Dieses Jahr hatten wir im Vergleich zum Vorjahr doppelt so viele Bewerbungen“, freut sich Caroline Martens, IT-Projektleiterin des EHI. „Die Rekordzahl an Einreichungen aus ganz Europa reflektiert die rasant steigende Bedeutung von Technologie und Digitalisierung im Handel.“

Die vier bekannten Kategorien des reta awards „Best Customer Experience“, „Best Instore Solution“, „Best Enterprise Solution“ und „Best Connected Solution“ (ehemals „Best Omnichannel Solution“) wurden in diesem Jahr um die Kategorie „Best AI & Robotics Application“ erweitert. Im Fokus der Award-Vergabe steht der Grad an Innovation und strategischem Nutzen der Technologieprojekte. Das EHI und die Lebensmittel Zeitung haben zudem die an den siegreichen Projekten beteiligten Technologiepartner als „Top Supplier Retail 2021“ ausgezeichnet.

Mehr Melonen im Sommer

In der neuen Kategorie Best AI & Robotics Application haben die Gewinner Ikea, Media Markt Saturn und San Lucar Obst- und Gemüse-Handel mit ihren Innovationen die Vielfältigkeit von KI-getriebenen Projekten bewiesen. Zusammen mit dem österreichischen Digitalisierungsexperten Barcotec entwickelte der Obst- und Gemüsehändler San Lucar einen intelligenten Kühlschrank, der sicherstellen soll, dass der Händler Convenience-Produkte frisch und in marktgerechten Mengen zum Verkauf anbietet. Echtzeitdaten über Funkchip ermöglichen eine präzisere Produktionsplanung u.a. durch Meldung von Leerständen.

reta-Gewinner 2021

reta-Gewinner 2021
Foto: EHI

So kann der Kühlschrank beispielsweise im Sommer, wenn eine Hitzewelle angekündigt wird, vermeintlich bedarfsgerecht mit mehr Melonen gefüllt werden, während die Produktion flexibel reduziert wird, wenn schlechtes Wetter vorhergesagt wird. Ikea überzeugte die Jury mit dem Einsatz smarter Kameras. Gemeinsam mit Diebold Nixdorf und Checklens hat der Möbelhändler ein KI-basiertes System entwickelt, das an seinen SCO-Kassen automatisch Scan-Fehler bemerkt. Die smarten Kameras über dem Self-Checkout-Bereich erkennen jedes einzelne Produkt und zeigen dem Kunden beziehungsweise der Kundin auf dem Bildschirm einen Hinweis, falls ein Produkt nicht gescannt wurde.

Media Markt und Saturn haben zusammen mit dem Technologiepartner Retresco eine intelligente Software-as-a-Service-Lösung eingeführt, die automatisch Texte aus den technischen Produktattributen generiert. Ziel war es, den Aufwand bei Textbeschreibungen zu den 350.000 Produkten in den Online-Shops zu verringern. Die Unternehmen haben dazu mehr als 50.000 Textvarianten erstellt, die nach einem bestimmten Algorithmus zu einem Text zusammengesetzt werden. Die E-Commerce-Shops des Händlers zeigen die Texte schließlich automatisch an.

Die Preisträger kommen zu Wort

Am 15. März werden ab 14 Uhr die diesjährigen reta-Gewinner ihre Lösungen im Rahmen der EHI Innovation Days vorstellen. Seien Sie mit dabei!

Nahtlos verbunden

Intersport Frankreich schaffte es mit seiner Omnichannel-Lösung „OMS OneStock“ von Onestock gemeinsam mit Rose Bikes und der Salling Group unter die Gewinner in der Kategorie „Best Connected“, in der Händler für ihre außergewöhnlichen Projekte zur Verknüpfung der On- und Offline-Welt ausgezeichnet werden.

Das bei Intersport eingesetzte Tool vereinheitlicht die Lagerbestände der Geschäfte und ermöglicht es so, rund 90 Prozent der Produktpalette auf der Website zum Verkauf und für den Versand aus dem Geschäft anzubieten. Neun Monate nach der Implementierung von Onestock in Frankreich meldet Intersport eine Steigerung des Web-Umsatzes um 200 Prozent zwischen 2018 und 2019.

Ebenfalls eine nahtlose Omnichannel-Customer-Journey verfolgt Rose Bikes. Der Fahrradspezialist hat gemeinsam mit Roqqio eine skalierbare Omnichannel-Lösung implementiert: rosebikes.de verwandelt sich nun in eine markenübergreifende Plattform, auf der neben der Eigenmarke auch andere Marken und Hersteller ihre Verkäufe abwickeln und Produkte anbieten können. Die Roqqio Commerce Cloud ist dabei zentraler Bestandteil der zukünftigen IT-Architektur von Rose Bikes, sie vernetzt die verschiedenen Systeme wie Shop oder Produktions-ERP miteinander und sorgt so für ein skalierbares Omnichannel-Order-Management. POS-Lösungen, wie z.B. Kassen oder Instore-Apps mit Self-Checkout, kommen dabei im stationären Handel des Fahrradspezialisten zum Einsatz. „In Zukunft bauen wir unsere Omnichannel-Plattform weiter aus und werden für die Produkte unserer Marke Rose Marktplätze über die Commerce Cloud anbinden“, sagt Daniel Vollmer, Director IT bei Rose Bikes.

Die Salling Group implementierte einen neuen E-Commerce-Technologieaufbau, der auf modernem UX, Headless Commerce (Commercetools), Headless CMS, Microservices und APIs basiert. Die Lösung ermöglicht es jeder Kette, ihren eigenen individuellen Online-Auftritt und Inhalt festzulegen, obwohl alles auf demselben System basiert. Zudem ist das neue System mobiloptimiert. „Wir konnten mithilfe der Lösung die Betriebskosten im E-Commerce um 75 Prozent senken und die Click & Collect-Käufe sowie die Besucherzahl auf den Webseiten steigern“, sagt Tina Lykke Kristensen, Product Owner Bilka.dk bei der Salling Group.

Kundschaft im Fokus

Als herausragende Händler, die zukunftsorientierte Methoden und Technologien eingeführt haben, um die Kundenloyalität und Kundenzufriedenheit zu erhöhen, kürte die Jury Breuninger, Küchenquelle und Tegut in der Kategorie „Best Customer Experience“. Breuninger hat seinen Store in Nürnberg umfassend umgebaut. Das Herzstück ist der persönliche Kontakt zur Kundschaft. Gemeinsam mit seinem Technologiepartner Muse setzte das Warenhaus dazu ein umfassendes Omnichannel-Konzept um. An digitalen Touchpoints erhalten Kund:innen Informationen und Ratschläge, smarte Stationen liefern Informationen zur Produktverfügbarkeit und zeigen Größen und Produktvarianten in anderen Geschäften an. Ebenfalls zu dem Konzept gehören digital vernetzte Umkleidekabinen, digitale Stelen zur Wegeführung im Geschäft, digitale LED-Wände, ein Click-and-Collect-Service sowie die Möglichkeit, Beratungstermine online zu reservieren.

Mixed-Reality-Brillen stellen ein gewünschtes Küchenmodell als Hologramm dar.

Mixed-Reality-Brillen stellen ein gewünschtes Küchenmodell als Hologramm dar.
Foto: Küchenquelle

Das prämierte Projekt von Küchenquelle kombiniert Beratung mit Mixed-Reality. Die Lösung des Berliner Start-ups Island Labs besteht aus einer kollaborativen Plattform (.rooms), die Informationen für die Visualisierung in einer entsprechenden Tablet-Applikation aufbereitet, und der damit verbundenen Mixed-Reality-Brille Microsoft Holo Lens. Diese stellt interaktive 3D-Projektionen direkt in der Umgebung dar. Die Person, die die Brille nutzt, hat die Möglichkeit, 3D-Modelle der gewählten Einrichtungsgegenstände in ihren Wohnräumen zu sehen und zu verschieben. Änderungswünsche können die Beratenden direkt in der Applikation umsetzen.

Ebenfalls zu den Preisträgern der Kategorie „Best Customer Experience“ gehört Tegut. Im November 2020 hat der Lebensmittelhändler in Fulda sein neues Convenience-Store-Konzept „tegut… teo“ eröffnet. Der gemeinsam mit Wanzl konzipierte Mini-Shop mit 50 qm Verkaufsfläche funktioniert dank smarter Technik ohne Personal und ermöglicht den Einkauf rund um die Uhr. Die Kund:innen haben zwei Möglichkeiten, mit denen sie den Store öffnen und ihren Einkauf bezahlen können. Die erste ist eine App mit Zugangscode. Mit ihr können die Preise gleich am Regal gescannt und auch gleich über die App bezahlt werden, alternativ am Bezahlterminal im Store. Die zweite Option ist die Bank- oder Kreditkarte. Die Tür öffnet sich, indem die Karte am Zugangsterminal neben dem Eingang aufgelegt oder eingesteckt wird. Das Scannen der Einkäufe und ebenso das Zahlen per Karte erfolgen am Bezahlterminal. Die Scan&Go Technologie stammt von Snabble.

Personal smart vernetzt

Inspirieren, motivieren und informieren – unter diesen Schlagwörtern entwickelte Babyone gemeinsam mit dem Anbieter Qualitize eine interne E-Learning-Plattform, für die der Kinder- und Babyfachhändler den Award in der Kategorie „Best Enterprise Solution“ erhielt. Ebenfalls zu den Gewinnern zählen Fressnapf und Leclerc.

Per E-Learning-Plattform schafft Babyone eine Team-Community.

Per E-Learning-Plattform schafft Babyone eine Team-Community.
Foto: Qualitize/Babyone

Die Plattform von Babyone ist auf Mobilgeräten und Desktop aufrufbar. Auf ihr können Nutzer:innen Videos erstellen und hochladen, Wunschlisten erstellen, Favoriten positiv bewerten, kommentieren und mit Emoticons reagieren. Auch Fressnapf vernetzt sein Team: Der smarte Assistent „MIA“ unterstützt Filialmitarbeiter:innen bei der Aufgabenverwaltung in den Geschäften und ermöglicht ihnen Zugriff auf alle Kundendaten.

Eine Task-Management-Lösung des Technologiepartners q.beyond hilft zudem, Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum zu sortieren. In jedem Geschäft werden die Mindesthaltbarkeitsdaten einzelner Produkte digital gespeichert, sodass sowohl die Filialen als auch die Zentrale einen Überblick über alle Artikel haben, die kurz vor dem Ablauf stehen.

„Durch unsere maßgeschneiderte Lösung können wir unseren durchaus heterogenen Filialen personalisierte Informationskanäle bieten, in denen sie relevante News, Wissen oder Aufgaben finden“, sagt Manuel Cranz, Leiter Enterprise Architecture bei Fressnapf. E.Leclerc konnte mit der digitalen Kommunikationsplattform Alkemics den Daten- und Informationsaustausch mit seinen Lieferanten aus allen Branchen digitalisieren. Alkemics sammelt in einer Datenbank alle Informationen aus Produktblättern und Preisen der Lieferanten und stellt sie den Verkaufsstellen und Lagern von E.Leclerc zur Verfügung.

Intelligente Regale

In der Kategorie „Best Instore Solution“ kürt die Jury Handelsunternehmen, die mit Technologien am POS einen nachweisbaren operativen Mehrwert erreicht haben. Die diesjährigen Gewinner sind Merkur, Edeka Oertwig und die Rohan Apotheke. Der Lebensmittelhändler Merkur setzt in seinen österreichischen Supermärkten eine Smart-Shelf-Solution von Bizerba ein, die automatisiert und in Echtzeit die Regalbestände mithilfe von integrierten Wägesensoren und einem intelligenten Schwerpunktalgorithmus gramm- und zentimetergenau kontrollieren kann. Die Rewe-Tochter stellt seit der Einführung rund 70 Prozent weniger Lagerbestände als bei manueller Bestandsaufnahme fest.

Mit der smarten Kassenlösung „Scanmate“ von ITAB muss das Personal die Ware nicht mehr per Hand scannen.

Mit der smarten Kassenlösung „Scanmate“ von ITAB muss das Personal die Ware nicht mehr per Hand scannen.
Foto: Edeka Oertwig/ITAB

Rund 1.100 digitale Preisschilder (ESL) installierte SES-Imagotag im Stammhaus der Rohan Apotheke in Ettenheim. Die Preisschilder sind mit dem Kassensystem sowie der Lagerlogistik vernetzt. Vier Regalkameras melden dazu automatisch Leerstände. „So können wir schnell auf leere Regale reagieren“, sagt Christian Weber, Chef der Rohan Apotheken. Die Lösung soll künftig in allen Filialen ausgerollt werden.

Edeka Oertwig setzt in seiner im März 2020 eröffneten Filiale Henstedt-Ulzburg zusätzlich zu den herkömmlichen Kassen intelligente Scanner- und Kassensysteme ein. Die smarte Kassenlösung „Scanmate“ von ITAB verfügt über zwei Checkouts mit dual ausgeführter Warenablage. Das Personal muss dabei die Ware nicht mehr per Hand scannen und nur in Ausnahmefällen, wie bei schwer lesbaren Codes oder Obst und Gemüse, aktiv werden. Der 360°-Barcode-Scanner stoppt die Förderbänder, falls ein Artikel nicht automatisch per Barcode erfasst wurde. Bei einem Warenkorb mit durchschnittlich 15 Artikeln sollen mit der Lösung 102 Kund:innen pro Stunde bedient werden können.