Ladendiebstahl vorbeugen: Fünf-Zonen-Modell für den Einzelhandel | stores+shops

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Das Fünf-Zonen-Modell strebt die Verknüpfung von Technologien und Informationen entlang des gesamten Täterwegs an
Foto: Axis Communications

Ladendiebstahl vorbeugen: Fünf-Zonen-Modell für den Einzelhandel

Größter Treiber für die gestiegenen Inventurdifferenzen im deutschen Einzelhandel ist laut der EHI-Studie „Inventurdifferenzen 2026″ nach wie vor der Ladendiebstahl. Das US-amerikanische Loss Prevention Research Council hat ein Fünf-Zonen-Modell entwickelt, das Risiken vom Umfeld einer Filiale bis zum Kassenbereich systematisch einordnet. Im Zentrum stehen drei Prozesse, die sich durch alle Zonen ziehen: Datenerfassung, Untersuchung verdächtiger Vorfälle und Maßnahmen gegen Wiederholungstäter.

Viele Ladendiebstahlsdelikte folgen offenbar einem wiederkehrenden Muster: Die Täter:innen bewegen sich vor, während und nach einer Straftat durch klar definierbare räumliche Bereiche. Auf Basis dieser Bereiche hat das LPRC, eine US-amerikanische Forschungsorganisation im Bereich Verlustprävention, ein Fünf-Zonen-Modell entwickelt, das Einzelhändler dabei unterstützen soll, Risiken für jede Zone zu definieren und sich mit gezielten Schutzmaßnahmen effizienter vor Diebstahl zu schützen.

Täter:innen bewegen sich vor, während und nach einer Straftat durch klar definierbare räumliche Bereiche

Täter:innen bewegen sich vor, während und nach einer Straftat durch klar definierbare räumliche Bereiche
Foto: Axis Communications

Dieses Modell wird auch von Sicherheitstechnologieanbietern wie Axis Communications genutzt, um ihre Lösungen an die Anforderungen der jeweiligen Zone anzupassen und so mit ihnen einen besseren Effekt zu erreichen. Die fünf Zonen umfassen die nähere Umgebung, Parkflächen, Ladenein- und -ausgänge, Verkaufsflächen sowie Bereiche mit besonders hohem Diebstahlpotenzial. So können Sicherheitsmaßnahmen nicht erst am Ort des eigentlichen Diebstahls, sondern bereits deutlich früher und damit präventiver implementiert werden.

Im Kern geht es darum, entlang aller fünf Zonen drei wiederkehrende Prozesse zu etablieren: Datenerfassung beim ersten Kontakt, Untersuchung verdächtiger Vorfälle und Maßnahmen gegen Wiederholungstäter.

Die fünfte Zone: Nähere Umgebung

Die fünfte Zone beginnt außerhalb der eigentlichen Geschäftsflächen, denn erste Hinweise auf einen möglichen Ladendiebstahl entstehen oft bereits in der näheren Umgebung, etwa in Form von auffälligen Verhaltensmustern oder unbekannten Personen und Fahrzeugen, die zu lange verweilen oder das Geschäft beobachten. Sinnvoll ist hier vor allem der strukturierte Austausch von Informationen zwischen Filialen, Sicherheitsverantwortlichen und gegebenenfalls Strafverfolgungsbehörden: Informationen wie Täterbeschreibungen, Bewegungsmuster, Vorfallzeitpunkte oder Fahrzeugdaten können so zentralisiert gesammelt und insbesondere Wiederholungstäter frühzeitig identifiziert werden. Dabei können vernetzte Sicherheitslösungen unterstützen, zum Beispiel durch die standortübergreifende Bereitstellung von Videodaten oder die automatisierte Erfassung relevanter Ereignisse. Im Mittelpunkt steht an dieser Stelle nicht der einzelne Vorfall, sondern das Erkennen von Zusammenhängen.

Die vierte Zone: Parkflächen

Parkflächen bilden häufig den ersten physischen Kontaktpunkt zwischen Täter:in und Geschäftsflächen. Hier können verdächtige Aktivitäten, die auf einen möglichen Ladendiebstahl hindeuten, zum ersten Mal konkret erkannt werden, bevor ein Schaden entsteht. Intelligente Videosicherheitslösungen mit KI-gestützten Analysefunktionen können an diesem Punkt Fahrzeuge, Personen und Bewegungsmuster erfassen und so auffälliges Verhalten – wie längeres Verweilen oder ungewöhnliche Bewegungsabläufe – identifizieren. Ergänzend dazu ermöglichen Systeme zur Kennzeichenerkennung die Erfassung von Fahrzeugdaten, und akustische Analysen können potenziell auf Gefahr hindeutende Geräusche, wie zerbrechendes Glas oder aggressive Stimmen, erkennen.

Die dritte Zone: Ladenein- und -ausgänge

An den Ladenein- und -ausgängen betreten potenzielle Täter:innen das Geschäft. Sicherheitstechnisch geht es in dieser Zone vor allem um Verhaltensanalyse, Prävention und Zugangskontrolle. Die in den früheren Zonen gewonnenen Informationen liefern Hinweise auf verdächtiges Verhalten – und damit auf möglichen Ladendiebstahl. Sichtbare Monitorsysteme im Eingangsbereich können hier eine präventive, abschreckende Wirkung haben. Die Nutzung digitaler Zugangssysteme an Ein- und Ausgängen stellt außerdem sicher, dass nur autorisierte Personen potenziell sensible Eingangsbereiche wie Lager- oder Lieferzugänge nutzen und dass das Betreten der Geschäftsflächen durch Personen transparent und nachvollziehbar dokumentiert wird.

Die fünf Zonen umfassen die nähere Umgebung, Parkflächen, Ladenein- und -ausgänge, Verkaufsflächen sowie Bereiche mit besonders hohem Diebstahlpotenzial

Die fünf Zonen umfassen die nähere Umgebung, Parkflächen, Ladenein- und -ausgänge, Verkaufsflächen sowie Bereiche mit besonders hohem Diebstahlpotenzial
Foto: Axis Communications

Die zweite Zone: Verkaufsflächen

Auf den Verkaufsflächen liegt der Fokus auf Verhaltensanalysen, um eine kontinuierliche Übersicht über die aktuelle Situation zu erlangen, denn gerade in großen oder unübersichtlichen Ladengeschäften ist es eine Herausforderung, verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu erkennen, ohne dafür übermäßige Personalressourcen zu binden. Eine Alternative stellen Multisensor- und Panorama-Kameras dar, die es ermöglichen, große Flächen und gleichzeitig Details mit nur wenigen Systemen zu erfassen. So lassen sich die Bewegungsmuster verdächtiger Personen nachvollziehen, ohne andere Bereiche aus dem Blick zu verlieren.

Gleichzeitig können an dieser Stelle KI-basierte Analysefunktionen dabei unterstützen, ungewöhnliche Veränderungen im Warenbestand zu erkennen – etwa plötzlich geleerte Regale oder untypische Zugriffsmuster auf hochwertige Produkte. In dieser Zone kann die Kombination solcher Systeme mit elektronisch gesicherten Vitrinen oder Zugriffssystemen sinnvoll sein.

Die erste Zone: Bereiche mit hohem Diebstahlpotenzial

Die erste Zone umfasst jene Bereiche, in denen Inventurdifferenzen unmittelbar entstehen – etwa in Hochwertwarenbereichen und an Kassen, insbesondere an Selbstbedienungskassen. Hier steht die unmittelbare Erkennung konkreter Vorfälle im Fokus. Systeme mit Analysefunktionen können beispielsweise erkennen, wenn Artikel nicht oder fehlerhaft gescannt werden oder Einkaufswagen in ungewöhnlicher Richtung den Kassenbereich verlassen. Auch interne Risiken lassen sich so besser kontrollieren: Analysefunktionen erkennen zum Beispiel ungewöhnliche Kassenöffnungen ohne erkennbaren Kundenvorgang und erleichtern so Nachforschungen. Ergänzend können vernetzte Audiosysteme eingesetzt werden, um in kritischen Situationen unmittelbar einzugreifen – etwa durch automatische Durchsagen oder direkte Kommunikation mit Mitarbeitenden.

Vom Einzelereignis zur Strategie

Ein Vorteil des Fünf-Zonen-Modells liegt in der Verknüpfung von Technologien und Informationen entlang des gesamten Täterwegs. In jeder Zone können die Technologielösungen Daten liefern, die in der nächsten Zone relevant werden könnten. Wird ein Vorfall erkannt, lassen sich Bewegungsabläufe rekonstruieren, Muster identifizieren und daraus Maßnahmen ableiten. So kann aus reiner Videoüberwachung ein datenbasierter Präventionsansatz werden.

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