Schiesser-CEO: „Heritage is the new cool“ | stores+shops

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Neue Schiesser-Filiale im niederländischen Lelystad
Foto: Schiesser

Schiesser-CEO: „Heritage is the new cool“

Seit über 150 Jahren steht Schiesser für Wäschekultur. Mit Sonja Balodis als neue CEO und Kai-Oliver Klenk, Head of Visual Merchandising, richtet sich die Traditionsmarke neu aus – mit klarem Fokus auf Marke, Mensch und Erlebnis.

Frau Balodis, Sie kommen aus dem internationalen Fashion-Umfeld. Was hat Sie persönlich an Schiesser gereizt?

Balodis: Mich hat die besondere Mischung aus Tradition und Zukunftspotenzial überzeugt. Schiesser ist eine Marke mit enormer Strahlkraft, viel Know-how und einer klaren DNA. Dabei ist auch klar, dass wir nach unserem 150-jährigen Jubiläum 2025 mutig in neue Ansätze investieren wollen. Außerdem ist Schiesser Teil eines internationalen Konzerns, was spannende Perspektiven eröffnet.

Apropos 150 Jahre Markengeschichte: Was hat Schiesser stark gemacht und wo liegen heute die größten Herausforderungen?

Balodis: Schiesser war immer Pionier. Schon Jacques Schiesser hat mit der Einführung von Jersey-Unterwäsche vor über 120 Jahren einen echten Umbruch ausgelöst. Dieser Innovationsgeist zieht sich durch die gesamte Historie. Die Herausforderung heute ist, diesen Anspruch zeitgemäß zu übersetzen: fokussierter zu werden, klare Keythemen zu definieren und dennoch relevant für unterschiedliche Generationen zu bleiben.

Wie ist die Marke aktuell positioniert und welche Vision verfolgen Sie?

Balodis: Schiesser ist in den Köpfen vieler Menschen fest verankert und das auch generationenübergreifend. Unsere Kernzielgruppe 40+ wollen wir weiterhin begeistern, gleichzeitig öffnen wir die Marke stärker für jüngere Zielgruppen. Unter dem neuen Claim „Originals for Originals“ zeigen wir: Heritage ist kein Rückblick, sondern ein Zukunftsversprechen. Kulturell setze ich auf Empowerment der Teams, organisatorisch auf Agilität und im Sortiment auf Evolution statt radikaler Brüche.

Welche Rolle spielt dabei der stationäre Handel?

Balodis: Unsere Stores sind die Tür zum Endverbraucher – unsere Visitenkarte. Hier entscheiden sich Wahrnehmung, Vertrauen und Bindung. Deshalb investieren wir bewusst in Konzepte, die wandelbar sind und Impulse setzen.

Sonja Balodis

Sonja Balodis übernahm im März 2025 die Rolle der CEO der Schiesser Group. Sie kennt die Textilindustrie von Grund auf: von der Ausbildung zur Bekleidungsschneiderin über das Studium der Bekleidungstechnik bis hin zu internationalen Führungsrollen. Nach Stationen u. a. bei Apriori (Escada Group) und Gil Bret prägte sie Comma viele Jahre, zunächst als Managing Director, später als CEO. Es folgten Geschäftsführungs- und Vorstandspositionen bei Marc Cain sowie der S. Oliver Group. Ihre Erfahrung reicht dabei von Beschaffung und Produktentwicklung bis zum ganzheitlichen Management – vom Mittelstand bis zum internationalen Konzern, von Mainstream bis Premium.

Klenk: Stores müssen wirtschaftlich sein, aber vor allem erzählen sie unsere Geschichte. Mit den sogenannten Action Areas schaffen wir eine Art Empfangszone, die Kollektionen, Kommunikation und Inspiration verbindet. Diese sind modular, flexibel und nachhaltig.

Herr Klenk, wie übersetzen Sie Markenwerte in Raum, Material und Erlebnis?

Klenk: Wir denken ganzheitlich, von der ersten Skizze bis zur Fläche. Künftig wird es weicher, wärmer, emotionaler in den Stores: mehr Stoffe, rundere Formen, ein Mix aus Materialitäten. Das spiegelt unserer Ansicht nach wider, wofür unsere Produkte stehen: Komfort und Intimität. Gleichzeitig arbeiten wir mit digitalen Tools wie Screens oder Fitguides, um Inhalte flexibel und ressourcenschonend zu spielen.

Welche Bedeutung haben Nachhaltigkeit und Modularität für Schiesser?

Klenk: Eine sehr große. Digitale Screens sparen Ressourcen, modulare Elemente ermöglichen Updates statt Neubauten. Auch smarte Upgrades für bestehende Stores sind für uns ein nachhaltiger Ansatz.

Wie entwickelt sich das Filialnetz?

Balodis: Wir sind aktuell mit rund 110 Stores vertreten und wachsen gezielt – zuletzt auch international, etwa in Polen. Uns geht es weniger um fixe Flächengrößen als um Standortqualität. Wenn ein Standort überzeugt, denken wir flexibel: Manchmal konzentrieren wir uns zunächst auf eine Zielgruppe oder testen kleinere Einheiten. Diese Agilität ist im heutigen Handel essenziell.

Wie erreichen Sie neue Zielgruppen?

Balodis: Über starke Kampagnen, Events und authentische Geschichten. Influencer-Formate, wie zuletzt im Herbst am Bodensee, helfen uns, jüngere Zielgruppen anzusprechen und gleichzeitig unsere Werte erlebbar zu machen. Viele Menschen haben persönliche Berührungspunkte mit Schiesser, genau diese Geschichten wollen wir erzählen.

Was steckt hinter dem neuen Claim „Originals for Originals“?

Balodis: Schiesser ist das Original – und richtet sich an Menschen, die selbst Originale sind. Authentisch, eigenständig, mit Geschichte. Das kann jeder sein. Dieser Gedanke prägt unsere Kommunikation, unser Employer Branding und unsere Markenentwicklung.

Und welche Vision haben Sie für die Marke?

Balodis: Ich verstehe mich als positiver Treiber. Mein Ziel ist es, den Innovationsgeist wachzuhalten, frühzeitig Chancen zu erkennen und gemeinsam mit den Teams weiterzudenken: What’s next? Was ist gut für Schiesser? Wenn uns das gelingt, sind wir auch für die nächsten 150 Jahre gut aufgestellt.

Das Interview führte Katharina Sieweke.

Kai-Oliver Klenk

Kai-Oliver Klenk ist Head of Visual Merchandising bei Schiesser und verantwortet die konzeptionelle und strategische Weiterentwicklung der visuellen Markeninszenierung im stationären Handel. Sein Schwerpunkt liegt auf der Übersetzung der Markenidentität in funktionale, skalierbare Shopfitting-Konzepte für eigengeführte POS sowie Shop-in-Shop Formate. Nach der Ausbildung zum Gestalter für visuelles Marketing bei Parfümerie Douglas folgten Position bei H&M, Tom Tailor, S. Oliver Group, Breuninger sowie Comma mit zunehmendem Fokus auf überregionaler Steuerung von Retail-, Franchise- und Shop-in Shop-Konzepten.

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