, die einzelne Standorte allein nicht erreichen.
Der erste Schritt liegt allerdings früher: Wer den eigenen Verbrauch und den eigenen Preis der Branche und Region gegenüberstellt und beides abgleicht, erkennt, wo sein Betrieb steht.
Gastautor Philip Gutschke ist stellvertretender Geschäftsführer der Wattline GmbH und leitet dort den Bereich Energiebeschaffung und Unternehmensentwicklung.
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