Sorgfältige Prävention ist der beste Schutz | stores+shops

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Foto: Int. Juwelier-Warndienst

Sorgfältige Prävention ist der beste Schutz

Mindestens jeder zwölfte Juwelier in Deutschland wurde im Jahr 2013 Opfer einer Straftat. Vor Einbrüchen, Raubüberfällen und Trickdiebstählen schützt nur ein integriertes Konzept, glaubt der Internationale Juwelier-Warndienst.

„München, Mittwoch, 12.02.2014, 11 Uhr. Fünf maskierte junge Männer stehen vor einem Juwelier-Geschäft in der Maximilianstraße. Einer der Männer schlägt die Eingangstür aus Glas mit einer Axt ein, und die Männer stürmen in das Geschäft. Dort werden der anwesende Sicherheitsmitarbeiter/ Doorman sowie die Mitarbeiter mit einem Schraubendreher bedroht, während die restlichen Täter die Innenvitrinen mit Hammer und Axt einschlagen und die hochwertigen Waren zusammenraffen. Ein Teil der Beute sowie vier der rumänischen Täter im Alter von 17 bis 21 Jahren können von der Polizei gefasst werden. Ein Täter mit Beute im Wert von ca. 400.000 Euro ist auf der Flucht.“

So läuft ein typischer Raubüberfall im Schmuck- und Uhren-Einzelhandel ab: perfekt ausbaldowert, die Schwachstellen sicher erkannt. Im vorliegenden Fall hatten Kundschafter ermittelt, dass zwar die Schaufenster aus einbruch-resistentem Sicherheitslaminatglas einen Schaufenstereinbruch verhinderten und auch maskiertes Betreten unmöglich war, da die verschlossene Eingangstür erst nach der Gesichtskontrolle durch einen Doorman geöffnet wurde. Die Eingangstür bestand aber nur aus ESG/Securit-Glas und war somit das schwächste Glied der mechanischen Absicherung. Einscheiben-Sicherheits-Glas (ESG) bietet nämlich keinen Einbruch-, sondern lediglich einen Verletzungsschutz, weshalb es die Täter einfach hatten, schon maskiert in das Geschäft zu gelangen, da die Tür kein nennenswertes Hindernis darstellte.

Gewaltbereite Täter

Im vergangenen Jahr wurden jede Woche mindestens sieben Einbrüche, vier Diebstähle und zwei Raubüberfälle auf Schmuck- und Uhrengeschäfte in Deutschland verübt. Dies bedeutet, dass mindestens jeder zwölfte Juwelier Opfer einer solchen Straftat geworden ist. Der Internationale Juwelier-Warndienst (www.warndienst.com) hat anhand der Daten von mehr als 10.000 ausgewerteten Taten und Tatversuchen in der Schmuck- und Uhrenbranche seit 2007 einen Anstieg der Einbrüche um 123 Prozent und der Diebstahldelikte um 66 Prozent errechnet. „Spitzenreiter“ ist die Zahl der Raubüberfälle mit einer Zunahme von 158 Prozent. Dabei gibt zu denken, dass neben dem Anstieg der Taten und Versuche auch Zerstörungswut und Gewaltbereitschaft erheblich zugenommen haben.  

Nahezu alle Taten werden heutzutage von organisierten Banden aus Ost- bzw. Südosteuropa arbeitsteilig verübt. Hehler und Abnehmer im Hintergrund geben ihre Wünsche an Hintermänner weiter, welche – auch im Internet – diejenigen Geschäfte ausfindig machen, die gewünschte Markenware führen. Diese werden dann von Profis vor Ort, sogenannten Residenten, in Augenschein genommen, um Tatchancen und Vorgehensweise zu beurteilen. Die eigentliche Tat erledigen dann „Arbeiter“, die oft erst kurz vor der Tat angeworben und herbeigebracht werden. Die eigentliche Tat bei Einbruch und Raubüberfall dauert meist weniger als zwei Minuten. In dieser kurzen Zeit kann kaum ein Polizist am Tatort sein. Alle Sicherungsmaßnahmen müssen daher den Zugriff auf die begehrten Waren verzögern bzw. ganz verhindern.

Mitarbeiter einbeziehen

Nach der Risikobeurteilung der VdS Schadenverhütung GmbH sind allein die Geschäfte der Schmuck- und Uhrenbranche sowie Pfandleihhäuser in die höchste Gefährdungsklasse SG6 eingestuft worden, selbst Banken und Tankstellen liegen darunter. Schließlich stellen Schmuck und Uhren einen hohen Wert bei kleinstem Volumen dar. Aufgrund von Waren- und Markenangebot, Lage usw. trägt aber jedes Geschäft innerhalb dieser Gefährdungsklasse ein ganz spezielles, individuelles Risiko. Geschulte Berater können anhand dessen ein Sicherungskonzept erstellen, um Mitarbeiter, Kunden und Waren bestmöglich zu schützen. Wichtig ist die Überprüfung der eingesetzten Maßnahmen alle zwei Jahre, da auch Täter ihre Vorgehensweisen immer wieder aktuellen Sicherungsmaßnahmen anpassen.

Die durchschnittliche Tatdauer bei Einbruch und Raubüberfall liegt heute bei unter zwei Minuten.

Martin Winckel

Internationaler Juwelier-Warndienst

Neben mechanischen und elektronischen Schutzeinrichtungen sollten auch die Mitarbeiter einbezogen werden. Geschulte und informierte Mitarbeiter entwickeln ein gutes Bauchgefühl, das sie bei Gefahr warnt und hilft, Trickdiebe zu überführen oder das Ausspionieren des Geschäfts zu verhindern. Andererseits ist der Arbeitgeber per Gesetz angehalten, seinen Mitarbeitern einen sicheren Arbeitsplatz zu bieten. Dies beinhaltet alle Bereiche: mechanischer Schutz, elektronischer Schutz und Training/Verhaltensschulung. Schutz vor Einbrüchen bieten u.a. Sicherheitslaminatglas und Alarmanlage, bedingt auch Vernebelungsanlage für Schaufenster und Innenräume. Gegen Raubüberfälle helfen Ein-/ Ausgangsschleusen mit Gesichtskontrolle sowie Sicherheitslaminatglas und elektronische Schlösser (RFID) mit Zeitverzögerung für alle Innenvitrinen und Öffnungen zu Schaufenstern.

Bildqualität zählt

Das Auswerten von Taten zeigt ganz deutlich, dass eine offene Videoüberwachung für Täter heute keine Abschreckung mehr darstellt. Dies mag daran liegen, dass die Bildqualität bzw. der Aufnahmewinkel (Deckenkameras) von veröffentlichten Täterbildern meist so schlecht sind, dass sich Täter sicher sein können, nicht erkannt zu werden. Hinzu kommt, dass der Einzelhandel in ganz West-Europa von reisenden Tätergruppen in wechselnder Zusammensetzung geschädigt wird.

Dennoch: Qualitativ gute Bilder von Täter-Gesichtern – von Kameras in Augenhöhe aufgenommen – führen immer wieder zu Erfolgen bei der Identifikation, bei der Zuordnung weiterer Tatorte, bei einer Festnahme und als Beweismittel vor Gericht. Eine Videoüberwachung sollte daher unbedingt deutliche und somit beweisfähige Bilder aufzeichnen. Selbst kleinste Einzelhandelsgeschäfte wie Kioske lassen sich heutzutage für weniger als 100 Euro schon mit einfacher, aber guter Videotechnik schützen. In diesen Fällen sind sogenannte „Wildkameras“ eine gute Möglichkeit, um hochauflösende Einzelbilder oder kurze Videos, ausgelöst durch den internen Bewegungsmelder, aufzunehmen. Jede Videoüberwachung ist aber praktisch bedeutungslos, solange Eingangstüren unverschlossen bleiben und Täter die Geschäftsräume schon maskiert betreten können.

Foto und Grafik: Int. Juwelier-Warndienst

Weitere Informationen: www.warndienst.com und www.crimestoppers-eu.org  

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