Mode anprobieren wird zum Erlebnis | stores+shops

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Aus der Umkleidekabine heraus online bestellen – die Lösung „alexa ePOS“ (Foto: Salt Solutions)

Mode anprobieren wird zum Erlebnis

Interaktive digitale Elemente verwandeln Umkleidekabinen zu neuartigen Serviceräumen. Bei der Vielzahl innovativer Lösungen rund ums (virtuelle) Anprobieren haben Mode- und Schuhhändler nun fast schon die Qual der Wahl. rt stellt einige Technologien vor.

Das Meinungsforschungsinstitut Synovate und das Beleuchtungsunternehmen Philips haben eine Studie erstellt, für die 65.000 Käufer interviewt wurden. Auf die Frage, was für sie das Unbefriedigendste am Einkaufen ist, landete die Umkleidekabine auf dem negativen Spitzenplatz: Zu eng, muffig, schlechtes Licht, wer kennt es nicht – und das am Ort der Kaufentscheidung. Doch Vieles spricht dafür, dass sich das ändern könnte. Lust statt Frust versprechen u.a. die folgenden Tools:

„Magic Mirror“: Zunächst gilt es, die Kunden überhaupt so weit zu bringen, dass sie den Store und dessen Umkleidekabinen betreten. Manchen Menschen genügt es auch, sich ein Teil einmal „vorzuhalten“. Beim Magic Mirror, der im Schaufenster und auch als Stele auf der Straße oder im Store installiert werden kann, ist genau das virtuell möglich. Ein Kinect-Sensor nimmt die Umgebung in 3-D auf und die Person vor dem Display wahr. Im System sind freigestellte Fotos des Modeangebots hinterlegt, wie man sie aus Onlineshops kennt. Durch intuitive Gestensteuerung kann der Interessent diese 2-D-Kleidung seinem Abbild auf dem Monitor „anziehen“ und sich quasi wie im Spiegel betrachten.

Virtuelle Anprobe

Die Software lässt sich mit Warenwirtschaftssystem und Onlineshop synchronisieren. So können die Kunden die Preise erfahren, welche anderen Größen oder Farben vorrätig sind und auch direkt Bestellungen aufgeben. Der Magic Mirror ermöglicht Verkäufe rund um die Uhr. „Vor allem aber zieht er Aufmerksamkeit auf sich“, sagt Mesut Yilmaz, Geschäftsführer des Unternehmens Gesture Powered aus Herne. Die Software kann erworben oder gemietet werden. Hardwareseitig werden ein vertikal ausgerichteter Monitor und ein Windows-PC benötigt, an den der Sensor angedockt wird. Auf Wunsch wird eine All-in-one-Lösung geliefert.

Der „Magic Mirror“ ermöglicht virtuelle Anproben, zum Beispiel vor dem Schaufenster. (Foto: Gesture Powered)

Der „Magic Mirror“ ermöglicht virtuelle Anproben, zum Beispiel vor dem Schaufenster. (Foto: Gesture Powered)

„Mobile Mirror“: Mithilfe des digitalen Spiegels, den Xplace, Göttingen, als Stele für den POS anbietet, können die Kunden sich von allen Seiten betrachten. Dies ermöglicht die bis zu zehn Sekunden zeitverzögerte Bildwiedergabe auf dem 42-Zoll-Touchscreen-Monitor. Die Applikation verarbeitet einen durchgehenden Livestream der Kamera in Full-HD und steuert die Wiedergabe dieses Streams. Auch Fotos und Videos (mit Händler-Logo gebrandet) werden generiert, die die Konsumenten über Social-Media-Kanäle direkt teilen oder per E-Mail versenden und so Freunde und Familie in die Kaufentscheidung einbeziehen können. Das untere Drittel des Touchscreens kann als Digital-Signage-Fläche oder für Instore-TV genutzt werden. Auch ein Multichannel-Konzept lässt sich anbinden. „Ideale Standorte für den Mobile Mirror sind die Ankleidezonen oder gut zugängliche Frequenzbereiche“, sagt Xplace-Geschäftsführer Florian Brinkmann. Unter dem Namen „myVeo-Mirror“ hat Xplace eine vergleichbare Lösung für den Mode-Einkaufsverband Katag integriert, die bereits bei zahlreichen Anschlusshäusern im Einsatz ist. Zudem wird unter der Bezeichnung „Marry me“ ein System speziell für Brautmode-Geschäfte bzw. -Abteilungen angeboten.

„alexa ePOS“: Die „intelligente“ Umkleidekabinen-Lösung von Salt Solutions erkennt mittels eines fest in der Kabine installierten RFID-Lesegeräts oder eines Barcode-Scanners die Kleidungsstücke, die zum Anprobieren mitgebracht werden. Der Touchscreen-Monitor zeigt daraufhin an, welche weiteren Größen und Farben verfügbar sind. Auch passende Ergänzungen werden vorgeschlagen inklusive Hinweis, ob diese vorrätig sind, aus einer anderen Filiale beschafft oder online über das eigene Smartphone bestellt werden können. Damit die Kunden ihre privaten Daten nicht auf fremder Hardware eingeben müssen, können sie den auf dem Touchscreen angezeigten QR-Code mit ihrem Smartphone scannen. Umgehend öffnet sich der Onlineshop und der gewählte Artikel liegt im Warenkorb.

Über alle Kanäle hinweg

Für den Checkout stehen verschiedene Verfahren zur Wahl: von der Barzahlung an der Kasse über EC- und Kreditkartenzahlungen bis zum Mobile Payment. Für die Option „Bestellen in der Kabine – bezahlen an der Kasse“ wird in der Kabine zusätzlich ein Bondrucker benötigt. Mit dem codierten Bon geht der Kunde an die Kasse. Wenn die „Bring-Funktion“ aktiviert ist, kann sich der Kunde vorrätige Artikel auch in die Kabine bringen lassen – durch Touch auf den Screen wird das mit Tablet ausgestattete Verkaufspersonal informiert.

IT-seitig basiert die Lösung auf einer zentralen Server-Komponente, die im Rechenzentrum des Händlers eingerichtet ist. Sie wird mit dem Warenwirtschaftssystem und/oder dem Webshop-Server verbunden, sodass die notwendigen Daten wie Artikelstammdaten, Fotomaterial, Verfügbarkeitsinformationen oder Bestellungen zwischen den Systemen automatisch ausgetauscht werden. Salt Solutions liefert die Software und erbringt die Integrationsleistung in die bestehende IT-Infrastruktur. Die erforderlichen technischen Komponenten sind handelsüblich und können von jedem Händler selbst ausgewählt und beschafft werden. Das Tablet für die Kabine sollte mit einem möglichst großen, touchfähigen Bildschirm ausgestattet sein und über einen HTML5-fähigen Internetbrowser verfügen.

Im „Interactive Fitting Room“ laufen Digital-Signage-Inhalte auf dem Bildschirm, bis der Kunde andere Services aktiviert. (Foto: Bütema)

Im „Interactive Fitting Room“ laufen Digital-Signage-Inhalte auf dem Bildschirm, bis der Kunde andere Services aktiviert. (Foto: Bütema)

„Interactive Fitting Room“: Diese von Bütema, Bietigheim-Bissingen, angebotene Lösung ist ähnlich. Auch hier sind sowohl die Variante RFID-Lesegerät oder Barcode-Scanner möglich, und es werden dem Kunden Produkt-Informationen, Cross-Selling-Angebote und die Verfügbarkeiten angezeigt. Des Weiteren kann das System mit einer Warenkorb- bzw. Checkout-Funktion ausgestattet werden, und auch die Hilfe-Funktion zählt zu den Optionen: Wird der entsprechende Button auf dem Display gedrückt, erhält der Verkaufsberater eine Push-Nachricht auf sein Smartphone.

Im Ruhezustand spielt der verspiegelte Touchbildschirm Digital-Signage-Inhalte aus, zum Beispiel Videos oder Produktfotos. Zentrale Drehscheibe des Systems ist die Bütema-Plattform „soviaRetail Core“, auf der alle Informationen zusammenfließen und an die verschiedenen Touchpoints verteilt werden. In der Regel wird eine Verbindung zum Warenwirtschafts- und E-Commerce-System des Händlers hergestellt. Als Full-Service-Anbieter offeriert Bütema Soft- und Hardware in einem Paket. Aktuell wird in einem Adler-Modemarkt die erste Anwendung umgesetzt.

Von der Phizzard-Lösung werden die Mitarbeiter auf dem Tablet informiert, was der Kunde in der Kabine wünscht. (Foto: Phizzard)

Von der Phizzard-Lösung werden die Mitarbeiter auf dem Tablet informiert, was der Kunde in der Kabine wünscht. (Foto: Phizzard)

„Phizzard“: Vor zwei Jahren entwickelte das Berliner Unternehmen Phizzard die nach eigenen Angaben erste interaktive Umkleidekabinen-Lösung, die bei einem deutschen Händler umgesetzt wurde und „erfand“ laut Unternehmen den Artikel-Bring-Service. Außer für Umkleidekabinen werden die interaktiven Spiegel bzw. 22-Zoll-Touchscreens mit dem Barcode-Scanner mittlerweile auch im Schuhhandel eingesetzt. Zu den Referenzen zählen u.a. der Filialist Anika Schuh mit mehr als 50 Häusern, die Marke Gabor oder das Modehaus Dodenhof in Posthausen. Hard- und Software werden „as a service“ zu monatlichen Pauschalbeträgen bereitgestellt, weitere Projektkosten fallen laut Phizzard nicht an.

Online-Bestellservice, filialübergreifende Artikelverfügbarkeit und SB-Bezahlung inklusive Anbindung ans Kassensystem, all das lässt sich an die Wünsche des Händlers anpassen. Cross-Selling-Funktionen ermöglicht eine speziell entwickelte „Recommendation Engine“. Eine Besonderheit liegt zudem in der intuitiv bedienbaren Größen- und Produktberatung: Nach der Anprobe des ersten Artikels nimmt der Kunde eine Bewertung vor: „passt“, „zu klein“, „zu groß“. Daraufhin zeigt das System die passende Größe an oder ermittelt auf Basis lernender Algorithmen alternative Produkte, die besser passen könnten. Phizzard integriert dabei Daten aus den ERP-Systemen und Onlineshops der Händler. Derzeit wird mit der Integration von CRM-Systemen begonnen – damit kann Stammkunden künftig gleich eine „passende“ Vorauswahl angezeigt werden.

In den „Konzept-Kabinen“ von Apparently Different wird Kunden die gewünschte Ware per Schublade in die Kabine gereicht. (Foto: Apparently Different)

In den „Konzept-Kabinen“ von Apparently Different wird Kunden die gewünschte Ware per Schublade in die Kabine gereicht. (Foto: Apparently Different)

„Apparently Different“: 27-Zoll-Touchscreen, RFID- oder Barcode-Scanner, Zugriff auf ein erweitertes Sortiment aus anderen Filialen und/oder den Onlineshop, Größenberater, Empfehlungen, personalisiertes Shoppen durch die Einbindung von Kundenkarten, Liefer-Service in die Kabine – auch das Berliner Unternehmen Apparantly Different bietet ein solches Konzept. Gründer und Geschäftsführer Dr. Dorian Freudenreich betont jedoch: „Wir sind überzeugt, dass Kunden nur mit der Kombination aus Technologie und Ladengestaltung ein neues Einkaufserlebnis geboten werden kann. Wir raten davon ab, einfach nur einen Touchscreen mit unserer Software in der Umkleide zu montieren. Stattdessen haben wir zusammen mit Ladendesignern Konzept-Umkleiden entwickelt, die komfortables Shopping ermöglichen und in denen zum Beispiel auch Mutter und Kind, Paare oder Freundinnen gemeinsam Platz finden.“

Freudenreich sieht die Idealumsetzung so: Die Mindestfläche eines Stores sollte 100 qm umfassen, 50 Prozent dieser Fläche könnten als Showroom dienen, in dem nur einzelne Artikel hochwertig präsentiert werden. 25 Prozent der Fläche sollten den Umkleiden vorbehalten bleiben mit mindestens 3 qm pro Kabine, weitere 25 Prozent als Lager hinter den Kabinen genutzt werden. Die per Touchscreen vom Kunden angeforderten Artikel werden von den Mitarbeitern, die mit mobilen Handhelds ausgerüstet sind, in eine Schublade der Umkleidekabine gesteckt. In einer weiteren Schublade werden nicht gewünschte Teile zurückgegeben.

Apparently Different hat die Lösung in einem eigenen Pop-up-Store in Berlin getestet. „Obwohl unser Angebot nur je zehn Outfits für Frauen und Männer umfasste, wurden im Schnitt 4,4 Artikel anprobiert. Sieben von zehn Kunden, die die Konzept-Umkleide genutzt haben, kauften auch. Der durchschnittliche Warenkorb lag deutlich über 200 Euro“, so Freudenreich. Die erste externe Umsetzung befindet sich in dem im Januar eröffneten Store About You der Otto Gruppe im Hamburger Phönix Center. Zwei weitere Projekte sind in Planung.

Voraussetzung aller Systeme sind ein Strom- und meist auch Internetanschluss.

Fotos (5): Salt Solutions (1), Gesture Powered (1), Bütema (1), Phizzard (1), Apparently Different (1)

Weitere Informationen: www.apparently-different.com , www.buetema-ag.de , www.magic-schaufenster.de , www.phizzard.com , www.salt-solutions.de und www.xplace.de

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