Engelhorn: Erlebnis Gastronomie | stores+shops

Anzeige
{{{name}}}

Vorgeschlagene Beiträge

Anzeige

Gastronomie im Modehaus Engelhorn: Dachgarten mit farbenfrohem Design
Foto: engelhorn Gastro GmbH

Engelhorn: Erlebnis Gastronomie

Das Mannheimer Modehaus Engelhorn richtet seinen Fokus nicht nur auf die Waren, sondern auch auf diverse Gastronomiekonzepte. Dazu zählen neben dem Dachgarten und der Faces Lounge, das Ein-Sterne-Restaurant Le Corange und das mit zwei Sternen ausgezeichnete Opus V. Fabian Engelhorn, Geschäftsführer des traditionsreichen Familienunternehmens, über Erfolgsfaktoren und die Verzahnung von Retail und Gastronomie.

Herr Engelhorn, seit 2006 vereinen Sie am Standort im Mannheimer Quadrat O5 auf sieben Etagen den Modehandel mit gastronomischen Angeboten. Worin sehen Sie die zentrale Bedeutung der Handelsgastronomie für Ihr Unternehmen?

Da viele Kunden gezielt zu uns kommen, halten sie sich dementsprechend lang im Haus auf. Unser Ziel war es vor diesem Hintergrund schon damals, die Aufenthaltsqualität und Attraktivität bei Engelhorn zu verbessern. Mit unserem gastronomischen Angebot ergänzen wir die Innenstadt sowohl in den Mittagsstunden als auch über die Ladenöffnungszeiten hinaus. Gemeinsam mit unserem Zwei-Sterne-Koch Tristan Brandt, den mein Vater Richard und ich 2011 kennenlernten, konnten wir uns entfalten und entwickeln.

Haben Sie 2006 den Online-Handel bereits als Wettbewerber wahrgenommen?

Wir sind 2004 in den E-Commerce eingestiegen. Die erste Gastronomie kam 2006 hinzu, mit dem Wissen, dass die Innenstädte ein erlebnisreiches Gegenangebot bieten gegenüber der Bequemlichkeit auf der Couch. Als soziale Wesen schätzen Menschen den Austausch und Geselligkeit. Städte eignen sich als Treffpunkte. Der stationäre Handel muss an dieser Stelle auch durch die Politik und Verbände in seiner sozialen Rolle unterstützt werden. Der stationäre Handel wird nicht weichen, er wird lediglich seine Funktion und seinen Mix anpassen müssen.

Welche weiteren Erlebnisse bieten Sie in Ihrem Haus neben der Gastronomie?

Mit unserer Gastronomie sind wir erfolgreich. Darüber hinaus gestalten wir Erlebnisse gemeinsam mit unseren Kunden. Wir bieten ihnen wöchentlich sieben verschiedene Running-Events und vier verschiedene Rad-Ausflüge. Im Odenwald und in der Pfalz führen wir Orientierungsläufe durch und organisieren gemeinsame Reisen für unsere Mitarbeiter und Kunden zu sportlichen Veranstaltungen wie Marathons und Triathlons. Diese Maßnahmen dienen der Kundenbindung. Auf diese Weise schaffen wir es auch, dass sich die Mitarbeiter und Kunden auf Augenhöhe begegnen, wenn sie sich über unsere Produkte austauschen. Um unsere Kunden individuell beraten zu können, stellen wir ihnen im Haus eigene Ernährungsberater, Trainer, Orthopäden und Physiotherapeuten zur Seite.  

Inwiefern haben sich die Einführung der Gastronomie und der erste Michelin-Stern auf Ihre Kundenfrequenz ausgewirkt?

In der Mischung unserer sieben verschiedenen Gastronomie-Einheiten spüren wir einen Frequenzanstieg. Zum Mittagsgeschäft verkaufen wir in unserer Bistronomie Speisen in hoher dreistelliger Anzahl. Von dieser zusätzlichen Frequenz erhoffen wir uns auch Verkäufe im Retail. Die Zwei-Sterne-Gastronomie Opus V mit 60 Plätzen erzeugt zwar kaum merkliche Zusatzfrequenz, ist aber für unser Image, die Bekanntheit und den Ruf über unser Einzugsgebiet hinaus sehr förderlich.

Kann man die gastronomischen Einheiten erfolgreich als Profitcenter betreiben?

Mit einer Zwei-Sterne-Küche allein lässt sich kein Geld verdienen. Mit einer Ein-Stern-Küche ist es möglich, gastronomische Einheiten erfolgreich als Profitcenter zu betreiben. Das ergibt in der Gesamtheit unserer gastronomischen Outlets Sinn, da wir Backoffice und Einkauf zusammenlegen und so effizienter wirtschaften können.

Eine Zwei-Sterne-Gastronomie in ein Handelskonzept zu integrieren, ist sehr außergewöhnlich. Was macht sie so erfolgreich?

Mit Tristan Brandt haben wir einen sehr talentierten, kreativen Kopf mit viel Expertise an unserer Seite. Seine neuen Kreationen kocht er immer zunächst gemeinsam mit seinem Team, bevor er das Menü erstellt. Kreative Freiheit gepaart mit klar definierten Prozessen und einem eingespielten Team sind Herausforderung und Erfolgsfaktor zugleich. Eine besondere Herausforderung für unser Unternehmen ist es, verschiedene gastronomische Welten unter einem Dach zu vereinen.

Händler stehen immer vor der zentralen Frage, ob sie die Gastronomie in Eigenregie führen oder externen Pächtern oder Caterern anvertrauen wollen. Sie führen alles in Eigenregie. Warum?

Wir können es nicht anders. Wir haben schon immer alles selbst gemacht, hatten aber schon zu Beginn das Glück, mit einem sehr erfahrenen Koch aus Mannheim unsere ersten Schritte in der Gastronomie gehen zu können. Eine große Rolle spielen immer die Vor-Ort-Gegebenheiten. Empfehlen kann ich meinen Handelskollegen daher nur, sich im Falle einer Verpachtung ein stimmiges, vertragliches Mitspracherecht über das gastronomische Niveau einzuräumen. Für Kunden ist die Gastronomie oftmals die Eingangstür zum Händler. Ohne externe Beratung und Know-how in diese einzusteigen, halte ich für schwierig.

Wie lange dauert es am Anfang, Prozesse zu optimieren?

Maximal zwei Jahre, oftmals geht es auch schneller. Die Gastronomie stellt man sich oft leichter vor als sie ist. Zunächst sollte man sich daher Hintergrundwissen und Erfahrung aneignen.

Wie verknüpft Engelhorn Retail mit Gastronomie? Finden beispielsweise gesonderte Marketingaktionen statt oder erhalten die Kunden beim Kauf hochpreisiger Textilien einen Gutschein?

In der Aufbauorganisation sind Retail und Gastronomie miteinander verknüpft. Von mir ausgehend stimmen sich die einzelnen Abteilungen wie Marketing oder Events untereinander ab. Haben wir beispielsweise das Thema „Nordics“ als neue Herbst-/Winterkollektion definiert, steht dies bereits ein Dreivierteljahr zuvor fest, und wird ganzheitlich vom Einkauf bis hin zur Gastronomie mit schwedischen oder finnischen Gerichten abgestimmt. Auch den Umgang mit Incentives für Stammkunden haben wir festgelegt. Wie damit verfahren wird, überlassen wir letztendlich unseren Mitarbeitern auf der Fläche.

Welche allgemeinen Trends sehen Sie in der Handelsgastronomie?

In den Innenstädten wird sich die Gastronomie als Chance immer mehr etablieren. Sie muss jedoch auf regionale Begebenheiten angepasst werden. In der gehobenen Küche zeigen sich aktuell verstärkt Asien, speziell Japan richtungsweisend. Die Menschen wollen sich immer gesünder ernähren und fordern dementsprechend gemischte Zutaten ein. Ich setze für unsere Häuser nicht auf einen spezifischen Trend wie vegetarisch oder vegan, sondern präferiere eine Mischung der Zutaten, die auf die Bedürfnisse der Gäste abgestimmt ist. Unsere Speisen müssen hervorragend schmecken und idealerweise nicht simpel zu kopieren sein.

Das Interview führten Olaf Hohmann und Moritz Kolb.