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Hoffmann Ladenbau
Die Messestände der EuroShop-Aussteller (im Bild der Stand von Wanzl) waren an allen Veranstaltungstagen gut besucht. (Foto: Messe Düsseldorf/c Tillmann)
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Inspirationen für die Zukunft des Handels

Fünf Tage Dauerregen während der EuroShop hatten zur Folge, dass sich die Fachbesucher durchweg in den Messehallen aufhielten und die sonst stark frequentierten Außenbereiche mieden. Das freute die Aussteller, die auf Befragung der Messe Düsseldorf durchweg von sehr guten bis ausgezeichneten Geschäftskontakten berichteten. 18 Messehallen mit rd. 127.000 qm Ausstellungsflächen präsentierten das ganze Spektrum an Produkten, Trends und Konzepten  für den Handel und seine Partner.

Wechsel der Jahreszeiten auf Knopfdruck: Beim „4 Seasons“- Konzept von Kultobjekt suggerieren digital bespielbare Flächen im Store eine Jahreszeit (Foto: Kultobjekt)
Wechsel der Jahreszeiten auf Knopfdruck: Beim „4 Seasons“- Konzept von Kultobjekt suggerieren digital bespielbare Flächen im Store eine Jahreszeit (Foto: Kultobjekt)

Die dominierenden Themen der EuroShop 2017 zeichneten sich schon im Vorfeld der Messe ab: Die fortschreitende Digitalisierung im Handel, Omnichannel-Lösungen und die Emotionalisierung des Einkaufserlebnisses im Store. Auf der einen Seite eröffnet die Digitalisierung Effizienzsteigerungen wie beispielsweise beim Management der Warenbestände oder der Analyse des Kundenverhaltens im Store. Auf der anderen Seite ermöglicht sie die individuelle Kundenansprache im Store mit Informationen, die über digitale Medien oder auf das Smartphone des Kunden übermittelt werden. Wie die Verzahnung der Ladengeschäfte mit dem Internet dabei zu neuen Store-Konzepten führen kann, war auf der EuroShop 2017 an vielen Ausstellerständen zu sehen.

Ein Beispiel für eine Store-Inszenierung mit digitalen Elementen ist das „4 Seasons“-Konzept, das die Agentur Kultobjekt gemeinsam mit dem Ladenbauunternehmen Ligneus auf der EuroShop zeigte. Das Prinzip: Digital bespielbare Flächen in Rückwänden, Vorlagetischen oder Kassentresen suggerieren eine bestimmte Jahreszeit. An den Content gekoppelt sind eine ausgefeilte Licht- und Farbsteuerung und eine Soundanlage. Entscheidet sich der Händler für das Programm Frühling, so wird der Kunde mit Vogelgezwitscher und Kirschblüten empfangen. An heißen Sommertagen kann ein Laden in ein Strandbad mit Meeresrauschen und sanfter Brise verwandelt werden. Die unterschiedlichen Content-Sequenzen, die auf die saisonalen Rhythmen der Modebranchen zugeschnitten sind, lassen sich per Touch-Button ansteuern.

Die schwedische Ladenbaugruppe ITAB präsentierte u.a. Weiterentwicklungen ihrer Checkout-Lösungen für den Lebensmittelhandel (Foto: Itab)
Die schwedische Ladenbaugruppe ITAB präsentierte u.a. Weiterentwicklungen ihrer Checkout-Lösungen für den Lebensmittelhandel (Foto: Itab)

Viele Ladenplanungsbüros und Ladenbauunternehmen nutzten die EuroShop 2017 als Plattform, um ihre digitale Kompetenz zu demonstrieren. In Anlehnung an Amazon Go, dem kassenlosen Lebensmittelmarkt in Seattle, zeigten u.a. Itab, Wanzl und POS Tuning, aber auch Anbieter aus der IT-Branche wie der Waagen-Hersteller Bizerba Konzepte für die vollautomatische Handelsfiliale. Der Kunde betritt den Store, aktiviert seine Smartphone-App, legt die Waren in seinen Einkaufskorb und verlässt die Filiale ohne die übliche Kassenabwicklung. Sensoren in den Regalen registrieren die Entnahme von Produkten aus dem Regal. Auf dem Smartphone-Display des Kunden erscheint die Artikelposition mit Preisangabe. Da der Kunde seine Kreditkartendaten in der App hinterlegt hat, erfolgt der Bezahlvorgang automatisch, sobald der Einkauf abgeschlossen ist.

Itab zeigte sein kassenloses Checkout-System „Air Flow“ als Show-Case neben seinen weiterentwickelten traditionellen, halbautomatischen und automatischen Kassenzonen und überraschte zudem mit einer Self-Scanning-Lösung für den Textileinzelhandel. Deutlich wurde bei allen Produkt-Demos: Die Technologien verändern sich zurzeit viel schneller als bestehende Organisationsmodelle und Prozesse. Die Botschaft der Lösungsanbieter war eindeutig: Man befasst sich in den Entwicklungsabteilungen intensiv mit den Zukunftstechnologien am Checkout und kann schon heute mit funktionsfähigen Prototypen aufwarten. 

Checkout ohne Kasse

Beim Show-Case „Wanzl Connect“ bildet der „Smart Trolley“, ein mit RFID ausgerüsteter Einkaufswagen den zentralen Baustein einer Software-Lösung zur Digitalisierung des  Ladengeschäfts. Das Tool soll den Einzelhändler bei der Prozesssteuerung seines Ladengeschäfts unterstützen, indem es beispielsweise Kundeninformationen wie Laufwege im Markt sammelt. Das Kunden-Smartphone wird in den Einkauf integriert, vom digitalen Einkaufszettel bis hin zum bargeldlosen Bezahlen am Checkout. Seine Kompetenz im Bereich Ladenbau demonstrierte Wanzl auf seinem Messestand mit Sortimentsinszenierungen in Boxen. Die Themen Convenience Food, Obst und Gemüse, Süßwaren, Getränke und Do-it-Yourself-Produkte sollten veranschaulichen, wie ein stationäres Ladenlokal zu einem Ort für Inspiration und Entertainment wird.

Schweitzer Project überraschte mit einem geschlossenen, kreisrunden Stand-Design (Foto: Schweitzer)
Schweitzer Project überraschte mit einem geschlossenen, kreisrunden Stand-Design (Foto: Schweitzer)

Ursprünglichkeit, Natürlichkeit, Tradition, Regionalität, Authentizität: Beispiele, wie diese emotionalen Themen imagebildend in den Store integriert werden können, waren an vielen Ständen zu sehen. „Story-Telling“ heißt das Schlagwort – mit oder ohne digitale Elemente. Wie mit ursprünglichen Materialen Themen wie Tradition und Handwerk inszeniert werden können, zeigten Schweitzer Project und Interstore auf der EuroShop. Der kreisrunde, außen mit Gras begrünte Stand war als Supermarkt oder Marktplatz einer neuen Generation konzipiert: Statt der herkömmlichen Backwaren-Theke buk ein Bäcker ganztägig frische Brote. Auch der Metzger nebenan stellte von der Fleischzerkleinerung bis zum Grillen mitten auf dem Stand herzhafte Leckerbissen für die Besucher live her. Die einzelnen Stationen mit ihrer steckerfertigen Technik und den wandlungsfähigen, rollbaren Frischetheken und Ladenmöbeln zeigten, mit welch hoher Flexibilität Supermarkt und Einzelhandel heute auf gestiegene Kundenansprüche reagieren können. Der Messestand soll am Unternehmenssitz in Naturns wieder aufgebaut werden und dort zukünftig als Mensa oder ähnlichen Verwendungszwecken dienen. Um neben der Konzeption innovativer Handelswelten auch als Generalunternehmen deren internationalen Rollout sicherzustellen, intensivierte Schweitzer die Partnerschaften mit dem Ladenbauer Modern Expo und der EPTA, Spezialist für Kältetechnik für den LEH.

Analog zu den vier Retail-Dimensionen, die das Ladenbauunternehmen Umdasch mit seinen Produkten bedient, präsentierten die Österreicher ihr Leistungsspektrum in den vier Bereichen „Lifestyle Retail“, „Food Retail“, „Premium Retail“ und „Digital Retail“. Turmartige Skulpturen auf dem Messestand illustrierten das breitgefächerte Portfolio. Im Bereich Food-Retail dominierten die Themen Marktplatz, Getränke und Regionalität, ein weiterer Turm zeigte ein neues modulares Tischprogramm. Im Bereich „Premium Retail“ konnten sich die Standbesucher durch einen Tisch mit Ladenbau-Materialien in Form von kleinen Kunstwerken inspirieren lassen. Die Exponate in der Dimension „Digital Retail“ gaben den Besuchern Anregungen, wie Digital Signature, Electronic Shelf Labeling und Smart Tracking am POS eingesetzt werden können.

Themen-Visualisierung in Boxen

Tegometall, einer der führenden Anbieter im Bereich Ladenbau und Lagertechnik, überraschte die EuroShop-Fachbesucher mit einer neuen neuen Corporate Identity. Der vom Hersteller gewohnte, sachlich-produktorientierte Messeauftritt ist einer emotionalen Ansprache gewichen.

Tegometall visualisierte die Kernthemen seines Messeauftritts mit Boxen (Foto: Tegometall)
Tegometall visualisierte die Kernthemen seines Messeauftritts mit Boxen (Foto: Tegometall)

Acht Themenbereiche, in einzelnen Boxen auf dem Messestand visualisiert, handeln den Kern des Tegometall-Business ab. Zu den Neuentwicklungen, die das Schweizer Unternehmen auf der EuroShop präsentierte, gehört „TEGOVision“, ein filigranes Regalsystem, das mit Draht- und Blechböden, Holz- und Glasböden und mit kundenindividuell gestaltbarer Rückwand lieferbar ist. Deutlich wird der Kurswechsel in der Marketingstrategie von Tegometall: Weg von der Massenfertigung funktionaler Standardregalsysteme, hin zu kundenspezifischen Produkten mit Designanspruch. Der Lebensmitteleinzelhandel als ursprünglicher Zielmarkt soll in Zukunft wieder mehr in den Vordergrund rücken.

Im gleichen Marktsegment bewegt sich seit 55 Jahren die heutige Inovag Ladenbau GmbH & Co. KG. Das vormals als Linde Ladenbau firmierende Tochterunternehmen der Schweitzer Dolma Holding AG wurde 2006 umbenannt, da die vor zehn Jahren erworbenen Nutzungsrechte des Namens Linde ausgelaufen waren. Inovag mit Sitz in Bad Hersfeld versteht sich als Komplettanbieter, das nicht nur Warenpräsentationssysteme vertreibt, sondern auch das gesamte Leistungsspektrum rund um die Planung und Entwicklung komplexer Ladenbaukonzepte umfasst.

Bei Umdasch Shopfitting gaben hohe, semitransparente Vorhänge, die sich langsam bewegten, wechselnde Einblicke in den Messestand. (Foto: Umdasch)
Bei Umdasch Shopfitting gaben hohe, semitransparente Vorhänge, die sich langsam bewegten, wechselnde Einblicke in den Messestand. (Foto: Umdasch)

Die Schwesterunternehmen Ansorg, Vitra und Vizona (der Ladenbau-Spezialist meldete sich auf der EuroShop als eigenständig agierende Marke zurück) präsentierten sich erstmals auf einem gemeinsamen Stand. „The Village“ wurde von der finnischen Innenarchitektin Joanna Laajisto entwickelt, die sich dabei von den Freiluft-Einkaufszentren in Kalifornien inspirieren ließ. Rund um eine Plaza, die Platz zum Verweilen bot, luden fünf fiktive Marken-Stores verschiedener Retail-Branchen zum Entdecken ein. Umgesetzt von Vizona waren diese allesamt mit neuester Beleuchtung von Ansorg sowie Systemen von Vitra bestückt. Zu Letzteren zählte u.a. das Deckentragsystem „Multi-Lane“, das eine schwebende Warenpräsentation ermöglicht. Es lässt sich zum Beispiel an Strahlerschienen einhängen und auf diese Weise immer wieder variabel neu im Raum positionieren. „Flexibilität und Einfachheit“ sieht Matthias Hummel, CEO von Vizona, denn auch als wesentliche Anforderungen an aktuelle Einrichtungs-Lösungen – neben einem ganzheitlichen Ansatz.

Ein Fazit der EuroShop 2017: Das oberste Gebot für den stationären Handel bleibt die Emotionalisierung seiner Läden. Mit einem stimulierenden Verkaufsumfeld, das alle Sinne des Konsumenten anspricht, hat der klassische Einzelhandel auch im Omnichannel-Zeitalter beste Chancen, sich gegen den E-Commerce zu behaupten. Digitale Elemente im Store können das Shopping-Erlebnis weiter steigern. Dass Ladengeschäfte und Online-Handel dabei immer mehr zusammenwachsen, war auch auf der EuroShop 2017 deutlich zu sehen.

Ladenbau und Storedesign - Die Top-Trends

+ Authentizität
+ Digitale Anwendungen
+ Emotionalisierung
+ Energieoptimierung
+ Foodservice
+ Individualisierung
+ Innovative Materialien
+ Nachhaltigkeit
+ Personalisierung
+ Story Telling