Urbane Warenanlieferung: Die vorletzte Meile | stores+shops

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Ein unterirdisches automatisches Transportsystem verbindet Verteilzentrum und City-Hub.
Foto: Smart City Loop

Urbane Warenanlieferung: Die vorletzte Meile

Es ist klar, dass die Warenanlieferung in Innenstädten nicht auf Dauer mit großen Dieselfahrzeugen geschehen kann. Für die letzte Meile gibt es inzwischen auch in der Praxis schon gute, umweltfreundliche Konzepte. Doch wie kommt die Ware emissionsarm von den Verteilzentren zu den City-Hubs? Zum Beispiel durch Röhren.

Wie sollen Waren in die Stadtzentren transportiert werden, damit sie auf der letzten Meile mit einem Radius von 2-3 km nachhaltig ausgefahren werden können? Und wie transportiert man zu entsorgende Wertstoffe wie Kartonage, Kunststoff und Glas aus diesem Radius wieder heraus? Bei einer Liefermenge von rd. 20 Paletten Ware pro Tag beispielsweise für einen mittelgroßen Supermarkt kann das nicht ausschließlich mit Lastenfahrrädern funktionieren.

Gefragt sind hier innovative Ansätze, die den Straßenverkehr deutlich reduzieren mit entsprechender Reduzierung der Schadstoff- und Lärmemissionen. Gleichzeitig muss die Versorgungssicherheit und -effizienz gewährleistet sein. Eines ist sicher: Es wird nicht die eine Lösung für alles geben. Ein innovativer Mix unterschiedlicher Logistikmodule ist die Antwort, um die Innenstädte weiterhin beliefern zu können. Ein wichtiges Modul kann der unterirdische Warentransport auf der „vorletzten Meile“ sein, zum Beispiel der „Smart City Loop“. Er ist das Bindeglied zwischen dem Güterverteilzentrum am Stadtrand und der letzten Meile, der Feinverteilung in der Innenstadt. Ein entscheidender Faktor ist hierbei, dass das System intelligent in die vorgelagerten Module für die langen Distanzen und die nachgelagerten Module für die letzte Meile eingebunden wird.

Der Smart City Loop ist ein ganzheitliches System, das bewährte Technologien zu einem neuen System miteinander verbindet und die Logistik in die Ballungszentren zukunftsfähig machen will. Ziel sind zügig umsetzbare und wirtschaftlich darstellbare Lösungen unter Einbeziehung zukünftiger Mobilitätsanforderungen und entsprechender Umweltauflagen. Wie sieht das Konzept aus?

Fahrerlose Systeme

Je nach Topografie und Streckenlänge wird in Rohr- oder Schildvortrieb eine Röhre gebaut wie beispielsweise die Röhre für Fernwärme unter dem Rhein in Köln. In dieser Röhre wird palettierte Ware mittels fahrerloser Systeme transportiert. Dies ist ebenso wie die benötigten Vertikalförderer in den Ein- und Ausgängen eine bewährte Technik, bekannt aus Hochregallagern und Verteilzentren.

Wie erfolgt die Vernetzung der unterschiedlichen Systeme und der angrenzenden Teilnehmer der Logistikkette? Anstatt Waren von den Güterverteilzentren am Stadtrand bis in die Innenstädte mit großen Dieselfahrzeugen zu befördern, soll dies soweit es geht unterirdisch erfolgen. Die Waren werden dazu in den GVZ kommissioniert, sequenziert und über eine digitale Plattform gesteuert durch die Röhre zu City-Hubs verbracht. Von dort wird – möglichst ohne große Pufferung – auf der letzten Meile an den Empfänger zugestellt. Das bedeutet hohe Anforderungen an die Planung und Steuerung, da in City-Hubs nur ganz begrenzte Warenmengen zum Weitertransport gelagert werden können. Daher muss der Zu- und Abfluss in kontrollierten Zeitfenstern erfolgen. Ersten Berechnungen zufolge können durch eine 5 km lange Röhre etwa 5.000 Paletten täglich transportiert werden. Dies bedeutet täglich bis zu 1.500 Fahrten weniger auf der Straße und eine entsprechende Einsparung von CO2.

Digitale Plattform

Wie sieht in diesem Konzept die letzte Meile aus? Die Anlieferungen in der Stadt, also in einem Radius von 2-3 km, werden mit Lastenfahrrädern und 7,5-Tonnern mit zukünftig in Innenstädten zugelassenen umweltfreundlichen Antrieben durchgeführt. Über eine digitale Plattform, die über Schnittstellen für die Einbindung der Transportunternehmen vor und nach der vorletzten Meile verfügt, wird die gesamte Logistik gesteuert. Sowohl Versender als auch Empfänger profitieren von einer besseren Planung und zeitgenaueren Transportsteuerung.

Smart City Loop: Durchmesser der Röhre.

Die unterirdische Röhre hat einen Durchmesser von 4 Metern.
Foto: Smart City Loop

In Hamburg wurde durch eine Studie die Machbarkeit dieses Konzepts nachgewiesen, erste Flächen für GVZ und City-Hubs identifiziert und mögliche Trassenführungen unter der Elbe für die Röhre definiert. Derzeit werden die rechtlichen Voraussetzungen geprüft, die technischen Planungen sind in Vorbereitung. Sobald die Entscheidung zum Bau fällt, wird eine regionale, projektbezogene Investorengesellschaft für Bau und/oder Betrieb gegründet. Beteiligte daran können zum Beispiel private und institutionelle Anleger, Städte oder Stadtwerke, Transportunternehmen, der Handel und andere Beteiligte sein. Smart City Loop kümmert sich neben der Projektplanung um die Logistiksysteme, die IT-Plattform und die Schnittstellen zu den Kunden.

Die Nutzer des Systems Smart City Loop zahlen an die Betreibergesellschaft für die Durchleitung ihrer Waren eine Gebühr – analog zu den heutigen Transportkosten der Lkw-Lieferung. Erste Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die in Zusammenarbeit mit namhaften Spediteuren sowie dem Fraunhofer IML durchgeführt wurden, zeigen, dass die Kosten für diesen neuen Warentransport mit den derzeitigen Kosten vergleichbar sind – sogar ohne Berücksichtigung weiterer Vorteile wie die Erfüllung von Umweltauflagen, optimierte Zeitplanung oder zuverlässige Zustellzeiten. Im Nachbarland Schweiz hat der Bundesrat gerade ein Bundesgesetz geschaffen, damit Anlagen für den unterirdischen Gütertransport gebaut und betrieben werden können.

Der Autor ist Geschäftsführender Gesellschafter der 2018 gegründeten Smart City Loop.

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