Rewe Green Farming
Malteser Straße 136
12249 Berlin
Deutschland
Neueröffnung: 21.05.2026
Rewe Green Farming
Malteser Straße 136
12249 Berlin
Deutschland
Neueröffnung: 21.05.2026
15 Mio. Euro hat Rewe in den Neubau an der Lankwitzer Straße investiert. Der Markt umfasst 2.150 qm Verkaufsfläche, beschäftigt 56 Mitarbeitende und führt rund 20.000 Artikel. Schon die Architektur zeigt: Dieser Supermarkt ist kein Standardformat. Eine Holzkonstruktion trägt das Gebäude, unter einem durchgehenden Dachband ragen 42 Stützen sieben Meter in die Höhe, im Abstand von acht Metern aneinandergereiht.

Durch die Deckenfenster wird man ab Sommer den Salat im Gewächshaus von unten sehen
Foto: Rewe Group
Die Haustechnik liegt offen sichtbar unter der Decke, die Wände sind teilweise mit unverkleideten OSB-Platten gestaltet. „Mit seiner gestapelten Holzkonstruktion bringt dieser neue Markttyp Wärme und Schönheit in eine typischerweise unpersönliche Umgebung“, sagt Friedrich Ludewig, Founding Director des Architekturbüros Acme, das das Konzept gemeinsam mit Rewe entwickelt hat. „Das ist eine sehr ehrliche Holzstruktur. Es gibt überhaupt keine Verkleidung. Sie sehen die ganze Haustechnik. Sie sehen alles, was das Gebäude funktionieren lässt.“
Holz als Baustoff und Speicher
Das Herzstück des Gebäudes ist sein Holztragwerk, das rund 30 Jahre halten soll. 1.800 Kubikmeter Nadelholz, vor allem Fichte aus Deutschland und Österreich, stecken in dem Bau; dreieinhalb Mal so viel wie in den bisherigen Rewe Green Buildings. Durch den Holzeinsatz sollen im gesamten Lebenszyklus im Vergleich zu einem Referenzmarkt rund 50 Prozent CO₂ eingespart werden können. Alle Elemente des Tragwerks wurden vor Ort mit Schrauben montiert – ohne dauerhafte Leim- oder Klebeverbindungen. Die Rückbaulogik: Je standardisierter die Querschnitte, desto besser die Wiederverwendbarkeit – als Baumaterial, als Möbelholz oder im letzten Schritt als Brennstoff.

Die Metallverkleidung der Serviceriegel ist in Form und Materialsprache an die Flugapparate von Otto Lilienthal angelehnt
Foto: EHI/Kruck
„Im verwendeten Bauholz werden rund 930 Tonnen CO₂-Äquivalent gespeichert, was die Klimabilanz des Gebäudes verbessert. Zudem sind alle Hölzer demontierbar. Sie lassen sich nach einem Rückbau wiederverwenden, zum Beispiel für Möbel, und müssen nicht zwingend ins Recycling“, sagt Florian Nain, Teamleiter Planung & Eigenobjekte Bauwesen Rewe Ost.
Den Außenbau hat Acme mit einer historischen Anspielung versehen: Die Metallverkleidung ist in Form und Materialsprache an die Flugmaschinen von Otto Lilienthal angelehnt, der seine Gleitflüge auf einem Hügel rund zwei Kilometer entfernt absolvierte.
Daten und Fakten
- Verkaufsfläche: 2.150 qm
- Dachfarm: 2.760 qm
- Ab Sommer: Produktion von rund 900.000 Salatmischungen pro Jahr
- Tragwerk: 1.800 Kubikmeter Nadelholz
- Energieversorgung: 100 Prozent Grünstrom, Abwärmenutzung und rund 200 Solarmodulen
- Pkw-Stellplätze: 98, vier EnBW-E-Ladesäulen
- Mitarbeitende: 56
Dachfarm mit Automatisierung
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Marktes ist nicht sichtbar, wenn man durch die Eingangstür tritt: Über der Markthalle liegt auf rund 2.800 qm eine Supermarkt-Dachfarm, betrieben von der Frisch vom Dach GmbH, einer Tochtergesellschaft von ECF Farmsystems. Nikolas Leschke, Gründer und Geschäftsführer beider Unternehmen, begleitet Rewe bereits seit dem Pilotprojekt in Wiesbaden 2021. „Das hier ist der Start einer Serie des Rewe Green Farmings“, sagt er.

Das Schienensystem der Dachfarm transportiert die Salattrays automatisch vom Einsatz bis zur Ernte
Foto: EHI/Kruck
Die Farm arbeitet hydroponisch: nahezu ohne Erde, unabhängig von Wetter und Jahreszeit. Das Wasser fließt über Schienen-Tische, auf denen die Salatpflanzen in Töpfen stehen; was nicht verbraucht wird, läuft zurück in den Kreislauf und wird aufbereitet. Ergänzt wird das durch die Zisterne des Marktes: Frischwasser kommt nur zum Einsatz, wenn das Regenwasser nicht ausreicht, eine 200 Kubikmeter fassende Regenwasserzisterne soll die Dachfarm im Normalfall versorgen können. Die Farm verfügt über zwei Klimazonen. Die Ernte erfolgt vollautomatisch durch eine Schneidemaschine.
Der Produktionszyklus beginnt im Erdgeschoss: Ein Mitarbeitender schiebt leere Trays in eine Keimmaschine, die innerhalb von 30 Minuten rund 160 bestückte Trays mit Substrat und Saatgut auswirft. Diese wandern für zwei Tage in eine Keimkammer mit rund 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Anschließend transportiert ein weiterer Mitarbeitender die angekeimten Trays per Aufzug auf das Dach, wo sie in das laufende Fördersystem eingespeist werden. Jeder neue Tray schiebt die gesamte Reihe einen Schritt weiter.
Nach 21 Tagen Wachstumszeit erreichen die Pflanzen die Erntemaschine. Der geerntete Salat wird in rund einer Stunde von Anbautemperatur auf vier Grad heruntergekühlt, kommt dann per Aufzug ins Erdgeschoss und gelangt in den voll automatisierten Verpackungsraum: Mischen, Wiegen, Abfüllen in Plastikschalen passieren weitgehend ohne manuellen Eingriff.

Im Verpackungsraum im Erdgeschoss mischt, wiegt und verpackt eine vollautomatisierte Anlage den Salat
Foto: EHI/Kruck
Das System produziert täglich rund 2.700 Packungen in vier Salatsorten, hochgerechnet rund 900.000 Packungen pro Jahr. Vermarktet wird das Produkt unter dem Namen „Lankwitzer Glückssalat“. Die Logistik ist eng mit dem regulären Rewe-Belieferungskreislauf verknüpft: Ein LKW, der den Markt ohnehin anfährt und nach der Anlieferung leer zurückfährt, nimmt den frisch verpackten Salat mit ins Zentrallager. Von dort wird er an sechs Tagen pro Woche an bis zu 500 Rewe-Märkte in der Hauptstadtregion verteilt. „Das Tolle an dem Salat ist, dass er nicht aus Italien kommt, auch im Winter, und wir dadurch sehr, sehr viele Transportkilometer sparen“, so Leschke.
Haustechnik ohne fossile Energie
Das Energiekonzept des Marktes verzichtet auf Gasanschlüsse. Beheizt wird das Gebäude über eine CO₂-Wärmepumpe – ein Kältemittel, das Rewe im Osten seit 2012 in der Gewerbekälte einsetzt, hier aber erstmals auch für die Wärmeversorgung nutzt. Zusätzlich wird die Abwärme der Kälteanlagen dem Markt zurückgeführt; bei ausreichender Kapazität profitiert auch die Dachfarm davon. Der Strom kommt laut Rewe zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen, auf dem Dach sind 200 Photovoltaikelemente installiert. Die Lüftungsanlage läuft bedarfsabhängig über CO₂-Messung statt dauerhaft – was den Stromverbrauch gegenüber älteren Konzepten deutlich senkt. Die Beleuchtung wird beim Einräumen gedimmt und bei Kundenbetrieb hochgefahren. Alle Kühltheken sind verglast zwecks Energieeinsparung.
Markthalle mit Nischenstruktur
Wer den Markt betritt, kommt zu Obst und Gemüse sowie einer großen Salatbar – so soll der Frische-Fokus unmittelbar am Eingang deutlich werden. Die Deckenhöhe von sieben Metern und die 42 sichtbaren Holzstützen erzeugen eine Raumatmosphäre, die Friedrich Ludewig als architektonisch bewusstes Signal versteht: „Was sehr schön ist an den Stützen ist, dass sie ein Raumgefühl erzeugen – eines der Markthalle. Dieser Markt fühlt sich mit sieben Metern Deckenhöhe höher an als andere Rewe-Märkte, weil die Stützen hier einen menschlichen Maßstab geben.“ Die Wegeführung folgt einer Dramaturgie aus breiten Hauptgängen und seitlichen Nischen, die einzelne Produktwelten rahmen.
„Der Kunde möchte ja gerne sich ruhig umsehen und man will für eine gewisse Aufenthaltsqualität sorgen“, erläutert Peter Pietz, Gebietsmanager Vertrieb Rewe Ost. Die Nischen sollen verhindern, dass Kund:innen vergessene Produkte erst an der Kasse bemerken und den gesamten Weg zurücklaufen müssen. Für den schnellen Einkauf gibt es zugleich einen Shortcut. Die Tiefkühltheken sind kassennah positioniert, damit die Ware bis zum Bezahlen kalt bleibt.
Dank der modularen Bauweise können wir die Dachnutzung an den Standort anpassen. Wir planen bereits weitere Holzbau-Märkte in Deutschland.
Peter MalyService-Palette
An der zehn Meter langen Frischetheke gibt das Fachpersonal individuelle Empfehlungen. Eine Hotbar hält warme Snacks und Gerichte bereit, und es gibt eine Salat- sowie eine Sushibar von Eat Happy. Die im Markt befindliche Bäckerei Steinecke bietet mit 21 Innen- und 16 Außensitzgelegenheiten Aufenthaltsmöglichkeiten. 20 lokale Lieferanten sind in das Sortiment eingebunden. Neben den vier mit Mitarbeitenden besetzten Kassen stehen sieben Selbstscan-Kassen. Per Scan & Go können Produkte beim Einkauf per Handscanner oder Smartphone erfasst werden, bezahlt wird an der Expresskasse ohne erneutes Auspacken.

Die Self-Checkout-Kassen werden von einem Mitarbeitenden betreut und mit Kameras überwacht
Foto: Rewe Group
„Mit dem Rewe Abholservice bieten wir unserer Kundschaft einen praktischen Weg, den Wocheneinkauf zu erledigen“, sagt Kaufmann Felix Thomas. Im Außenbereich finden sich 98 Pkw-Stellplätze mit versickerungsfähigem Pflaster sowie Stellflächen für Fahr- und Lastenräder.
Pioniergeist
Der Neubau in Lankwitz ist nicht als Einzelprojekt gedacht. Schon der Wiesbadener Green-Farming-Pilotmarkt von 2021 bildete die Grundlage für die Serienentwicklung; Berlin gilt nun als deren Start. Rewe betreibt bundesweit rund 350 Green Building Märkte, und das Green-Farming-Konzept mit integrierter Dachfarm soll diesen Bestand perspektivisch ergänzen.
Peter Maly: „Wir brauchen den Pioniergeist, den Hunger nach Erfolg, das hat das Rewe Team zusammen mit unseren Partnern gezeigt, und deshalb war es mir auch besonders wichtig, dass wir das hier in Berlin machen, was auch ein gewisses politisches Signal ist.“ Rewe-Kaufmann Felix Thomas: „Das ist der 7. Markt meiner Karriere und ich hoffe, erfolgreich an diesem Standort wirtschaften zu können und dass wir uns langfristig hier weiter etablieren werden.“
Auswahl beteiligter Fachfirmen
- Generalunternehmer: Dreßler Bau
- Architektur (Planung): ACME, Architektur (Ausführung): CS Architekten
- Fachplanung Dachfarm: ECF Farmsystems
- Tragwerksplanung: Schöne Neue Welt Ingenieure
- Technische Gebäudeausrüstung: PSM – Planungsgesellschaft für Gebäudetechnik
- Verkehrsplanung und Freianlagen: Ingenieurbüro für Tiefbau Noack
- DGNB-Zertifizierung und Bauphysik: e² Energieberatung
- Artenschutz: Natur +Text
- Ladenbau: Philipp Ladenbau
- Möbel und Regalierung: Kesseböhmer
- Verbundkühlung: Carrier
- Kühltruhen: KMW
- Anschluss Kühlmöbel: Kaeltro
- Theke/Hotbar: Aichinger
- Salatbar: T&T Kältetechnik
Über Rewe
Die Rewe in 2025 nach eigenen Angaben einen Umsatz von 32,4 Mrd. Euro erwirtschaftet und beschäftigt bundesweit rund 170.000 Mitarbeitende in 3.800 Märkten. Die Rewe- und Nahkauf-Märkte werden als Filialen oder durch selbstständige Kaufleute betrieben. Rewe gehört zur genossenschaftlichen Rewe Group, die 1927 gegründet wurde und mit ihren rund 380.000 Beschäftigten in 21 europäischen Ländern präsent ist. Alle aktuellen Daten zur Unternehmensgruppe finden Sie hier bei handelsdaten.de.

