Von der Last zur Lust | stores+shops

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„Debut“ macht es möglich, Kleidungsstücke in durch Licht „gezauberten“ Szenerien anzuprobieren. (Fotos (4): Osram)

Von der Last zur Lust

Zu eng, zu muffig und schlecht ausgeleuchtet – ausgerechnet die Umkleidekabine, der Ort der Kaufentscheidung, wurde vielerorts lange vernachlässigt. Jetzt verwandeln Licht- und Multimedia-Installationen sowie interaktive digitale Elemente Umkleidekabinen in neuartige Serviceräume. Mode anprobieren soll zum Erlebnis werden.

Zahlreiche technische Innovationen widmen sich derzeit dem Thema Umkleidekabine. Das war schon auf der letzten EuroShop zu beobachten. Ob Arclite, Cedes, D&L oder Philips – nahezu alle in der Modebranche aktiven Licht-Anbieter präsentierten spezielle Beleuchtungslösung für Umkleidekabinen.

Bis der Kunde die Kabine betritt, spielt der verspiegelte Touch-Bildschirm des „Interactive Fitting Room“ Digital-Signage-Inhalte aus. (Foto: Bütema)

Bis der Kunde die Kabine betritt, spielt der verspiegelte Touch-Bildschirm des „Interactive Fitting Room“ Digital-Signage-Inhalte aus. (Foto: Bütema)

Ein Beispiel ist „Debut“. Hier kombinierte Osram seine dynamische LED-Beleuchtung mit einem intelligenten Mediensystem des Tochterunternehmens Traxon Technologies. In Büros, Restaurants oder am Strand wurden echte Umgebungssituationen gefilmt und die Lichtverhältnisse gemessen. Diese Szenarien ließen sich bei einer ersten Testinstallation in einem Modegeschäft in den USA wieder abrufen, von passender Musik oder Vogelgezwitscher akustisch untermalt. Je nach ausgewähltem Kleidungsstück, ob Abend-Outfit, Business-Anzug oder Bikini, konnten die Kunden ihre gewünschte virtuelle Umgebung wählen und sich im wahrlich rechten Licht betrachten.

Auf der letzten EuroCIS in diesem Frühjahr setzte sich der Trend fort. Hier zählten verschiedenartige digitale Elemente für die Kabinenzone zu den Highlights. Anhand eines fest in der Umkleide installierten RFID-Lesegeräts oder eines Barcode-Scanners erkennen die intelligenten Kabinen-Lösungen die Kleidungsstücke, die zum Anprobieren mitgebracht werden. Touchscreen-Monitore zeigen daraufhin an, welche weiteren Größen und Farben verfügbar sind. Auch passende Ergänzungen werden vorgeschlagen, inklusive Hinweis, ob diese vorrätig sind, aus einer anderen Filiale oder online bestellt werden können. „alexa ePOS“ heißt ein solches Produkt von Salt Solutions, „Interactive Fitting Room“ die Lösung des Anbieters Bütema, und auch die Unternehmen Phizzard und Apparently Different bieten entsprechende Lösungen an.

Erlebnis-Umkleide

Apparently Different-Geschäftsführer Dr. Dorian Freudenreich ist dabei bewusst, dass die IT-Komponenten „nur“ Einzelbausteine auf dem Weg zur „Erlebnis-Umkleide“ sind. „Wir sind überzeugt, dass Kunden nur mit der Kombination aus Technologie und Ladengestaltung ein neues Einkaufsvergnügen geboten werden kann. Daher raten wir auch davon ab, einfach nur einen Touchscreen mit unserer Software in der Umkleide zu montieren. Stattdessen haben wir zusammen mit Ladendesignern Konzept-Umkleiden entwickelt, die komfortables Shopping ermöglichen und in denen zum Beispiel auch Mutter und Kind, Paare oder Freundinnen Platz finden.“

Schublade

Freudenreich sieht die Idealumsetzung so: Die Mindestfläche eines Stores sollte 100 qm umfassen, 50 Prozent dieser Fläche könnten als Showroom dienen, in dem jeder Artikel quasi als reines Anschauungsobjekt nur jeweils einmal, dafür aber hochwertig und reizvoll präsentiert wird. Von der zweiten Hälfte des Stores sollte wiederum die Hälfte den Umkleidekabinen vorbehalten sein, wobei mindestens 3 qm pro Kabine zu veranschlagen sind. Verbleiben weitere 25 Prozent, die im Apparently Different-Konzept als Lager hinter den Kabinen vorgesehen sind. Die per Touchscreen vom Kunden angeforderten Artikel werden von den Mitarbeitern, die mit mobilen Handhelds ausgestattet sind, in eine Schublade der Umkleidekabine gesteckt. In einer weiteren Schublade werden nicht gewählte Teile zurückgegeben.

Das Apparantly Different-Konzept: Per Monitor die gewünschte Ware in die Kabine bestellen und über ein Schubladen-System anliefern lassen. (Foto: Dorothea Tuch)

Das Apparantly Different-Konzept: Per Monitor die gewünschte Ware in die Kabine bestellen und über ein Schubladen-System anliefern lassen. (Foto: Dorothea Tuch)

Apparently Different hat die Lösung in einem eigenen Pop-up-Store in Berlin getestet. „Obwohl unser Angebot nur je zehn Outfits für Frauen und Männer umfasste, wurden im Schnitt 4,4 Artikel anprobiert. Sieben von zehn Kunden, die die Konzept-Umkleide nutzten, kauften auch. Der durchschnittliche Warenkorb lag deutlich über 200 Euro“, berichtet Freudenreich.

Über inzwischen viel Markterfahrung verfügt das Berliner Unternehmen Phizzard. Vor zwei Jahren entwickelte es die nach eigenen Angaben erste interaktive Umkleidekabinen-Lösung, die bei einem deutschen Händler umgesetzt wurde und erfand, so heißt es, den per Knopfdruck ausgelösten Artikel-Bring-Service in die Kabine. Außer für Umkleiden werden die interaktiven Spiegel bzw. 22-Zoll-Touchscreens mit Barcode-Scanner mittlerweile auch im Schuhhandel eingesetzt. Zu den Referenzen zählen u.a. der Filialist Anika Schuh mit mehr als 50 Häusern, die Marke Gabor oder das Modehaus Dodenhof in Posthausen.

Eine Besonderheit des Systems liegt in der intuitiv bedienbaren Größen- und Produktberatung. Nach der Anprobe des ersten Artikels nimmt der Kunde eine Bewertung vor: „passt“, „zu klein“, „zu groß“. Daraufhin zeigt das System die passende Größe an oder ermittelt auf Basis lernender Algorithmen alternative Produkte, die besser passen könnten. Phizzard integriert dabei Daten aus den ERP-Systemen und Online-Shops der Händler. Derzeit wird mit der Integration von CRM-Systemen begonnen. So kann Stammkunden künftig gleich eine „passende“ Vorauswahl angezeigt werden. Denn Fakt ist, darauf macht auch der Digital-Signage-Spezialist Scala aufmerksam: Mittels der digitalisierten Umkleidekabinen können wertvolle Informationen über das Einkaufsverhalten gewonnen werden.

Stichwort Integration: Auf den Ladenbau dürfte künftig mehr und mehr die Aufgabe zukommen, solche IT-Lösungen stimmig im Rahmen eines ganzheitlichen Storedesigns zu berücksichtigen. Dass ein „nackter“ Bildschirm kein Hingucker ist, weiß man auch bei Bütema. Im Ruhezustand spielt der verspiegelte Touchbildschirm des „Interactive Fitting Room“ daher Digital-Signage-Inhalte aus, zum Beispiel Videos oder Produktfotos.

Fotos (6): Osram (4), Bütema (1), Dorothea Tuch (1)

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