Interview: Moderner Ladenbau für attraktive Innenstädte | stores+shops
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Bei der Realisierung von Store-Konzepten in Citylagen werden künftig Nachhaltigkeit und Erlebnisorientierung im Fokus stehen.
Foto: Gerhard Seybert/stock.adobe.com

Interview: Moderner Ladenbau für attraktive Innenstädte

Nicht erst seit der Coronapandemie und den damit verbundenen Lockdowns drohen viele, insbesondere kleine und mittelgroße Innenstädte durch Leerstände zu veröden. Um dieser Entwicklung effizient entgegenzuwirken, müssen die Innenstädte den veränderten Bedürfnissen der Menschen angepasst werden, auch anhand veränderter Ladenbaukonzepte. Was damit gemeint ist, erklärt Benjamin Blocher, Geschäftsführer des Architekturbüros Blocher Partners.

Welche sind die wichtigsten Faktoren für eine attraktive Innenstadt, und wie kann die (Handels-)Architektur zur Attraktivität beitragen?

Grundvoraussetzung für ein lebendiges urbanes Leben ist eine attraktive Innenstadt. Dabei kommt es auf die richtige Mischung an. Wir müssen auf den Wandel unserer Innenstädte mit Projekten reagieren, die nachhaltige Lösungen mit erlebnisorientierten Konzepten verknüpfen und die Städte in urbane Räume verwandeln, in denen Leben, Arbeiten und Wohnen miteinander verbunden werden.

Es geht darum, existierende Städte den veränderten Bedürfnissen der Menschen anzupassen. Dazu gehört auch die Frage, was man mit ausgedienten Warenhausstandorten machen soll, um Leerstände zu vermeiden. Die Struktur der Gebäude ist nicht für Hybridnutzungen geeignet, weil sie nicht flexibel ist. Aber es wäre genau das Gegenteil von Nachhaltigkeit, wenn solche Handelsimmobilien in der Innenstadt nach 30 oder 40 Jahren abgerissen werden. Deshalb braucht es individuelle Lösungen, die man für jeden Standort neu entwickeln muss.

Wie lassen sich künftig in den Innenstädten unterschiedliche Angebote und Themen stärker räumlich und zeitlich verflechten?

Mittlerweile findet eine Rückbesinnung zur Mischnutzung statt. Unterschiedliche Nutzungen haben unterschiedliche Anforderungen an das Gebäude, den öffentlichen Raum und deren Bewohner. Mehr Wohnungen in den Innenstädten erfordert eine verträgliche Mischung zwischen den angestammten und den neuen Nutzungen. Das Stadtmodell einer Innenstadt aus Shoppingcenter, Fußgängerzone, Tiefgaragen, Systemgastronomie und Bürogebäuden ist an sein Ende gekommen, genau wie die alte Vorstellung der autogerechten Stadt.

Dicht und grün zugleich, Ort für Produktion, Freizeit und Wohnen, viel öffentliche Verkehrsanbindung und weniger Autos: multifunktional, gemeinwohlorientiert und auf gesunde Weise widersprüchlich sollen die Städte werden. Der Fokus sollte also auf flexiblen und intelligenten Konzepten liegen, die sich an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen können.

Wir arbeiten beispielsweise gerade an der Neugestaltung eines innerstädtischen Areals in Neu-Ulm: In dem sechsstöckigen Gebäude finden neben der Stadtbücherei und einem Generationentreff Wohnungen, Büroflächen, Gastronomie sowie eine Tiefgarage ihren Platz. Die einzelnen Bausteine gehen eine Vielzahl an Synergien untereinander ein, außerdem sind Gemeinschaftsflächen für Urban Gardening Teil des Konzeptes. So entsteht ein Gebäude in zentraler Lage, welches das Quartier nachhaltig positiv prägen wird.

Viele Kunden:innen haben sich – auch als Folge der Pandemie – stärker auf ihr lokales Umfeld als Einkaufsort konzentriert. Sehen Sie eine wachsende Konkurrenz zur klassischen Innenstadt, oder wie lässt sich stattdessen voneinander lernen?

Klar ist: Wir müssen die Stadt neu denken. Individualität wird deutlich wichtiger. Wir werden viel mehr eigenständige kleine Einheiten sehen, die sich wegen des sinkenden Mietpreisniveaus wieder einen Standort in der Innenstadt leisten können, weil sie eine Marktlücke oder eine Nische erkannt haben. Es gibt eine große Nachfrage nach diesen individualisierten Angeboten.

Ein solches Konzept trägt zur Attraktivität der Innenstadt bei. Wenn Händler und Verantwortliche das erkennen, dann sind die Verwerfungen durch Corona eine Riesenchance für viele Städte, die Pandemie wird sie stärken. Händler, die sich wirklich auf die Wünsche der Kunden einstellen, werden aus dieser Phase der Transformation gestärkt hervorgehen.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit in der Handelsarchitektur?

Nachhaltigkeit spielt in der Architektur eine große Rolle. Von PlanerInnen wird in Zukunft stärker als heute erwartet, Umweltauswirkungen und Stoffkreisläufe über den gesamten Lebenszyklus der Bauwerke zu optimieren. Sich dieser Verantwortung zu stellen, ist eine großartige Aufgabe. Nachhaltigkeit braucht aber auch soziale Kompetenz.

Bei all unseren Projekten setzen wir auf dauerhaftes und nachhaltiges Design: Die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen müssen vom Großen bis ins Kleine bedacht sowie zukünftige Bedürfnisse antizipiert werden. Denn Gebäude, die man liebt, haben ein längeres Leben. Mit jeder Architektur gestalten wir deshalb Räume, die Interaktionen begünstigen, die berühren, begeistern. Für die Menschen, die hier arbeiten und leben.

Mehr über die Transformation der Innenstädte berichtet Benjamin Blocher bei den EHI Retail Design Days 2022 am 13. und 14. September 2022 in Köln.

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