Store-Design: Auf den richtigen Farbton kommt es an | stores+shops

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Grüntone und blasses Gelb im zweiten Aesop-Store in Mailand
Foto: Aesop/Paola Pansini

Store-Design: Auf den richtigen Farbton kommt es an

Seit vielen Jahren dominieren im Retail-Design die neutral-hellen Farbthemen, Grau in allen Schattierungen sowie die natürliche Farbskala von Beton, Holz, Marmor oder Stahl. Nun kommt wiederstärker Farbe ins Spiel. Beispiele zeigen, wie individuelle Farbthemen die Inszenierung und das Storytelling unterstreichen.

Wie in den Bereichen Fashion und Wohnen ist auch in der internationalen Retail- Szene wieder häufiger Farbe als Gestaltungselement zu finden. Gewisse Risiken für den Einzelhandel beim Einsatz von Farbe liegen auf der Hand: Ein Gewöhnungseffekt tritt bei kräftig kolorierten Räumen schneller ein, und eine farbstarke Umgebung darf nicht in Konkurrenz mit der Ware treten, geschweige denn diese optisch in den Hintergrund drängen. Alles eine Frage der Dosierung und der Pigmentierung, meint Stefan Suchanek, Innenarchitekt, Retail-Spezialist und Experte, wenn‘s um die subtilen farbigen Zwischentöne im Store-Design geht, die durchaus dazu beitragen können, dass der eine Laden gut läuft und der andere nicht.

Regulär gilt: „Nicht zu bunt, aber farbig“, so Suchanek. „Je ‚bunter‘ eine Farbe ist, umso schneller nutzt sie sich optisch ab. Wer intensive Farben sucht, die dauerhaft als schön empfunden werden und die Produkte nicht überblenden, der ist gut beraten mit Farbtönen mit dichter Pigmentierung und mit Komplementär-Mischungen, die gesättigt wirken, ohne grell zu sein.“ Die meisten historischen Farben in Kunst, Architektur und Design, die sich als zeitlos erweisen und heute noch als angenehm empfunden werden, basieren auf solchen Prinzipien, sagt Suchanek.

Zur Differenzierung einer bestimmten Marke oder eines Teilbereichs einer größeren Handelsfläche bieten sich unterschiedliche Methoden an, mit kolorierten Flächen an Wänden, Boden, Decke und Mobiliar oder auch mit farbigem Licht individuelle Akzente zu setzen. Einige aktuelle Beispiele:

Glänzender hellblauer Epoxidharz-Boden im Voo Compact Market in Berlin

Glänzender hellblauer Epoxidharz-Boden im Voo Compact Market in Berlin
Foto: Voo Store

Voo Compact Market, Berlin

„In den Läden reiht sich ein grauer Boden an den nächsten. Wir wollten uns davon abheben“, sagt Yasin Müjdeci, Gründer der Berliner Voo-Stores, drei hippe Fashion-Läden. Über die 80 qm Grundfläche seines minimalistisch eingerichteten Voo Compact Market ergießt sich ein Boden in einem strahlend hellen Blau. Den außergewöhnlichen Farbton hat Müjdeci intuitiv gewählt. Den Kunden ein gutes Gefühl zu vermitteln, war sein erstes Ziel. „Manchmal muss die Funktionalität der Wirkung zuliebe eben an die zweite Stelle rücken“, so sein Credo. Der Boden ist in mehreren Schichten aufgetragen. Über eine Art Terrazzo mit eingestreuten Pappe-Chips wurde zur Versiegelung und für den Glanz eine Epoxidharzschicht aufgebracht.

Aesop, Mailand

Der zweite Mailänder Store der Kosmetikmarke Aesop ist als nostalgische Hommage an italienisches Design und die italienische Wohnkultur der 30er-Jahre konzipiert. Der Store und seine Inneneinrichtung greifen die gedeckte, aber intensive Wirkung historischer Farbtöne auf und modifizieren sie zeitgemäß. Vitrinen in Retro-Anmutung und gedämpften Grüntönen, blasses Gelb und Sessel in einem wie sonnengebleichten Rosé-Ton orientieren sich am Einrichtungsstil und der Farbgestaltung italienischer Villen aus den 30er-Jahren. Glänzende, blaugrüne Metro-Fliesen an Wänden, Decke und in den Bögen nehmen Bezug auf den Standort Mailand und sollen das Lebensgefühl in dem historischen Viertel spiegeln, in dem der Laden sich befindet. Das Design wurde in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Designbüro Dimore Studio entwickelt.

Story at Macy’s

Regenbogenfarben im neuen Storekonzept von Macy’s

Regenbogenfarben im neuen Storekonzept von Macy’s
Foto: Macy's

„Story“ ist ein neues Konzept des US-amerikanischen Department Stores Macy’s. Es basiert auf der Concept-Store-Idee, die mit wechselnden Themen auf einer Fläche von rund 150 qm monatlich neu inszeniert wird. Ein farblich aufwändiges Visual Merchandising gehört zum Konzept, themenbezogen werden jeden Monat komplett neue Erlebniswelten dekoriert. Der Start des Konzepts lief unter dem Motto „Colour“. Dazu wurden Boden und Rückwand der Verkaufsfläche in Regenbogenfarben inszeniert und die Ware nach ihrer Farbe bzw. der Farbe ihrer Verpackung in Farbgruppen präsentiert. Für das zweite Thema „Outdoor Story“, bei dem sich alles ums Gardening drehte, wurde die Fläche in leuchtend grünen Kunstrasen gekleidet. „Storytelling-getriebene Produktpolitik“ nennt man bei Macy’s das Konzept, für das ständig neue Allianzen mit unterschiedlichen Lieferanten eingegangen werden.

C. P. Company, Mailand

Der Mailänder Store von C.P. Company mit von der Decke abgehängter Lightbox und glänzenden Präsentationsmöbeln mit Farbverlauf

Der Mailänder Store von C.P. Company mit von der Decke abgehängter Lightbox und glänzenden Präsentationsmöbeln mit Farbverlauf
Foto: Adriano Biondo

Spezielle Textilfärbeverfahren gehören zum USP der italienischen Sportswear-Marke C. P. Company. Das besondere Know-how in Färbetechniken wurde im Mailänder Store mehrfach visualisiert. Eine von der Decke abgehängte Lightbox erzeugt ein dynamisch wechselndes Farblicht mit Tag- und Nachtzyklus. Die glänzenden Warenpräsentationskuben aus OSB-Platten in verlaufender Blaufärbung sind vom Färbeverfahren „Garment Dyeing“ inspiriert. Darüber hinaus bietet C. P. Company einen „maßgeschneiderten Farbservice“ im Store: Kunden können einige Teile der Kollektion in jedem beliebigen Farbton anhand einer Pantone-Farbkarte bestellen. Die Kunden können sogar eigene Gegenstände mitbringen, zum Beispiel die Marionette aus der Kindheit oder das Trikot ihres Lieblings-Sportteams und dann ein Kleidungsstück von C. P. Company in genau derselben Farbe bestellen.

Weitere Informationen: redaktion@ehi.org